findevogels fundstücke

Träume - Fragment

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 31 Aug, 2008 @ 23:07
Einst vor langer Zeit legte eine Frau einen Steinkreis aus Strandfindlingen. In ihm trafen sich bei Vollmond die Elemente:
die Schwester Luft schickte den Wind;
Großmutter Erde den Schöpfungsatem;
Schwester Feuer sandte lichte Funken
und
der Bruder Wasser schickte einen Regenbogen,

um Ton, Klang und Worte miteinander zu verbinden und gemeinsam darüber zu beratschlagen,
wie man die Welt ausgestalten könne, damit die Menschen daran erinnert werden,
dass sie ihre Träume nicht vergessen sollen.

Die Elemente wussten, dass im Traum die zukünftige Welt entsteht und geboren wird,
um Gestalt an zu nehmen, und dass es ohne Träume keine Zukunft geben kann.


Unter dem Sternendach

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 31 Aug, 2008 @ 11:46

In der Nacht waren die Sterne so nah. Fast konnte man der Versuchung erliegen, nach ihnen zu greifen, als seien sie kostbare Geschmeide, die den Abschied vom Sommer verschönern wollen. Einzelne Sternbilder ließen sich selbst am städtischen Himmel gut erkennen. Bis in die Nacht hinein saß ich ins Gespräch versunken auf meiner kleinen südlichen Terrasse unter dem Blätterdach von Haselnuss, Holzapfel und Holunder bei Rotwein, Brot und Oliven.
In den letzten Wochen bin ich reich beschenkt worden. Neue Erfahrungen, die ich machen durfte, haben mir dabei geholfen, viel Ruhe in mir wieder zu finden.
Es gelingt wieder, ruhig zu bleiben und die Dinge geschehen zu lassen. Da ist eine tiefe vertrauensvolle Sicherheit, dass ich in guten Händen bin und mir selbst mein bester Lehrmeister bin. In den inneren Räumen ist alles was ich brauche, um ohne Angst und Eile abzuwarten, was noch kommen wird. Türen öffnen sich und die Sterne, auch wenn sie nicht zu fassen sind, verlöschen nicht.


Der dumme August

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 28 Aug, 2008 @ 22:47

Herr August ist noch nicht gegangen. Aber man sieht ihm die Müdigkeit an. In den letzten Tagen ist er arg gealtert. Viel verloren hat er hier nicht. Er hat es sich ziemlich einfach gemacht - ein Luftikus, dem es gleichgültig ist, was der Sommer von ihm erwartet.
Er steht nun an der blauen Tür und lauert. Aber auf was? Seinen dicken Bauch hat er in einen weißen Anzug mit großen Taschen gezwängt.
Es könnte ja sein, dass Madam September - mit ihrem Schleier aus silbernen Altweiberfäden - es eilig hat und für einen winzigen Augenblick neugierig die Türe öffnet - nur einen Spalt.
Bestimmt lauert der dumme August auf eine Chance, sich dünne zu machen. Das würde haargenau zu ihm passen. Ich glaube aber, dass er das nicht schafft - wollen wir wetten?

denn er hat seine Fülle vergessen und ahnt nichts vom spitzfindigen Elan alter Weiber.


Spürsuch(t)e

Blass-blaue Tagebücher — geschrieben von findevogel am 27 Aug, 2008 @ 15:40

Du, wo bist du?
Haben dich die Wellen verschluckt?
Die Nacht hüllt mich ein, versperrt die Sicht.
Nach innen will ich schauen und dich suchen.
Mitten durch mich hindurch spüre ich, du bist da.
Vielleicht zog es dich in meine inneren Gärten mit den heilenden Quellen,
wo ein ewiges Feuer jene wärmt, die ausgegrenzt und verschoben
durch die Wüsten unserer Zeit vagabundieren
und von dem leben,
was überfließende Müllcontainer großer Städte noch herzugeben vermögen.
Die Apfelgärten sind ausgestorben
und in Frau Holles Reich fallen keine Spindeln mehr durch verzauberte Brunnen.
Im Schlaraffenland regiert Überfluss und Mangel an Herz.


