findevogels fundstücke

Über Lesen und Schreiben und die Inspiration

Vom geschriebenen Wort — geschrieben von findevogel am 31 Mai, 2007 @ 23:50

Wenn ich einen Text lese, konzentriere ich mich auf den Text. Eine Assoziation zum Autor kommt mir da erst einmal nicht in den Sinn. Das geschieht erst dann, wenn ich viele Texte einer einzigen Person gelesen habe oder wenn ich die Gedanken eines mir persönlich bekannten Menschen in seinen Texten wiedererkenne. Dann sind oft wiederkehrende Themen, Satzstellungen; bestimmte Gedankensysteme und ein individuelles Wörterschatz zu erkennen, auch Schlüsselmotive. Eben der ganz eigene Stil.
Selbst wenn ich komplexe Gedankennetze und ihre Verknüpfungen erkennen kann, sagt mir das ja nur, dass der Autor sich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Ich weiß ja nicht, aus welcher Motivation heraus er das tat, was ihn in seinem persönlichen Leben bewegt. Und wie viel Raum das Thema in seinem Leben einnimmt, kann ich nur vermuten und als Hypothese verstärken, wenn dieser spezielle Themenkreis beispielsweise abgewandelt immer wieder auftaucht, dann könnte ich daraus schließen, dass es sich um ein Lebensthema handelt.

Folgendes darf man beim Lesen nicht vergessen; nicht alles, was ein Schriftsteller schreibt, lebt er auch: ich kann mich z.B. in eine Kindsmörderin hinein denken, ohne selbst ein Kind ermordet zu haben.
Das ist ja das Interessante - für mich - beim Schreiben: ich kann so stark in eine mir wenig vertraute Rolle hinein krabbeln, dass sie zum Leben erwacht und neben Muskeln und Fleisch auch eine in sich geschlossene authentische Persönlichkeit erhält (natürlich nur, wenn ich übe und mich ausdifferenziere).

Viel wichtiger, als das Wissen, die Erkenntnis und das Anwenden des Gelernten ist für mich das, was hinter den Dingen steht, das es Ergänzende. Ich möchte Vernetzungen, Verstrebungen, Verknüpfungen verstehen. Es gibt viele Wege, über die man zu Erkenntnissen kommen kann. Und was sind Erkenntnisse? Sind es nicht immer nur individuelle Wahrheiten oder für Wahrheiten gehaltene Scheinwirklichkeiten?

Im Dialog mit Dingen - auch den unsichtbaren - und Menschen finde ich Assoziation, Bereicherung und Inspiration.


frühsommer 2

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 31 Mai, 2007 @ 15:13

wenn sanfte rosengesichter
mit zartem duft betören
und in lächelnden augen
tausend sterne winken
vergesse ich hakelnde dornenspitzen
und versinke im seidenmatt

in südlichen lavendelfeldern
blüht der sommer mit kühlem Duft
es zierpen zikadenchöre
in blau gespiegelte junihimmel
und keine wolke droht heute
mit voreiligem guss


sprach ich...

Poesie — geschrieben von findevogel am 29 Mai, 2007 @ 22:16


sprach ich vom Morgen heute?



was gestern war

verschluckte die Zeit
hinter einem gewendeten Tag
warten neue Seiten
der feingezeichnete Code
verschlüsselt noch

ich spüre Fülle in der Leere
Geheimnis, ein Duft
Farbe, die unter den Nägeln brennt
und ein Beben zwischen Freude und Angst
das seltsame Kribbeln im Bauch
muss ich erst noch entziffern


Yukio Mishima

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 29 Mai, 2007 @ 00:06


"Es gibt die Engel der sechs Welten des Verlangens und die fühlenden Wesen der verschiedenen Welten der Form. Die ersten sind die besser bekannten. Da die Engel in Hondas Traum sich miteinander amüsierten, die männlichen mit den weiblichen, schienen sie den Welten des Verlangens zu entstammen. Sie trugen Lichter von sieben Farben, Feuer, Gold, Blau, Rot, Weiß, Gelb und Schwarz. Es ist als wogten riesige Kolibris mit Regenbogengefieder ein und aus.

Ihr Haar ist blau, die Zähne blitzen weiß, wenn sie lächeln. Die Körper sind schiere Weichheit und Reinheit. Ihre Augen blinzeln nicht.

Die männlichen und weiblichen Engel der Welten des Verlangens umschlingen einander beständig; die Engel aber der dritten Welt halten sich nur bei den Händen, die der vierten tauschen Gedanken, die der fünften wechseln Blicke, die der sechsten und höchsten wechseln Worte."



