Herbstelfchen 1
haselnüsse
im gras
unter grünspitzer kappe
verbergen sie sich geschickt
herbstreif
jenseits
der schleier
zwischen den nebelfetzen
öffnet sich der himmel
blau
schau
mein freund
der sommer geht
es trüben sich tage
herbstlich
(weiter)
entblößt stehst du vor ihnen
man hat dir keine feder gelassen
immer noch machen sie kurzen prozess
mit denen
die wehrlos sind
und anders:
den träumern, poeten und spinnern
scheiterhaufen sind längst gelöscht
aber ihr hass brennt wie züngelnde flammen
an nackter haut
lüsterne unverfrorenheit
beißt sich ins gebein
wie frost im gebirge
dich so zu sehen tut weh
ich spüre den schmerz
unmittelbar
fühle die scham
die dir die röte ins gesicht getrieben hat
sehe den gesenkten kopf
und die dünne haut
unter der es blau schimmert
ich möchte
die aufgeschichtete mauer überspringen
dich mit meinen armen bedecken
dir mein letztes hemd überziehen
dich halten - wärmen
abschirmen
und wegführen
an einen sicheren ort
sollen sie doch mich treffen
mit ihrer abwertenden schmäh
ich kann mich wehren
da ist nichts außer der
stille, die mich umfängt - dunkel und dämonisch. wie gelähmt bleib ich stehen:
kein ton, kein klang, kein lied. zu watte verdichtet die luft, kein weiß
schenkt licht. fragen im kopf purzeln durcheinander, zerlegen sich in segmente
- die angst wird dicht und kalt.
da ist etwas - es kommt näher. ganz klein mache ich mich und stecke die hände
tief in die taschen hinein: finger finden etwas warmes rundes.
eine haselnuss
hier war ich schon mal - hatte ich damals nicht geschworen, nie mehr an diesem
ort zu stranden?
plötzlich wird mir bewusst, dass ich träume - kurz bevor das vakuum mich
erstickt - befehle ich mir aufzuwachen und stolpere mit klopfendem herzen aus
dem traum.
lange schlief ich nicht wieder ein. nur langsam beruhigte sich der puls. so
ließ ich die gedanken frei:
sie führen mich hinaus in die vollmondnacht, wandern zur kleinen terasse und
den drei hochgewachsenen wächtern, die - fast - zu einer einheit verwachsen ein
dichtes blätterdach über mich schirmen. im schatten von hollunder, haselnuss
holzapfelbaum finde ich trost.
es würde mich nicht wundern, wenn plötzlich eine kleine fee mit ihrem
zauberstab aus den stämmen springen würde, um mir einen wunsch zu erfüllen.
lächelnd schlafe ich darüber wieder ein
dann kratz mit scharfen nägeln
ich tiefe rillen
in die grauen stunden
und mal` mit zaubertinte
schnörkel in den tristen tag
ich achte alle zeichen,
die zwischen erd´und himmel
ein gott mir schrieb und sang
im wind singt mir dein lied
und mit den regentropfen
trommelt laut mein herz
an blaue himmelstüren
ich bind um dich
mit unsichtbaren fesseln
ein liebesband aus worten
und schick mit sonnenstrahlen
lichter in die nacht
die fische lehr ich sprechen:
ein meer aus koseworten
und schick sie mit dem fluss
hinaus an deinen strand
bist du mich siehst und hörst und riechst
mich spürst
und meinen spuren folgst
es öffnen sich die lippen
und geben ein geheimnis preis
sind weich, gelöst und kussbereit
wer liebt sprengt sieben siegel
und lässt die worte frei
Es
ist morgen geworden. Ich stehe vor den geöffneten Flügeltüren, atme
tief ein. Nebelfetzen gleiten am Fenster vorbei. Der Tag verspricht gut
zu werden. Glück liegt in seinem Werden: das Versprechen von Reichtum
und Fülle im Morgen. Vom Gartenzaun her nicken mir die Sonnenblumen zu;
Dahlien, Astern und Chrysanthemen bilden farbige Polster in Kübeln und
Beeten. Neben mir steht eine Schale mit Haselnüssen, gestern gesammelt.
Gleich werde ich mich mit meinem Kaffee an den Sekretär begeben - meine
selbstvergessenen Musestunden - und den Brief beantworten, der mir so
am Herzen liegt.