vom klingen

Poesie — geschrieben von findevogel am 27 Aug, 2008 @ 10:56

entfernt von dir
klangwelten weit
blühen verwunschene töne
in längst verwaisten gärten
wenn der wind dort harfe spielt
klingt es zurück
in deine welt
und du lauscht hinein
verwundert
die resonanz, die du spürst
lässt neues wachsen


vom klingen

Poesie — geschrieben von findevogel am 25 Aug, 2008 @ 23:21

ein ton

zwischen tönen
gehalten vom all
fällt sphärenweit
in tiefe räume
klangvoll
schwingt gesang
berührt


Vom grünen König

Vom grünen König und seinem Reich — geschrieben von findevogel am 23 Aug, 2008 @ 19:48

Die vergessenen Worte versteckten sich bei den Sternen . In der Nacht ließen sie sich vom Himmel fallen und sanken auf den Grund des rubinroten Meeres. Der grüne König erwachte von einem Klirren. Er staunte über das farbige Licht in seinem Reich, das nicht von den mondmatten Perlen und Muscheln her rührte. Er war allein. Weder seine vielgestaltige Geliebte, noch die kleinen Fische, die ihn sonst stets umschwärmten, waren zu erblicken. Wo waren seine acht Töchter. Es war still. Kein silberhelles Kichern war vom Schloss her zu hören. Vielleicht hatte das neue Licht ihnen Angst eingeflößt und sie vertrieben. Er raufte sich die Haare und versuchte zu verstehen, setzte sich auf, nahm seinen Dreispitz und versuchte das Licht zu fangen, doch es entzog sich. Schließlich ruderte er mit seiner starken Rückenflosse eine große Runde um sein Reich. Überall dieses Licht.
Er stand vor einem Rätsel. Was war geschehen. Etwas wie Angst runzelte ihm die Stirn.

 

Noch nie in seinem langen Leben hatte der grüne König sich mit Angst geplagt. Jetzt runzelte er traurig die Stirn und fragte sich,
ob es wohl das Älterwerden sei, das ihm nicht nur seine Vitalität raubte, sondern auch die optimistische Grundhaltung, die ihm bisher zeitlebens eigen war.
Natürlich spürte er schon eine Weile, dass die Kräfte langsam nachließen und er viel lieber zu Hause auf dem grünen Algensofa saß, als zu den Grenzen seines Landes zu schwimmen, um sein Gebiet zu schützen. Dazu hatte er ja auch eine gut ausgebildete Armee aus Spähern, Kundschaftern und Diplomaten. Und die Weisen seines Ozeans verwandelten sich regelmäßig in Meeresschaum und gelangten so, wohin auch immer sie wollten.

Der Dreispitz hatte schon lange verrostet am Haken gehangen und taugt nur noch zum Einfangen verlorener Worte. Zum Glück waren die Zeiten friedlich und die Nachbarländer mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Sieben der acht Töchter des grünen Königs waren längst erwachsen und mit der eigenen Brut beschäftigt. Die vielen kleinen Nixen, Seejungfern und Wassermänner hielten sie in Trapp. Diese Kinder waren recht anstrengend und sehr anspruchsvoll. Nun kleine Prinzen und Prinzessinnen müssen eine Menge lernen, schließlich hängt von ihnen ab, ob es den Bewohnern Ozeaniens einmal gut gehen wird. Da sind viele Dinge zu bedenken und man braucht einen gut trainierten Körper, eine klaren Kopf und einen gelassenen Geist.
All das wusste der grüne König, denn sein Geist war klar wie das Wasser aus der verborgenen Quelle unter dem gläsernen Thron seines Spiegelschlosses. Von seinem grünen Sofa aus schaute er in seine Welt hinein, und er sah seine Enkelkinder wachsen und mit den Seepferdchen spielen.
Manchmal leistete ihm seine vielgestaltige Geliebte, die zauberhafte Hexe Immergrün, Gesellschaft. Wie keine andere seiner Frauen verstand sie es, ihn mit ihren immer neuen Geschichten aus seiner Versunkenheit und den Grübeleien über das Alter heraus zu holen, während die kleine Marielena, ihre gemeinsame Tochter, als jüngstes Kind das Recht hatte, der Seeharfe sphärische Klänge zu entlocken.

