findevogels fundstücke

seelenbaumel

kurz notiert! — geschrieben von findevogel am 29 Jun, 2008 @ 20:12

 

 

lichtgedicht
sonnenwonnen
strahlen malen
himmelbimmel
laublau

 

foto: Alchemie
www.pixelio.de 

 


tageweise 2

Poesie — geschrieben von findevogel am 29 Jun, 2008 @ 10:42

wenn am sonntag
herr samstag die brötchen aufbackt
und
stillvergnügt zum flötenkessel summt

nimmt frau montag hut und stock
und
geht mit dem hund max die sonne suchen
fängt sie ein mit dem langen silberhaar
und
verschenkt mit einem kuss sie als morgengruß


tageweise 1

Poesie — geschrieben von findevogel am 28 Jun, 2008 @ 18:19

und es ist samstag
ein samstag ende juni
der juni bringt landregen
landregen, der haar und lippen netzt
und auf lippen nach rosen schmeckt
gelbe rosen, deren blätter fallen
blätter, die teppich sind für sommerschritte
 


Findevogel pass auf!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 25 Jun, 2008 @ 20:18

 

wenn flügel schleifen
brechen - heißt es, achtsam sein
der fuchs ist listig

bleib versteckt im gebüsch
und tarne deine spuren

 


Marc Chagall

Lyrische Gedanken und goldene Äpfel — geschrieben von findevogel am 21 Jun, 2008 @ 20:47

Immer schon wollte ich mal einen Text schreiben, der von den Chagall-Bildern, die ich sehr liebe, und die mich immer wieder auf ganz besondere Weise berühren, inspiriert ist.
Heute nun fand ich Zeit und Muße, das Vorhaben umzusetzen.


Marc Chagall: Blue Landscape

Die Nächte verlassener Seelen und wahrhaft Liebender sind blau. Von jenem Blau, das man von der Stunde zwischen Tag und Nacht kennt, die man ab und zu bei bestimmten Wetter- und Lichtbedingungen genießen darf, dieses Blau, das sich so oft in den Bildern von Marc Chagall findet.
Es ist das Blau von Sehnsucht und Erfüllung.
Wie eine geschlossene Kugel trägt es in sich einen unendlichen Raum ohne Zeit. Das magische Strahlen scheint geradezu geschaffen, um für die einen Balsam in einsamen Stunden zu sein, für  die anderen Paradies, eine Nische, in der auch das Unmögliche möglich erscheint.
Aus der Feder betörter Dichter schnörkeln sich Buchstaben zu Texten von  bizarrer Schönheit auf weißes Papier.
Maler halten inne und den Pinsel hoch -  verlieren sich für einen Moment in den eigenen Farben, die fremdartig leuchten.
Der Cellist horcht in den Klang seines Instrumentes hinein. Es klingt neu und erscheint wie die Eingebung aus einer anderen Welt.
Liebende flüstern Koseworte und schwören sich unter Küssen Ewigkeit.

Die verlassenen Seelen gleiten sanft in einen erholsamen Schlaf und ihre Träume gleichen der besonderen Dichte einer lauen Sommernacht, in der unzählige Blumen ihren Duft verschwenderisch verschenken und die Nachtigall ihr Lied singt.
Kleine Engel purzeln aus verblauten Wolken.
Während der Ritt auf dem gelben Pegasus sie über die roten Dächer einer kleinen verschlafenen Stadt trägt, wartet ein Einhorn hinter dem einzelnen Baum am Rande der Nacht. Und der Mond spielt auf der Geige eine Melodie, die zu Herzen geht und sich wohltuend in die Seele eingräbt.
Unten auf dem Platz vor den Häusern haben sich Menschen versammelt, um mit angehaltenem Atem den weißen Fisch anzustarren, der unter einem Dach aus bunten Lampignons auf einem unsichtbaren Seil tanzt.
Und beinahe verschwimmt eine Akrobatin, die völlig entspannt und verträumt erscheint und kopfunter an einem schwingendem Trapez hängt,  mit den aufziehenden Wolken.
In dem enganliegenden Rosenkostüm scheint sie den Märchen aus tausendundeiner Nacht entsprungen.
Über allem haben sich Anima und Animus endlich gefunden.
 Sie verschmelzen und entschwinden in der blauen Kugel, die sie wie ein Raumschiff in eine andere Welt entführt.

 

 





Wenn Gedanken Engel sind!