Grün, wie ich es mag!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 28 Mai, 2007 @ 23:05
organisch, grün, vital

organische Blätter

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Es war Zeit

Lyrische Gedanken und goldene Äpfel — geschrieben von findevogel am 27 Mai, 2007 @ 21:47


Der Engel stand plötzlich vor mir, reichte mir die Hand.
Wo war er so lange geblieben? Ich schaute ihn an - fragte: " Warum nur haben mich alle guten Geister verlassen? Bin ich es nicht mal wert, von ihnen beachtet zu werden?"
"Warum zweifelst du", sprach der Engel, " es scheint nur so. In Wirklichkeit sind sie da - deine lichtvollen Boten - drehe dich herum: schau, da sind ihre Spuren in deinem Schatten."
Ich drehte mich um. Mein Engel legte seine durchscheinenden Hände auf meine Schultern. Ich spürte, wie seine Energie sich als warme fließende Kraft meinem Körper mitteilte.
Ein Knoten löste sich- ich wurde ganz ruhig - und ich sah die geistvollen Spuren


gerade wieder entdeckt!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 26 Mai, 2007 @ 17:13
"As Sombras Da Alma. Die Schatten der Seele.

Die Geschichten, die die anderen über einen erzählen, und die Geschichten, die man über sich selbst erzählt: welche kommen der Wahrheit näher? Ist es so klar, dass es die eigenen sind? Ist einer für sich selbst eine Autorität? Doch das ist nicht wirklich die Frage, die mich beschäftigt. Die eigentliche Frage ist: Gibt es bei solchen Geschichten überhaupt einen Unterschied zwischen wahr und falsch? Bei Geschichten über das Äußere schon. Aber wenn wir uns aufmachen, jemanden im Inneren zu verstehen? Ist das eine Reise, die irgendwann an ihr Ende kommt? Ist die Seele ein Ort von Tatsachen? Oder sind die vermeintlichen Tatsachen nur die trügerischen Schatten unserer Geschichten?"

"Nachtzug nach Lissabon" - Pascal Mercier


verschlossen

Poesie — geschrieben von findevogel am 25 Mai, 2007 @ 14:07

wohin du nun gehst

in jenen raum dahinter
kann ich nicht folgen

so schau ich gegen Wände
versuche zu begreifen


Mitternachtsspitzen 2

Mitternachtsspitzen — geschrieben von findevogel am 24 Mai, 2007 @ 22:59


Wenn mein Dein nicht dein Ich ist, bleibt dann mein Ich, dein Du?
Wenn Du nicht Ich heißt und Ich nicht Du: wo liegt die Grenze zwischen uns?
Liegt nicht im Dazwischen - in den sich überschneidenden Grenzen - die Fülle, Alles - ungetrennt


frühsommer - tanka 1

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 24 Mai, 2007 @ 14:16

lichtes Grün


die welt atmet grün
zwischen rose und lindenblüten
lila lavendel

eine weile im duft schwelgen:
den sommer herbei dichten


es war der wind...4

Imaginäre Briefe — geschrieben von findevogel am 23 Mai, 2007 @ 22:40


Guten Abend Herr? Flores,

es berührt mich seltsam, dass du mich siezt und gleichzeitig bittest, dich weiter zu duzen. Bedeutet es vielleicht, dass du dir mit dem Sie eine notwendige Distanz schaffst, gleichzeitig aber glaubst, dass für mich Nähe kein Problem darstellt? Oder betrachten Sie mich wie einen ungewöhnlichen Kunstgegenstand, den man nicht berühren darf, weil er zerbrechen könnte? Sie sehen, diese Frage setzt mir zu und beschäftigt mich.
Das war mein Eingangsstatement, jetzt aber zum Wesentlichen, zur Seele deines Briefes.
Ich lächle und sehe dabei kleine weiße Segelboote auf einer Wasserfontäne tanzen. Wieso nur verbinde ich dich immer mit der Farbe "Weiß"? Wie ein leeres Blatt Papier oder ein weißer Raum, den man in Gedanken füllen kann, womit man will, ohne dass es für Außenstehende sichtbar wird.
Interessante Vorstellung: ein weißer leerer Raum und dazu ein Nachtbuch mit sieben Siegeln, indem festgehalten ist, was am Tag den Raum ausschmückt.
Fragt sich nur, wer Zugang zum Schlüssel erhält. Noch besser: ein leerer Raum und ein leeres Buch; Besucher mit leeren Gesichtern, die hineinschreiben oder hineinmalen, wie sie den Raum zu gestalten wünschen - Imaginationen - oder Musik, erdacht, um im Raum auf ganz eigene Weise zu klingen. Ich bin sicher, wer sich auf ein solches Experiment einlässt, geht mit bewegten Gesicht.
Ach, ich bin schon wieder abgeschweift: Seele, Weiß, Du!

Ich verstehe, wovon du sprichst, wenn du den verborgenen und nur zu bestimmten Zeiten geöffneten Zugang zu den inneren Gärten erwähnst. Ich kenne das Geheimnis, und freue mich, dass Sie die Tür zu einem meiner Rosengärten blind gefunden haben. Märchenhaft!

Endlich nach hundert Jahren gelang es einem jungen und mutigen Prinzen die Dornenhecke zu durchdringen, um das schlafende Dornröschen zu wecken, aber weder sein Alter und Geschlecht, noch der Mut und auch nicht das scharfe Schwert waren der Schlüssel, um hindurch zu gelangen
Nein, einzig - die Zeit war reif. Jeder beherzte Mensch wäre zu diesem Zeitpunkt ohne Kraftaufwand hindurch gegangen.

