findevogels fundstücke

rote tagträume 78

Blass-blaue Tagebücher — geschrieben von findevogel am 31 Mai, 2008 @ 17:26
am abend vorher hatte claire marie mit dem gefühl verlassen, ihr etwas dagelassen zu haben, ein bisschen energie, gemischt mit fantasie und einem hauch von nonkonformität. so war es immer zwischen ihnen gewesen. wenn marie sich in ein thema verbiss und nicht locker ließ, in den eigenen eingefahrenen mustern hängen blieb, dann nahm claire den schatten von maries blick weg, indem sie ihn auf etwas nebensächliches oder erstaunliches am rande des blickfeldes lenkte. oft reichte das, um marie aus den verwirrenden endlosschleifen herauszuholen und oft endeten diese gespräche mit übermütigen lachen und einem kreativen wortgewitter, das beide gleichermaßen erfreute.
in der nacht versuchte claire zwischen den heftigen regengüssen und den gewittern, die dieser mai mit sich brachte ein bisschen ruhe zu finden. es wollte ihr nicht so recht gelingen, also spann sie eine neue episode von frau mai, die ihr im traum als eine seiltanzende akrobatin erschien, die über ungewöhnliche und magische fähigkeiten verfügt.

sie erwachte mit dem gedanken: "genau das braucht marie - etwas ungewöhnliches, weil die gewohnten heilmethoden bisher versagt haben - ein bisschen magie."
und war sich doch sehr bewusst darüber, dass sie selbst es war, die diese magie benötigte, um ihrer ohnmacht etwas entgegen zu setzen.
der morgen ging schnell vorbei, so dass claire am nachmittag wieder an maries bett saß und erzählte:

frau mai hatte sich von dem galanten harlekin verabschiedet und huschte nun, auf ein zeichen wartend, hinüber zur galerie.
und da war es schon, die roten samtvorhänge öffneten sich soweit, dass sie das dschungelgemälde sehen konnte. nun hieß es, unbemerkt hinein zu kommen, denn der besitzer, ein alter mann im abgewetzten schwarzen anzug über einem weißen hemd, das einre rote kravatte zierte, kam auch an den feiertagen kurz vor dem angelus in seine galerie, um etwas zu verändern und nach dem rechten zu schauen. die tür war für kurze zeit geöffnet. während der alte mann, den sie herr anton nannte, sich in den hinteren räumen wie jeden abend einen italienischen espresso zubereitete, schlüpfte frau mai hinein. belebend duftete es nach dem kaffee.

bevor sie für diesen abend in einer blüte des dschungelbildes ihr schlafgemach fand, und sich mit seidigen blättern zudeckte, schaute sie noch einmal zum fenster hinaus. sie sah diese frau auf der anderen seite des platzes, die ihre schwester hätte sein können, und die ihr, das wusste frau mai, gefolgt wäre, wenn da nicht ihre besondere fähigkeit gewesen wäre, einen mensch an seinem platz zu bannen.
frau mai wurde nur von wenigen menschen gesehen, denn sie war nicht aus fleisch und blut und nur jene nahmen sie wahr, die die kunst des inneren sehens beherrschten.
frau mai löste den bann, indem sie mit beiden augen kniepte und gleichzeitig einen hochkonzentrierten gedanken zu ihrer doppelgängerin schickte, die auch gleich in bewegung geriet, um den platz zu überqueren. fast stieß sie mit dem harlekin zusammen, der plötzlich auf einem einrad um die ecke gedüst kam und zwischen den weißen zähnen eine langstielige rose transportierte.


ein kleiner neugieriger schelm

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 31 Mai, 2008 @ 15:37
 
www.pixelio.de
@saibotobias 


rote tagträume 77

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 30 Mai, 2008 @ 17:48
beschwingt betrat claire das krankenzimmer und setzte sich neben das einzelne bett, indem ihre blasse freundin mit geschlossenen lidern und verkabelt bis zum geht nicht mehr noch genauso lag, wie am tag zuvor. es schien so, als sei keine zeit vergangen. die lichter an den monitoren flackerten und nur den weißen rosen in dem bauchigen krug auf dem kleinen schränkchen neben dem bett sah man an, dass wohl doch die zeit weiter spaziert war: sie ließen ihre blütenblätter fallen. claire atmete tief ein und aus, damit der kloß in ihrem hals sich auflöste und nicht dazu führte, dass sich die traurigkeit in tränen auflöste.
sie rang um ihre fassung, erinnerte sich schließlich an ihren vorsatz und an frau mai, von der sie marie jeden tag ein stückchen erzählen wollte.