Engel — geschrieben von findevogel am 20 Jun, 2008 @ 18:18

 

 

wissen Sie, bei Petros heute im weltweiten netz streiften mich ein paar sätze wie die flügel eines engels. sie sprachen von den zwei türen, die nebeneinander liegen und vollkommen gleich aussehen. die eine führt in die hölle, die andere in den himmel.
was, wenn man an ihnen vorbei geht?
es mag zeiten geben, lieber freund, in denen es heilsam ist, an ihnen vorbei zu gehen, um in der mitte und bei sich zu bleiben, bis man gwappnet und im gleichgewicht ist, um es mit den emotionalen höhen und tiefen des lebens - mit freude und schmerz - wieder aufnehmen zu können.
die inneren gärten sind heilsam und kleine engel bewachen die eingänge.
und in der mitte, glauben Sie mir, liegt ein blaugekachelter brunnen, und aus ihm schöpft man das wasser des lebens.

mögen also meine gedanken engeln gleichen, die Ihnen ein wenig licht zu bringen vermögen
.

 


Rot wie Mohn

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 20 Jun, 2008 @ 16:02
 

warm und lebensfroh
tragen mohnblüten licht
in das alltagsgrau

www.pixelio.de @hmeberhardt


Rote Tagträume 82

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 19 Jun, 2008 @ 11:54

 

 

mit dem wind davon getragen

marie wusste nicht wie es geschehen war. in einem lichten moment, in dem sie auftauchte wie aus der ewigkeit einer tiefen, stillen und mondlosen nacht, sah sie sich selbst ausgebreitet und weißgewandet auf einem seltsamen bett. da waren kabel, die aus ihrem körper heraus zu flackernden monitoren führten. sie spürte ihren körper nicht. die augen der frau auf dem bett waren geöffnet, und der leere blick schien durch die wände hindurch zu sehen. vielleicht zum anderen teil ihrer selbst, der von oben alles sah, auch dass claire den raum betrat und einen duft nach rosen, sommer und wind mitbrachte. claire, die treue freundin, die schon solange, wie lange überhaupt, an ihrem bett saß, ihre hand nahm und mit einer stimme erzählte, deren worte sie nicht verstand, aber die sie in tiefen schichten berührte, und ihr wärme und nähe schenkte. war es dieser scheinbar bewusst wahrgenommene moment, indem ein starker wind sie in seine arme nahm und zu den gärten jenseits der meere trug? wieder saß sie mit wehenden haaren auf der blauen bank am teich, lauschte den möwen und roch das meer. seit dem letzten mal musste zeit vergangen sein, denn die luft war warm und alle rosen blühten. der apfelbaum trug tischtennisgroße grüne äpfel. rote johannisbeeren lockten und erinnerten an den gellee den ihre mutter früher im sommer ihrer kindheit aus ihnen bereitete, und der auf frischgebackenen milchbrot so wunderbar schmeckte. marie wollte nach ihnen greifen, aber bevor sie die früchte berühren konnte, trug der wind sie zurück in ihre traumlose nacht.

 

 


jenseits von worten

Poesie — geschrieben von findevogel am 18 Jun, 2008 @ 11:58

was?
wenn nur noch fühlen ist und spüren
hinter worten, die entzweit
sich jenseits der dinge verlieren
was?
wenn jeder nerv schmerzhaft vibriert
und im kopf ein pochen dröhnt

sag!
welches lied komponiert dann das meer?
welche farbe trägt mein herz?
welcher wind weht in deiner seele?


Es lockt Türkis

Vom grünen König und seinem Reich — geschrieben von findevogel am 14 Jun, 2008 @ 15:27

www.pixelio.de - @suzi

unruhig dieses türkis
spannung teilt sich mit
als sei eine geigenseite
gestrichen vom magischen bogen
der ton schwillt an

schwingt – weckt auf
zersplittert


im nachhall lang
verlangt einen neuen bogenstrich
sehnsucht nach verlängerung
endlos wie das meer
im kreislauf von wellen und wind
melusine im schlangenleib lockt
mit sirenengesang
bis ein boot zerschellt
am klippenrand

und der  wind streicht über das wasser, gibt den wellen seinen atem
türkisblaue kraft türmt sich hoch, setzt schaumkronen auf
donnert  mit paukenschlag an den langmütigen  strand


