findevogels fundstücke

dazwischen 2

Poesie — geschrieben von findevogel am 31 Okt, 2007 @ 22:28

durch die lücken der mauer fällt licht
spärlich noch - doch ungezähmt
flutet über die ränder der unverfugten steine
rötlich verfärbend und konturen verloren
so wie ich dazwischen
im gegenlicht veränderter zeit
wo licht und schatten wirken
und alte mühlen langsam mahlen


dazwischen 1

Poesie — geschrieben von findevogel am 30 Okt, 2007 @ 22:19

zwischen zerissenem grau
ein wenig blau
verblasst und vergilbt
so als sei es lange her
ein fenster zum himmel
tropfen wie tränen vom traumbaum
fangen sich in wimpern am rand
verwässern den blick
befeuchten die dürstenden lippen


elefantös!

Poesie, wenn ich wieder klein bin — geschrieben von findevogel am 29 Okt, 2007 @ 23:54

fünf kleine Elefanten
spazierten mit Tanten
der Weg war so lang
die Kleinen so bang
so blieben sie dicht
mit ihrem Gewicht
bei den urgrauen Riesen
auf den zoogrünen Wiesen
sie hätten mit Rüsseln
getrunken so gern
doch im Zoo der Stadt Bern
gab´s heut keine Schüsseln

durch jenen Porzellanladen
von nebenan
sieh es dir an
stapften Elefanten beladen



Rote Tagträume 63

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 27 Okt, 2007 @ 20:40

Von Höhlen und inneren Nischen

Marie bibbert vor Angst. Sie spürt wie das Ungeheuer immer näher kommt, ihr die Luft nimmt. Schon droht sein feuriger Atem sie zu versengen. Marie macht sich noch kleiner, kauert sich schutzsuchend an den Felsen in der Höhle. Der Stein fühlt sich fest und kühl an, seine Oberfläche ist rau und erstaunlich trocken.

Die Konzentration auf die Wahrnehmung der Beschaffenheit des Felsens lenkt sie einen kurzen Augenblick ab von der drohenden Gefahr. Aber nur kurz. Schon droht die Angst Marie in Stücke zu zerreißen. Mit aller Kraft sucht sie nach einer inneren Nische, in der sie sich verbergen kann, bis die drohende Gefahr über sie hinweg gezogen ist.

„Rettungsanker – Hilflosigkeit – Ohnmacht – Schwäche,“
diese Worte denkt Marie laut – sie füllen den ganzen Raum im Gehirn, tanzen wie Lichter vor ihrem inneren Auge. Sie sind in diesem Moment das fassbare Geländer, an dem sie sich fest haken kann,
„stark sein – Halt – Hände – Arme – Haut – Wärme – ein Mensch.“
assoziiert Marie weiter, und findet ihre Nische.


Es ist Sommer. Der vergangene Sommer. Sie ist nicht allein. Er ist da, ihr Gefährte, der Geliebte und Freund, ein Kamerad. Der, den sie an einer Kreuzung ihres Lebens gefunden hat. Er stand dort, als warte er schon seit Ewigkeiten darauf, dass sie ihn endlich abholen würde. Die Begegnung trifft Marie wie ein Erdbeben, dass den Boden unter den Füßen wegreißt, und sie fällt und fällt....! Marie hatte bis zu diesem Tag nie an die Liebe geglaubt.
„Liebe ist das, was andere meinen zu erleben,“
sagte sie mit ironisch -schnoddrigen Unterton in der Stimme zu Claire, ihrer besten Freundin, „ich bin nicht für die Liebe geschaffen!“
dabei zuckte sie mit den Schultern, als sei ihr diese Feststellung gleichgültig.
„Ich weiß gar nicht, warum die Menschen überall so liebeswütig sind. Auf den ersten Rausch folgt die Enttäuschung – immer!“

Claire teilt diese Meinung nicht. Sie weiß, dass da Diskussion unmöglich ist, den Marie ist stur. Was sie einmal denkt, lässt sie sich nicht ausreden. So legt Claire ihre Finger auf Maries Lippen:
„Sei still, du wirst noch dein Schicksal verschrecken,“ und schaute Marie dabei wissend an,
„ Du hast nur den Richtigen noch nicht gefunden. In deinen Augen steht anderes geschrieben - und du weißt es.“

Ein strahlender Sommertag ist zuende gegangen. Marie ahnt nicht, dass sich am nächsten Tag ihr Leben verändern wird. Es ist Abend, und der laue Wind trägt Rosendüfte auf die kleine Terrasse im wilden Garten, den eine lauschige Hecke umschließt. Sie hat es sich in ihrem Lieblingssessel bequem gemacht, um die Nacht zu begrüßen und ihren Klängen zu lauschen.

