durch die lücken der mauer fällt licht
spärlich noch - doch ungezähmt
flutet über die ränder der unverfugten steine
rötlich verfärbend und konturen verloren
so wie ich dazwischen
im gegenlicht veränderter zeit
wo licht und schatten wirken
und alte mühlen langsam mahlen
zwischen
zerissenem grau
ein wenig blau
verblasst und vergilbt
so als sei es lange her
ein fenster zum himmel
tropfen wie tränen vom traumbaum
fangen sich in wimpern am rand
verwässern den blick
befeuchten die dürstenden lippen
fünf kleine Elefanten
spazierten mit Tanten
der Weg war so lang
die Kleinen so bang
so blieben sie dicht
mit ihrem Gewicht
bei den urgrauen Riesen
auf den zoogrünen Wiesen
sie hätten mit Rüsseln
getrunken so gern
doch im Zoo der Stadt Bern
gab´s heut keine Schüsseln
durch jenen Porzellanladen
von nebenan
sieh es dir an
stapften Elefanten beladen
Von
Höhlen und inneren Nischen
Marie bibbert vor Angst. Sie spürt wie das Ungeheuer immer näher kommt, ihr die
Luft nimmt. Schon droht sein feuriger Atem sie zu versengen. Marie macht sich
noch kleiner, kauert sich schutzsuchend an den Felsen in der Höhle. Der Stein
fühlt sich fest und kühl an, seine Oberfläche ist rau und erstaunlich trocken.
Die Konzentration
auf die Wahrnehmung der Beschaffenheit des Felsens lenkt sie einen kurzen
Augenblick ab von der drohenden Gefahr. Aber nur kurz. Schon droht die Angst
Marie in Stücke zu zerreißen. Mit aller Kraft sucht sie nach einer inneren
Nische, in der sie sich verbergen kann, bis die drohende Gefahr über sie hinweg
gezogen ist.
„Rettungsanker –
Hilflosigkeit – Ohnmacht – Schwäche,“
diese Worte denkt Marie laut – sie füllen den ganzen Raum im Gehirn, tanzen wie
Lichter vor ihrem inneren Auge. Sie sind in diesem Moment das fassbare
Geländer, an dem sie sich fest haken kann,
„stark sein – Halt – Hände – Arme – Haut – Wärme – ein Mensch.“
assoziiert Marie weiter, und findet ihre Nische.
Es ist Sommer. Der
vergangene Sommer. Sie ist nicht allein. Er ist da, ihr Gefährte, der Geliebte
und Freund, ein Kamerad. Der, den sie an einer Kreuzung ihres Lebens gefunden
hat. Er stand dort, als warte er schon seit Ewigkeiten darauf, dass sie ihn
endlich abholen würde. Die Begegnung trifft Marie wie ein Erdbeben, dass den
Boden unter den Füßen wegreißt, und sie fällt und fällt....! Marie hatte bis zu
diesem Tag nie an die Liebe geglaubt.
„Liebe ist das, was
andere meinen zu erleben,“
sagte sie mit ironisch -schnoddrigen Unterton in der Stimme zu Claire, ihrer
besten Freundin, „ich bin nicht für die Liebe geschaffen!“
dabei zuckte sie mit den Schultern, als sei ihr diese Feststellung
gleichgültig.
„Ich weiß gar nicht, warum die Menschen überall so liebeswütig sind. Auf den
ersten Rausch folgt die Enttäuschung – immer!“
Claire teilt diese
Meinung nicht. Sie weiß, dass da Diskussion unmöglich ist, den Marie ist stur.
Was sie einmal denkt, lässt sie sich nicht ausreden. So legt Claire ihre Finger
auf Maries Lippen:
„Sei still, du wirst
noch dein Schicksal verschrecken,“ und schaute Marie dabei wissend an,
„ Du hast nur den
Richtigen noch nicht gefunden. In deinen Augen steht anderes geschrieben - und
du weißt es.“
Ein strahlender Sommertag ist zuende gegangen. Marie ahnt nicht, dass sich am
nächsten Tag ihr Leben verändern wird. Es ist Abend, und der laue Wind trägt
Rosendüfte auf die kleine Terrasse im wilden Garten, den eine lauschige Hecke
umschließt. Sie hat es sich in ihrem Lieblingssessel bequem gemacht, um die
Nacht zu begrüßen und ihren Klängen zu lauschen.