sie begann leise:


viel zeit ist vergangen, und die menschenmassen haben sich in alle himmelsrichtungen zerstreut, als ich endlich von der stelle komme. die musik mit ihren heißen südamerikanischen rhythmen ist verklungen. vom nahen kirchturm läutet das angelus. ich schlussfolgere, dass es nun etwa neunzehn uhr sein muss. was hat mich in einem tranceähnlichem zustand am rande des schachbrettartigen platzes festgehalten? verfügt frau mai über hypnotische kräfte?
schon wieder ist sie mir entwischt. zuletzt sah ich sie kurz hinter den geöffneten samtvorhängen der galerie erscheinen.
ob sie wieder in einem gemälde verschwunden ist? einen moment lang sah ich ein großformatiges dschungelgemälde hinter ihr. zwischen den organisch geformten blattwerk rankten sich lichte lianen, aber vielleicht waren es auch schlangen. in der mitte des bildes erahnte ich einen roten papagei. das gemälde war mit breiten pinseln und acrylfarben gemalt. feine nuoncen konnte ich von der anderen seite des platzes aus nicht erkennen. niemals wäre ich imstande, frau mai in ihrem grünen kostüm in diesem gemälde wieder zu finden.
was war mir geschehen und warum folgte ich dieser frau, wie einem hirngespinst, das mich an der nase herum führte?
ich beschloss nach hause zu gehen und alles zu vergessen. nur einen kurzen blick wollte ich noch in die galerie werfen.


rote tagträume 76

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 29 Mai, 2008 @ 22:58

wandlung

 
welche gespenster, geister und luftschlösser; welche abgründe, schatten und unholde durch marie´s scheinbar traumlosen schlaf spazierten und sich angeschickt hatten ein bühnenstück zu inszenieren, ich weiß es nicht, aber ihre lieder flatterten, und einmal - ich hielt gerade die trockene zarte hand - einmal huschte ein lächeln über ihr gesicht.

es war so berührend, dass ich beschloss, nun jeden tag eine weile an maries bett zu sitzen und ihr geschichten zu erzählen. vielleicht die geschichten von frau mai, die bisher weder einen platz besaßen, noch einer konkreten motivation gefolgt waren. wer konnte schon sagen, was geeignet war, den geist eines menschen, der im koma lag, zu veranlassen, sich wieder mit seinem körper zu verbinden?

mir, claire, wurde in diesem augenblick bewusst, dass dieses geschichtenerzählen, wenn nicht für marie, so doch für mich selbst etwas heilendes besaß:
ich kann etwas tun, die zeit nutzen und versuchen mit meinen mitteln, marie zu erreichen. es wird meiner ohnmacht die hilflosigkeit nehmen und das brüchig gewordene band zwischen zwei freundinnen, die keine gemeinsame sprache mehr besitzen, erneuern.


rote tagträume 75

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 28 Mai, 2008 @ 23:08

marie in den gärten

 


in den gärten war es abend geworden. vom meer her legte sich nebel über die rosenpracht. schwer verdichtete sich ihr duft zu einer berauschenden essenz. es war maries traum zwischen den tagen und nächten;wochen und monaten, in denen sich der unauslotbare abgrund von zeit im sternenlosen dunkel nicht lichtete. bewusst war ihr nicht, wieviel zeit sie als gefangene außerhalb ihres körpers herum irrte.

wer hatte ihr den traum geschickt und erlaubt für eine kleine weile im gefäß ihres körpers auszuruhen und neue kraft zu schöpfen? sie wanderte mit langsamen schritten, die leicht waren wie das sanfte auf-und abbewegen von schmetterlingsflügeln - über die geharkten gartenwege.