Plötzlich ist er da – stumm –er lässt sich zu ihren Füßen nieder und vergräbt seinen Kopf in ihrem Schoß, so als wolle er ihren Duft, die Essenz ihres Wesens aufsaugen und einfangen für immer. Seine Hände umfassen ihre runden Hüften. Etwas Wildes und Verzweifeltes liegt in seinen Gesten. Sie sind nicht sanft und umschließen Marie, als sei sie allein der rettende Felsen im Wirbelsturm. Etwas, was man nie wieder los lassen will.

Marie ist so bewegt und aufgewühlt, dass sie ihre Empfindungen nicht in Worte fassen kann. Etwas Schreckliches muss geschehen sein – etwas Unwiderrufliches.
Sie zwingt sich zur Ruhe, atmet gleichmäßig ein und aus, streichelt seinen Kopf und wühlt sich in die dunklen Locken, massiert Nacken und Schultern. Sie spürt unter ihren Händen, wie er sich langsam entspannt und ihrem Atemrhythmus folgt, bis beide im Gleichklang atmen.

Es dauert lange, bevor Marie in dieser Nacht die Worte wieder findet. Stumm umschlingen sie sich, reiben ihre Haut aneinander, streben ineinander, während die Lippen schon wund sind vom Küssen, sie aber immer noch nicht voneinander lassen können.
Das Morgenrot findet die Liebenden schlafend und eng ineinander verschlungen - wie miteinander verflochten.
Marie hat es in dieser Nacht nicht geschafft, ihn zum Reden zu bewegen.

Die junge Fraue kehrt mit den Gedanken zurück in die Höhle. Die Angst hat nachgelassen, ist nicht mehr so bedrängend.

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Rote Tagträume 62

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 26 Okt, 2007 @ 23:59
Clarisse erwacht aus einem seltsamen Traum. Ihre Glieder sind gelöst, und sie spürt wie ein Lächeln in ihren Adern vibriert, so als seien unzählige kleine Waldameisen unterwegs. Fast gluckst es schon über ihre Lippen. Sie öffnete langsam die Augen. Jetzt nur keine hastigen Bewegungen. Sie muss sich doch an den Traum erinnern. Das ist wichtig!
Ihr Blick fällt auf das Fenster. Die weißen Vorhänge bewegen sich im Wind, der durch das geöffnete Fenster zu ihr herein weht. Zwischen den Stores sieht sie das volle Rund eines gigantischen Vollmondes.
War es dem Mond zu verdanken, dass ihr Traum so besonders bunt gewesen war?
Es muss ein Fest gewesen sein. An langen Holztischen saßen viele gut gelaunte Menschen. Fast alle kannte sie. Es wurde rustikal gespeist und die Bierkrüge blieben nicht lange leer. Die Stimmung war ausgelassen, ja fast ein wenig frivol. Ein dickwanstiges älteres Paar hatte sich ineinander verfangen und konnte Hände und Lippen nicht voneinander lassen. Es war fast peinlich, aber der Mann und die Frau schwebten in einer eigenen Welt. Plötzlich saß der Mann Huckepack im Nacken der Frau - er war längst nicht so schwer und groß, eher zierlich und zart. Die Frau schwitzte unter dem Gewicht und war sichtlich angestrengt.

Die Musik wurde laut und drängend, spielte zum Tanz auf. Im Saal war Gegröle. Die Menschen trugen Weiß, Rot und Schwarz.

Hm," denkt Clarisse, "wirklich ein seltsamer Traum." aber was will er ihr erzählen?
"Da fehlt noch was, etwas habe ich vergessen."
Plötzlich denkt sie an Knut. Sie weiß, er ist in Genua. Gestern hat er ihr eine SMS geschickt:
"Das Meer ist smaragdgrün - ich kann nicht mehr schlafen. In der Nacht sah ich einen Drachen über dem Gebirge auftauchen. Seltsam!"


Lebenslinien

kurz notiert! — geschrieben von findevogel am 26 Okt, 2007 @ 18:56

Er ist da!