Plötzlich ist er da – stumm –er lässt sich zu ihren Füßen nieder und vergräbt
seinen Kopf in ihrem Schoß, so als wolle er ihren Duft, die Essenz ihres Wesens
aufsaugen und einfangen für immer. Seine Hände umfassen ihre runden Hüften.
Etwas Wildes und Verzweifeltes liegt in seinen Gesten. Sie sind nicht sanft und
umschließen Marie, als sei sie allein der rettende Felsen im Wirbelsturm.
Etwas, was man nie wieder los lassen will.
Marie ist so bewegt
und aufgewühlt, dass sie ihre Empfindungen nicht in Worte fassen kann. Etwas
Schreckliches muss geschehen sein – etwas Unwiderrufliches.
Sie zwingt sich zur Ruhe, atmet gleichmäßig ein und aus, streichelt seinen Kopf
und wühlt sich in die dunklen Locken, massiert Nacken und Schultern. Sie spürt
unter ihren Händen, wie er sich langsam entspannt und ihrem Atemrhythmus folgt,
bis beide im Gleichklang atmen.
Es dauert lange,
bevor Marie in dieser Nacht die Worte wieder findet. Stumm umschlingen sie
sich, reiben ihre Haut aneinander, streben ineinander, während die Lippen schon
wund sind vom Küssen, sie aber immer noch nicht voneinander lassen können.
Das Morgenrot findet
die Liebenden schlafend und eng ineinander verschlungen - wie miteinander
verflochten.
Marie hat es in
dieser Nacht nicht geschafft, ihn zum Reden zu bewegen.
Die junge Fraue
kehrt mit den Gedanken zurück in die Höhle. Die Angst hat nachgelassen, ist
nicht mehr so bedrängend.
(weiter)
Clarisse erwacht
aus einem seltsamen Traum. Ihre Glieder sind gelöst, und sie spürt wie
ein Lächeln in ihren Adern vibriert, so als seien unzählige kleine
Waldameisen unterwegs. Fast gluckst es schon über ihre Lippen. Sie
öffnete langsam die Augen. Jetzt nur keine hastigen Bewegungen. Sie
muss sich doch an den Traum erinnern. Das ist wichtig!
Ihr Blick fällt auf das Fenster. Die weißen Vorhänge bewegen sich im
Wind, der durch das geöffnete Fenster zu ihr herein weht. Zwischen den
Stores sieht sie das volle Rund eines gigantischen Vollmondes.
War es dem Mond zu verdanken, dass ihr Traum so besonders bunt gewesen war?
Es muss ein Fest gewesen sein. An langen Holztischen saßen viele gut
gelaunte Menschen. Fast alle kannte sie. Es wurde rustikal gespeist und
die Bierkrüge blieben nicht lange leer. Die Stimmung war ausgelassen,
ja fast ein wenig frivol. Ein dickwanstiges älteres Paar hatte sich
ineinander verfangen und konnte Hände und Lippen nicht voneinander
lassen. Es war fast peinlich, aber der Mann und die Frau schwebten in
einer eigenen Welt. Plötzlich saß der Mann Huckepack im Nacken der Frau
- er war längst nicht so schwer und groß, eher zierlich und zart. Die
Frau schwitzte unter dem Gewicht und war sichtlich angestrengt.
Die Musik wurde laut und drängend, spielte zum Tanz auf. Im Saal war Gegröle. Die Menschen trugen Weiß, Rot und Schwarz.
Hm," denkt Clarisse, "wirklich ein seltsamer Traum." aber was will er ihr erzählen?
"Da fehlt noch was, etwas habe ich vergessen."