Der Dom zu Köln

Engel — geschrieben von findevogel am 13 Jun, 2008 @ 12:21


 
 

an kölns hohem dom
hütet ein engel das tor
schwer wiegt sein gewicht


www.pixelio.de
@Knipsermann


Rote Tagträume 81

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 12 Jun, 2008 @ 14:29

an diesem tag regnete es wie aus kübeln. deshalb verzichtete claire auf die pause unter ihrer geliebten kastanie und betrat gleich das krankenhaus. vor maries zimmertür traf sie schwester antonia.
"wundern sie sich nicht" sagte sie freundlich zu der jungen frau, " ihre freundin hat die augen geöffnet."
"und, heißt das jetzt, dass sie auwachen wird?" fragte claire freudig überrascht.
"Nein, noch kann man nichts sagen, es könnte sein, aber genau wissen wir nicht, was geschehen wird." antwortete die schwester reserviert
und noch bevor claire etwas sagen konnte, zwinkerte sie ihr zu und sagte:
"aber gehen sie hinein. ganz sicher ist, dass es ihrer freundin gut geht, wenn sie da sind. alles weitere weiß nur der liebe gott."
und schon war sie ins nächste zimmer verschwunden.
claire fand marie mit offenen augen und auf dem rücken liegend vor. der blick war abwesend, so als sei er auf ein ziel jenseits des spitals gerichtet.
claire legte schirm und mantel ab, ordnete ihre durcheinanderwirbelnden gedanken,versuchte ihre gefühle zu besänftigen, um ruhig und gelassen zu werden. dann zog sie sich einen hocker an maries bett, nahm ihre hände, und während sie diese sanft massierte, begann sie zu erzählen:

Doch jetzt zurück zu den Geschehnissen vor der Galerietür:

Bettina Schwan war über den schachbrettartigen Platz geeilt. Ihr Blick hing starr an dem Spalt zwischen den roten Vorhängen des Galeriefensters und versuchte zu erkennen, was in dem grünen Dschungelgemälde mit dem roten Papagei, der sich gerade zu bewegen schien, vor sich ging. So bemerkte sie nicht, dass sich von der Strasse rechts auf einem Einrad der Harlekin näherte.
Da dieser eine Rose zwischen den Zähnen trug, konnte er nicht mal einen Warnruf abgeben, und über eine Klingel verfügte sein Gefährt nicht. Im letzten Moment gelang es ihm abzuspringen, aber nicht ohne die Sammlung unterschiedlich großer blauer Blecheimer, die mit bunten Sommerblumen bepflanzt waren, zu streifen. Sie standen neben einer rosenberankten Pergola, unter der zwei grüne Klappstühle aus Holz und ein buntgefliester Bistrotisch zum Verweilen einluden. Einige der Eimer kippten um. Dunkle Blumenerde verteilte sich auf dem Gehweg. Dieses Geräusch verursachte das laute Scheppern, das den alten Ferandez aufhorchen ließ und Frau Mai, die sich nachdem sie wie ein Schmetterling am Nektar genippt hatte, bereits in den Trichter einer weitgeöffneten Blüte des Gemäldes zur Ruhe begeben hatte, veranlasste, einen neugierigen Blick über den Blütenrand zu wagen.

Bettina Schwan war wie erstarrt, ihre Augen geweitet vor Schreck, als plötzlich dieser maskierte Mann im bunten Flickenkostüm vor ihr stand, der aus der Commedia dell´arte entsprungen schien. Gleichzeitig glaubte sie, im Gemälde Frau Mai entdeckt zu haben.
"Oh!" platzte es aus ihren gespitzten Lippen heraus.
Der Harlekin, der sich zum Glück nicht verletzt hatte, nahm die Rose in die Hand, verbeugte sich und überreichte sie der verdutzten Frau. Dabei schaute er ihr so tief in die Augen, dass sie den Blick unwillkürlich senkte und spürte, wie sich ihre Wangen rosa färbten.
„Dumme Pute“ schalt sie sich stumm, „das ist doch nur ein verkleideter Mann.“
„Gestatten Senorina, mein Name ist Truffaldino.“ Er sprach mit gebrochenem Deutsch, aber die warme, tiefe Stimme ließ Bettina angenehm erschauern.
„Wie komme ich aus dieser Situation heraus?“ fragte sie sich stumm und fast schon panisch. Es gelang ihr nicht, auch nur einen vernünftigen Satz aus ihrer Kehle zu entlassen.
In diesem Moment öffnete Frederico Ferandez die Tür:
„Mamma Mia" zürnte er „sind wir immer noch im Karneval?“

Er schaute die verdatterte Frau an, und für einen Augenblick wirkte die Dreiergruppe wie aus dem Wachsfigurenkabinett herausgefallen.


ein zitroniger falter

Poesie — geschrieben von findevogel am 11 Jun, 2008 @ 21:06
 
ein falter aus frischen zitronen
blauschwebte ins grüne
denn bei der roten düne
tänzelte er für frivole matronen

die dicke im kaftan hob ihre hand
gröhlte ein lied mit dem wind
 streckte und rekelte sich im sand
so wie ein närrisches kind


als am himmelsrand schließlich verblasste das erdbeerrot
 fand am grünen strand der gelbe einen gnädigen tod

foto: moorhenne  www.pixelio.de


Wie aus einem Märchen entsprungen!