Der neue Lyrikkalender meines Heimatforums
Kann sofort angesehen und erstanden werden
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forumskalender 2008


zwischen sekunden ein stiller moment 39

Zwischen Sekunden ein stiller Moment — geschrieben von findevogel am 25 Okt, 2007 @ 22:30

der morgen hat sich im apfelbaum verfangen
so als suche er den tag.
war es an jenem tag
an dem die zeit nicht verging
und im fenster die ersten kerzen dem nebel widersprachen?
wind bauscht weiße gardinen - streift frostig müde haut.
sie ist noch glatt und weich - empfindsam und zart.
ich bin in meinem herbst vor anker gegangen.
schlaftrunkene augen meiden das spärliche licht.
im spiegel ein gelebtes gesicht:
vertrautes im fremden.
im schatten unter den wangenknochen
versteckt sich zukünftiges.
wie frischgefallener schnee glänzt das feine haar.
zeitspuren betonen konturen -zeichnen landschaften.
auf schmalen lippen liegt die morgenröte.
darin ein lächeln, das verglüht.
malen möchte ich, was ich im spiegel sehe
und das bild zwischen messinglaub hängen,
sanft segelt es aus den zweigen - bedeckt den boden.
verdichtetes gemälde vergraben unter laub.
ein stiller moment, der erde anvertraut.


In einem alten Haus mit verblichenem Charme

Poesie, Zwischen Sekunden ein stiller Moment — geschrieben von findevogel am 23 Okt, 2007 @ 23:09

Der Raum ist weiß und leer.
An seine Wände male ich
Wünsche
zeichne Hoffnungen
tusche Sehnsucht.
Ich fülle den Raum mit meiner Gegenwart:
Gefühle sind Farben
die den Holzboden Schwingen lassen.
Lippen summen:
Worte und Klänge - stumme Bitten
ein Gebet - sind Melodie.
Ohren lauschen dem Knarren der Dielen
dem Wind im Baum vor dem Fenster
der das Laub vom Baum verweht
und den Schritten
die durch raschelnde Blätter ihren Weg finden
in den Winter
in die Zeit
hinter den Horizont
in ein neues Land

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Schönes zwischen Traum und Tag!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 22 Okt, 2007 @ 21:15
ich versuche langsam aufzuwachen - dafür schaffe ich mir die nötige zeit, indem ich den wecker - einer mit ganz sanfter melodie - frühzeitig klingeln lasse. während der tag beginnt und mein kopf sich allmählich von den träumen löst, spüre ich meinem atem nach. ich lege die hände auf die region zwischen nabel und solar plexus und konzentriere mich auf diese stelle. nach einer weile fühlt es sich so an, als sei dort ein sonnenrad, das sich um sich selbst dreht und dabei licht sprüht. das energetische licht verbreitet sich nach und nach spiralförmig im ganzen körper, bis ich energie und wärme in den finger -und zehspitzen spüre. manchmal ist dieses gefühl, dass durch den körper strömt unglaublich intensiv. ich versuche es eine weile festzuhalten und die konzentration noch zu steigern und es zu genießen. wenn ich ganz wach bin, sage ich danke und steige froh und glücklich aus meinem bett. diese übung gelingt mir immer besser. ab und zu nutze ich wartezeiten: z.B bahnfahrten, beim arzt im wartezimmer; an der haltestelle; vor der supermarktkasse


Was für ein Tag

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 21 Okt, 2007 @ 20:28
Ich zieh heut rote Kleider an
und Stiefelchen mit Fell bestückt
auf meinem Kopf der Hut
trägt eine rote Feder
fesch wippt sie mit
bei jedem Schritt
und grüßt den Fuchs
der sich im Stoppelfeld versteckt

Der Sturm hat mir ein Lied gesungen
und draußen zwischen rotem Laub
verliert der Ahorn sein Gewand
Ich tanz mit dir
und mit dem Wind
der meine langen Haare zaust
durch Nebel hin zum Sonnenlicht

Der Tag wird uns zum Fest
wenn zwischen Tee und Kandis
Kerzen brennen bunt
und letzte Rosen duften
der Herbst lässt Zeit zum Atemholen
und für die Liebe Raum
und Zeit