Vielleicht, dachte der alte König, sollte er abdanken und einen neuen König bestimmen.
Die modernen Zeiten waren schwer zu verstehen. Er würde sich mit der Hexe Immergrün beraten und nun versuchen zu schlafen. Der Morgen war noch weit, und wer weiß, vielleicht löste ein Traum das Rätsel um die seltsame Atmosphäre, die ihn heute so erschreckt hatte.


Na nu? Was ist denn hier geschehen?

Dachstuben und Rumpelkammern — geschrieben von findevogel am 22 Aug, 2008 @ 23:53

Gerade als ich deine Zeilen gelesen habe, wurde ich so fröhlich und verjüngte mich augenblicklich mindestens um fünfundzwanzig Jahre. Ich stand also auf, sprang in die Luft, drehte mich einmal um mich selbst herum und klatschte in die Hände, während ein Gassenhauer - wieso eigentlich? - in meinem Kopf herumbrummte. Ich wirbelte viel Staub auf, und die übereinander gestapelten Schichten kamen ganz gehörig durcheinander.
Sie kreischten:
"Das kannst du doch nicht machen, wir finden uns ja nicht wieder."
Eins hatten sie nicht registriert, dass ich nämlich zwischen den Schichten eine Feder fand, die ich vor langer Zeit von einem besonderen Menschen geschenkt bekommen hatte. Ich habe es ihnen aber nicht verraten.
Ach so, dann war da noch die alte Teekanne aus Kupfer - sie kommt aus Flandern - und niemand weiß mehr so genau, wie alt sie schon ist, und wer sie von dort mitgebracht hat? Es gibt da so alte Geschichten.....inzwischen hat die Kanne eine Beule. Schon als kleines Mädchen habe ich sie geliebt, und das Beste war, ich durfte sie - nicht mal fünf Jahre alt - mit feuchter Zigarettenasche und einem weichen Lappen polieren. Oh, diese wunderbar bauchige Form, der lange dünne Schnabel und dieser bewegliche Henkel. Selbst einen Klang konnte man mit ihm fabrizieren. Zum Glück habe ich ihn geerbt, den güldenen Kessel, der mich immer an „Aladin und die Wunderlampe“ erinnert.
Nun heute klapperte der Deckel.
"Schnauze!" brüllte der Schnabel.
Ich traute meinen Ohren nicht, und wenn ich gesessen hätte, wäre ich ganz sicher vom Hocker gefallen. Solche Worte sprach man in Flandern

nicht. Ich hatte noch nicht gewusst, dass der Kessel ein freches Mundwerk hat.
Jedenfalls verschwand der Deckel in seiner Versenkung und schmollte.
"Wozu brauchst du mich eigentlich noch?" fragte der Henkel
Ob er wohl mich meinte oder das Gefäß selbst?
Eine Bassstimme antwortete aus dem mit duftenden Kräutern gefülltem Bauch: "Na warum wohl, damit du mich tragen kannst, du Depp."
Das war mir jetzt wirklich zuviel. Schnell stellte ich den glänzenden Kessel außer Reich- und Sichtweite.


keine lange leitung

Poesie — geschrieben von findevogel am 21 Aug, 2008 @ 12:43

bin dir sehr verbunden heute
zwischen himmel und erde eingebunden
stromert ein  fluss zwischen dir und mir
nicht unverbindlich
fließt strom selbst im schweigen noch
jenseits vom niedrigwasser


Türöffnertage

Poesie — geschrieben von findevogel am 20 Aug, 2008 @ 13:22


An Schwellentagen
öffnen sich Türen zum Licht
Worte finden Raum

 


Der eine Moment

Poesie — geschrieben von findevogel am 20 Aug, 2008 @ 08:58

 

ich fange ihn ein
als sei er ein Schmetterling
diesen Moment aus Licht
mitten im August

das Gras kitzelt die Zehen
es stören nicht die Wolken
die Regen versprechen
da ist Apfelduft und Hagebuttenrot
und drinnen ein Stück weißes Papier
um ihn festzuhalten
wenn der Regen tropft