Von draußen klingen sanfte Klavierakkorde an mein Ohr.
Wie ich sie liebe, die Spätsommerstimmung: üppiges Dur mit einem Hauch von Moll.
wir
gingen hände-wege-lang
alleen weit im sommerlaub
es lächelte auf deiner stirn
die weiß und hell ins lockenfell sich reckte
ein sonniges gespinst
worte schwiegen nur im kuss
doch war das
lippen-zungenspiel belebter noch
als ein taifun
und augenblicke
tiefer als das tiefste meer
im wellen-wogen-walten
es blitzten sterne mir im blut
und schmetterlinge tanzten hüpfer
als nasenweit
mich muscheldüfte trunken machten
was dann geschah - wie es zerbrach
ich weiß es nicht
doch hör ich noch das schrille ping
als risse eine geigensaite
ein stück von meiner seele
trugst du fort
im himmelblauen seidenschal
dreisein
zwischen zeiten
klingen noch lieder
versunkene schätze vergessener räume
einst
jetzt
ein nachhall
wie eine zauberformel
die auf der haut
klingt
später
im nachsinnen
webt sich harmonisch
ein klangteppich aus tönen
poesie
es sind kleine ewigkeiten
zwischen sekunden
die klingen
schallwellen senden
und
im grau der tage
fuß fassen
verwurzeln
tragen
Weißt du, dass das Glück
plötzlich vor dir steht und du im Alltagsdschungel aufpassen musst, es nicht zu
verpassen. Es ist flüchtig!
Auch Glücksmomente sind Glück!
Durch das Wahrnehmen und Erinnern des geglückten Augenblicks und das Speichern
im "inneren Notitzbuch"
(danke für den Begriff, W. )
ist
es jederzeit abrufbar.
dieser
Himmel so weit
wann sah ich ihn zuletzt bewusst?
ich fliege über den Asphalt finde Rhythmus
im Tock-Tock der Stöcke
Schritt um Schritt
und Atem
ich beginne zu schwitzen
Obstbäume rechts und links
Pferde, zwei Fohlen
Rinder
früher gab es hier kein Vieh
viele Menschen unterwegs
auf der gleichen Straße
heiter und sonntäglich auf dem autofreien weg
die Kirchenglocke vom Nachbarort läutet
ein Falke kreist
und in den Büschen
haben sich Distelfinken niedergelassen
es gibt Samen
am Wegrand blüht es:
Scharfgarbe, Rainfarn, Hornveilchen, wilder Fenchel
und in den Wiesen,
tänzelt ein winziger Falter
kaum daumennagelgroß
blau, als habe er frech
der Wegwarte die Farbe geklaut
heute kann ich den Sommer nicht pflücken
der zum Herbst sich schon wandelt
auffrischender Wind schiebt die Wolken zur Seite
ein altes Backsteinhaus mit wildem Garten
lässt mich Pause machen und verweilen
an diesem Ort ist nur die Zeit vorbei gelaufen
ich würde gern wissen, wer dort wohnt
und überhaupt:
Äpfel aus fremden Gärten
schmecken besonders süß
es sind die kleinen Dinge
die mich heute glücklich machen
nach einer Stunde
wieder zu Hause
bin ich angenehm erschöpft
und der Kopf ist frei
Eigentlich ist Liebe ganz
einfach:
es geht nur darum, sich selbst zu erlauben, lieben zu dürfen - es zuzulassen -
und darum, die Angst vor Zurückweisung nicht so groß werden zu lassen, dass sie
das Lieben verbietet.
Nicht der Angst die Zügel in die Hand zu geben, sondern den Gefühlen. Sich
einlassen auf einen Menschen, so wie er ist, das ist nicht einfach, aber wir
haben ein ganzes Leben, um zu üben.
Liebe, die nicht fürchtet zurückgewiesen zu werden, kann auch nicht verletzt
werden.
Ist die Liebe abhängig von ihrer Erwiderung? Wir wünschen uns Erwiderung. Wir
erhoffen sie. Aber schon als Kind lernten wir, dass nicht alle Wünsche sich
erfüllen.