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Du sprichst von der Zeit

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 21 Okt, 2007 @ 00:23
Liebe Nachtigall;

weißt du, es klingt alles nach Abschied und Beenden - nicht mehr Sommer und noch nicht Winter - etwas im Niemandsland.
Ich habe das Buch "Alice im Wunderland" nie gelesen, kenne etwas davon nur aus zweiter Hand, aber sie, Alice, muss im zeitlosen Niemandsland gewesen sein.
"Was ist Zeit," fragt Marie und lässt sich in die zeitlichen Zwischenräume fallen.
"Was ist Zeit?" fragt Lea, und träumt sich zurück an jenen warmen Nachmittag an der Autobahn.
"Was ist Zeit?"
schreit Leander gegen den Wind und stürmt den Wellen entgegen, um die Zeit einzufangen.
"Was ist Zeit?"
fragt Knut sich schon lange nicht mehr. Er verliert sie einfach in den italienischen Nächten.
"Was ist Zeit?" fragt sich auch Olga, und zählt an den Fingern ab, wie viele Jahre es nun sind, die sie fern ihrer Heimat lebt ,und sie träumt von frostklaren Tagen und Schneeverwehungen.
„Was ist schon Zeit,“ fragt Flores seine Freundin Bela von Rosenhaag,
„Zeit hat keine Bedeutung hinter den Worten.“
Und Jule, die sich immer noch nach Konrad sehnt, ihr wird die Zeit lang.

Ich habe gestern - in Gedanken - in deinem Cafe mit Blick auf das Meer gesessen, an dem kleinen runden Tisch, von dem du erst heute erzählt hast. In Gedanken bestellte ich Caffe` und Brioche - und fragte mich, was wohl Genueser auf ihrem Brioche essen - genauer gesagt, es mir vorgestellt - und an dich gedacht, während ich Olga erdachte und darüber nach sann, wer sie ist, und was die Zeit aus ihr gemacht hat. Verrückt!
Wo bin ich in dieser Zeit gewesen? Und du? Diese Zeit, die Gedanken verbindet ,ist nicht zu messen.
War es die Zeitlosigkeit von Seelen, die sich schon seit Ewigkeiten kennen?



Rote Tagträume 61

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 20 Okt, 2007 @ 16:58
Zurück zur Geschichte

In Genua erwachte der Tag zum Leben. Das erste Licht tanzte auf den Schindeln der Dächer, bevor es durch die Ritzen der Fensterläden kletterte und seinen Weg in die Schlafzimmer fand um jene zu wecken, die noch träumten und denen der Schlaf ein zartes Rosa ins Gesicht gehaucht hatte.
Die Nacht hatte das Leben in der südlichen Hafenstadt verschluckt: und mit ihr alle Schiffe, deren Ladungen und die Matrosen . Zuvor waren diese in den Kneipen des Hafenviertels über dem Wein eingeschlafen. Dem ein oder anderen saß noch eine dralle Blondine mit kurzem Rock auf dem Schoß - ebenfalls schlafend. Waren sie alle in den Dornröschenschlaf gefallen?

Nur einer nicht!
Knut, der alte Seebär tat in dieser Nacht kein einziges Auge zu. Clarisse spukte wie ein quirliger Geist durch seine Gedanken, sie war in Sorge um Marie, die an einem Spätsommertag einfach verschwunden war.
Clarisse, seine sanfte Geliebte aus der Hafenstadt im Norden, die Freundin jener Marie, hatte ihm vor Monaten ein Versprechen abgerungen:

"Knut, ich sorge mich um Marie. Mir träumte, sie sei auf einer seltsamen Insel gelandet. Unter einem großen ausladenden Baum liegt ihr Boot. Im Baum lebt eine Schleiereule. Das Meer ist smaragdgrün und auf der Insel gibt es eine Gebirgskette. Finde Marie. wenn du kannst. Ich habe Angst."


Aber gestern traf ihn das schlechte Gewissen wie ein Blitz: das Meer kleidete sich Smaragdgrün. Von diesem Augenblick an, konnte er seine Augen nicht mehr schließen.das Meer kleidete sich Smaragdgrün.
So sah er als einziger den silbernen Drachenkopf, der sich über den Bergen erhob.


in der dämmerung habe ich gewartet

Poesie — geschrieben von findevogel am 19 Okt, 2007 @ 23:53

traurig fand mich die stille im raum
so fern ab von allem hast du mich gehört
im wehen des windes
ein kind der wellen mit flossen an den füßen
und sturm in den haaren
es schweben augensterne durch die nacht
kühl und unnahbar
fern von allem ahnst du meine nähe
gedanken senden lichtsignale
zwischen meerschaum im augenwinkel
und gischt in den wimpern
sehe ich dich entschwinden
hinter den horizont