Was wir sehen und was wir nicht sehen, alles ist da zur gleichen Zeit, und manchmal führt eine weiße Taube, die Krumen pickt uns auf den im Augenblick richtigen Weg. Was überhaupt ist Zeit, wenn doch alles zugleich da ist?

Übrigens, sie haben wunderbare Rosenfotos für mich festgehalten. Nachdenklich, Ihre Bela von Rosenhaag


verstummt!

Poesie — geschrieben von findevogel am 23 Mai, 2007 @ 19:57


ich hätte dir noch soviel zu sagen:


dein Winter legt Frost auf meine Zunge
zwischen vorwitzigen Lippen
blau
verstummen Amsellieder
verschluckte Liebesworte
fallen tief
erfrieren unter einer Decke aus Eis


Findest du mich noch?

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 22 Mai, 2007 @ 23:10


Findest du mich noch?


Erinnerung blitzt dir überraschend im fremden Gesicht
unvorbereitet
du hältst den Atem an - stockst
eine Stimme lässt vertraute Saiten klingen
versetzt in Schwingung
als wärest du Geige und das Timbre aus einem Bogen
von Meisterhand geführt und plötzlich...
erinnerst du Haut während Hände
langsam, ganz langsam über grüne Seide streichen
findest du im Lächeln des Kindes
den leicht vergilbten Charme vertrauter Bilder

Denkst du an die Unschuld liebender Herzen
wenn im Frühling Apfelblüten wie Wolken über dir schweben?
an vergessene Küsse hinter Sommerhecken
und die erhitzte Umarmung ineinanderstrebender Körper
wenn deine Lippen schwarze Herzkirschen kosten
unvergleichlich
saftig, frisch und süß - ein lockendes Versprechen

Ein Stück meiner herbstlichen Seele trifft dich ins Mark
wenn in jenen stillen Gärten und Gräberfeldern jenseits der Stadt
der trauernde Blick des Alabasterengels deinem Blick standhält
zeitlos eingefangener Augenblick des zu Stein erstarrten Senkens der Flügel,
weiß wie frischgefallener Schnee und frostig wie ein sonniger Wintermorgen

Es ist lange her
neues Grün ziert nun Strauch und Hecke


Zwischen Sekunden ein stiller Moment 37

Zwischen Sekunden ein stiller Moment — geschrieben von findevogel am 22 Mai, 2007 @ 16:51
Stello Negro

Vor einer Weile saß ich im Garten unter meinen Rosenbüschen. Es war warm und ein flippiger Wind streifte durch das Gras und über die Haut. Ich war müde und ganz leise - lauschte den nachmittäglichen Geräuschen um mich herum. Zwischendurch fielen mir die Augen zu. Als ich sie wieder öffnete war ganz nah neben mir ein Amselmännchen - Stello Negro - es wippte flink hin und her und sammelte Nistmaterial. Nach und nach füllte sich der goldgelbe Schnabel mit kurzen Halmen, Gras und kleinen Blattstücken. Der Kopf ging aufgeregt hin und her. Das Vögelchen war so nah, dass ich jede Feder des schiefergrauen Gefieders sehen konnte - auch den orange-gelben Innenring um die dunklen Perlaugen.
Als ich mich kurz ruckartig streckte, flog es aufgescheucht davon. Eine Weile später hörte ich Stello singen und zwitschern. Er sang ein fröhliches Lied für dich und mich und erzählte von der Sonne, dem Wind und dem Nest, in dem bald schon Eier liegen werden – die Hoffnung auf neues Leben.
"Stello Negro", fragte ich, "bist du es, der zwischen Winter und Frühling so wunderschön singt am Morgen? Bist du es, der auf dem Hausgiebel sitzt und den Frühling verspricht?"

Leider konnte ich die Antwort nicht mehr verstehen, denn bei mir drinnen klingelte das Telefon. Und jetzt ist Gewitter und keine Amsel mehr zu hören, aber es duftet nach nassem Gras, Rosenblüten und Kräutern.


Oh, jetzt gerade höre ich ihn wieder singen, den Stello Negro, obwohl die Regentropfen ziemlich heftig an mein Fenster klopfen und mein Jüngster gerade pitschnass vor der Haustier steht, weil er beim Edeka kurz etwas einkaufen musste.