Plötzlich denkt sie an Knut. Sie weiß, er ist in Genua. Gestern hat er ihr eine SMS geschickt:
"Das Meer ist smaragdgrün - ich kann nicht mehr schlafen. In der Nacht
sah ich einen Drachen über dem Gebirge auftauchen. Seltsam!"
Er ist da!
Der neue Lyrikkalender meines Heimatforums
Kann sofort angesehen und erstanden werden
hier
der
morgen hat sich im apfelbaum verfangen
so als suche er den tag.
war es an jenem tag
an dem die zeit nicht verging
und im fenster die ersten kerzen dem nebel widersprachen?
wind bauscht weiße gardinen - streift frostig müde haut.
sie ist noch glatt und weich - empfindsam und zart.
ich bin in meinem herbst vor anker gegangen.
schlaftrunkene augen meiden das spärliche licht.
im spiegel ein gelebtes gesicht:
vertrautes im fremden.
im schatten unter den wangenknochen
versteckt sich zukünftiges.
wie frischgefallener schnee glänzt das feine haar.
zeitspuren betonen konturen -zeichnen landschaften.
auf schmalen lippen liegt die morgenröte.
darin ein lächeln, das verglüht.
malen möchte ich, was ich im spiegel sehe
und das bild zwischen messinglaub hängen,
sanft segelt es aus den zweigen - bedeckt den boden.
verdichtetes gemälde vergraben unter laub.
ein stiller moment, der erde anvertraut.
Der Raum ist weiß und leer.
An seine Wände male ich
Wünsche
zeichne Hoffnungen
tusche Sehnsucht.
Ich fülle den Raum mit meiner Gegenwart:
Gefühle sind Farben
die den Holzboden Schwingen lassen.
Lippen summen:
Worte und Klänge - stumme Bitten
ein Gebet - sind Melodie.
Ohren lauschen dem Knarren der Dielen
dem Wind im Baum vor dem Fenster
der das Laub vom Baum verweht
und den Schritten
die durch raschelnde Blätter ihren Weg finden
in den Winter
in die Zeit
hinter den Horizont
in ein neues Land
(weiter)
ich versuche langsam aufzuwachen - dafür schaffe ich mir die nötige zeit, indem ich den wecker - einer mit ganz sanfter melodie - frühzeitig klingeln lasse. während der tag beginnt und mein kopf sich allmählich von den träumen löst, spüre ich meinem atem nach. ich lege die hände auf die region zwischen nabel und solar plexus und konzentriere mich auf diese stelle. nach einer weile fühlt es sich so an, als sei dort ein sonnenrad, das sich um sich selbst dreht und dabei licht sprüht. das energetische licht verbreitet sich nach und nach spiralförmig im ganzen körper, bis ich energie und wärme in den finger -und zehspitzen spüre. manchmal ist dieses gefühl, dass durch den körper strömt unglaublich intensiv.
ich versuche es eine weile festzuhalten und die konzentration noch zu steigern und es zu genießen. wenn ich ganz wach bin, sage ich danke und steige froh und glücklich aus meinem bett. diese übung gelingt mir immer besser. ab und zu nutze ich wartezeiten: z.B bahnfahrten, beim arzt im wartezimmer; an der haltestelle; vor der supermarktkasse
Ich zieh heut rote Kleider an
und Stiefelchen mit Fell bestückt
auf meinem Kopf der Hut
trägt eine rote Feder
fesch wippt sie mit
bei jedem Schritt
und grüßt den Fuchs
der sich im Stoppelfeld versteckt
Der Sturm hat mir ein Lied gesungen
und draußen zwischen rotem Laub
verliert der Ahorn sein Gewand
Ich tanz mit dir
und mit dem Wind
der meine langen Haare zaust
durch Nebel hin zum Sonnenlicht
Der Tag wird uns zum Fest
wenn zwischen Tee und Kandis
Kerzen brennen bunt
und letzte Rosen duften
der Herbst lässt Zeit zum Atemholen
und für die Liebe Raum
und Zeit
(weiter)
Liebe Nachtigall;
weißt du, es klingt alles nach Abschied und Beenden - nicht mehr Sommer und noch nicht Winter - etwas im Niemandsland.
