Wenn ich nicht wüsste...
ein Herz schlägt, warm und verlangend
voll ungestillter Sehnsucht
Ich würde den blau verfrorenen Lippen glauben
die mit spitzen scharfkantigen Eissplittern
Worte auf mich zielen
giftige Pfeile für einen Feind
der gefährlich nah, dich zu überrennen droht
doch bin ich nur Freund
Spiegelbild deiner Seele
und Schatten in dir
dein frostiger Atem trifft am Ziel vorbei
FrühFrost
Kalt erwischt heute!
Zwischen Zeiten legt sich Frost über den Tag
kühl streicht Wind über warme Haut
Gänsehautfühlen und kalter Schweiß
Wintergedanken unter Eis tauen aus ihrem Schlaf
schieben sich hinein ins herznahe Fühlen
bald wachsen neue Gräber
in glitzernden Schnee
Liebe!
Ich spüre!
Wenn ich liebevolle Gedanken in die Welt entlasse
wenn ich Licht zu Menschen schicke
wenn ich die Wolken grüße, die mir den Tag verdunkeln
wenn das Licht schräg im Apfelbaum flirrt
wenn ich einem Menschen positiv und ohne Vorurteile in die Augen schaue
wenn ich Wunschzettel für mich oder andere schreibe
wenn ich einen Engel rufe
dann fühle ich, dass sich Türen und Fenster öffnen in mir
und positive Energie in meinem Körper zirkuliert.
foto: geralt (www.pixelio.de)
Herbstlich!
Es schwebt vom Baum ein Blatt
ganz naseweiß ins grüne Moos
es bettet sich zur Winterruh
doch kommt der Wind
und nimmt es mit
und trägt es fort zum Fluss
nun segelt es auf Wellenwegen
zum Meer, zur Insel
und zu dir
aber ich schau doch die Schneekugeln so gerne an!
Ich stelle gerade fest, dass mir schwindelig wird, wenn ich mir
vorstelle, ich selbst sei eine Schneekugel, die von einer Riesenhand
ständig geschüttelt wird.
Septembergelicht
Die Nacht spinnt Silberfäden
zwischen Traum und Tag
in frühe Nebeltänze
webt sich Blatt um Blatt
wider den rauen Winden
fallen dichte Schleierfetzen
bis der Himmel aufblaut
und alles chinesisch lackt
im schräger fallenden Licht
und Farben, Farben sind
und hinter Zäunen Blütensonnen prunken
Ein Wortpfeil, der mich traf, ließ mich erzählend spinnen
Der Wald ist dicht, ein Weg zwischen Bäumen und Gebüsch nicht zu erkennen. Der junge Schütze im grünen Gewand ist hochkonzentriert, der muskulöse Körper gespannt, wie der Bogen in seinen Händen. Die Augen sind geschlossen. Er schaut nach innen, sucht die Entsprechung - eine Resonanz, die sich im trainierten Körper als Spannung aufbaut und etwas später in Form, Farbe und Ton auflösen wird.
Wie in einem Spiegel breitet sich dann hinter dem inneren Auge eine Landschaft aus. Zuerst erheben sich Konturen aus dem Dunkel.
Die Sicht kippt, wenn das Bild vollständig ist!
Von oben sind nun Nadelwaldsegmente, Parzellen, Hecken, Feldflure, Wiesen und Brachflächen zu erkennen.
Der innere Raum füllt sich mit Stimme, viele Stimmen - ein Klagen, Jaulen - ein Wolfsgeheul. Und nun sieht der Junge sie auch in seiner inneren Landschaft.
Er öffnet die Augen und weiss, in welche Richtung er eilen muss.Vorsichtshalber liegt ein Pfeil abschussbereit im gespannten Bogen.
Kindlich gedacht
Was willst du tun, fragte der Tag die Nacht
Sie schüttelte den Kopf und blieb stumm
Sie baute am Himmel ein Wolkenbett
legte Dunkelheit über den Abend
und entzündete kleine Sterne zum Trost
Danke, sagte der Tag und legte sich schlafen
Was treibt die Schreibenden an?
Das ist eine gute Frage, die ich nur beantworten kann, wenn ich mich selbst frage:
"Was treibt dich an Angie?
Möglicherweise ist die Motivation zu Schreiben sehr unterschiedlich.
Ich schreibe, weil ich eine fast meditative Lust dabei verspüre
weil ich Freude daran habe, meine Sprache zu differenzieren
weil ich mich selbst über den Schreibprozess reflektierte
weil ich Räume in mir betrete und gestalte, deren Türen bisher verschlossen waren
und
weil es ein Weg ist, aus sich selbst heraus zu wachsen
und
eine Brücke zu bauen zwischen unbewusst und bewusst, denn was mir bewusst wird, kann ich nach außen durch die Worte sichtbar machen und manchmal für andere einen Aha-Effekt auslösen.