Wird die Liebe nun wertlos, nur weil sie nicht erwidert wird, weil die Resonanz
ausbleibt, oder weniger heftig ausfällt? Es tut weh, ja, es schmerzt, aber
irgendwann erholt sich das Herz.
Nicht mehr zu lieben, wäre eine Konsequenz der Angst, die uns letztlich selbst
beschneidet und das Leben verbittert, bis wir alles Licht in uns gelöscht
haben. Vielleicht übernimmt dann der Geist das Zepter - seelenlos und ohne
Herz.
Man kann der Welt einfach liebend begegnen, das heißt, das Positive und Helle
sehen, auch da, wo Schatten sind, anstatt in jeder Suppe ein Haar zu suchen.
Es kommt auf den Blickwinkel an: ist das Glas noch halb voll, oder ist es schon
halb leer?
Jeder Tag, an dem ich geliebt habe, ist ein guter Tag.
Es fühlt sich unabhängig vom Gegenüber gut an, wenn es glücklich fließt und
strömt in den Adern.
Wenn wir zum Beispiel die Natur lieben, sie uns durch ihr Dasein glücklich
macht, inspiriert, Muse ist, wenn sie stille Momente des Einsseins
schenkt, ist es dann wichtig, ob sie uns zurück liebt?
noch ist nicht die zeit
im schlaf aber wirkt das wunder:
leise, mit kleinen hüpfern
und einer zärtlichen melodie
erfüllt sich sehnsucht
was am tag getrennt bleibt
verbindet der traum
wie zwei große liebende
vereinen sich meer und himmel
am tor zur nacht
wenn du also heute zum himmel schaust und den sonnenuntergang betrachtest,
dann bleibe wach! die nacht wird dir eine geschichte erzählen, alt wie die
welt: es öffnen sich die zwischenräume. manchmal an solchen abenden hebt sich
der schleier
Sie war eine Heilerin. Ihr
Körper - üppig und schwer - 50 Jahre alt, war beweglich und elastisch, ihre
Bewegungen flink und präzise. Die Hände strömten Energie aus, während sie am
Körper arbeitete - und stark, wenn jemand gehalten werden musste, Grenzen wichtig
waren, aber weich und fließend, wenn beschwichtigt oder getröstet werden musste.
Sie weinte mit ihren Klienten und hielt sie umfangen, bis sie sich wieder
beruhigten.
Alles an ihr war intensiv, vital und von enormer Leuchtkraft. Man spürte, dass
Geist, Körper und Seele gleichzeitig auf Hochtour arbeiteten. Damals war ich
Anfang dreißig und immer noch ein Mädchen, dass sich davor fürchtete, eine Frau
zu werden, obwohl ich schon zwei Kinder geboren hatte.
Interessehalber hatte ich mich zu zwei Fortbildungswochen entschieden, die sich
mit den Grundlagen der Körperpsychotherapie beschäftigten: zweimal fünf Tage,
die meinem bisherigen Leben eine Wendung geben sollten.
Mit dem Schamanismus beschäftigte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht . (weiter)
Alles hat eben seine Zeit.
So wie man manchmal gegen den Strom schwimmen muss - Widerstand und
Trotz haben ihren Sinn - so soll man den Versuch nie aufgeben,
einzuschwingen und mitzuschwingen. Auch ein Fluss hat seine Wirbel und
Gegenströmungen.
Wer einmal einen Tag lang mit offenen Sinnen am Fluß
gesessen hat, der hat viel von den Geheimnissen des Lebens gelernt.
elf verrückte alte zwerge
tanzen über sieben brücken
zu dem turm
der hinter den gebirgen
zwischen wald und feldern liegt
wo neun elfen farben zaubern
und der wind rapunzel lockt:
"komm heraus aus deinem turm
und lass im ährengold der haare
sonnenfunken hüpfen"
schau, das meer ist nicht mehr weit
und die aussicht wirklich reizend:
es naht von fern
auf siebennmeilenstiefeln
ein prinz, der schon atlantis kannte
Manchmal
bleibe ich an Gedanken hängen. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch den
Tag, die Woche, Monate - ein Jahr? Plötzlich vermischen sich die Lebenszeiten:
Während ich den Kindern vom Fenster aus zuschaue, bin ich selbst wieder ein
Mädchen von 11 Jahren und sitze mit anderen auf dem Mäuerchen vor der
evangelischen Kirche.