Ich habe das Buch "Alice im Wunderland" nie gelesen, kenne etwas davon
nur aus zweiter Hand, aber sie, Alice, muss im zeitlosen Niemandsland
gewesen sein.
"Was ist Zeit," fragt Marie und lässt sich in die zeitlichen Zwischenräume fallen.
"Was ist Zeit?" fragt Lea, und träumt sich zurück an jenen warmen Nachmittag an der Autobahn.
"Was ist Zeit?"
schreit Leander gegen den Wind und stürmt den Wellen entgegen, um die Zeit einzufangen.
"Was ist Zeit?"
fragt Knut sich schon lange nicht mehr. Er verliert sie einfach in den italienischen Nächten.
"Was ist Zeit?" fragt sich auch Olga, und zählt an den Fingern ab,
wie viele Jahre es nun sind, die sie fern ihrer Heimat lebt ,und sie
träumt von frostklaren Tagen und Schneeverwehungen.
„Was ist schon Zeit,“ fragt Flores seine Freundin Bela von Rosenhaag,
„Zeit hat keine Bedeutung hinter den Worten.“
Und Jule, die sich immer noch nach Konrad sehnt, ihr wird die Zeit lang.
Ich habe gestern - in Gedanken - in deinem Cafe mit Blick auf das
Meer gesessen, an dem kleinen runden Tisch, von dem du erst heute
erzählt hast. In Gedanken bestellte ich Caffe` und Brioche - und fragte
mich, was wohl Genueser auf ihrem Brioche essen - genauer gesagt, es
mir vorgestellt - und an dich gedacht, während ich Olga erdachte und
darüber nach sann, wer sie ist, und was die Zeit aus ihr gemacht hat.
Verrückt!
Wo bin ich in dieser Zeit gewesen? Und du? Diese Zeit, die Gedanken verbindet ,ist nicht zu messen.
War es die Zeitlosigkeit von Seelen, die sich schon seit Ewigkeiten kennen?
Zurück zur Geschichte
In
Genua erwachte der Tag zum Leben. Das erste Licht tanzte auf den
Schindeln der Dächer, bevor es durch die Ritzen der Fensterläden
kletterte und seinen Weg in die Schlafzimmer fand um jene zu wecken,
die noch träumten und denen der Schlaf ein zartes Rosa ins Gesicht
gehaucht hatte.
Die Nacht hatte das Leben in der südlichen Hafenstadt verschluckt: und
mit ihr alle Schiffe, deren Ladungen und die Matrosen . Zuvor waren
diese in den Kneipen des Hafenviertels über dem Wein eingeschlafen. Dem
ein oder anderen saß noch eine dralle Blondine mit kurzem Rock auf dem
Schoß - ebenfalls schlafend. Waren sie alle in den Dornröschenschlaf
gefallen?
Nur einer nicht!
Knut, der alte Seebär tat in dieser Nacht kein einziges Auge zu.
Clarisse spukte wie ein quirliger Geist durch seine Gedanken, sie war
in Sorge um Marie, die an einem Spätsommertag einfach verschwunden war.
Clarisse, seine sanfte Geliebte aus der Hafenstadt im Norden, die
Freundin jener Marie, hatte ihm vor Monaten ein Versprechen abgerungen:
"Knut, ich sorge mich um Marie. Mir träumte, sie sei auf einer
seltsamen Insel gelandet. Unter einem großen ausladenden Baum liegt ihr
Boot. Im Baum lebt eine Schleiereule. Das Meer ist smaragdgrün und auf
der Insel gibt es eine Gebirgskette. Finde Marie. wenn du kannst. Ich
habe Angst."
Aber gestern traf ihn das schlechte Gewissen wie ein Blitz: das Meer
kleidete sich Smaragdgrün. Von diesem Augenblick an, konnte er seine
Augen nicht mehr schließen.das Meer kleidete sich Smaragdgrün.