Rote Tagträume 60

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 18 Okt, 2007 @ 15:57

"Ich gebe auf!"
denkt Marie mit letzter Kraft.
"Was nutzt mir das Aufbäumen?"
Angst mischt sich mit Lust zu Sehnsucht, die ihr vertraut erscheint.
"Was auch immer mit mir geschieht - ich lasse es geschehen."
Fast heiter in diesem Moment, denkt sie an ein Lied :

du, meine ferne flamme
wie nah du sein kannst
wenn der wind dich über die berge trägt
in meinen wilden garten
du ins blut züngelst
ungestüm - sprühend
von jetzt auf gleich
mich fast aus der bahn wirfst

und diese ungeduld, die mich einhüllt
in einen knisternden feuermantel:
ein höllenschlund der droht
mich zu verschlingen
für momente kein aufbegehren
ich gebe nach, lasse mich ein
auf dich
du ungezügelte flamme
die ewig lodert
der himmel auf erden - das paradies

War es Lea gewesen oder Claire. Wer hatte vor langer Zeit dieses Lied gesummt?


Rote Tagträume 59

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 18 Okt, 2007 @ 15:29
Was ist das?

"Oh Gott,"
denkt Marie, "wie soll das weiter gehen? Ich muss an meinem Faden bleiben, aber ich sehe nichts."
Er nimmt kein Ende. Sie wickelt und wickelt - immer schneller und hektischer. Sie hat Angst, denn irgendwo in der Nähe hört sie ein sirrendes Geräusch. Es kommt immer näher, fast hätte sie beim Weiterlaufen - immer dem Zwirn hinterher - ihren Beutel vergessen.
"Ich habe nicht mal Zeit, hineinzuschauen, um den Smaragd zu suchen." murmelt sie vor sich hin.
"Ach wäre ich doch die Goldliesel, des Müllers Tochter, und könnte mich hinter einem riesigen Berg aus Stroh verstecken."
Sie spürt Panik in sich aufsteigen, und die Beine wollen nicht mehr. Ihr ist übel, und zu allem Unglück rutscht sie auch noch aus. Etwas Schmieriges klebt glitschig am Boden der Höhle.
Ihre Augen, an die Dunkelheit gewöhnt, erahnen in kurzer Entfernung einen riesigen Stein.

Sie kriecht über den Boden und versteckt sich hinter dem Felsen.
Das sirrende Geräusch wird lauter, scheppert jetzt an den Wänden vorbei, löst Echo aus. Marie hält sich die Ohren zu und macht sich ganz klein, denkt:
"Was ist das, was kommt da auf mich zu. Mit Rumpelstilz würde ich wohl fertig, aber mit einem Drachen?"

Sie sieht nichts, spürt aber Feuriges.


Annäherung an ein Kind 1

Fundstücke, wenn ich wieder klein bin — geschrieben von findevogel am 17 Okt, 2007 @ 23:40
Die Geschichte ist noch nicht fertig,und ich bin selbst mal gespannt, wohin sie mich führen wird.

Mama hat die kleine Ana schon längst ins Bett geschickt, sie zugedeckt und ihr einen Gutenachtkuss gegeben. Für die abendliche Gutenachtgeschichte hat Mama heute keine Zeit. Bis zur Nasenspitze reicht Ana das dicke Federbett, denn im Haus ist es kalt – eine Heizung gibt es nicht. Ana ist noch gar nicht müde, und sie will auch nicht schlafen.

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herbstfragment

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 15 Okt, 2007 @ 22:48

meine worte sind wie bunte blätter
die der Herbstwind dir zu weht

deine augen glänzen
im letzten sonnenlicht
dass mich aufleuchten lässt
unter deinen füssen knistert das laub
seine spannungsreiche melodie

nun stehe ich da ohne schutz
hab meine worte verloren
in alle richtungen verstreut
bin nackt und kahl
und frage mich
ob du mir wärmende worte schenkst
wenn der winter raureif malt


Rote Tagträume 58

Poesie, Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 13 Okt, 2007 @ 23:30
HerzVagabundin

für Leander

ich nehme stein, zweig und flöte und schnüre mein bündel
eine melodie wächst aus mir heraus – ich folge beherzten schrittes
ins niemandsland wo alles weit ist und unzerteilt
und keine grenze engt
dorthin wo der goldmond in platin gefasst
rund und groß zwischen den wolken schwebt
sie durchstreift - sich berühren lässt - berührt

und so
wie meine seele die deine streichelt zwischen gestimmten klängen
dor wo sterne nie erlöschen und sonnen nicht verbrennen
und ich auf dem weg bin zu dir - in mir


Einfach sein!