Morgengedanken

kurz notiert! — geschrieben von findevogel am 22 Mai, 2007 @ 13:16
Marianne, die Nachtigall - meine Muse - hat mich heute Morgen mit einem Gedicht daran erinnert, wie zauberhaft die Poesie des Augenblicks sein kann.
Ein paar lose Gedanken dazu möchte ich hier lassen:
ich denke gerade an den Sonnenstrahl, der sich nach einem grauen Morgen Bahn bricht und plötzlich durch ein Fenster auf Dielen fällt und einen Streifen vom Boden warm aufleuchten lässt. Wenn man genau hinschaut, tanzen in diesem Strahl unzählige Staubkörner einen stillen Sternentanz. Meine Seele beginnt zu lächeln.
In der Erinnerung bleibt dieser Momente erhalten, reiht sich als perlmuttfarbene Perle in die endlose Kette gelebter Augenblicke ein. Nichts geht verloren. Jeder von uns trägt eine Schatztruhe poetischer Augenblicke in sich. Es lohnt sich, immer mal wieder den Deckel zu heben. Ist das nicht genial?
Auch wenn im Augenblick des Schreibens schon Vergangenheit ist, was ich gerade erlebte.


Es grünt....

Fundstücke, Poesie — geschrieben von findevogel am 21 Mai, 2007 @ 14:26
Umwuchert

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am Morgen kurz notiert!

kurz notiert!, Poesie — geschrieben von findevogel am 21 Mai, 2007 @ 09:14

manchmal

verschleiern dichte Nebel die Sicht
bevor Licht sich Bahn bricht
und mit der Klarheit blauer Himmel an frostigen Wintertagen
Strukturen sichtbar macht und Erkenntnisse reifen lässt

wer in Allem das Eine sucht und in dem Einen Alles

begeht zwei Pfade, die sich nicht zu kreuzen scheinen
und doch liegt im äußerlich Unsichtbaren
Wahrheit, die zu übersehen einseitig wäre:
polare Wege halten im Gleichgewicht, was auseinanderzustreben droht


Seegedanken!

Poesie — geschrieben von findevogel am 20 Mai, 2007 @ 11:07


wie blau der see doch scheint,
und grün der blätter wunsch
nur nah zu sein dem klaren nass.
sie recken, strecken ducken sich
und wachsen nah am uferrand,
es scheint, als lauschten sie
der wind-und wassermelodie
und stimmten mit den fischen ein
in den gesang der welt.

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zwischen Sekunden ein stiller Moment 35

Zwischen Sekunden ein stiller Moment — geschrieben von findevogel am 19 Mai, 2007 @ 22:38


Gestern nach dem großen Regen begrüßte ich meine gelben Rosen und verschwand für eine Weile zwischen ihrem Grün. Die Ranken hakelten sich mit winzigfeinen Dornen fest an Kleidung und Haut. Ich hielt mitten in der Bewegung an, atmete tief durch und begann ganz langsam im Schneckentempo, mich wieder zu entwinden. Für einen kurzen Moment schwelgte ich in der Idee, alle Blüten zu pflücken - eine nach der anderen - sie in Vasen zu stellen, und überall im Haus zu verteilen. Aber dann scheuchte ich den Gedanken wieder weg, denn abgeschnitten im Wasser hält die Pracht sich nicht lang. So griff ich, um etwas Sinnvolles zu tun, zur Heckenschere und entfernte vorsichtig Verblühtes und Hagebutten. Eben sagte ich dem Busch beim Nachhausekommen guten Tag, schenkte ihm einen begeisterten Blick, erfreute mich am gelackten Blütenmeer, und berauschte mich mit geschlossenen Augen am zarten Teerosenduft.


wenn der Sand am Strand....

Poesie — geschrieben von findevogel am 19 Mai, 2007 @ 18:22


Was ist Lust, fragt das Sandkorn den Strand

Lust, flüstert der Strand, ist
wenn bei Ebbe die Möwen Spuren hinterlassen
und bei Flut die Wellen mich erfrischen
Lust, dröhnen die Wellen, ist
wenn der Wind das Wasser kräuselt
und der Sturm uns Schaumkronen malt
Lust, wispert der Wind, ist
wenn meine Brise wie ein Vogel
mit dem Licht segelt
Lust, sagt das Licht, ist
wenn ich zwischen Wogen funkle
und den Strand erwärme

ah, ich verstehe, antwortet das Sandkorn
Lust ist, wenn ein Kind mit nackten Füßen durch den Sand läuft
und es lacht, weil ich seine Zehen kitzele,
der Wind durch sein Haar streicht
und plötzlich eine neckische Welle
bis zu seinen Knien hochspringt


Imaginäre Briefe 21

Imaginäre Briefe — geschrieben von findevogel am 18 Mai, 2007 @ 23:47
Hallo lieber Traumtänzer,

du bist mir abhanden gekommen, scheinst weit weg zu sein. Ich würde dich so gern erreichen. Hast du dich vielleicht für eine Weile ins Schneckenhaus verzogen? Quäl dich nicht zu sehr. Lass das Dunkle dich nicht überwältigen. Schau, ich schicke dir Licht und warme Energie. Bald ist Sommer und die Schwarzkirschen reifen.
Zwei Wochen habe ich nun meine Reise unterbrochen, Zeit zum Innehalten und Bleiben. Es war ein bisschen schwierig, aber meine kleine Schwester nahm mich auf. Ich berichte ein anderes Mal davon. Alles ist noch so frisch, muss erst sacken. Aber seit heute Morgen bin ich wieder unterwegs, muss mich halt dem Wetter fügen. Ich fließe, bin ein Fluss, der Ozean ist mein Ziel und die Insel, auf der du lebst. Morgen werde ich in Bremen tanzen, und "Die Bremer Stadtmusikanten" schauen zu - smile!