 

 


Über Nacht kam der Nebel

Dachstuben und Rumpelkammern — geschrieben von findevogel am 19 Aug, 2008 @ 23:37

Einstweilen schichte ich eine Mauer aus Gedanken und Worten. Ich suche in der Nähe beim Haus und ganz fern hinter den sieben Bergen. Vielleicht findet sich noch Abbruchhalde hinter eurem Haus mit Muschelresten und bunten Scherben und unter den Bohnenstangen in türkischen Gärten findet sich manchmal ein Schatz: Heute  ein roter Knopf in Rosenblütenform.
Als ich einmal klein war, ungefähr drei Jahre alt, spielte ich liebend gern mit der Knopfkiste meiner Großmutter, und dort war ein solcher Knopf mein liebstes Stück. Ich himmelte es an und drehte es in alle Richtungen. Und dann kam ein Großer, ein Spielverderber - schimpfte, Schnell verschwand die Schatzkiste in der Schublade unterm Sonntagstisch.

Und überhaupt, wer mag schon immer Paradiesäpfel von geharkten Wegen essen.
Ich nehme den Knopf mit und schmücke damit meine Mauer. Eine Pfauenfeder erkämpfte ich mir im Zoo, damals, als die Welt noch überschaubar war.


Abschied!

kurz notiert! — geschrieben von findevogel am 18 Aug, 2008 @ 12:19

Es wird Zeit zu gehen. Einige Türen haben sich schon geschlossen. Vielleicht muss man ein Haus entgültig verlassen, von dem man weiß, dass es sich niemals den eigenen Bedürfnissen anpassen wird. In einem verdorrten Garten wachsen keine Paradiesäpfel. Mag sein, dass Haus und Besucher nicht mehr zueinander passen.
Manchmal wächst man über das Haus hinaus. Wer will sich wieder klein machen und krümmen, wenn er gewachsen ist? Eine Zeitlang hat es Sinn gemacht, dort zu verweilen, aber die Zeit ist überreif, wie ein von Wespen ausgehöhlter Apfel, den niemand mehr essen möchte. Wenn die letzte Tür ins Schloss fällt, kann man abschließen, und der Weg führt zu neuen Heimstätten.


gedankenspiel

Poesie — geschrieben von findevogel am 16 Aug, 2008 @ 21:17

wenn ich gehe oder du
dann ist das nur die logische konsequenz
der allmählichen entfernung zwischen uns
die in unterschiedliche richtungen trägt
so verknüpft wie wir sind
halte ich es für möglich
dass wir nur einen bogen schlagen
der sich entfernt von uns wieder schließt.
vielleicht müssen ja du und ich
ein stück alleine gehen
und endlich die kinderschuhe ausziehen
um uns wiederzufinden
gewachsen
am ende des regenbogens

aber mein herz ist schwer
und mein körper fürchtet sich
und die seele fliegt schon voraus


An manchen Tagen.....

Engel — geschrieben von findevogel am 15 Aug, 2008 @ 23:29

....fühlt sich Leben so an:

 

"Ich bin durch die Zeit in einen fremden Raum gefallen. Hier gelten wohl andere Gesetze. Ist es ein Stern, auf dem ich so unsanft gelandet bin? Hier ist nichts, außer ich, und die Kälte. Kein Ton, kein Klang, kein Wind, nur in mir spricht es. Ich komme mir vor wie das kleine Mädchen aus dem Märchen vom Sterntaler - verwaist, ohne Geld und nur mit einem weißen Gewandt bekleidet. Es ist kalt, und ich bin sehr traurig. Ich hocke mich nieder, umschlinge mit den Armen meine Beine und lege das Kinn auf die Knie. Ich mag nicht denken, aber das Denken hält die Angst in Schach, die mich zu überwältigen versucht. Ich setze die Worte und male Punkte, schreibe gegen die Angst bunte Achten - alles im Kopf - bis etwas das Schweigen bricht:

Ein Schwirren und Rauschen zerteilt die Luft. Neben mir landet ein großer Vogel - nein - es ist ein  Engel. Er nimmt mich an die Hand und fliegt mich zurück.Leise flüstert er: "Hab keine Angst. Es sind nur deine eigenen Ängste, die Gestalt und Konturen annehmen, wenn du es zulässt. Du hast die Macht, sie klein zu machen und weit weg zu schicken und statt dessen mich zu rufen."