ihr ziel war der weiher hinter den weinberankten pergolen, deren ranken nun schon den ansatz der zukünftigen früchte trugen. sie setzte sich auf die blaue bank neben der kleinen gartenpforte, deren grüne farbe schon lange nicht erneuert worden war. wenn sie diese pforte durchschreiten würde, wäre sie auf dem dünenweg, der direkt zum meer führte, das sie vom gartenzaun aus sehen konnte. jetzt aber blieb sie auf der bank unter der silberpappel und schaute in das grünblaue wasser des nicht gerade kleinen weihers, auf dem am anderen ende eine entenmutter mit sieben küken schwamm. marie lächelte bei dem gedanken, dass die entenmutter ihre brut wohl nach hause ins nest geleitete.

wo ist mein nest, fragte sie das blasse gesicht, dass sie im wasser sah und nicht als das ihre erkannte. sie streckte dem antlitz ihre hände entgegen, als wolle sie die wangen streicheln und berührte dabei für einen augenblick das wasser, indem sich nun alles verzerrte.
währen sie tief einatmetet und die luft mit einem seufzer entließ, sehnte sie sich sehr nach einer umarmung und nach einer mutter, die sie in den armen wiegte. sie fühlte schmerz und verließ im nächsten moment ihren körper, um erneut im verdichteten schwarz einer endlosen nacht zu versinken.


piepmatz gefunden!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 27 Mai, 2008 @ 22:57
 
gerupft und zerzaust
und manches spiel verloren
bleibt er vogelfrei

die sehnsucht zu fliegen wächst
weit über den horizont
 
foto:www.pixelio.de
gitti moser 


die seltsamen süchte von frau mai - teil 1

Märchenhaftes — geschrieben von findevogel am 25 Mai, 2008 @ 23:01

1.
frau mai war vorüber gegangen und hatte den blauen regenschirm mit der spitze aus stahl in der schlafzimmerecke stehen lassen. sie war dem biedermeiergemälde der kunstgalerie neben der großen kathedrale entstiegen und trippelte nun mit ihren stöckelschuhen die hundertzweiundachzig stufen zum turm hinauf. im bild blieb das bett zerwühlt und nichts deutete daraufhin, dass dort vor kurzem noch zwei menschen ihre liebe gefeiert hatten - fast ein wenig schamlos für diese zeit. über dem betthaupt schwebten im goldenen rahmen gottes zornige engel. neben der bettstatt auf einer kleinen konsole ergoß sich ein stillleben aus weinkaraffe, zwei goldgeränderten gläsern und einer schale mit erdbeeren und kirschen. seltsam, dachte ich, im mai gibt es noch keine kirschen.

ich folgte frau mai unauffällig auf ihren wegen. draußen auf den stufen machte es klipp-klapp, und die hochgetürmten haare wippten bei jedem schritt. sie war eine moderne frau und reckte selbstbewusst ihr kinn. wie war sie nur in das gemälde hinein und wieder hinaus gekommen? und wo war der heimliche geliebte nur abgeblieben. und überhaupt, was hatte sie über die zeitenschranke hinaus zueinander hin gezogen?

2.
ich folgte frau mai in den turm. warum ich sie frau mai nenne, fragst du mich - ich verweile an einer schießscharte und schaue kurz zwei verliebten tauben zu - es ist mai und die frau im grünen kostüm hat etwas von sturm und drang, der sich in diesem frühlingsmonat so eindringlich in der natur spiegelt . fast bin ich im turm angelangt, aber wo ist frau mai?
es scheint, als habe sie sich, während ich den tauben zuschaute in luft aufgelöst. ich schaue hinunter und traue meinen augen nicht: sie tanzt mit einem harlekin über den platz. da ist musik, und viele zuschauer bilden einen lebendigen wall um die tanzenden herum.
in der galerie verdeckt nun ein roter vorhang den blick auf das bild.