Aurora, die dem Wind in den Blättern lauscht


was angelt und hangelt denn da?

wenn ich wieder klein bin — geschrieben von findevogel am 17 Mai, 2007 @ 23:28
Fussangeln
die hangeln
von wem nur ausgeheckt

und versteckt
heimlich auf besondere Weise
ganz leise
es flüstert auf Blättern im Raum
ein Traum
und im Baumhaus lauscht mein Kind
dem Wind
spürst du das warme Licht
im Gesicht?
ich hangel hinunter

putzmunter
komm mit sagt der Schelm
mit Helm
und reicht mir die Hand
im Sand


Im Grün versteckt!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 17 Mai, 2007 @ 19:46

blütenherz im gras

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inspiriert!

Poesie — geschrieben von findevogel am 16 Mai, 2007 @ 18:34

wie so oft marianne

Ich, die Möwe

und für diesen Moment
bin ich die Möwe
strahlend weiß voll Schönheit und Kraft
Ich erhebe meine Schwingen
gleite auf dem Wasser und spanne die Flügel
der Wind darunter fühlt sich gut an
er trägt mich zum Licht
hoch und immer höher

Ich sehe dich am Ufer stehen
- schaumgeborene Wellen benetzen deine Füße -
kleiner werden
zierlich, eine Silhouette
zart, ein Punkt noch
und fliege hinter den Horizont
Meinen triumphierenden Jubelruf hörst du nicht mehr
eine Weile wartest du am Strand
oder du gehst
und mein Bild - die Imagination
sie bleibt
wenn ich längst nicht mehr sichtbar bin


Sonnenhut

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 15 Mai, 2007 @ 20:33
sonnenhut


vermisst!

Poesie — geschrieben von findevogel am 15 Mai, 2007 @ 14:25



kein Tag
an dem ich nicht an dich denke
mich frage
wo du bist
wie es dir geht
was dich berührt

kein Tag
ohne Bedauern
dass unberührbar bleibt
was verbunden
zu mir gehört

du bist längst auf der anderen Seite
jenseits des Mondes
und Abschied
überfällig


drei Möwenblau-Haikus

Poesie — geschrieben von findevogel am 14 Mai, 2007 @ 21:24


ins Blau
geflogen
malen schwirrende Möwen
getuschte Zeichen

fliegende Möwen
malen getuschte Zeichen
ins flirrende Blau

getuschte Zeichen
malen schwirrende Möwen
ins flirrende Blau


Aufgelesen!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 14 Mai, 2007 @ 08:50

"Als er gefragt wurde, was es heiße, ein Liebender zu sein, gab er zur Antwort: Was immer du im Kopf hast, vergiss es. Was immer du in der Hand hältst, gib es her. Was immer dein Schicksal zu sein hat, stelle dich ihm."

Abu Said Abul Khair


Ja das Z im Zeichen der Zeit!

Buchstabensalat — geschrieben von findevogel am 13 Mai, 2007 @ 17:58
vom zärtlichen Zirpen zaghafter Zweifler

wenn
zwischen Zwillingstürmen
Zikaden Zwischentöne zwitschern
zuckt zaudernd Zinnober zu Zimtbraun
zerstückelte Zimbelklänge
zirkulieren zusehends zweifelhaft

dann
zersetzen zauberrzeilen
zukunftsmusik
zündeln zynische Zoten
zartfühlende Zärtlichkeit


Manchmal....

kurz notiert! — geschrieben von findevogel am 13 Mai, 2007 @ 11:25


Manchmal verlangt Liebe ein Loslassen vor der Zeit, obwohl die Bindung noch eng und notwendig erscheint. Eine äußere Trennung bedeutet jedoch nicht, dass zwangsläufig auch die innere Brücke zerbricht.

Auch ein Vogel, der nicht flügge werden will, muss manchmal aus dem Nest geschubst werden, um Fliegen zu lernen.


Novemberkind 2

Poesie — geschrieben von findevogel am 12 Mai, 2007 @ 22:45
Kind komm
schmiege dich
ich spüre - fühle
du magst
will nicht drängen
groß schon darf doch
gewachsen in so kurzer Zeit
hab keine Scheu
Schatten huscht unvertraut
nur im ersten Moment
des Wiedersehens

wenn du nah bist mir
wird er zu Licht
zerplatzt
gleich einer Seifenblase
denn ich bau eine helle Brücke
ich sehe dich
deinen Ernst, deine Freude
und staune
bin stolz auf dich
Kind

den Unbillen getrotzt
zeigst du Mut
bist beherzt und unverzagt
dein Ziel ist so klar
wie dein Blick
und dein Lächeln offen