Nochmal "Türkis"

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 14 Aug, 2008 @ 23:03


Stell dir vor:


Es ist eine einfache Tür mit einem rostigen Griff.
Die Farbe - ein irisierendes Türkis - gibt ihr Magie und Zauber.
Ich stehe selbst vor dieser Türe
- eigentlich, ich bin sicher, schon eine Weile -
während mein Zwilling auf der anderen Seite darauf wartet
dass ich vermag, die Klinke herunter zu drücken.
Vielleicht ist Jenseits von... ein Raum in mir selbst
den zu betreten, ich mich noch nicht traue
und der bewohnt ist von einem geistigen Führer
Dinge brauchen Zeit, um zur Reife zu gelangen.
Eines Tages, du wirst sehen, öffne ich die Tür.
Manchmal ist ein Wissen in uns

wie ein Felsen im Meer
von den zukünftigen Dingen.


Grün ist die Hoffnung!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 14 Aug, 2008 @ 09:55

 

 
foto:
www.pixelio.de @Echino
 

grün hüllt mich ein
legt sich wie ein mantel um die schultern
weich, ein wenig feucht, samtig
ich spüre keimen und wachsen
im rissigen grund

 

 

 


was ich weiß und doch nicht weiß 4

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 13 Aug, 2008 @ 17:50

Ich fürchte mich nicht und schließe die Augen, fühle mich in diesen warmen Druck hinein, spüre Hände, die mich sanft und ohne Zwang halten - ich kann gehen, wenn ich will - stattdessen krieche ich in diese unsichtbaren Hände hinein, als seien sie ein Haus und ich der Bewohner und vergesse die Zeit - bin ich immer noch da? Nein, ich bin Teil von etwas Großem. Fast würde ich sagen, ein Schatten kleidet mich in helles Licht. Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen ist, als ich zurück kehre zum stillen Haus, wo die Musik verstummt ist, und registriere, dass Regentropfen mein Gesicht streifen.


Kurz notiert!

kurz notiert! — geschrieben von findevogel am 12 Aug, 2008 @ 22:52

Sicherlich ist Sprache nur die Essenz von dem was wir ausmachen; die Spitze des Eisbergs, deren unterirdisches Ausmaß nicht auszuloten ist.
Folgt man diesem Bild konsequent, wird vieles verständlich.


Schemenhaft

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 12 Aug, 2008 @ 16:16

Seltsamerweise ist es still in den Nächten der Winde. Die luftigen Gesellen haben sich in den dichtbelaubten Bäumen zusammengerollt wie müde Schlangen. Ab und zu fällt eine Sternschnuppe. Und in diesem ultrakurzem Lichtblick siehst du ihre stummen Münder. Schnell sprichst du den geheimen Wunsch, der eine Beschwörungsformel ist. Ihre Magie erfüllt die Nacht mit der vibrierenden Energie von vierzig Trommeln, aber kein einziger Schlag ist zu hören.
Es ist die Zeit, wenn Schemen durch die Welt geistern und am Tor zu deinen Träumen Schlange stehen. Sie klopfen nicht. Still und leise schleichen sie hinein, in die wunderlichen Räume und bevölkern sie. Nicht alle werden sichtbar für dich, aber du weißt, sie sind da, vielleicht spricht einer mit Hut zu dir oder die Frau - dein Spiegelbild - nimmt deine Hand und begleitet dich in fremde Gestade, die dir dennoch hier und da vertraut erscheinen. Der Mann mit Hut wacht über dich, und die Spiegelfrau lässt dich geheime Dinge tun. An einem spiegelglatten See schöpfst du Wasser auf ihr Geheiß und gießt die Flüssigkeit in einen Kelch, den sie dir reicht. Sie trinkt und du schöpfst und gießt nach, während dein Kopf eine Acht in den Himmel malt und die Hüften sich um den immergrünen Stab winden, der plötzlich Blüten trägt.
Noch im Erwachen begleitet dich der exotische Duft und ein bleibendes Gefühl von Kraft.