Nein, ich schreibe nicht in erster Linie für andere, sondern ersteinmal für mich und wenn, was ich schreibe, bei Lesenden etwas anstößt, dann ist das eine zusätzliche Bereicherung, ein Geschenk.
Vision wäre es, irgendwann in den nächsten Jahren wirklich ein Buch auf den Markt zu bringen - aber ohne mich selbst zu verbiegen
Wie es tropft und rinnt an einem Septembertag
Ich steh am Fenster und schau hinaus. Das
Wetter kündigt den Herbst an. Noch nehme ich es gelassen, werde ruhig, mit
jedem Tropfen mehr. Es trommelt auf mein Dach, und der Rhythmus des prasselnden
Regens hypnotisiert mich fast. Eine heitere Gelassenheit zieht in meine Seele
ein, das Herz, im Schlag verlangsamt, findet Ruhe. Über graue gleichförmige
Wege nach innen öffnen sich bunte Räume. Heute muss ich nichts tun. Ich darf zu
Hause bleiben und dem Regen lauschen.
foto: oldbasti
(www.pixelio.de)
seelengewitter
der blitz trifft mitten ins herz, reißt es fast entzwei
noch hallt der donner in aufgewühlten gefühlen
gewitternde gedanken rattern im regentropfentakt
kondenzwasser sickert in seelenritzen
aufweichend
die nacht lässt den tag stehen, wartet auf morgen
und darauf, dass der spitze schmerz sich legt
wenn ich jetzt fühle, was du nicht spürst
gehe ich mir verloren
Zeitgeist
Manche Gedanken und Ideen liegen wie ein unsichtbarer Faden,
der einen ab und zu streichelt, in der Luft. Wer ihn angelt, der hat den
Zeitgeist eingefangen.
Manche Bücher werden bekannt, berühmt und in viele Sprachen übersetzt, weil es
dem Autor/ der Autorin gelungen ist, den Zeitgeist sichtbar zu machen, das
heißt, ihm Farbe, Form und Gestalt zu geben, denn das muss man ja auch noch
tun: einfangen, in Worte kleiden, sichtbar machen.
Was aber ist der Zeitgeist?
Das vernetzte Unbewusste wohl, das sich aus den vielen gedachten und
angedeuteten Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen von unzähligen
unterschiedlichen Menschen zusammensetzt.
Es wird schon kühler in den Nächten
In herbstlich gefärbte Tage
male ich ein blaues Gedicht
zeichne zierlich rote Punkte
in frühe Morgennebel
und am Abend
tusche ich mit dickem Pinsel
einen vergessenen Sommertraum
wenn die Nacht fällt
werden Teerosen duften
und ich
foto: Boscolo (www.pixelio.de)
text: @ngie
Sehen
Vielleicht bin ich transparent.
Nichts gelingt mir zu verbergen.
Ein offenes Buch, in dem man lesen kann.
Die dünne Haut zu Markte getragen, eignet sich nicht zur Dauerreibung.
Zwischen die Fronten geraten, bleibt nur Flüchten
um die Haut zu retten.
Und die Menschen
- ich wundere mich -
dass sie nur sehen, was sie sehen wollen
und nicht, was ich bin.
Am Ende einer Zeit
In der Ruhe vor dem Sturm liegt Konzentration und Kraft, ein Spüren tief innen, dort wo zwei Flüsse sich im richtigen Augenblick genau an dieser besonderen Stelle treffen und verbinden, so als sei es ein Nachhausekommen. Zurück in die Wiege der Menschheit, als Paradiese noch nah waren und in der Nacht der Wind die Zwillingswiege schaukelte, während schlanken hohe Bäume ihre Silberblätter wie Sternenregen über dem Fluss ausschütteten.
Erst in diesem Augenblick des Zusammenfließens wird eine neue gewaltige Kraft geboren. Eine Energie, die fähig ist, die Welt mitzureißen, ihr den Stempel aufzudrücken - sie für lange Zeit zu verändern. In der Mitte kräuseln sich goldene Strudel, aus denen ein göttlicher Atem Klänge zaubert, deren Schwingungen weit hinaus getragen werden in den Klangkörper der Welt. Da, wo das Zweistromland beginnt wachsen Seerosenblätter. Eine kleine Göttin sitzt darauf - versunken, im ihrem Schoß ein Korb mit sich ringelnden Schlangen. An ihre Lippen hält sie eine Flöte, bereit im richtigen Moment darauf zu spielen, den richtigen Ton zu treffen, um die Schlangen zu beschwören, auszuschwärmen, und ihre heilende Arbeit zu tun. Mit jedem Ton entstehen neue Räume , immer näher bei den heilenden Quellen.