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Zwiesprache

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 11 Mai, 2007 @ 12:40

Ostern 2007 - Angie und ihr Apfelbaum in der Kraftoase


zwiesprache mit einem baum

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Zwischen Sekunden ein stiller Moment 36

Zwischen Sekunden ein stiller Moment — geschrieben von findevogel am 10 Mai, 2007 @ 17:24

Es gibt Gedanken, die sind wie eine Hängematte:

ich lege mich hinein, mach es mir bequem und lasse die Seele baumeln. Das Lied des Windes flüstert in den Zweigen. Der Gedanke verwandelt sich zum trägen breiten Strom, auf dem kleine Boote mit weißen Segeln Gedankenkinder transportieren - immer Meer und Wellen entgegen; dem Sand am Strand; den Steinen, Dünen und den fliehenden Wolken am Himmel. So blau, dass es leuchtet.
Das Leuchten breitet sich aus, bis ich selbst in die Stille eintauche, darin bade und strahle.


längst vorbei

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 9 Mai, 2007 @ 22:58
längst vorbei

die zeit der rosen.
nur dornen blieben
neben hagebutten
und erinnerung
an lichtes grün
und zarten duft

ich werde beginnen
die früchte zu lieben
und ernten


es war der wind...3

Imaginäre Briefe — geschrieben von findevogel am 8 Mai, 2007 @ 22:08
Guten Abend Flores,

ich kann nicht anders: es reizt mich, dir noch heute zu antworten. Du schreibst, Gefühlsüberschwang berührt dich - seltsam, das sagen mir Menschen oft - und ich merke, diese freie und spontane Art, den Gefühlen Ausdruck zu verleien wird gerade von Menschen geschätzt, die sich scheuen, ihre Gefühle nach außen zu tragen. Oft lassen sie sich dann mitreißen und begeistern.
Weißt du, ich kann auch versuchen, die Worte zu verschlucken, aber dann verrät mich Mimik und Gestik. Ich bin unfähig zu lügen. Glaube mir, es ist nicht immer angenehm und von Vorteil, wie ein offenes Buch herumzulaufen, in dem jeder lesen kann. Und ein gewisser Hang zur Dramatik liegt durchaus in meinem Wesen. Oh ja, ich kann mich in Gefühle hineinsteigern. Eine Bühne für mich ganz allein würde mir gefallen - der rote Teppich dürfte nicht fehlen. Manchmal stelle ich mir vor, ich sei ein Königin und alle meine Rosen Prinzen und Prinzessinnen von hohem Geblüt. Der Heckenstaat bestehe aus Akrobaten, Narren, Clowns und Märchenerzählern und das Orchester, das zum Tanz aufspielt, trage bunte Gewänder mit Glöckchen und Schnabelschuhe. Ach ja, der Klatschmohn tanzt wie Aurora einbeinig auf dem Seil. Man hat mir als Kind wohl zu oft gesagt, in meinen Adern fließe blaues Blut. Du siehst, mit mir geht die Fantasie schnell durch.

Möglicherweise sitzen du jetzt auf einer südlichen Dachterrasse und schaust den Schwalben zu - am Horizont versinkt die Sonne im Meer. Fast höre ich die Trauben gurren. Es ist warm und eine sanfte Brise umschmeichelt dich verwegen und ein bisschen frech.

Erzählst du mir, was genau das "DU" in dir anspricht im Gegensatz zum "Sie"?

Es grüßt dich eine lächelnde Bela von Rosenhaag


Rote Tagträume 48

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 8 Mai, 2007 @ 11:39
Leander!

wie kann es sein, dass Winde eine solche Macht haben? Wie konnten sie dich wegtreiben von deinem eingeschlagenen Weg? Auf der grünen Insel lagen die Schatten. Im Traum sah ich Marie in einer roten Höhle auf einer grünen Insel. Vielleicht hättest du die Schatten ergründen sollen, statt vor ihnen zu fliehen. Wenn nun Marie genau dort war, ganz in deiner Nähe - hast du ihr banges Herz nicht vernommen?
Aber vielleicht war das Zeitfenster verschoben, und sie noch da oder du schon wieder auf neuen Wegen.
Seltsam, in meinem Herz öffnet sich ein neuer Raum. In diesem Raum sind du und sie verbunden. Eine große Sicherheit kleidet den Raum in Licht. Das Licht kommt vom Meer und fällt durch eine kleine Öffnung in eine ockerrote Höhle.
Sie muss in deiner Nähe sein. Suche und finde sie.

Die Zeit der Regenbäume und Tropfenpflanzen ist vorbei: Bitte, gehe zurück zu der grünen Zwillingsinsel und suche die Höhle. Nimm den Fischer mit - er ist ein Bote und wird dich führen, und dir zur Seite stehen.
Ich weiß es - frag mich nicht warum - ihr werdet zusammen glasklare Türkisbuchten sehen und es wird ein Schiff mit weißen Segel anlegen, um euch nach Hause zu bringen. Ich sah es wie eine Vision.

