Ich
bin auf den Hund gekommen, und deshalb bin ich derzeit mit sehr irdischen
Dingen beschäftigt. Meine neue vierbeinige Gefährtin, Shakaja, macht mir sehr viel Spaß und lenkt
mich vom Dichten eher ab.
Alles hat seine Zeit. Wenn die erste Aufregung um das neue Familienmitglied
sich gelegt hat, finden ganz sicher auch die Worte wieder ihren Weg.
Die Borke bricht auf
Knospen schwellen in Spitzen
zaghaft noch, wartend
die Stadtrandoase träumt
in duftender Blütenpracht
Ich
hänge für dich zwischen den Bäumen einen Teppich auf, jenen der alt ist, und
den ich fand in der Rumpelkammer - fast vergessen unter Spinnweben - jenen,
weißt du, der fliegt wenn man ihn nicht fesselt oder einschließt in dunklen
Kammern.
Ich gieße Worte aller Art hinein. Zwischen Altmüll und Plunder glitzern versprochene
und unausgesprochene Liebesworte - ganz frisch noch und blau getüncht, wie
geklaut vom Seelentief.
Leg dich hinein, schließe die Augen und träume deinen schönsten Traum.
Zauberworte schlingen Girlanden und Lampions zwischen frischbegrünte Zweige.
Eine weiße Schlange mit roten Punkten ringelt sich um den Stamm. Mit ihren
gezischelten Worten schlängelt sie sich ganz heimlich ins Herz dir hinein.
Pass gut auf, sonst trifft dich ihr Liebesgift: sanft bezwingend, betörend und
bittersüß, jeder Sünde wert.
Und wenn du dann mit der ewigen Eva in den Paradiesen lustwandelst, dann denk
für einen Augenblick an mich und daran, wer ich bin.
www.pixelio.de_juergensauer
im farbrausch leichtes
licht spielt magisch mit blau
gelandet erdnah
die Nacht hat den Morgen
geboren
und zwischen frühe Stunden
Melodiefetzen gewebt
jenseits von Jetzt klingt Verschollenes
Fragmente - Verbindung zu gestern
Ich sammle Ton um Ton
und erfinde die Zwischentöne
damit aus Bruchstücken
ein Lied wird
das ich dir singe, wenn der Tag sich neigt
Es gibt Worte, die weiten das Herz.
In manchen Sätzen flüstert der Wind
und zwischen den Zeilen nisten
- ab und zu -
buntgefiederte Freunde.
Ein Ast wippt hinter den Sätzen
und der Apfel fällt in die geöffnete Hand.
Er trägt Gold und spiegelt die Sonne.
"Ein paar Worte nur" sagst du.
Und doch liegt darin eine ganze Welt.
es
wacht ein engel über dir
bestimmt
er leitet weise deine schritte
was du auch tun willst, zöger nicht und tus
der weg ist weit und langt nie an ein ende
und keiner weiß, was an der ecke wartet
und welche hürde oder freude deiner harrt
drum geh nur deinen weg
bestimmt:
es wacht ein engel über dir
...für eine junge Frau
Dir malen tausend Lichter Sterne
in dein blaues Herz hinein
und schmücken als Geschmeide
die Seelennacht, durch die du schreitest
es folgt auf Flügelspuren
ein sanfter Engel deinem Weg
hab keine Angst und trau der Macht
die dich durch Wirrnis leitet
Ich habe mein Angie-Nest wieder zum Leben erweckt.
Mein Forum "Angie´s - Das neue Forum" findet ihr hier.
Alle künstlerisch kreativen und interessierten Leser sind herzlich eingeladen. Ich freue mich auf euren Besuch.
In Kürze, geht auch meine Hompage "Hinter den Rosengärten" - überarbeitete und neugestaltete - online!
Ich denke, es klappt bis Ende April/ Anfang Mai
wem leuchtet der mond
wenn graue riesen träumen
in rosa betten?
foto: www.pixelio.de_ H.E.Balling
Tage versäumt, denkt Jule.