So sah er als einziger den silbernen Drachenkopf, der sich über den Bergen erhob.
traurig fand mich die stille im raum
so fern ab von allem hast du mich gehört
im wehen des windes
ein kind der wellen mit flossen an den füßen
und sturm in den haaren
es schweben augensterne durch die nacht
kühl und unnahbar
fern von allem ahnst du meine nähe
gedanken senden lichtsignale
zwischen meerschaum im augenwinkel
und gischt in den wimpern
sehe ich dich entschwinden
hinter den horizont
"Ich gebe auf!"
denkt Marie mit letzter Kraft.
"Was nutzt mir das Aufbäumen?"
Angst mischt sich mit Lust zu Sehnsucht, die ihr vertraut erscheint.
"Was auch immer mit mir geschieht - ich lasse es geschehen."
Fast heiter in diesem Moment, denkt sie an ein Lied :
du, meine ferne flamme
wie nah du sein kannst
wenn der wind dich über die berge trägt
in meinen wilden garten
du ins blut züngelst
ungestüm - sprühend
von jetzt auf gleich
mich fast aus der bahn wirfst
und diese ungeduld, die mich einhüllt
in einen knisternden feuermantel:
ein höllenschlund der droht
mich zu verschlingen
für momente kein aufbegehren
ich gebe nach, lasse mich ein
auf dich
du ungezügelte flamme
die ewig lodert
der himmel auf erden - das paradies
War es Lea gewesen oder Claire. Wer hatte vor langer Zeit dieses Lied gesummt?
Was ist das?
"Oh Gott," denkt Marie, "wie soll das weiter gehen? Ich muss an meinem Faden bleiben, aber ich sehe nichts."
Er nimmt kein Ende. Sie wickelt und wickelt - immer schneller und
hektischer. Sie hat Angst, denn irgendwo in der Nähe hört sie ein
sirrendes Geräusch. Es kommt immer näher, fast hätte sie beim
Weiterlaufen - immer dem Zwirn hinterher - ihren Beutel vergessen.
"Ich habe nicht mal Zeit, hineinzuschauen, um den Smaragd zu suchen." murmelt sie vor sich hin.
"Ach wäre ich doch die Goldliesel, des Müllers Tochter, und könnte mich hinter einem riesigen Berg aus Stroh verstecken."
Sie spürt Panik in sich aufsteigen, und die Beine wollen nicht mehr.
Ihr ist übel, und zu allem Unglück rutscht sie auch noch aus. Etwas
Schmieriges klebt glitschig am Boden der Höhle.
Ihre Augen, an die Dunkelheit gewöhnt, erahnen in kurzer Entfernung einen riesigen Stein.
Sie kriecht über den Boden und versteckt sich hinter dem Felsen.
Das sirrende Geräusch wird lauter, scheppert jetzt an den Wänden
vorbei, löst Echo aus. Marie hält sich die Ohren zu und macht sich ganz
klein, denkt:
"Was ist das, was kommt da auf mich zu. Mit Rumpelstilz würde ich wohl fertig, aber mit einem Drachen?"
Sie sieht nichts, spürt aber Feuriges.
Die Geschichte ist noch nicht fertig,und ich bin selbst mal gespannt, wohin sie mich führen wird.