3.
ich beschließe auf frau mai´s spuren zu bleiben, und beginne sogleich mit dem abstieg. hundertsechsundachzig stufen hinunter aus lichter höhe in den dunklen sakralen raum, in dem sich gläubige zum mariengebet versammelt haben. orgeltöne erfüllen den raum mit energie und klang. weihrauch und die unzähligen duftenden blumen rauben mir den atem. ich eile zum großen portal aus holz, öffne den riegel, und schon bin ich draußen im blendenden licht eines makellosen maientages. draußen pulst das leben an diesem prachtvollen feiertag, und von einer bühne , die ich nicht sehen kann, erklingt beschwingte tanzmusik. der rhythmus geht ins blut und lässt musikliebende menschen nicht still stehen. eimal mehr frage ich mich, warum die meisten zuschauer so unbeteiligt wirken und da stehen, als seien sie zur salzsäule erstarrt. ich drängle mich nach vorne, sehe frau mai und den harlekin ihren tanz beenden. der grafisch gestaltete bodenbelag des kleinen platzes vor der kathedrale lässt mich an ein schachbrett denken, auf dem dame und könig, die beiden übriggebliebenen, sich voneinander verabschieden. harlekin lüpft seine perrücke und wirft frau mai noch eine kusshand zu, bevor er mit hohen sprüngen und einem irren tempo in der menge untertaucht. etwas fehlt mir im bild: wo ist die langstielige rote rosenblüte? derweil dreht frau mai sich langsam um ihre eigene achse, nimmt gelassen die zuschauer in den blick und verneigt sich vor dem publikum wie eine primaballerina.
ich schaffe es nicht, den platz zu betreten, so als sei ich angewurzelt, und frau mai dreht mir nun den schmalen rücken zu und stöckelt zur galerie, wo sich die vorhänge kurz geöffnet haben und ein ganz anderes gemälde die blicke auf sich zu ziehen versucht.


unter glas 9

Zwischen Sekunden ein stiller Moment — geschrieben von findevogel am 23 Mai, 2008 @ 15:33

im turm des dornröschenschlosses öffnete sich über mir eine gläserne kuppel. die nacht begann den tag zu umarmen. aus einer zugigen ecke pfiff der wind mir lau um die ohren. das schloss glich einem labyrinth. in der halle zu ebener erde war ich vor kurzem noch teil einer gruppe gewesen, die schwatzte, sich über gott und die welt unterhielt, und die auf die führung wartete. mir dauerte das warten zu lange, deshalb beschloss ich nach einer weile, mich abzusetzen und auf eigene faust auf entdeckungstour zu gehen. niemand achtete auf mich oder hielt mich auf. ich stieg über schiefe stufen, gläserne treppen und hölzerne stiegen, die sich wandelten und wendelten immer höher hinauf. anfangs vernahm ich von unten noch menschliche stimmen, wortfetzen, die sich allmählich auflösten und nur noch klang blieben, bis auch der letzte ton in den gewölben verhallte. unter mir knarzten die stufen und schiefe läden quietschten in ihren angeln. die unzähligen türen , die sich mir aus den gängen in den blick schoben, ließ ich links liegen, denn mein ziel war der turm.
überrascht stellte ich fest, dass es immer so war: ich löste mich aus der gruppe, der ich mich nicht zugehörig fühlte, und betrat die einsamen wege.

jetzt in diesem moment unter der kuppel sah ich weit - noch waren die konturen der umliegenden landschaft gut zu erkennen. rechts erblickte ich hinter dem wall das silberband eines kleinen flusses, der zwischen den alleebäumen dahinzutanzen schien. vor mir versteckte ein dichtbelaubter wald seine geheimnisse, und links drängten sich dicht an die mauer kleine rotgedeckte häuser und eine weiße dorfkirche, von der aus es gerade zum abendgottesdienst läutete. gestern war ich angekommen und hatte unter dem dach eines der schiefen häuser quartier bezogen.

jetzt stand ich im turm und fragte mich einmal mehr danach was ich bin und will, und was mir sinnvolles ziel sein könnte. so fern von allem störte niemand meine stummen gedanken. was wäre, wenn ich für die nacht einfach hierbliebe? die vorstellung, dass mich keiner vermissen würde, ließ mich einen behaglichen grummelton hervorbringen. gleichzeitig dachte ich über begegnung nach und darüber, ob wirkliche nähe nichts weiter als eine illusion sei. waren menschen nicht mitten zwischen allem allein und von einer nur scheinbar überwindbaren mauer umgeben?