Glaskuppel
Himmlische Wächter
in der Kuppel hoch oben
mein Blick verliert sich
schwebt über Grenzen hinaus
in azurblauen Bahnen
foto: Silberfox (www.pixelio.de)
text
ngie
Zusammen geflickt und elastisch verbunden
Ich kann die ländliche Prägung in
mir nicht verstecken. Ich liebe sanfthügelige Landschaften, in denen
sich Felder, Wiesen und Gärten wie Patchwork aneinanderreihen.
Dazwischen etwas Nadel-und Laubwald und Hecken.
Wenn ich alte Gartenzäune, aufgestellte Korngarben und ordentlich
geschichtete Holzstapel sehe, dann bin ich so gerührt, dass es kaum zu
fassen ist.
Und meine besondere Liebe gilt den echten Vogelscheuchen - nicht den
Deko-Figuren, die im Herbst plötzlich unpassenderweise überall aus der
Erde schießen - nein die, die nur noch selten zu finden sind. Ach ja,
und das ganze ländliche Vieh - vom Schwein, über das Schaf bis hin zum
Federvieh.
Wenn Erntezeit ist, will ich Marmelade kochen, Mixed Pickles einlegen
und Vorratshaltung halten, wie zu alten Zeiten, als es noch keine
TK-Kost gab - ganz zu schweigen von Fast-Food - und sich stattdessen in
der Speisekammer die Regale bunt füllten.
In alten Obstgärten fühle ich mich wie im heiligen Hain. Und auf den
Heuschobern erst, da verliere ich mich im Duft vom trockenen Heu, nur
der Staub ist etwas unangenehm. Immerhin habe ich das bei unseren
Kaninchen im Kleinformat.
Ich bin verrückt, wo ich doch schon fast mein ganzes Leben in der Stadt
lebe, noch immer diese aufkeimende Sehnsucht nach dem bäuerlichen Leben
auf dem Lande, so als weigere sich in mir etwas ganz entschieden
dagegen in der Stadt und in diesem Jahrzehnt anzukommen.
Bestehe eben selbst aus dreidimensionalem Patchwork und Flickwerk.
foto: knik
www.pixelio.de
Auf solchen alten Strommasten saßen früher, als ich ein kleines Mädchen war und mit vielen Menschen in einem Bauernhof auf dem Lande lebte, um diese Zeit die Schwalben. Sie sammelten sich für die große Reise. Die Ernte war eingefahren. Es wurde stiller und morgens erzählten die ersten Nebel vom Herbst
Transfair
Vielleicht ist ja die Fülle in uns weitaus gigantischer, als das was wir im Alltag daraus machen! Spartanische Wege; eingeschränkte Möglichkeiten, Grenzen, Stoppschilder, rote Ampeln, Sackgassen. Und vielleicht ist ein Künstler derjenige, der sich dieser krassen Diskrepanz bewusst ist, und dennoch nach Wegen sucht, zu übersetzen oder zu überbrücken. Innere und äußere Wahrheit ist nicht unbedingt deckungsgleich.
sommerblau
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Rhythmus und Takt
Klang, der in den Farben schwingt
am schattigen Platz
wenn die Sommer verklingen
bleibt ein blaues Lied zurück
foto: grethe (www.pixelio.de); text: angie, der findevogel
ist es schon zu spät?
der regen nicht aufhört zu tropfen
und über den dächern rauchfahnen wehen
und viel zu früh nacht wird
wenn der wind in den bäumen heult
ist doch am nächsten morgen
ein augenblick voll licht
auf dem verwilderten weg
diesseits oder jenseits
ich falte aus blassem papier
ein kleines schiff
mit verwischten spuren aus blauer tinte
verschlüsselte Zeichen trägt es
zu fremden ufern
Gestern Abend!
Die Fahrt am Abend ist gruselig - warten im Regen - die
Regenrinne malt blecherne Laute in die Nacht. Tropfentrommel-Rock! Der Bus ist
noch nicht da. Drüben blinkt ständig ein Auto auf, ein zweites setzt sich genau
davor.
Endlich der rotweiße Bus, vier Minuten zu spät, hoffentlich schaffe ich die
S-Bahn noch, es ist 23.15 Uhr. Was tu ich bloß, wenn ich sie verpasse? Mit dem
Bus zur Endstation fahren und den Busfahrer bitten, mir ein Taxi zu bestellen!
Der Fahrer fährt um die Kurven, als habe er den Führerschein bei Aldi erworben.
Mein Regenschirm tropft.