Hier in diesem Raum hat vieles Platz, auch das lärmende Spielen von Kindern,
die kichern, lachen, schimpfen und schreien. Kinder die draußen unter dem
wolkenlosen Sommerhimmel Fußball spielen und in Scharen angerannt kommen, wenn
der Eiswagen klingelt. Einige sitzen längst auf Mäuerchen und Trafokästen und
warten auf die süße Erfrischung - klimpern mit dem Kleingeld in ihrer
Hosentasche, spitzen das Mäulchen und machen große Augen, wenn Nachbars Kevin
plötzlich um die Ecke gerannt kommt, das Käppi auf dem Kopf und einen frechen
Spruch auf den Lippen. Mariechen hat ein Buchenblatt gepflückt und zaubert ein
filigranes Muster, indem sie jede zweite Rispe mit den scharfen Fingernägeln vorsichtig
entfernt. Herb und schon ein bisschen nach Herbst duften die Buchenblätter.
Natalie in Leggings und kurzem Rock - bauchfrei - die blonden Haare mit den
blaugrünen Strähnen wirr im verschwitzten Gesicht rennt hinter Jonas her und
streckt ihm die Zunge raus. Die blauen Augen blitzen vor Übermut. Jonas errötet
und weiß nicht, wohin er schauen soll. Er windet sich, kommt nicht von der
Stelle.
Noch bevor ich im Apfelbaum ein eingeritztes Herz entdecke mit den Buchstaben
N+J höre ich die dicken Zwillinge von gegenüber schreien: "Jonas liebt
Natalie. Jonas liebt Natalie."
Jonas wird nun vollends rot und verschwindet schweigend Richtung Inliner-Bahn.
Anna hat ihr Kaninchen mitgebracht. Inga und Eva sitzen auf dem Asphalt und
malen mit Straßenkreide naive Kunst vor meine Haustür. Sie schauen hoch,
unterbrechen ihr kreatives Tun und lassen sich von Anna zeigen, welche neuen
Kunststücke der Stallhase heute gelernt hat.
Heute, denke ich, ist ein vollkommener Sommertag und die Kinder sind
ungewöhnlich friedlich.
Diese Geräusche tun mir nicht weh, wie die anderen - die mir aus den Läden
belebter Innenstädte entgegenbrausen und mit dem gehetzten Singsang der
Passanten und Fußgänger kollidieren, die gegen die Zeit Sturm zu laufen
scheinen.
Ich gehe unter im Gewoge von Menschenmassen, verliere mich und werde unendlich
müde.
Zum Glück kenne ich ein Cafe - mitten in der Stadt, an der belebtesten
Einkaufsstrasse hinter einer Kirche liegend - meine Stadtoase, in der ich
sofort vergesse, woher ich gerade komme.
Mexikanischer Engel
es fesselt starr ein strenger
Engel
und würgt mit seinen blassen Händen
einen Blütenhals
es schweigen volle Lippen
im gespaltenen Gesicht
und so exakt - fast wie gestutzt
stehen Federn ab vom Purpurkleid
Menschenaugen sehen nicht
sind blicklos fern, fast seelenlos
es sinkt die Sonne, steigt der Mond
und zwischen Sternen küsst ein Mensch
das letzte Mal die Welt
und lässt die Farben weichen
Link im Gemälde von Marion Lucka unter dem Titel
Brücken zu Texten müssen
manchmal erst gebaut werden. Und Texte können Brücken für unser Leben sein. Sie
verbinden INNEN und AUßEN zu einem einzigen Ganzen.
Was Halt ist und Ruhepol
Was Licht bringt im Dunkel
Was Träume ins Leben flüstern
und mit den Wellen durchs weite Meere schwimmt
Was Rot ins triste Grau zaubert
und den Wolken das Fliegen beibringt
Was dem Wind seine Lieder lehrt
und leise aus tiefen Quellen wispert
Was im Kuss ein DU mit einem anderen verbindet
und den wurzelnden Bäumen
Äste und Zweige; Knospen und Blüten schenkt
Was zwischen Zweigen ein Nest schafft zum Lieben
ist Geheimnis und Magie zwischen Werden und Vergehen
Wenn die Sprache das Meer ist, sind Zeilen die Wellen, Worte der Schaum
und Buchstaben Wassertropfen, die zwischen unendlichen Möglichkeiten verschwimmen
um neuer Klang zu werden und mit Wind und Möwen ein Lied zu singen, das Himmel und Erde miteinander verbindet.