im rucksack steckten neben decke, taschenlampe und fotoaperat auch schreibzeug, ein apfel und studentenfutter.
innerlich dankte ich für die blaue stille, die mich in ihren armen wiegte. das abenteuer konnte beginnen.


frau mai geht vorbei

Poesie — geschrieben von findevogel am 22 Mai, 2008 @ 21:35

frage nicht
komm!
die zeit ist zur reife gelangt
ernten wir einander.

wir essen mit erdbeerlippen
erste kirschen vom verbotenen baum
und mischen waldmeister in den göttlichen trunk
wie paradiesisch du schmeckst
und in tiefen tälern verborgene knospen sich öffnen
wenn deine zunge mich kitzelt
und ein zauberstab an meine quelle rührt
in den blauen stunden
streichelt der laue wind zärtlich
den duftenden nektar von meiner haut


wolkenvogel

Magisches Blau — geschrieben von findevogel am 22 Mai, 2008 @ 13:00
 

auf  windflügeln

schwebt ein vogel weit hinaus

einer wolke gleich



foto:www.pixelio.de                                       foto: knipseline


sternstunden 3

Zwischenmenschliches — geschrieben von findevogel am 20 Mai, 2008 @ 23:14

ich glaube, jede begegnung, die mich in tieferen schichten berührt, wandelt mich, nicht in dem sinne, dass sie mich neu macht, eher spricht sie seiten in mir an, die bisher ausgeblendet und somit als gelebtes potenzial noch nicht zur verfügung standen.

wird durch begegnung eine seite in mir belebt, erlebe ich mich selbst, erleben mich andere gewandelt. darin liegt für mich zauber und versprechen: der weg hin zur inneren fülle - oft dornig und steinig - ist ein beleuchtender, ein guter weg.


sternstunden 2

Mitternachtsspitzen — geschrieben von findevogel am 19 Mai, 2008 @ 23:03


manche begegnungen wirken und wirken.... werden zu melodie und lied, und im text warten schon sternschnuppen auf ihren auftritt.... und alles ist einfach nur gut.


ein seltener gast

Märchenhaftes — geschrieben von findevogel am 19 Mai, 2008 @ 17:34

 

ich sah den fisch im wasser dümpeln, und er schaute mich an.

"närrin" nannte er mich "warum nur wanderst du mit gewitterwolken über der stirn durch diesen makellosen tag?"

"und wer bist du, dass du mich fragst?"

"erkennst du mich nicht, fischerin vom belebten meer?"

wie schuppen fiel es mir von den augen. es war der blaue fisch, der mir durch die maschen geschlüpft war - damals - als ich danach fischte, mich selbst zu verstehen. wie kam er hierher, in den seerosenteich?

"wenn die welt mich zerreißt, lieber fisch, bin ich nicht ganz bei mir. ich sehe die schönheit des berauschenden grüns nicht, spüre keine streichelnden halme an meinen waden, die vögel zwitschern nur für andere ohren, und der wind, der mir das haar zerwuselt, findet meine aufmerksamkeit nicht."

"warum lässt du es geschehen, nur du selbst kannst dich zerreißen, geh in deinen stillen garten und schließe alle türen. lass niemanden hinein,
damit du dich findest in den blüten der kastanie über deinem haupt. wenn du bei dir angekommen bist und dein beruhigter atem dich trägt, wie den fluss die wellen, dann kehre zurück und lasse das gewitter dort."

"huch" dachte ich, "du hast mich kalt erwischt."

und mein blick suchte den fisch, aber der war nicht mehr da. und ich schloss ihn einmal mehr in mein herz und dankte mit freundlichen gedanken.