Claire


es war der Wind...2

Imaginäre Briefe — geschrieben von findevogel am 7 Mai, 2007 @ 17:01
Sehr verehrte(r) Flores,

ich danke für die überraschende Antwort und trete einen Schritt zurück: hat mich doch neulich - quasi - der Gefühlsüberschwang überrumpelt. Verzeihen Sie einer Dame mit romantischer Seele ihre Schwärmereien. Gut, dass meine Zeilen sie dennoch erfreut haben, und ihr Tag in meinen Gärten ihnen ein paar besondere Einsichten vermitteln durfte. Ja, im Augenblick ist alles im Aufbruch - es explodiert in Fülle und Pracht. Besitzen sie etwa einen besonderen Draht zum Universum? Gerade schrieben sie noch vom ausbleibenden Regen und der beginnenden Trockenheit, und schon benetzt einsetzender Regen Feld und Flur - ein Durchatmen zieht durch meine Stadt, und die Pflanzen in den himmlischen Gärten richten sich auf. Sicher verstehen sie, wenn ich Ihnen erzähle, wie froh ich über die Tatsache bin, dass meine Rosen gerade erst begonnen haben zu blühen. So konnte der Regen ihnen noch nicht alle ihre Blütenblätter rauben.
Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören. Und wenn Sie wieder einmal Lust haben, einen Garten zu sehen, besuchen Sie mich in meiner Rosenlaube. Ich lade Sie ein zu Tee und Gebäck. Vor Ort können wir dann weiter über diese so einzigartige Rose philosophieren. Wissen Sie - die Eine - die Besondere, die in deren glutroten Blüte ich von den Worten träumen möchte, die hinter dem Steinwall unsere Geschichte - die gerade erst beginnt - auf Purpur schreiben. Der Duft dieser Worte umweht mich bereits wie ein seidener Schal.

Herzlich - Bela von Rosenhaag


Rote Tagträume 47

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 6 Mai, 2007 @ 22:15
Leander, wo bist du? Hinter den Tränenschleiern sichte ich kein weißes Segel. Du warst doch schon so nah - fast hörte ich deine Stimme. Und in deinem Schatten sah ich Marie. Kein Lebenszeichen! Der Frühling mit seinen Sommertemperaturen und dem unheimlich blauem Himmel will nicht wurzeln in mir. Er fühlt sich so unecht an. Der Boden ist viel zu trocken und nicht vorbereitet.
Ach wäre ich doch wie Dornröschen von der Spindel gestochen im traumlosen Schlaf versunken: es quälte kein Schmerz und Hunger nach dem Vertrauten, das nicht mehr ist - nagte an meinen Knochen nicht mehr.
Kann nicht, was vor Wochen geschah, sich wiederholen im Hier und Jetzt? Du weißt, dieses Zeitfenster, das sich öffnete, und uns wie Ertrinkende auf Eisschollen im arktischen Meer zueinander führte, damit wir einander wärmen und Hoffnung geben.
Zwischen mich und die Welt hat sich eine dicke Glaswand geschoben. Sie trennt, macht alles stumm und lässt alles unfassbar - unbegreifbar zurück.
In der Vase vor meinem Fenster verdorrt ein grüner Zweig und jenseits des Spiegels verlieren weiße Tauben graue Federn.

Sag mir Freund, was geschieht, wenn die Hoffnung stirbt?

traurig heute, Claire


Magisches Blau 24

Magisches Blau — geschrieben von findevogel am 4 Mai, 2007 @ 21:49
magisches blau



es war der Wind...

Imaginäre Briefe — geschrieben von findevogel am 4 Mai, 2007 @ 13:47
Flores, ich kenne dich nicht. Oder doch?

Aber dein Name - der Wind trug ihn mir zu - lässt Ozeane aus Blüten wachsen und vor meinem inneren Auge Gärten entstehen mit Laubengängen und Labyrinthen - Hecken, dichtverflochten, fühlingsgrün und hoch - ich greife zur Lupe, sehe die eine Rosenblüte, winzigklein noch, gerade geschlüpft - im Pflanzenmeer!
Im Zeitraffer wächst sie, öffnet ihre Knospe dem Licht und entschleiert die gefalteten Schichten ihrer glutroten Pracht - so durchscheinend und zart im Gegenlicht - zeigt sie ihr Herz und füllt den Raum mit Duft.

Meine Nase kann sich nicht satt riechen. Die Augen geschlossen, ahne ich das Seidensamt der Blüte auf den Lippen.
Und dein Name schmilzt auf meiner Zunge, breitet sich im Gaumen aus, wird Essenz - ich koste, schmecke, schlucke.

Dein Name gleicht der Rosenblüte und.....du musst wie sie sein.
Draußen verblüht schon die Pracht, lässt reife Hagebutten zurück - getrocknete Substanz, blutrot - nur die Dornen bleiben.
Ob sie das Beständige sind an dir, während alles unentwegt der Wandlung unterliegt?
Dann will ich achtsam sein und die Dornen vorsichtig umschiffen. Ich will weiße Segel setzen und im ersten Morgenlicht starten, der Wind nimmt mich mit, und die Möwen singen dir meinen Namen.