Nach
langer Pause habe ich mich heute endlich wieder in den Garten getraut. Zwischen
den kleinen blauen Perl-Hyazinthen blüht schon erster Löwenzahn. Mir geht das
Herz auf, wenn ich diese Farbkombination sehe. Und gleich schau ich nach dem
Apfelbaum. Bald gehen seine Blüten auf und auch der Flieder nebenan wird nicht
mehr lange träumen. Es duftet nach Grün.
Ich habe geträumt, die Tage versäumt, Stunden verschlafen, so wie jemand, der
ausgezehrt ist nach einer langen Reise, und nun spüre ich , wie die Energie
zurückkommt. Einer Schlange ähnlich schlängelt sie durch meinen Körper und
zischelt Zungenlaute in mein Ohr.
Heute könnte ich Bäume ausreißen.
Mit den Grabungsarbeiten werde ich noch warten. Ich habe keine Lust, nach Knochen
zu suchen. Ich werde mir eine Hängematte zwischen die Bäume hängen und die
Männer weiter aus meinem Kopf verbannen.
Immerhin, ich bin weiter gekommen mit meinem Manuskript, und gestern hat mir
Aurora geschrieben. Sie ist unruhig, will tingeln und ihr Nomadenleben wieder
aufnehmen. Diese Ruhelosigkeit! Sie muss ihr angeboren sein. Ob sie wohl
Vorfahren beim fahrenden Volk hatte? Ich muss sie fragen. Wie wird jemand, was
er ist?
Was wäre, wenn ich mit ihr ziehen würde. An meinem Buch kann ich immer noch
weiter schreiben. Es läuft nicht davon.
Es ist ja immer auch eine Frage der Zeit, und was ich dieses Jahr noch schaffe,
ich weiß nicht, ob es mir im nächsten Jahr noch gelingt.
Ich sollte die Zeit nutzen, und Dinge tun, die mich reizen und die ich noch nie
getan habe.
www.pixelio.de
Fotograf:Christoph Anzenhofer
flaumig
die Feder
und zart gezeichnet
der Wind malt Muster
hinein
Unter Glas 8
Die Zeit ist stehen
geblieben! Die Zeiger der großen Uhr bewegen sich keinen Millimeter vorwärts.
Begonnene Bewegungen sind wie eingefroren, nur das kleine Mädchen im roten
Kleid wieselt durch den Raum, schaut hier, guckt da, ruft die Schwester Marie.
Nichts antwortet. Selbst die blaue Katze hat aufgehört zu schnurren. Alle
Geräusche sind verklungen.
Lara weiß nicht, dass ich sie aus einer anderen Zeit heraus beobachte. Das
Gemälde im vergoldeten Rahmen ist in zurückhaltenden Farben gemalt. Einzig
Lara, das Mädchen im roten Kleid, wirkt lebendig. Es hat die Augen weit
aufgesperrt und späht verblüfft in den Spiegel, der über einer Anrichte hängt.
Die blaue Katze daneben hat sich eingerollt und die Augen geschlossen.
Wenn ich nun in dieses Bild hinein steigen könnte, so wie ein Gast, der den
Raum aus der angelehnten Tür links im Bild betritt?
Das Mädchen erschrickt und zuckt zusammen. Die blaue Katze, die ich berühre,
ist nur eine Skulptur. Aber der Geist des Gemäldes, der sich in die alte
Standuhr zurück gezogen hat, erwacht. Und endlich ist der Bann gebrochen.
Das Mädchen dreht sich um und fragt: "Wer bist denn du?"
Aus den benachbarten Räumen höre ich eine Stimme, die nach Lara ruft.
Auf einer Spieluhr beginnt die Ballerina mit ihrem Tanz, während eine bittersüße
Melodie den Raum mit Klang füllt.
Es ist
der Mond, der
zwischen Wolken hervorschaut
und sein Licht verschenkt
Ein mattes Mondscheibenlicht
hinter verbaumten Gnomen
Es ist fürchterlich! Hört
dieses ewige Ping-Pong-Spiel denn niemals auf?
Ich titsche hin und her und wundere mich, dass ich - obwohl signalrot - nicht
quietsche, oder müsste ich dafür gelb, Quietscheentengelb, tragen? Ich weiß
einfach nicht, wohin mit mir.
