findevogels fundstücke

Zu Haloween

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 31 Okt, 2008 @ 18:20
 
foto: gabisch(www.pixelio.de)


Menschen 1

Poesie — geschrieben von findevogel am 31 Okt, 2008 @ 16:31

 

 

Meike ist acht



Meike lacht und strahlt
ihre Haare so glatt
hält kein Gummi kein Reif
auf dem Geländer balanciert
ein kleiner Clown mit buntem Schirm

Meike teilt gern
sammelt Knallerbsen
auch für die kleine Schwester
und Suppe, die sie kocht und nicht aufißt
bringt sie der Mutter mit

Meike ist anders
einen Schulabschluss
wird sie niemals erlangen
dafür versteht sie zu sein
jetzt, und mit allen Sinnen

Meike kann schimpfen
über den Mann, der einfach so
die Straße überquert ohne zu gucken
"Gefährlich", sagt sie
"wenn nun ein Auto kommt?"

Meike kennt Tiere
ein Hund vom Büdchen nebenan
der Max heißt, ist ihr Freund
und manchmal spielt sie Baby
und will nicht groß sein




Meike leuchtet, noch ist sie ein Kind, und sie wird ein Kind bleiben.
Bleibt zu hoffen, dass der natürliche Glanz nicht matt wird in falschen Händen.

 

 


Herbst-Fragment 1

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 29 Okt, 2008 @ 20:58

 

...immer wenn ich dein bild sehe, denke ich an raureif.
abgewetzten glanz trägt die haut
wie altes leder zu ihrer zeit
und blasse lippen lassen wintertage ahnen.

noch erinnert augenblau an himmel
im pastell verschneiter tage liegt eigener zauber
fern vom sommer malt frost klare konturen
meine herbstseele sehnt sich den blauen stunden entgegen


oktobergedanken unter blauem himmel

Poesie — geschrieben von findevogel am 29 Okt, 2008 @ 09:24

 

 

der herbst schreitet fort

blatt um blatt

entkleiden sich die bäume

während die einen schon nackt stehen

tragen andere noch sommergrün

etwas gold liegt im grau

und blaue himmel leuchten ab und an

der weiher mitten in der stadt

wirkt rein und klar

so still erhaben an diesem morgen

unschuld liegt im wasserspiegel

ein schwan gleitet wie ein segelschiff

fast paradiesisch bevor ich näher trete

ein steinwurf von hier der rhein

ohne aufregung fließt  er

was auch geschieht er bleibt in seinem bett

und mensch altert dem winter entgegen


Gut geschirmt!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 26 Okt, 2008 @ 21:53
 
Selbst die Schirmlinge leben gern in Gruppen.
Macht bestimmt Spaß
wie die Pilze zwischen den bunten Knisterblättern zu stehen
und nach oben durch das Geäst
zum Himmel zu schauen.
 
 
 foto: moorhenne (www.pixelio.de)


für chris - einfach so!

Poesie — geschrieben von findevogel am 24 Okt, 2008 @ 22:19
 
 
ich sah es golden
heute morgen
am rand vom gleis
das ahorn gelbte
und licht im grau
vom glanz nur sprach

so nimm ein blatt vom nebengleis
und trockne sanft das kleine licht
damit es dir im winter leuchte


im Meer verklungen

Poesie — geschrieben von findevogel am 22 Okt, 2008 @ 23:45

 

Ich habe ausgesungen

heute

der letzte Ton verklingt in den Wellen
Am Horizont geht sie Sonne unter
Die Nacht wird mit den Träumen neue Lieder bringen
Verwebtes aus alten Weisen und jungen Improvisationen
Ich ahne schon das Klavier - warm
dieser Klang, der in leeren Räumen schwingt
wo es still ist
und der so tief berührt
zaghaft noch - klimpert Schlaf auf der Tastatur
leise, ich will keine Geister wecken
und der Stille Raum lassen.

 

 


Vom Meer noch mehr...

Vom grünen König und seinem Reich — geschrieben von findevogel am 21 Okt, 2008 @ 22:21

In meinem blauen Haus hinter den Dünen lebt ein lichter Geist. Er gurgelt Töne, pfeift mit dem Wind und singt die Gegenstimme, wenn meine Lippen Lieder wieder entdecken. Im Duett findet sich nicht nur Harmonie. Die schrillen und dumpfen Töne, sie gehören dazu. Wenn es mir zu bunt wird, dann öffne ich das Fenster zum Meer und lausche eine Weile Wellen, Wind und Möwen.
Derweil tobt sich der lichte Geist im Schornstein aus. Und ich schließe das Fenster, setze mich an den Küchentisch. Zeilen schreiben sich wie von selbst.
Und dann setzt er sich neben mich und ist zahm und still wie eine Schmusekatze, die in der Sonne döst.

 

***

 

Was aber wird der Fürst des Meeres zu den neuen Liedern sagen, die der Wind in die Korallenwälder weht; zu den machvollen Gesänge, die mit dem Schaum der Wellen in alle Welt ausströmen; was zu den girrenden Zischellauten die Huckepack auf den Algen reiten?
Und was - sag mir - zu den verstümmelten Silben, die klagend aus gebrochenen Herzen rieseln und die sich in den Sand der Strände mischen? Das gemalte Herz im Sand hat die Flut gestohlen. Wo trägt sie es hin?
Wird der Fürst hören, was die Erde ihm zu erzählen weiß mit Engelszungen?
Was ist fähig, sein Eremitenherz zu erweichen, ihn sanft zu stimmen und ein Feuer in seiner Brust zu entzünden?