Mama hat die kleine Ana schon längst ins Bett geschickt, sie zugedeckt
und ihr einen Gutenachtkuss gegeben. Für die abendliche
Gutenachtgeschichte hat Mama heute keine Zeit. Bis zur Nasenspitze
reicht Ana das dicke Federbett, denn im Haus ist es kalt – eine Heizung
gibt es nicht. Ana ist noch gar nicht müde, und sie will auch nicht
schlafen. (weiter)
meine worte sind wie bunte blätter
die der Herbstwind dir zu weht
deine augen glänzen
im letzten sonnenlicht
dass mich aufleuchten lässt
unter deinen füssen knistert das laub
seine spannungsreiche melodie
nun stehe ich da ohne schutz
hab meine worte verloren
in alle richtungen verstreut
bin nackt und kahl
und frage mich
ob du mir wärmende worte schenkst
wenn der winter raureif malt
HerzVagabundin
für Leander
ich nehme stein, zweig und flöte und schnüre mein bündel
eine melodie wächst aus mir heraus – ich folge beherzten schrittes
ins niemandsland wo alles weit ist und unzerteilt
und keine grenze engt
dorthin wo der goldmond in platin gefasst
rund und groß zwischen den wolken schwebt
sie durchstreift - sich berühren lässt - berührt
und so
wie meine seele die deine streichelt zwischen gestimmten klängen
dor wo sterne nie erlöschen und sonnen nicht verbrennen
und ich auf dem weg bin zu dir - in mir
Die
Küche ist ihr liebster Ort. Oft in ihren Mussestunden sitzt sie allein
am großen Holztisch, das Schreibzeug vor sich, und hört Radio. Gerade
spricht eine Frauenstimme des lokalen Senders über die Zunahme von
Gewalt an den städtischen Schulen. Vor dem Fenster wächst ein
Apfelbaum. Damals, als das Haus gerade gebaut war und zum ersten Mal
Frühling wurde, hatten sie ihn gepflanzt. Das ist nun schon eine Weile
her. Jetzt ist Herbst. Die letzten Früchte sind geerntet. Sie schaut
gerne in das lichten Laub, sieht in diesem Augenblick gerade noch aus
dem Augenwinkel heraus, dass milkyway in den Baum geklettert ist. Ein
paar Kohlmeisen fliegen hoch. Es knackt in den Zweigen, und plötzlich -
sie muss lauthals lachen - purzelt ihr alternder Liebling vom Baum.
Noch im Fallen - ein Bruchteil von Sekunden - dreht er sich so, dass er
unbeschadet auf seinen Pfoten landet.
Sie geht zur Haustür, entriegelt und betritt den Vorgarten, der im
Mittagslicht flirrt. Wie das Laub unter ihren Füßen raschelt. Und
dieser herbe Geruch, der sie melancholisch stimmt und an die
Vergänglichkeit aller Dinge erinnert. Sie bückt sich, um die Katze zu
streicheln. Aber milkyway rennt an ihr vorbei und flüchtet ins Haus.
Ein paar Minuten später sitzt sie mit einer Tasse Kaffee am Küchentisch
und genießt die Stille der Mittagsstunde. Wie einfach das Leben doch
sein kann, denkt sie.
Nichts
ist so, wie sie es sich erträumt hat, und doch ist es mehr, als sie
erwartet hatte. Sie kennt den Unterschied zwischen Traum und
Wirklichkeit.
"Weißt du," sagt sie zu milkyway, der grauen Tigerkatze,
"dazwischen ist mehr als viel - alles!" und sie lächelt und strahlt.
Sie streichelt die Katze und sät ein Samenkorn in den roten Blumentopf.
Während sie aus dem Fenster schaut, schwebt ein gelbes Blatt vom
Apfelbaum.
"Dazwischen ist alles - die Fülle. Traum und Wirklichkeit," das ahnt sie schon lange," gehören zusammen, wie Tag und Nacht."
Die Katze schnurrt laut und streicht um ihre Beine. Ihr ist warm ums Herz, und sie freut sich über den Augenblick.
wie gelb dein blatt mir lacht
im fahlen grün des späten tages
du leuchtest herbst ins nebelgrau
dein herber duft
mischt sich mit hagebuttensüß
in meinem kopf
zu herbstbeseelten mußestunden
(weiter)
gedanken,
zu langen fäden
versponnen
siebenmeilenstiefelweit gewirkt
feinste fasern - zierlich und zart
mit perlen und muscheln zu knoten geschlungen
es gleiten durch hände die kette
das netz
finger berühren, tasten, erfassen
was sich dreht, wendet und zwirbelt
zu schleife und noppe; in flusen und flausen
was kreuz und quer sich verfilzt
versteckte momente darin- verdichtet
süß-herbe essenz
ein hauch von teerose und lavendel
ich knüpfe sie auf
die winzigen schlingen
und verhakten dornenschlaufen
anfang und ende verwoben, schließt sich der kreis
was purzelt heraus?
ein geflickter teppich, der fliegen kann
komm, fliegen wir davon!