"Hör doch endlich mit diesem Hin- und Hergespringe auf."
mault der große blaue Gymnastikball ein wenig ungehalten, der im Allgemeinen
ruhig und gelassen in der Wohnzimmerecke liegt und nur darauf zu warten scheint,
dass sein Mensch sich auf ihm niederlässt. Wie das aussieht, wenn der Mensch
mit seinem Gewicht sich auf ihm niederfleetzt, ihn plättet. Zum Schießen sieht
das aus. Ich muss mich immer zusammenreißen, um nicht laut heraus zu prusten.
Nicht so heute:
"Du steckst mich an, mit deiner Ruhelosigkeit."
Ich beginne mir Sorgen zu machen. Was soll ich tun, wenn mein ausgeglichener
Freund selbst völlig aus dem Ruder rinnt?
Alles ist so unvertraut heute. Für einen Augenblick rolle ich mich deshalb
unter das Sofa, nur um gleich völlig verstaubt und hustend wieder aufzutauchen.
Da bleibt mir keine Zeit zum Traurigsein.
"Igittigitt, dein Mensch könnte hier auch mal wieder staubsaugen."
quengele ich in Richtung des blauen Balls.
"Also Titschie, das geht so nicht, du wirbelst unnötig Staub auf und
bringst mich völlig aus dem Takt."
"Hey Blaubart" ich weiß dass ärgert ihn, "jetzt gib mal Ruhe.
Du und Takt, in dir fehlt doch jegliche Musik."
Ich weiß selbst nicht, warum ich gerade so fies bin, so geduldig wie er sonst
immer mit mir ist, und ich bekomme Gewissensbisse. Das macht mich nicht
ruhiger. Ich titsche zu ihm hin und pralle an seinem Gewand ab.
"Aua, sei ein bisschen vorsichtiger. Du tust mir weh."
Fast klingt es, als würde er gleich weinen. Selbst ganz zerknirscht schwinge
ich mich auf, hüpfe zum Schrank und vom Schrank zum Fenster. Dort gleite ich ab
und rums sitze ich im Papierkorb fest.
"Hilfe, wie komme ich hier wieder raus?" schreie ich grell.
In diesem Moment geht die Wohnzimmertür auf, und der Mensch eilt durch den
Raum, wirbelt Staub auf, tritt gegen den Gymnastikball und greift ungestüm nach
dem Papierkorb, trägt ihn hinaus.
"Was ist den mit dem los, auch völlig daneben heute? " frage ich
mich,
und schon hat er mich mitsamt dem Mülleimerinhalt in den Müllcontainer vor dem
Haus entsorgt.
Ich sah den Stern fallen
in der Nacht
und eine Wolke
die sich in Nebel löste
während ich im Spiel der Lippen lächelte
dich innig liebte
und weiche Glieder sich auflösende Wolken wurden
und dein Blick jenem Stern glich
der erdnah langsam verglühte
Hallo Traumtänzer,
es ist so viel geschehen heute, lieber Freund. Wo soll ich beginnen? Erst
einmal war da dieser Frosch, der mir über den Weg lief und den ich fast mit
meinem Fahrrad überfahren hätte. Zum Glück sah ich ihn so rechtzeitig, dass ich
noch bremsen konnte. Dabei kam ich ins Schlingern, denn jemand hatte eine
glitschige Bananenschale auf die Strasse geworfen. Ich kippte um und
verhedderte mich in der Kette. Eitel, wie ich war, hatte ich ja unbedingt meine
neue weite Hose - orangerot mit lila Punkten - anziehen müssen, ohne Klammern
versteht sich. Die Luft war lau und wohin ich auch sah, überall brachen die
Blüten auf.
Nun saß ich also mit dem schmerzenden Hinterteil auf der Straße und hing mit
der Hose in der Kette. Die grüne Haarspange war verrutscht und der lange rosa
Seidenschal hatte sich heimlich davon gestohlen. Für einen Augenblick haderte
ich mit dem Schicksal, doch dann begannen meine Finger damit, die Hose
vorsichtig aus den Gliedern der Kette zu befreien. Plötzlich hörte ich ein
Lachen, erst ganz leise, doch es wurde immer lauter, bis es in meinen Ohren
schmerzte.