Aufatmen, der Bus holt auf, entlässt mich pünktlich am S-Bahnhof - menschenleer
- der Regen tropft umsonst, besprüht nur meinen Schirm. Ich bin gut behütet.
Mir passiert nichts. Wo bleibt die S-Bahn nur. Ein Mann gesellt sich in meine
Nähe, raucht Zigarette. Ich werde unruhig. Was, wenn...ich denke nicht weiter -
mir geschieht nichts, eigne mich nicht zum Opfer! Fünf Minuten können lang
werden, also rufe ich Zuhause an. Jedenfalls weiß jetzt jemand, wo ich bin.
"Ganz ruhig Angie, du warst eben so entspannt. Nichts wird dir geschehen, du
hast den unsichtbaren Schutzmantel umgelegt." sagt die innere Stimme. Ich schnuppere und versuche die gegenwärtige Atmosphäre zu orten. Tatsächlich spüre ich nichts Gefährliches. Auch Spannung liegt nicht in der regenweichen Luft. Ein bisschen Spannung ist nur in mir - da, wo die Ängste verborgen liegen.
Das wäre ja noch schöner, wenn diese aufkeimende Angst mich daran hindern
würde, mobil zu sein. Aus dem Alter bin ich raus.
Die S-Bahn kommt! Endlich! Ich steige ein, gehe nach vorn - alles menschenleer.
Die Bahn braust durch den Tunnel - ungewohnte Fahrtwindgeräusche - ganz neue
Klangwelten öffnen sich. Kurz bedaure ich, dass ich kein Aufnahmegerät dabei
habe. Schon bin ich zu Hause. Eine Station fahren ist eben kurz. Am Bahnsteig
stehen noch Menschen. Es regnet nicht mehr, nur die Bäume tropfen. Es ist 23.30
Uhr. Längst hat die Nacht ihre Tore geöffnet und alles verschluckt, besonders
hier am Rande der Stadt. Ich glaube, beim nächsten mal fahre ich anders herum
und bestelle ein Taxi.
Vom Ein-und Auspacken
Wenn die ersten Worte sich zu Sätzen gefunden haben, um ein Texthaus zu bilden, dann gibt es viele Fenster und mindestens zwei Türen, aus deren Blickwinkel heraus man hineinschauen kann. Und manchmal kommt man aus einer anderen Richtung, findet einen völlig ungewohnten Ausblick auf der Rückseite, den man bisher nicht beachtet hat, und doch weiß man genau, ich kenne diesen Winkel, den habe ich doch neulich von oben aus dem Fenster des dritten Stocks heraus gesehen. Und es war nicht Sommer sondern Winter. Und plötzlich entsteht ein völlig neue Idee, die jemand Herrn Neugierig erzählt, der es Frau Sonnenschein berichtet, und die ist Erzieherin in einer Gruppe von fünfzehn Kindern in der Katholischen Kindertageseinrichtung St. Katherina. Denen erzählt sie von diesem wunderbaren Haus und macht gleich in der nächsten Woche einen Ausflug mit den Kindern zum von Fräulein Naseweiß erdachten Haus, und die Kinder schauen in alle Ritzen. Sie entdecken die ganz kleinen Dinge, an denen die Erwachsenen immer achtlos vorbei gegangen sind. Und sie sehen Wesen, die aus dem Zwergenland ausgewandert sind, um gerade unter dem Keller dieses Hauses nach verborgenen Schätzen zu graben. Und sie finden im Garten lange Regenwürmer, die bunte Brillen tragen und Schneckenhäuser, in denen kleine Elfchen wohnen. Und die Kinder sind begeistert und finden viele Märchenworte für all das, was sie gesehen und erlebt haben, und natürlich erzählen sie es den großen Menschen.
Und alle schauen sich an, wundern sich und erkennen das Haus nicht wieder, weil es nun gestrichen, tapeziert, neu eingerichtet und bewohnt ist.
Und da geht die kleine Nadine, gerade fünf Jahre alt zu ihrem Papa, der gerade nebenan Sonnenblumen auf den Gartenzaun malt und fragt: "Papa, können wir nicht auch ein Haus aus Geschichten bauen?"
und der wundert sich und holt am Abend seine Frau von der Arbeit im Krankenhaus ab, und fragt: "Sag mal, woher hat das Kind diese komischen Ideen?" Und Nadines Mama lächelt. Sie hakt sich bei ihrem Mann unter und sagt:
"Komm, wir bauen dieses Haus, und du wirst staunen, was dir alles einfallen wird, wenn du einmal angefangen hast, eine Geschichte zu entwickeln."
Lichtspiele

licht
verabschiedet sich der august
im spiegel der zeit blau
und ein hoffen auf mehr
bevor es kalt wird
im land
text und foto: angie