Sommerzeiten 7

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 10 Aug, 2008 @ 23:31

In den Träumen sommerlicher Nächte ist es schwül. Zwischen den Lenden klebt der Schweiß und im Nabel sammelt sich Feuchte, gleich einem Minisee, der über die Ufer tritt. Rinnsale fließen unter den blassen Brüsten und zwischen die Zehen hat sich ein Kribbeln verzogen. In verschwitzten Laken fangen sich Träume so schwer, nur diese Lust bleibt, das Leben zu vertilgen mit Haut und Haaren ohne je satt zu werden.
Schemen geistern durch die Nächte und ihre Gesichter tragen verwischte Züge. Wer bist du, frage ich dich? Doch schon bist du entwischt zu all den anderen Gestalten hinter der Bühne. Ich fühle mich geprellt, denn das Bühnenstück wurde mir vorenthalten.
Was seit ihr nur für miese Spieler? Mehr Sein als Schein.
Tröstend und besänftigend streichelt der Wind meine erhitzte Haut.


Gestern im Mediapark Köln!

kurz notiert! — geschrieben von findevogel am 10 Aug, 2008 @ 17:08
Magic Drummers of Japan

Die Gruppe GOCOO spielte gestern Abend im MediaparkKöln. Die Veranstaltung war ein Highlight des Kölner Sommers.

Ich stelle fest, dass ich gestern im Sound von vierzig Trommeln und diverser anderer Instrumente fast eineinhalb Stunden lang gebadet habe. Die Vibration ging durch und durch und hat mich völlig mitgerissen. Der Lärm hat mir nichts ausgemacht.
Zum Teil stand ich zwischen Erdung und Abflug. Es war wirklich magisch.
Beeindruckt hat mich die Kraft der Künstler, mit der sie auf Trommeln, Becken, Gong u.s.w ein energetisches Feuer entzündeten, das sich den Körpern ohne Widerstand vermittelte und kaum jemanden der Zuschauer still stehen ließ.
Zwischendurch dachte ich daran, dass vor genau 63 Jahren Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki gefallen waren. Über zweihundertvierzigtausend Menschen sind sofort und an den Spätfolgen dieser Aktionen gestorben.
Aber die Künstler wirkten so kraftvoll und fröhlich, dass ich diese Gedanken auch wieder verabschieden konnte.
Die Leiterin der Gruppe wirbelte wie ein Irrwisch auf ihrem Platz herum - schnelle Bewegungen und dann wieder ganz verlangsamte Bewegungen, fast choreographisch aufeinander abgestimmt untermalten den Rhythmus. Eine fein abgestimmte Lichtshow betonte zusätzlich das zauberhafte Geschehen.
Mit dem letzten Stück "Mother Earth" die nichts vergisst - weder Tränen noch Lächeln - und alles weiß, holte die Truppe noch einmal alles aus sich und ihren Instrumenten heraus, was herauszuholen war. Den lang anhaltenden Applaus hatte GOCCO sich wirklich verdient.

Der Platz war voll. Ganze Familien hatten sich mit Kind und Kegel auf Decken, die den Asphalt bedeckten niedergelassen. Ich schätze mal, dass mindestens 1000 Zuschauer anwesend waren - alle friedlich und viele staunend - ich hatte keine Angst vor dieser Menschenmasse, die sich am Schluss friedlich und sehr berührt auflöste um den Abend in naheliegenden Lokalen zu beenden.


Sonnengeküsst!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 7 Aug, 2008 @ 22:41
 
 

 foto:www.pixelio.de  @gainup
 
 


Albtraummäßig!

Dachstuben und Rumpelkammern — geschrieben von findevogel am 7 Aug, 2008 @ 19:48

Die Nacht war in den Tag gefallen als wolle sie sich das Leben nehmen - ausgehaucht, der letzte Wind.