Ich schaute auf: ein Riesenfrosch stand vor mir. Für den Augenblick war ich
perplex und dachte, einer Fatamorgana aufgesessen zu sein. Ja ich fragte mich
tatsächlich nach meinem Verstand.
Vielleicht hatte sich ja von jetzt auf gleich ein Abgrund zwischen mir und
meiner Welt geöffnet, in den ich hineingefallen war, denn in meiner normalen
Welt gab es keine grünen Monsterfrösche, die mich unverdrossen auslachten. Du
kennst mich ja. Aurora hat weder vor dem Hochseil noch vor sonst etwas Angst.
Ich wurde wütend und schrie den Frosch an:
"Du verdammtes Ungetüm, verschwinde aus meinem Blickfeld, oder ich hau dir
eins über die Rübe."
und schon hielt ich den kleinen bunten Sonnenschirm, den ich manchmal auf dem
Seil zum Balancieren benutze, in der Hand und drohte mit der Spitze. Ein wenig,
das muss ich zugeben, kam ich mir vor, wie ein weiblicher Don Quichotte, der
vor hat, mit den Windemühlenflügeln zu kämpfen.
Meine verbale Attacke verfehlte ihr Ziel, denn der Frosch war nun groß wie das
Hochhaus im Nachbarort mit den fünfundzwanzig Etagen, das von weitem aussah,
wie ein Risenzeigefinger, der gleich in Wolke Nummer sieben stechen wird, um
sie zum Platzen zu bringen, und dem es völlig gleichgültig bleibt, wer da oben
liebesverschlungen gerade sein Bett gefunden hat.
Meine Stimme erreichte die Hörvorrichtungen des Frosches nicht, denn ich war ja
unten am Boden, inzwischen aus der Kette befreit und aufgerichtet, aber eben
klein. Ich hörte ihn noch immer lachen, und das Lachen war so mächtig, dass die
Bäume mit ihrem frischen Laub sich hin und her bewegten, als sei ein Sturm
aufgezogen. Aber mit einem hatte der Frosch nicht gerechnet, denn er konnte
mich ja nicht mehr sehen. Ich stieß die Spitze des Schirms in seinen Bauch und
es macht Pftt!
Der Frosch sackte in sich zusammen und seine Plastikhaut begrub mich unter
sich.
Zwar dauerte es eine Weile, bis ich mich schirmrudernd aus dem grünen Gespinst
befreit hatte, aber zum Glück hatte der Frosch nur aus Luft bestanden.
Ich schmunzelte, als ich am Boden eine kleine Krone mit Perlen auf den Zacken
fand, die ich als mir zustehender Lohn, in meine gehäkelte Hippie-Tasche mit den regenbogenfarbigen
Rosetten steckte.
Ich nahm mein Rad und schob es nach Hause, stellte es in den Keller und
beschloss, es mir für heute bei Schokolade mit Sahne und Keksen gemütlich zu
machen.
Doch was war das? Im Badezimmerspiegel sah meine Haut so grün aus und die Haare
erst. Sie ringelten sich wie grüne Schlangen aus der Haarspange heraus.
Ich fühle mich kerngesund, und werde jetzt kein Drama daraus machen. Vielleicht
ist der Spuk ja morgen, wenn ich aufwache, endgültig vorbei. Bitte denk an mich
und drücke mir die Daumen.
Es grüßt dich deine Aurora
die
heute auf dem Hochseil der Fantasie spazieren gegangen ist
trügerisch
dieser Tag
der mit Sonnenblau
die Tränen trocknen will
heimlich
Am Rande hauchzart
Flügelschläge - Zeit um Zeit
verloren im Meer
In
seiner äußeren Stummheit spricht der Engel alle Sprachen in uns. Er braucht
dazu keine Worte. Sein Wirken ist direkt und ohne Umwege. ich muss an
Traubenzucker denken, der sofort ins Blut geht, und den Körper ohne langwierige
Prozesse mit Energie versorgt.