 


zeitzeichen

Poesie — geschrieben von findevogel am 18 Mai, 2008 @ 20:54
 ich nahm deine zögernde hand
und führte dich
dessen augen blind
an den grünen fluss
jenseits der roten berge
ich bat dich vertrauen
und du ließest dich nieder
am fuß einer uralten eiche
ins moos gebettet dein heller kopf
ich hieß dich, zu lauschen

und nach einer weile
als der wind in den blättern
dir sein flüstern schenkte
vögel sangen, während sie in den zweigen wippten
und der fluss mit kleinen wellen ans ufer perlte
wisperte ich deinen namen

und du setztest dich auf
schlugst die augen auf
sehend
und in ihrer dunkelblauen schönheit
spiegelte sich mein gesicht


Sternstunden

Mitternachtsspitzen — geschrieben von findevogel am 17 Mai, 2008 @ 22:48

Es gibt Sternstunden der Seele. Sie scheinen, wie aus der Zeit gefallen und erinnern daran, dass die sicht-und fassbare Welt nur ein Bruchteil ist von allem. In den Sternstunden der Seele verlässt ein Komet seine Umlaufbahn um die deine zu kreuzen. In diesem Augenblick wirst du neu geboren. Alles wandelt sich zu neuer Fülle.
Der Komet stößt etwas an, und es wirkt und wirkt.... ohne je zu erlahmen.

 

Manche nennen es Zufall.  


rote tagträume 74

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 16 Mai, 2008 @ 21:35
In den Gärten jenseits des Meeren war der Wind in den Nächten noch kühl. Zwischen den Beeten waren die Wege frisch geharkt. Während die Vögel des Gartens den Ohren ein pfingstliches Konzert bescherten, wetteiferten am Rande Storchenschnabel und Akeleien um die Gunst des Augenblicks. Im Schatten unter der Hecke vermischten sich Maiglöckchen und Waldmeister zu einem süßgrünlichen Duftgemisch.
Marie wanderte in ihren Gedanken an der Hecke entlang. Sie fühlte die Sonne auf ihrem Scheitel und den Wind im Rücken. Die vielfältigen Gerüche dieses warmen Maientages kräuselten ihr die Nase. Unter den Fingern, die jetzt zaghaft durch das Blätter-und Blütengewirr strichen, spürte sie die feuchten Tauperlen des frühen Morgens.
Für einen Augenblick kehrte ihr Geist in sein Gefäß zurück, und sie erinnerte sich - sicher hatten sich die ersten Wildrosenblüten in ihren weißen Kleidern schon geöffnet und in der Nähe des kleinen Teiches wuchsen Vergissmeinnicht und Pfefferminze nahe bei Blutweiderich und Sumpfdotterblume - um gleich darauf zurückzufallen in einen traumlosen Schlaf.


Spirit of Pfingsten!

kurz notiert! — geschrieben von findevogel am 10 Mai, 2008 @ 23:04



Feuer
 
www.pixelio.de_digitalice 

 

 

Wenn der "Heilige Geist" nun frischen Wind in die Seelen zu wehen fähig ist, und diese Seelen nun ihren Menschen dazu verhelfen würden, die gefesselte Zunge zu lösen, so dass sie frei würden, zu sagen, was ihnen geziemt und angemessen ist, das wäre doch etwas Wunderbares.
Wenn ein freier Geist weht und die Menschen die Angst vor sich selbst verlieren, dann wären wir evolutionär einen Schritt weiter gekommen.

Und wenn nun die freien Geister der Welt sich die Hände reichen und ein Netz knüpfen, dann könnte es doch gut sein, dass niemand mehr strauchelt oder durch die Maschen fällt; und das Netz wäre wie eine Hängematte zwischen Himmel und Erde.


In diesem Sinne - wie auch immer - wünsche ich allen Lesern ein paar schöne Tage mit pfingstlichem Spirit.


Zahn der Zeit

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 7 Mai, 2008 @ 10:09
 

 
 
an jenes Blau dort
hängten sich zeitvergessen
zarte Gespinste


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Wasserimpressionen

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 5 Mai, 2008 @ 22:54

Eine Wolke schaute hinunter zum Meer und staunte nicht schlecht. Während sie sich ganz oben über dem Felsenkliff mit ihren Brüdern und Schwestern zu düsteren Gebirgen zusammengeballt und verdichtet hatte, türmten sich die rasenden Wellen meterhoch. Wie heißblütige Pferde mit schneeweißer Mähne bleckten sie das schaumspuckende Maul. Schon übersprangen sie das Geröll und die Baumstümpfe vergangener Stürme und leckten mit gierigen Zungen am Kalksandstein des Kliffs. Im Zurückweichen nahmen sie mit, was ihnen der Strand zu bieten hatte. Nichts blieb an seinem Platz.
Wehe dem, der dem Unwetter strandnah zu trotzen gewagt hatte und nun versuchte dem herannahendem Gewitter zu entkommen. Es blieb zu wünschen, dass es kein Leichtmatrose war und ihn zu Hause eine warme Dusche und heißer Grog erwarteten. Schon war er nass bis auf die Haut, denn es schüttete inzwischen wie aus Kübeln.