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 11 Okt, 2007 @ 22:03
Die Küche ist ihr liebster Ort. Oft in ihren Mussestunden sitzt sie allein am großen Holztisch, das Schreibzeug vor sich, und hört Radio. Gerade spricht eine Frauenstimme des lokalen Senders über die Zunahme von Gewalt an den städtischen Schulen. Vor dem Fenster wächst ein Apfelbaum. Damals, als das Haus gerade gebaut war und zum ersten Mal Frühling wurde, hatten sie ihn gepflanzt. Das ist nun schon eine Weile her. Jetzt ist Herbst. Die letzten Früchte sind geerntet. Sie schaut gerne in das lichten Laub, sieht in diesem Augenblick gerade noch aus dem Augenwinkel heraus, dass milkyway in den Baum geklettert ist. Ein paar Kohlmeisen fliegen hoch. Es knackt in den Zweigen, und plötzlich - sie muss lauthals lachen - purzelt ihr alternder Liebling vom Baum. Noch im Fallen - ein Bruchteil von Sekunden - dreht er sich so, dass er unbeschadet auf seinen Pfoten landet.
Sie geht zur Haustür, entriegelt und betritt den Vorgarten, der im Mittagslicht flirrt. Wie das Laub unter ihren Füßen raschelt. Und dieser herbe Geruch, der sie melancholisch stimmt und an die Vergänglichkeit aller Dinge erinnert. Sie bückt sich, um die Katze zu streicheln. Aber milkyway rennt an ihr vorbei und flüchtet ins Haus.
Ein paar Minuten später sitzt sie mit einer Tasse Kaffee am Küchentisch und genießt die Stille der Mittagsstunde. Wie einfach das Leben doch sein kann, denkt sie.


Traum und Wirklichkeit

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 10 Okt, 2007 @ 21:54
Nichts ist so, wie sie es sich erträumt hat, und doch ist es mehr, als sie erwartet hatte. Sie kennt den Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit.

"Weißt du," sagt sie zu milkyway, der grauen Tigerkatze,
"dazwischen ist mehr als viel - alles!" und sie lächelt und strahlt.

Sie streichelt die Katze und sät ein Samenkorn in den roten Blumentopf. Während sie aus dem Fenster schaut, schwebt ein gelbes Blatt vom Apfelbaum.
"Dazwischen ist alles - die Fülle. Traum und Wirklichkeit," das ahnt sie schon lange," gehören zusammen, wie Tag und Nacht."
Die Katze schnurrt laut und streicht um ihre Beine. Ihr ist warm ums Herz, und sie freut sich über den Augenblick.


pappel-blatt

Fundstücke, Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 10 Okt, 2007 @ 15:50


wie gelb dein blatt mir lacht
im fahlen grün des späten tages
du leuchtest herbst ins nebelgrau
dein herber duft
mischt sich mit hagebuttensüß
in meinem kopf
zu herbstbeseelten mußestunden
Pappel-Blatt

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spinnweben

Poetische Kraftpakete — geschrieben von findevogel am 7 Okt, 2007 @ 22:45

gedanken,
zu langen fäden versponnen
siebenmeilenstiefelweit gewirkt
feinste fasern - zierlich und zart
mit perlen und muscheln zu knoten geschlungen
es gleiten durch hände die kette
das netz

finger berühren, tasten, erfassen
was sich dreht, wendet und zwirbelt
zu schleife und noppe; in flusen und flausen
was kreuz und quer sich verfilzt
versteckte momente darin- verdichtet
süß-herbe essenz
ein hauch von teerose und lavendel

ich knüpfe sie auf
die winzigen schlingen
und verhakten dornenschlaufen
anfang und ende verwoben, schließt sich der kreis
was purzelt heraus?
ein geflickter teppich, der fliegen kann
komm, fliegen wir davon!