Durch den Traum zieht sich eine lange Flucht - langsam wird das Opfer eingekreist, bis kein Schlupfloch zum Entweichen bleibt. Die Schlinge zieht sich zu. Das Opfer hätte vor kurzem noch entkommen können, doch es wollte aufgeben, sich ergeben, nachgeben, den Kampf beenden, keine Rechnung mehr begleichen.
Ertappt!
Fast zärtlich schiebt sich ein kaltes Stahlrohr über die Hüften nach oben zum Rücken. Es ist stockdunkel. In Erwartung des unausweichlich erscheinenden Schusses, eine letzte zärtliche Geste.
Das Opfer erkennt die Täterin unter den bebenden Fingern und am Duft, streicht mit einer unendlich liebevollen Geste über das Oval ihres Gesichtes – sich ergebend, fast entschuldigend - die hohe Stirn, Wangenknochen, die Augenbrauen, Lider und die schmale Nase; Lippen, weich, feucht und sicherlich rot; ein Hals, der lang ist, ein Schwanenhals - alles bis ins Detail hinein vertraut - bevor die Träumerin erwacht, ohne dass ein Schuss gefallen ist.
Das Fenster ist weit geöffnet, Sterne zieren den Himmel, der schon heller wird. Aus den Gärten klingen die vereinzelten Stimmen von Nachtschwärmern. Ein Auto startet. Etwas fällt. Der schlafmüde Körper zuckt zusammen, erschrickt – Herzklopfen, dröhnend – beim Geräusch des Aufpralls.
Und dann die Erkenntnis, ein Apfel fiel vom nächtlichen Baum.
Der Wind trocknet die verschwitzte Haut, während das Herz sich langsam beruhigt.


Der Moment als Teil einer Kette von Augenblicken

Vom geschriebenen Wort — geschrieben von findevogel am 7 Aug, 2008 @ 13:03

„Der Künstler kämpft gegen die Stummheit und Unbeschreibbarkeit dieses Augenblicks. An dieser Grenze schafft er sein Werk.“

Dieser Satz gefällt mir besonders gut, denn darum geht es:
den Dingen Worte zu verleihen, die unbeschreibbar scheinen und die einerseits flüchtig scheinen, andererseits aber manchmal so wortlos nachwirken.
Kann man den Bruchteil einer Sekunde beschreiben? Ja man kann - wenn er Worte erhält - ihn vor dem Vergessen bewahren.
Schreiben ist zeitliche Kartographie. Ich beschreibe ein weißes Blatt mit zunehmender Dichte. Es ist meine eigene Landkarte, die ich präzise zu gestalten versuche.
Sie enthält nicht nur diesen einen Moment, sondern diesen einen Moment zwischen vielen anderen Augenblicken meiner Geschichte.
Alles was wir je wahrnehmen, fühlen und erleben ist in uns gespeichert. Das Erinnern ist mitunter schwer, also geht es auch um Spurensuche in uns hinein, bei den Wurzeln und der Geschichte, die weit über uns hinaus geht. Denn der Mensch ist nur das Glied einer langen Kette, die zusammenhängt und deren Dimensionen er niemals ganz erfassen wird.
Man könnte sagen, Schreiben ist Archäologie in eigener Sache und ein Puzzleteil individueller Geschichte das zu all den anderen Puzzleteilen individueller Geschichten anderer Menschen dazugehört. Alles zusammen ergibt ein großes Bild: das Bild einer Zeit, einer Kultur, einer Epoche.


Mitternachtsspitzen

Mitternachtsspitzen — geschrieben von findevogel am 6 Aug, 2008 @ 23:59

Seltsam! Es gibt Menschen, die - egal was ich mit ihnen an Höhen und Tiefen erleben durfte - in meinen Gedanken stets mit der Schönheit des Lebens, seinem Zauber und der Magie des Alltags verbunden bleiben. Nichts kann diese positiven Erinnerungen überschatten oder ausradieren.


auf sand gebaut

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 4 Aug, 2008 @ 17:02

www.pixelio.de  @hofschlaeger

zum turm geschichtet

die steinernen fundstücke

trotzend dem wasser

fundament auf feinem sand

spielzeug für die gezeiten

 



 


Von der Zeit

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 3 Aug, 2008 @ 22:44

Manche Augenblicke scheinen lang wie ein ganzes Leben. Sie wollen nicht vorübergehen. Und so oft du auch auf die Uhr schaust, es will dir scheinen, als bewegten die Zeiger sich nicht. Worauf wartest du?
Die Zeit ist weder reif noch die Gedanken zu Ende gedacht. Draußen nimmt ein Sommertag seinen Lauf:
Wolken ziehen auf; es regnet; die Sonne lockt; der Tag wandelt sich zum Abend, wird zur Nacht.
Du wartest auf eine Sternschnuppe, denn dann hast du einen Wunsch frei.