Es braust und klingt wie Ebbe und Flut in den Adern.
da war dieser moment
des zögerns
ich hielt den atem an
erinnerst du dich?
damals!
als diese tür sich öffnete
zwischen uns
ein lächeln dein gesicht weich zeichnete
und sich alles veränderte
dadada daa-dadada daa.....
das schicksal
war wie ein wiedergefundener Schlüssel
in einem uralten schloss

In den Blättern hält der Wind
den Atem an
Die Zeit ist außer Kraft gesetzt
Für diesen Augenblick schenkt der Engel Frieden
Weder Schmerz noch Sorge berühren dein Herz
Es schlägt in einem stillen Rhythmus
Auf deinem Scheitel liegt Sonnenlicht
Und das innere Spüren gleicht einem ruhigen weiten Fluss
der es nicht eilig hat
Und mit gleißendem Silber die Welt beglückt
(weiter)
Heute bin ich Peter Pan
und balanciere zwischen den Segeln
als sei ich Hochseilartist
fighte mit kindlichem Ernst
gegen Hook und seine dunklen Gesellen
ein wildes Lied auf der Zunge
stimmt alle ein in den Kampfesschrei
wir Kinder des Lichtes werden mehr
wir werden immer mehr
Siehst du mein Grinsen
den blitzenden Blick
was auch immer ich bin,
du ahnst es nimmermehr
ich häng in den Wanten und kämpf gegen Geister
wie einst Don Quichotte,
dem Ritter von der traurigen Gestalt
Hey, Servantes, herbei an meine Seite
denn niemals
niemals will ich erwachsen sein
Leicht und ohne Mühe lenke ich das Schiff
weit hinaus über die Grenzen der Phantasie
die Füße stehen fest auf den hölzernen Planken
Flügellust schenkt der Wind
und plötzlich
der Augenaufschlag – gekonnt - lässt silberne Glöckchen klingen
sitz ich als Elfenkönigin auf deiner Schulter
nage sanft und mit seidigen Lippen
am weichen Ohrläppchen
denn plötzlich im Morgengrauen
ja plötzlich bin ich Tinkerbell
vom himmel tropft es in den
see
nicht was ich suchte fand ich im schilf
zwischen seerosengebinden
dort wo frösche sich verstecken und manchmal
zierliche elfen
brechen die wellen sanfter
der blick zieht weiter
über steine und gras - hinüber
unter der kastanie blasse spuren im moos
warst du dort zwischen den jahren?
kein wort - kein klang beschreibt
wie sehnsucht braust gleich einem orkan
vom baum fällt laub im zeitlupentempo
hinter gebüsch und dornen ruinen
lose steine achtlos verstreut von riesenhand
wer lebte hier vor unserer zeit?
etwas warmes streift meine waden
rotbraun –ein junger fuchs
wie zahm er ist
auf der schwelle zum schloss
kringelt eine schlange sich unter den stein
es wird nacht
über dem see verschleiern wolken die sterne
ab und an nur
zeigt der mond sein liebestrunkenes rund
wind streicht durch blättern
und wellen singen:
alles hat seine zeit
was gestern war, ist heute vorbei
und morgen vergessen
In meiner Vorstellung gibt es
eine Zwillingswelt. Um sie zu erreichen, muss ich am Ende des Lebens die letzte
Tür öffnen, jene, die sich gen Westen öffnet. Da wo der Ozean grenzenlos ist,
werde ich dich treffen. Du wartest schon seit Ewigkeiten auf mich, reichst mir
die Hand. Ich betrete eine unsichtbare Brücke. Deine Hand ist warm, sie hält
mich trotz der plötzlich eintretenden Panik und Furcht. Ich vertraue der Liebe,
die sich nun in meinem Herz verströmt. Ein letztes Mal werde ich die Augen
schließen, Danke sagen und alles loslassen.
Es ist, als falle ich durch die Zeiten, wie durch Frau Holle´s Brunnen.
Deine Hand lässt mich nicht los, bis sich am Ende eine neue Tür öffnet und wir
eins werden. (weiter)