Rote Tagträume 73

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 4 Mai, 2008 @ 20:22

Etwas veränderte sich in Marie. Es geschah innen, fand seinen Weg nach außen und blieb den Augen von Claire nicht verborgen. Marie im weißen Hemd auf der sterilen Liege - mit Kabeln am Körper zu den Monitoren an ihrer linken Seite - bewegte sich nicht. Und doch, es war als wehe Wind einen Schauer über ihre Haut. Die Augenlieder flackerten zart wie Libellenflügel.
Claire nahm Maries linke Hand in die ihre und legte schützend die Rechte darüber.
Unter Maries kühler Hand pochte das Blut, und es schien so, als sei da plötzlich mehr Energie, als noch vor wenigen Augenblicken.

Hätte Marie beschreiben können, was in diesem Augenblick geschah, sie hätte erzählt, wie sie den Ausgang der Höhle erreichte und den Drachen, der tief unten wütete, hinter sich gelassen hatte. Sie hätte erzählt, wie sehr die Sonne ihre Augen blendete, als sie über die Steinmauer klettern wollte, um in ihre Gärten zu gelangen, die Gärten am Meer, die sie so vermisst hatte, und die ihr nun davon erzählten, dass die Rosen immer noch blühen, und dass seit damals nicht wirklich Zeit vergangen war.
Sie hätte Claire vom Duft der Blumen gesprochen und ihr ein Märchen über die bunten Schmetterlinge und den grünen Leuchtkäfer erzählt. Schließlich hätte sie Claire über die Mauer gezogen, um sich mit ihr unter der alten Kastanie im Moos niederzulassen. Ja, sie hätte sie aufgefordert, mit ihr aus dem Brunnen der Erinnerung zu trinken.

Aber noch konnte Marie nicht sprechen. Der Geist fand nicht den Weg zurück in sein kostbares Gefäß. Allein die Gefühle hinter den Worten, denen in diesem Moment Flügel gewachsen waren, trugen sie dorthin, wo ihre Seele zu Hause war, dorthin wo Heilung wartete: in ihre Gärten am Meer.


Was ich dir immer schon einmal sagen wollte 1

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 1 Mai, 2008 @ 23:14

Ich liebe es, wenn du -  ein Papiertiger, der schon mal gerne auf weißen Blättern die Schreibkrallen ausfährt, Bissspuren darauf hinterlässt oder einen wortgewaltigen Donnerbrüll loslässt – wenn du sanft und leise wie ein Salonlöwe über die weichen Teppiche meiner inneren Räume tapst und ein paar wildwuchernde Zauberzeilen fallen lässt, bevor du wieder in den magischen Wäldern verschwindest und dich im Nebel auflöst.
Sie wachsen bei mir, denn ich sammle sie auf und pflanze sie in die inneren Gärten. Auf diese Weise ist dort schon ein ganzer Wald gewachsen.


Zuhause

Poesie — geschrieben von findevogel am 1 Mai, 2008 @ 11:33

Wenn ich bei mir bin
ist die Welt rund und heil
und immer singt die Nachtigall
in sommerlichen Kirschbäumen

Wenn ich bei mir bin
ist die Welt klein und groß
und immer liegt Schnee
unter bunten Ahornblättern

Wenn ich bei mir bin
trägt die Welt ein Frühlingsgesicht
und immer badet der Mond
in einem spiegelglatten See

Wenn ich bei mir bin
ist die Welt still und leise
und nur die Seele singt ihr Lied
jenseits aller Worte

Wenn ich bei mir bin
ist die Welt ein Zuhause
aber immer bleiben Türen angelehnt
für den überraschenden Gast


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