Was der Traubenzucker in unserem Körper bewirkt, bewirkt der Engel in unserem
Geist.
Er braucht weder Härte noch Gewalt, denn sein Wille ist zwingend, ohne dass wir
Zwang empfinden.
Wir ordnen uns seiner geistigen Überlegenheit freiwillig unter, denn seine
Energie ist Licht und lässt uns leuchten.
Er besitzt den inneren Schlüssel zu den Seelen seit Anbeginn und keine Grenze
in uns kann ihn daran hindern, sein Werk zu tun, denn wir sind Wachs in seinen
heilenden Händen.
Er ist Überbringer und Bote einer anderen Wesenheit.
Lieben wir nicht oft den Überbringer einer guten Nachricht?
Die unmittelbaren Gefühle, die durch die Botschaft ausgelöst werden fängt er
auf – ihm danken wir, weil er nah ist und nicht dem, was ihn schickt, denn es
ist das Unfassbare, das Unbegreifliche, das, was wir nur glauben können.
So fungiert der Engel auch für uns als Überbringer einer Botschaft dorthin,
woher er kommt.
Er ist die Brücke zwischen uns und dem höheren Wesen, dessen Sprache wir nicht
verstehen und dessen Wirken wir in unserer Kleinheit nicht überschauen.
Die Brücke ist der Übergang, der Steg über dem Abgrund und die
Übersetzungszentrale zwischen den Welten, ein kreatives Füllhorn, in dem alles
ist und möglich werden kann.
Ich bin hinaus gewandert und
habe der Stadt den Rücken zugekehrt. Immer dem Fluss nah, führt mich der Weg
zunächst durch Felder, dann streife ich Wiesen, auf denen sich gerade der erste
Löwenzahn geöffnet hat. Dann schiebe ich mich durch Gebüsch und einen kleinen
Hag und bin schon bald an dem seltsamen Steinkreis, der schon seit ich denken
kann dort liegt, und den Birkenstämme und Weiden beschützen. Einst vor ewigen
Zeiten ist hier ein Flussarm entlang geschwommen. Sein nasser Finger ist in der
kühlen Jahreszeit als Morast noch immer zu orten. Bald werden hier Dost und
Vergissmeinnicht blühen und die Weiden werden im Wind ihre Haare schütteln, die
wie ein Schleier aus tausendundeiner Nacht den Blick auf die flache Landschaft
verstecken.
Ich lasse mich im Steinkreis nieder und spüre die Kraft der Erde, die sich dem
ganzen Körper mitteilt. Hier fließen Energiebahnen dicht unter der Erdkrume.
Es wundert mich nicht, dass alte Völker diese vibrierenden Erdströmen als
Schlangen und Drachen beschrieben und malten.
Ein mal mehr spüre ich die Schlangenkraft der Erde, die mir ab und zu
Botschaften schickt mit den Träumen.
Vielleicht Marie brauchst du mich, um wieder zu erden, du, die dem Wind verwand
und der Luft so nah ist, ein flüchtiger Duft verströmende Essenz mit
Schmetterlingsflügeln.
Ich besuchte gestern deinen Körper, der seit Monaten leblos auf einem
Krankenbett liegt - verkabelt - und dessen Geist sich von ihm entfernt hat.
Ich sang dir ein Kraftlied, und fast meinte ich zu sehen, wie deine Augenlider
flackern
Ich fragte mich, ob dieser zierliche Körper irgendwann einmal wieder Gefäß für
deinen beweglichen Geist sein kann.
Geglückte Architektur bietet spirituelle Räume, in denen es leichter gelingt zur Ruhe zu kommen.
Ich denke auch an die Zen-Gärten. Klöster und Kirchen wurden oft an
Stellen erbaut, die Kraftfelder verbergen oder heilige Quellen
einfassen. Die Stille und Tiefe der Generationen von Menschen, die sich
an diesen Stellen versammelten, um zu bitten und zu beten; um einfach
still bei sich anzukommen, ist selbst in den Ruinen noch spürbar.
Eigentlich kann man die energetische Ausstrahlung dieser Monumente gar nicht beschreiben.
Sie berührt auf heilsame Weise ganz tief.