Rote Tagträume 57

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 5 Okt, 2007 @ 21:23

Die Nacht hat mit ihrem riesiggroßen kaum zu bändigenden Hunger nach Licht den Tag verschlungen. Selbst die Sterne verstecken sich für heute hinter den Wolken, um dem schwarzen Schlund zu entgehen.
Das Morgenrot ist noch weit, aber etwas ist anders:
Eine unheimliche Stille liegt über der Insel. Die Feuergnome trommeln nicht mehr.

Von all dem weiß Marie im Augenblick nichts. Überhaupt will ihr das Erinnern nur langsam und zögernd gelingen.
Gerade ist ihr ein Licht aufgegangen und für einen kurzen Augenblick hat die Erinnerung ihre Stirn glatt gebügelt und ein Lächeln in ihr Gesicht gezeichnet. Noch immer wickelt sie den schier endlosen Faden auf und löst die vielen Knoten:

"Ich hielt das Licht in der Hand. Es leuchtete nicht von außen, denn es kam von dem Smaragd, den der grüne Delphin mir geschenkt hat."
Aber wo war der Smaragd jetzt?


herbstrausch

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 4 Okt, 2007 @ 00:17


sammeln und sichten
im windverwehten farbrausch
das letzte bunt horten
für graue nebeltagen

verschwenderisch geschenkte
sternsekunden
die in nächten strahlen
die lang sind und kalt

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Gefunden

Magisches Blau — geschrieben von findevogel am 2 Okt, 2007 @ 23:31

"Der Schlüssel zur erweiterten Wahrnehmung ist Hingabe."
William James


auf die straße gemalt

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Übrigens!

Märchenhaftes — geschrieben von findevogel am 2 Okt, 2007 @ 16:58
Es war noch jemand da gestern:
ein kleines Wesen von schrulliger Gestalt. Kurz erblickte ich es, als es hinter die Standuhr flitzte, die gerade sieben Uhr geschlagen hatte - Abendbrotzeit! Fesch sah es aus in seinem grünen Jackett und den schwarzen Hosen mit Bügelfalten, über deren Bund sich ein ziemlich großer Bauch wölbte. Erst erschrak ich mich so sehr, dass ich beinahe die Schüssel mit Roter Grütze fallen ließ. Aber dann musste ich lächeln, denn dass quirlige Wesen lief barfuß über den flauschigweichen Teppich. Übrigens sein Gesicht war runzelig. Ein Kranz von grauem Silberhaar bedeckte den kahlen Schädel und über den erstaunlich vollen Lippen trug es ziemlich selbstbewusst, wie mir schien, eine spitze nach oben gebogene Nase. Die Augen blitzten dunkel wie Kohlestücke im offenen Kamin. Unter dem Jackett trug das Männlein eine rote Brokatweste. Eine goldene Taschenuhr baumelte aus der Westentasche.
Ich glaube, der kleine Mann hat mich nicht gesehen. Oder doch? Er schien es sehr eilig zu haben und plötzlich polterte es unter den Dielen - es knackte und knarrte, und ein Scheit Holz fiel aus dem säuberlich aufgeschichteten Stapel heraus. Gut, dass ich die fruchtige Grütze schon auf den Tisch gestellt hatte.
Vielleicht ist dieses knorpelige Wesen dafür verantwortlich , wenn plötzlich Tassen aus dem Schrank fallen, oder ein Stein vom Schreibtisch fällt und in zwei Stücke bricht, ohne dass ihn jemand berührt hat.

Ich muss mehr über dieses Männlein wissen, werde auf der Lauer liegen und euch berichten.


Rote Tagträume 56

Poesie, Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 1 Okt, 2007 @ 23:48
Lea-Leander

wenn wir sie je erreichen
unsere sprachufer jenseits des großen stroms
der im meer mündet und mit wellen spielt
die von anderen meeren sätze mitbringen
und geschichten
du weißt
nicht alle muscheln sind blau

schau, ich sah im wasser sterne tanzen
und ein grüner delphin war mein freund
er schwamm hinaus mit mir - weit
nur dich fanden wir nicht
und die sprachgirlanden meiner lieder
trug der wind fort

in den eichen der alten welt
haben sie sich verfangen
und die raben krächzen dazu
in den knorrigen zweigen
ich weiß nicht mehr
ob du mich verstehst
mich jemals verstanden hast
mir scheint
unsere worte haben sich getrennt
sie tun nur so, als seien sie vertraut


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