Märchenhaftes, Zwischenmenschliches — geschrieben von findevogel am 11 Jun, 2008 @ 10:21

Jenseits des Weihers, versteckte sich hinter den Bäumen ein weißes Schloss. Ich näherte mich auf Zehenspitzen - das angrenzende Gebüsch mit seinem üppigen Grün hatte mir frischen Atem geschenkt und mich beruhigt. Die Zugbrücke über dem Schlossgraben war geschlossen. Auch ohne eine Dornenhecke wirkte das Gebäude mit den Türmchen an den Ecken verwunschen. Im Schlossgraben wuchsen Seerosen. Im Licht des Morgens wirkten sie wie ein Gemälde von Monet. Kugelige Buchsbaumstämmchen spiegelten sich im Wasser. Welche Geschichten hier wohl leben oben im Turm und unten auf dem Grund des blaugrün schimmernden Wassers. und welche Geschichten schlafen in den Menschen, wenn sie traurig sind oder am Rande stehen. Welche Geschehnisse zwischen Menschen spiegeln alte unselige Geschichten und legen diese Molltöne in den makellosen Tag. Was aber wäre eine Geschichte ohne die Mollklänge?
An der üppig gedeckten Tafel mit frischem Kaffee in der Hand fand ich die Sprache wieder und das Gespräch über das Leben und die Kunst zog mich in seinen Bann.
Hier zwischen den Menschen an meinem Tisch war das JETZT melancholisch, aber auch heiter. Ein Geheimnis umschloss sie, wie eine lichte Hecke, die sie schützte vor ungebetenen Blicken und bettelnden Hunden.


Verschluckt, das Blau

Poesie — geschrieben von findevogel am 9 Jun, 2008 @ 08:45

 

gestern fielen aus roter Zeit
grüne Tropfen ins gelbe Meer
das lila Rehkitz fror heute sehr

sprang in offene Arme weit

schlüpfte in den runden Bauch

sephiabraune Hände
schlugen gegen Wände
laut atmeten Worte, ein Hauch

unter dem Donner duckte sich klein

das vom Blitz erhellte Kind
zuckte die Fingerchen fein
und floh zerzaust mit dem Wind


der Wolken zerschlug, wie safranfarbenen Rahm
und in seiner Gier dem Blau das Leuchten nahm


Rote Tagträume 80

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 7 Jun, 2008 @ 21:04

am nächsten tag, es war ein ungewöhnlich schöner sommertag, saß claire wieder am bett ihrer freundin marie und dachte daran, wie schön es wäre, wenn sie marie im rollstuhl nach draußen tranportieren könnte, um unter den blühenden linden duft und kühlen abendwind zu genießen.
wie immer hielt sie maries rechte hand in der ihren und erzählte:


bevor wir uns den geschehnissen vor der galerietür zuwenden, muss ich noch einige worte über frau mai verlieren. sie ist nicht ohne, die gute frau, und woher sie kommt, das weiß niemand. die einen spekulieren, sie komme aus der hölle, wieder andere vermuten ihre herkunft im himmel. ich vermute, sie stammt aus einer blauen flasche, die über das große meer geschwommen ist, an einem strand in der nähe von eckernförde an land gespült und dort von dem kleinen martin gefunden wurde. neugierig, wie kinder nun einmal sind, öffnete er den drehverschluss der flasche, und schon war es geschehen, ein luftiger geist verließ das gefängnis, in dem er eine unendliche zeit verschlafen hatte. martin wunderte sich nur über den kühlen luftzug, der plötzlich sein ohr streifte, um im nächsten moment wieder verschwunden zu sein.
die dekorative flasche nahm er mit nach hause. dort dient sie seiner mutter seidem als rosenvase. wie frau mai dazu kam, sich wie eine moderne frau zurechtzumachen und was sie tat, um in der galerie von domenico ferandez ein neues zuhause zu finden, das ist eine geschichte, die ich erst noch herausfinden muss. aber vielleicht wird nun verständlich, warum frau mai in die dinge hinein schlüpft und sich dort verbirgt. achso ja, bevor ich es vergesse, die mutter vom kleinen martin ist bettina schwan, jene frau, die an einem sonnigen feiertag plötzlich einen zwanghaften drang verspürte, den spuren von frau mai zu folgen.


Oh dieses Türkis!