Ich muss an einen Sandsturm denken, in dem zunächst alles wirbelt und nicht fassbar ist.
Wenn er sich beruhigt, sinken die Partikel zu Boden, das Flimmern und
Rauschen hört auf, und plötzlich stellt sich eine glasklare Sicht ein.
Die moderne Kirche an meinem Wohnort, vor drei Jahren eingeweiht, hat
mich sehr überrascht. Das Längsschiff wurde zum Querschiff, dass sich
an den Altar schmiegt. Die Kirche besteht aus dreifarbigen Beton und
besitzt einen einzeln stehenden Glockenturm.
Innen ist es ziemlich kahl, teilweise sieht man den kahlen Beton, und
doch, ich bin hineingetreten und war überrascht über die Ausstrahlung
dieses modernen spirituellen Raums.
blau
blühen veilchen
duftend zwischen steinen
am ende der welt
hoffnungsvoll
Einst
saßen die Kinder des Lichts
mit einander vereint auf Lotusblättern
In einem silbernen See
im Augenblick versunken ohne Zeit
Gewaltige Mächte
teilten das große Wasser in Himmel und Erde,
trennten Verbundenes
es war die Stunde:
in der die Sehnsucht geboren wurde
Seit damals
schwebst du in deinem Himmel
und sehnst dich nach Wurzeln
und ich mit den Füßen in der Erde
träume von Flügeln
Manchmal in mondlosen Nächten
verzaubern uns die Sterne:
du berührst den Boden
Und ich fliege in deine Arme
und wir verlieren uns im Augenblick
zeitlos
Ein Platz für die Engel
Manchmal sprechen wir von den Engeln:
Die geflügelten Lichtgestalten leben in unserer Seele
dort nehmen sie Raum und den ihnen gemäßen Platz ein
wenn wir es zulassen
Wir geben ihnen ein Wesen, eine Gestalt
und manchmal ein menschliches Gesicht,
wenn wir sie beschwören, rufen, besingen.
Ist es nicht die Kraft positiver Gedanken
ausgesendet von Menschen mit Herz
die uns daunenleicht wie Engel berühren
und Licht schenken wo Finsternis ist?
"Darf ich vorstellen? Das ist Aurora!"
So habe ich , Jule, sie porträtiert, nachdem sich unsere Wege zum ersten Mal gekreuzt haben.
Das Mädchen war nicht jung.
Die mausgrauen Haare trägt sie zu Rattenschwänzen gebunden hinter den
kleinen Ohren. Die Augen sind von unbeschreiblicher Farbe: in einem
hellen Bernsteinbraun tanzen grüne Sprenkel. Ein tiefes Grau umrahmt
die Iris.
Das schmale Mädchen gleicht einem Knaben. Winzige Brüste zeichnen
sich ab unter dem engen geblümten Trikot, und die kaum gerundeten
Hüften wiegen sich beim Gehen. Ein langer Schal flattert feminin um den
Hals und wippt mit den Zöpfen im Takt - fast, als sei er eine Fahne im
Wind.
Lacht dieses alte Mädchen jemals? Unter großen ausdrucksvollen
Augen und einer zierlichen Nase wirken die zusammengepressten Lippen
schmal und streng.
Die Haut ist hell und einzelne Sommersprossen zieren die Wangenknochen.
Und doch, in diesem Wesen liegt etwas ungemein Bezwingendes.
Es schaute die Menschen an, verschenkte ohne Koketterie tiefe Blicke. Entgeht diesem Blick jemals etwas?
Wie aus heiterem Himmel lacht dieses Gesicht plötzlich, verzieht sich spitzbübisch, fast koboldhaft.
Faszinierend: im einem Augenblick erscheint das Gesicht uralt und
im übernächsten schon jung, wie das blühende Leben. Es kommt wohl auf
das Licht und die Tagesform an.
Über den Augenblick schiebt sich ein stummer Film: ich sehe eine
Clownin auf dem gespannten Seil. Sie dreht dem Publikum eine lange
Nase.
Bevor sie aussteigt und meinen Blicken entschwindet, beugt sie sich zu mir herüber: "Übrigens, ich heiße Aurora."