Die
Nacht hat mit ihrem riesiggroßen kaum zu bändigenden Hunger nach Licht den Tag
verschlungen. Selbst die Sterne verstecken sich für heute hinter den Wolken, um
dem schwarzen Schlund zu entgehen.
Das Morgenrot ist noch weit, aber etwas ist anders:
Eine unheimliche Stille liegt über der Insel. Die Feuergnome trommeln nicht
mehr.
Von all dem weiß Marie im Augenblick nichts. Überhaupt will ihr das Erinnern
nur langsam und zögernd gelingen.
Gerade ist ihr ein Licht aufgegangen und für einen kurzen Augenblick hat die
Erinnerung ihre Stirn glatt gebügelt und ein Lächeln in ihr Gesicht gezeichnet.
Noch immer wickelt sie den schier endlosen Faden auf und löst die vielen Knoten:
"Ich hielt das Licht in der Hand. Es leuchtete nicht von außen, denn es
kam von dem Smaragd, den der grüne Delphin mir geschenkt hat."
Aber wo war der Smaragd jetzt?
sammeln
und sichten
im
windverwehten farbrausch
das
letzte bunt horten
für graue nebeltagen
verschwenderisch
geschenkte
sternsekunden
die in nächten strahlen
die
lang sind und kalt
(weiter)
"Der Schlüssel zur erweiterten Wahrnehmung ist Hingabe."
William James

(weiter)
Es war noch jemand da gestern:
ein kleines Wesen von schrulliger Gestalt. Kurz erblickte ich es, als es hinter
die Standuhr flitzte, die gerade sieben Uhr geschlagen hatte - Abendbrotzeit!
Fesch sah es aus in seinem grünen Jackett und den schwarzen Hosen mit Bügelfalten,
über deren Bund sich ein ziemlich großer Bauch wölbte. Erst erschrak ich mich
so sehr, dass ich beinahe die Schüssel mit Roter Grütze fallen ließ. Aber dann
musste ich lächeln, denn dass quirlige Wesen lief barfuß über den
flauschigweichen Teppich. Übrigens sein Gesicht war runzelig. Ein Kranz von
grauem Silberhaar bedeckte den kahlen Schädel und über den erstaunlich vollen
Lippen trug es ziemlich selbstbewusst, wie mir schien, eine spitze nach oben
gebogene Nase. Die Augen blitzten dunkel wie Kohlestücke im offenen Kamin.
Unter dem Jackett trug das Männlein eine rote Brokatweste. Eine goldene
Taschenuhr baumelte aus der Westentasche.
Ich glaube, der kleine Mann hat mich nicht gesehen. Oder doch? Er schien es
sehr eilig zu haben und plötzlich polterte es unter den Dielen - es knackte und
knarrte, und ein Scheit Holz fiel aus dem säuberlich aufgeschichteten Stapel
heraus. Gut, dass ich die fruchtige Grütze schon auf den Tisch gestellt hatte.
Vielleicht ist dieses knorpelige Wesen dafür verantwortlich , wenn plötzlich
Tassen aus dem Schrank fallen, oder ein Stein vom Schreibtisch fällt und in
zwei Stücke bricht, ohne dass ihn jemand berührt hat.
Ich muss mehr über dieses Männlein wissen, werde auf der Lauer liegen und euch
berichten.
Lea-Leander
wenn wir sie je erreichen
unsere sprachufer jenseits des großen stroms
der im meer mündet und mit wellen spielt
die von anderen meeren sätze mitbringen
und geschichten
du weißt
nicht alle muscheln sind blau
schau, ich sah im wasser sterne tanzen
und ein grüner delphin war mein freund
er schwamm hinaus mit mir - weit
nur dich fanden wir nicht
und die sprachgirlanden meiner lieder
trug der wind fort
in den eichen der alten welt
haben sie sich verfangen
und die raben krächzen dazu
in den knorrigen zweigen
ich weiß nicht mehr
ob du mich verstehst
mich jemals verstanden hast
mir scheint
unsere worte haben sich getrennt
sie tun nur so, als seien sie vertraut