Poesie, Magisches Blau — geschrieben von findevogel am 7 Jun, 2008 @ 15:21
 

wenn sie sich öffnet
diese verschlossene tür
was findet sich dort

 türkis wie seelenhimmel
in die das meer sich verströmt



Foto: www.pixelio.de
@ChristianeIrmgard





weißt du?

Poesie — geschrieben von findevogel am 6 Jun, 2008 @ 17:28

ich steh mit offenem mund da
komm aus dem staunen nicht raus
sonderbar

ein lächeln fiel in den abendlichen see
und ging baden im gold
es glitt einfach davon
zerfloss in den wellen
ich steh am strand
und kann es nicht retten
dabei
wollte ich´s verschenken
heute
auf eis - gut gekühlt
gebettet zwischen rosen
damit es sich hält


rote tagträume 79

Rote Tagträume — geschrieben von findevogel am 3 Jun, 2008 @ 17:50

es war nicht so, dass claire ihre ganze zeit damit verbrachte, an ihre freundin marie zu denken, aber sie fühlte sich verantwortlich, weil marie keine verwandten mehr besaß, die sich um sie kümmern konnten. und so führte ihr weg sie jeden tag nach ihrer arbeit in einer kunstgalerie in das zwei straßen weiter liegende krankenhaus, das mitten in einem park mit schönen alten bäumen lag.
es war ihr zur gewohnheit geworden, erst im park unter einer alten kastanie ein pause zu machen, etwas zu essen und gleichzeitig in die zeitung zu schauen, bevor sie durch das portal trat und den treppen in den dritten stock folgte. im zimmer 333 lag marie wie immer unbeweglich und blass. claire holte sich einen stuhl, setzte sich und nahm maries rechte hand in die ihre. sie sprach leise zärtliche und liebevolle worte. sie war sich sicher, dass marie es spürte, wenn claire den raum betrat, denn oft entspannten sich die züge der frau im krankenbett.
claire hatte eine neue geschichte von frau mai mitgebracht, die sie nun wie ein märchenerzählerin vor marie ausbreitete:

herr anton, der eigentlich dominico ferandez hieß, war ein mann um die fünfundsiebzig. sein schmaler graziler körper hätte der eines tänzers sein können. ein grauer haarkranz schmückte das olivfarbene gesicht mit den warmen braunen augen. dunkle bartstoppeln zierten das kinn unter den noch vollen lippen.
die galerie war sein ein und alles. immer trug er einen abgewetzten schwarzen anzug, ein weißes hemd und diverse rote krawatten. goldene manschettenknöpfe in form eines gordischen knotens hielten die aufschläge der hemdärmel zusammen. als seine frau noch lebte unternahm er mit ihr ausgedehnte reisen in die kunstmetropolen europas und fand so manche nische, in der man das vorhandensein künstlerischer ambitionen so nicht erwartet hätte. besonders zog es ihn nach italien, frankreich, spanien und portugal.
seine vorfahren stammten aus granada. sie hatten dort als gewürzhändler, die zwischen okzident und orient ihre geschäfte abwickelten, ein vermögen gemacht.
er liebte die südliche lebensart und war gerde wie jeden abend dabei, die silberne espressomaschiene zu füllen und auf der gasflamme des herdes in seiner kleinen küche zu erhitzen, als ein kaum wahrnehmbares geräusch ihm ein koboldhaftes lächeln ins gesicht zeichnete. frau mai war wieder da. er nannte sie heimlich rosamunde, die lichtgestalt seiner späten jahre, nicht aus fleisch und blut, aber immer von einem duft nach gelben teerosen umgeben. heimlich schrieb er dieser traumgestalt poetische texte, die er natürlich niemanden zeigte, die aber in sich die harmonische schönheit der alhambra und ihrer gärten trugen. seine nase funktionierte noch gut und ein: "ah...." kam über seine lippen, als sich das schwarze getränk belebend in den unteren teil der espressomaschiene ergoss. für einen augenblick vergaß er "rosamunde" und gab sich ganz diesem aromatischen geruch hin. schon der duft war lebenelexier pur. er griff über sich in den blauen hängeschrank und entnahm ihm ein klein braune espressotasse, legte ein stück zucker hinein und schenkte sich ein. vorsichtig nippte er an dem brühendheißem getränk. gleichzeitig griff er in die große dose mit den amarettini.
plötzlich wurde die stille dieses augenblicks unterbrochen. es schepperte vor der galerietür.


rosenhauch

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 2 Jun, 2008 @ 21:42
 
 
 
ein hauch von rose
liegt in den hellen nächten
farbessenz und klang
 
 
www.pixelio.de
@ille

 


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