Die blaue Tür

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 3 Aug, 2008 @ 13:22

Du hast dich eine Weile mit alltäglichen Dingen beschäftigt:
Deine Küche ist geputzt, der Kuchen gebacken, die Wäsche gefaltet - du hast Brombeergelee gekocht und in Gläser gefüllt und die heruntergefallenen Äpfel aufgehoben.
Nun kehrst du zurück in deine Gedanken, die du am Morgen unterbrochen hast. Den ganzen Tag über hielten sie sich am Rande des Bewusstseins sprungbereit, um dich gefangen zu nehmen, sobald du dich nur einen winzigen Augenblick lang von deinem Tun ablenken lässt.
Es ist dir gelungen, sie dort zu lassen, bis jetzt. Deine innere Ruhe ist zurück gekehrt.
Du gehst nun einen kleinen Schritt durch den dunklen Gedankengang und biegst um eine Ecke. Eine blaue Tür wartet auf dich. Du bist sicher, wenn du sie öffnest, wirst du den Raum dahinter betreten - nicht dass du wüsstest, was dich dort erwartet - aber du wirst die Türe schließen, den Schlüssel umdrehen und nie wieder zurück gehen.
Du weißt es, und deshalb zögerst du.


Steinschlag!

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 2 Aug, 2008 @ 22:22

Und plötzlich löst sich ein Stein. Du bist um ihn herum geschlichen, hast ihn genau in Augenschein genommen, seine äußere Form abgetastet - scharfe Kanten auf der einen Seite und weiche Abbruchstellen auf der anderen Seite, eine rundliche Kuppe - er muss ein Teil von etwas Größeren gewesen sein vor Urzeiten. Seine Farben erinnern dich an Kohle, Eisen und Lehm. Nicht glatt - grobkörnig und rau streckt er sich deinen Fingern entgegen. Die Zeit, der Wind und das Wetter haben ihn geformt. Nun löst er sich und fällt den steilen Abhang hinab. Da wo er steckte ist nun eine deutliche Vertiefung. Du näherst dich, schaust hinein, da sind andere Steine. Noch fehlt ein Durchblick.


Jetzt wird es aber bunt!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 2 Aug, 2008 @ 22:14
 
www.pixelio.de
@Harald 2


Hoffnungsschimmer

Engel — geschrieben von findevogel am 2 Aug, 2008 @ 12:16

es streifen wieder engel durch den tag
sie sind in vieler munde
und ihre flügel tragen wind
aus fernen himmeln zu uns her
ihr lächeln weitet jeden weg
und leuchtet tief ins herz
sie sprechen lautlos botendinge
und nehmen platz im seelengrund
aus ihren händen gleitet licht

und unsere lippen sprechen neue sätze


Motivation?

Vom geschriebenen Wort — geschrieben von findevogel am 1 Aug, 2008 @ 23:26

Vielleicht habe ich auch begonnen zu schreiben, um nicht an all den Worten und Sätzen, die andere mir sagten, flüsterten, mir zu zischelten - immer mit diesem so sonderbar eindringlichen Blick in den Augen, der keinen Widerspruch duldete, die man mir einbleuen wollte -  und die ich aufnahm, hörte und in mir versenkte - zu ersticken, und  sie auszuspucken, ja ihnen vor die Füße zu kotzen - es hinaus zu würgen - bis jene zum Vorschein kommen, die meine sind und nach eigenem Ausdruck verlangen.

Es hat sich vieles angesammelt, aber der Überdruss lässt nach. Die Spannung weicht.

 


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