Die Dornen sind nadelspitze Felsen im ruhigen grünen Wasser und jenseits glitzernder Fjorde. Mein innerer Navigator wird sie nicht unterschätzen und ihnen Achtung erweisen.

Das Herz deiner Blüte ist Ziel und Hafen mir. Hülle mich ein in rosenrote Blätter - schließe sie über mir, denn ich will träumen von den Worten, die Netze spinnen zwischen dir und mir und die unsere stumme Geschichte jenseits der Steine auf Purpur schreiben.


Bela von Rosenhaag


imaginäre briefe 20

Imaginäre Briefe — geschrieben von findevogel am 3 Mai, 2007 @ 21:58
Lieber Leuchtturmwärter,

ich schwebe über das Seil durch den Frühling - alles ist so ungewöhnlich, fast surrealistisch. Manchmal zeichnen sich Male in die Gesichter der Zuschauer, ihre Münder sind weit aufgerissen und verzerrt, und in den Augen lodert Angst. Sie werden fahrig und halten den Atem an. Unter die Wangenknochen malen sich dunkle Schatten. Die Haut scheint in ein sonderbares Licht getaucht. Sie wissen nicht, dass es für mich auf dem Seil sicherer ist, als zu ebener Erde. So bin ich in ihren Augen wohl weder Mensch noch Vogel. Keine blaue Feder findet das Kind. Aber es lacht und wirft mir eine Kusshand zu. Ich verneige mich vor ihm, und es beschenkt mich mit leuchtenden Augen. Ich schlage ein wenig mit den Flügeln, gewinne Wind, und fliege mit den Gedanken, wohin ich will. Gestern war wieder Flut: wohin mit den traurigen Gefühlen, wenn der so vielversprechende Tag mit Tränenfluten beginnt? Einmal mehr stelle ich fest, dass ich nicht überall hinfliegen sollte. Es gibt Erinnerungen und Themen, die einem den Abgrund nah bringen - gefährlich!
Manchmal aber gehe ich mit Absicht in den Schmerz hinein, wie in einen dunklen Tunnel, und weiß genau, am Ende wartet Licht.

Die Menschen können einander nicht retten, aber sie können sich die Hände reichen, einander liebevoll begegnen und Trost spenden, ja sich sogar eine Weile begleiten. Denkst du mal an mich, wenn die Sonne im Meer versinkt und alles in Rotgold glänzt? Ich denke oft an dich - wie es dir wohl geht auf deiner einsamen Insel.

Aus der Ferne umarmt dich deine Aurora


Hervorgekramt!

Poesie — geschrieben von findevogel am 2 Mai, 2007 @ 22:41

zeitschleife 2


aus der zeit gefallen
wird es schon wieder sommer
wo ist das jahr geblieben
neben der spur ist die erde hart

und zwischen die sekunden
purzelt das leben tief
wer wird es finden
das staubkorn im dünensand ?

auf laubbedeckten wegen
tasten füße nach wurzeln
und das licht
so unglaublich hell
lässt ewigkeit ahnen

was blieb übrig
in den mühlen der zeit?
ein kurzer moment
von seelenberührung
unvergessen!


zwischendurch gedacht 24

Gedankenstückwerk, Dachstuben und Rumpelkammern — geschrieben von findevogel am 1 Mai, 2007 @ 23:12
Was ist denn das?


Da sitzt sie: schwarz, behaart, fett und riesengroß. Lauernd hockt sie mitten im pulsierenden Herz eines Netzes. Sicher hält sie die Fäden in der Hand, registriert jede noch so leichte Bewegung. Was auch kommt und geht, nichts entgeht dem hochempfindlichen Radarsystem.
Ob sie je schläft?
Ihr Netz ist schön: filigran, zart gesponnen, aber elastisch. Wenn es nicht so ekelhaft klebrig wäre, es würde sich zum Trambolinspringen eignen. Besonders am frühen Morgen, wenn das erste Licht sich in den Tautropfen fängt, dann ist es ein Kunstwerk.
Sie registriert alles! Und wehe dem, der sich darin verfängt. Das arme Opfer hängt fest. Sie packt es, betäubt es mit Zauberworten, wickelt es ein mit List und zurrt es fest, bis es sich nicht mehr rührt. Manchmal frisst sie es so gar.
Ist das Opfer endlich seines Willens beraubt, lässt sie es zappeln, legt es auf Eis, wer weiß wozu sie es noch gebrauchen könnte. Für den Augenblick ist es uninteressant geworden - langweilig.
Das nächste Opfer wartet bereits. Sie lauert. Wird es ins Netz gehen?
In kühlen Augen spiegelt sich Gier. Nie ist sie zufrieden, bekommt genug, wird satt.

Du meinst, es handelt sich um eine Spinne? Da liegst du nicht ganz falsch, aber es ist ein besonderes Exemplar und gehört zu den Menschen.
Mich jedenfalls fängt sie nicht ein. Ich halte Abstand, hole den Besen und webe mein eigenes Netz.


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