Ich traf den grünen Delphin Smaragd, meinen Freund aus einer anderen Zeit. Er flüsterte mir von den heilenden Gärten unter dem Meer und jenseits der Worte, dort wo die Stille zu Hause ist.


Vom Meer, einmal mehr....

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 19 Okt, 2008 @ 12:46

 

Unendlich weit erscheint mir das Meer in diesem Oktober. Wie eine Fatamorgana zeigt es sich in der Ferne als Silberstreif am Horizont. Ich möchte der Fatamorgana folgen, auch wenn sie mich auf Wüstenwegen dorthin zu führen beliebt.
Was mich dorthin zieht, woher ich nicht komme in diesem Leben, es ist tiefer als jeder Ozean, und wenn die Sehnsuchtswellen am Seelenstrand verebben, dann muss ich aufpassen, dass ich im Sand nicht ertrinke.

Der Wind flüstert zärtliche Worte in Engelsprache und singt mit den Elfen ein fröhliches Lied, bevor er aufflaut, laut und donnernd wird, in den Wipfeln der Bäume hinter den Dünen sein Teufelswerk beginnt und am Strand die Wellen gegen die Felsen klatschen lässt.

Ich stehe im Wind, der zum Orkan geworden ist, und meine Kleider flattern um den Leib.
Will ich standhalten oder flüchten?
Einer lebendigen Fahne gleich drehe ich mich im Kreis, suche einen Punkt, an dem ich mich festhalten kann im Derwischtanz.
Leicht verliert man Orientierung, wenn Meer, Himmel und Wellen eins werden und sich Grau in Grau vermischen. Jenseits droht eine steile Küste.

So schließe ich die Augen. Für eine Weile atme ich gegen die Angst, bis der Sturm zahmer wird und vor dem inneren Auge Konturen, Landschaften und Pfade auftauchen.
Zurück geht es leichtfüßig über die Dünen bis zu dem blauen Haus, das meine Worte zu bergen weiß. Jenes, mit dem Fenster zum Meer.

 

 

foto: garl (www.pixelio.de)


Baumgesicht!

Fundstücke — geschrieben von findevogel am 18 Okt, 2008 @ 13:58


bruchstückhaft

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 17 Okt, 2008 @ 11:23

 

Ich sammle Bruchstücke
und füge sie zusammen
sichtend, ordnend
was entsteht - Mosaik
immer fehlt ein Stück
wie im Leben auch
der letzte Zipfel
den ich mir denke

wenn ich ihn nicht finde
und wenn es so bleibt
mit allen Leerstellen
den weißen Flecken?
Mit allen Unvollständigkeiten
wird daraus dennoch ein Bild
voller Runzeln und Narben
eine Landschaft von besonderer Dichte
die viel zu erzählen weiß
wie im Leben auch


Zwischensumme!

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 15 Okt, 2008 @ 23:00
Du suchst die Zeichen zwischen den Zeiten:
in den kleinen Ritzen und Spalten
die sich zwischen den Sekunden kaum merklich öffnen
unter den aufgeworfenen Hügeln
der ineinandergeschobenen Stunden
In der Tiefe
wo die Erde durchlässig
und sich die Zeichen leicht verlieren
da tauchst du hinab
versuchst ihre Zipfel zu erwischen
sie festzuhalten
Je weiter du gehst auf deinem Weg
um so intensiver wird dein Bemühen
diese Zeichen zu entdecken
ihre Sprache zu verstehen
alles zu deuten
noch die letzten Rätsel zu lösen
wie ein Sternkundiger aus dem Morgenland

Am Ende
wenn der Wahnsinn sich dem Ende neigt
geht es nicht mehr ums Finden
nur noch darum, dass du Recht hast
darum, dass dein Kartenhaus zusammenhält.

Längst schon hast du den Boden unter den Füßen verloren
bist zwischen den Zeiten hängen geblieben
da ist Nichts, nur Leere


Wenn der Abend früh kommt!

Dachstuben und Rumpelkammern — geschrieben von findevogel am 13 Okt, 2008 @ 23:48
Es ist wieder Strickzeit, lange Abende, um zu schauen, ob das Nadelspiel noch gelingt - eins rechts, eins links, zwei verschränkt, der Beginn vom Zopf. Gedanken haben keinen Platz, es werden Maschen gezählt - abgehoben und aufgehoben - vernetzt. Für nichts anderes ist Platz.
Und was da entsteht, es wächst. Während die Gedanken schweigen, entwickelt sich Struktur und Form.
Ein ganzes Gebilde! Eine Welt. Ein Universum, indem die Sterne kreisen.
Immer entspannter gleiten Nadeln und Wolle durch Finger und Hand. Ganz innen wird es still, so still, dass das Ohr hört, wenn Schneeflocken fallen und die Nase den Winter schon ahnt. Auf den Lippen eine angenehme Kühle. Den Takt finden, einen eigenen Rhythmus - und ganz plötzlich, kurz flackern Kerzenflammen auf, der rote Faden in die andere Welt. Der Anfang von einer Geschichte, die aus den Nebeln der Urzeit sich Bahn bricht, wie eine sprudelnde Quelle.

Komm, komm - im Spiel der Nadeln vernetzen wir die Erde und Himmel und feiern Große Hochzeit.


abgeerntet und ausgeräubert

Poesie — geschrieben von findevogel am 11 Okt, 2008 @ 12:29

man hat mir die blätter vom leib gezupft
mein buntes herbstgewand dem wind verschenkt
rot, gelb und braun schmeichelt nun allen pfaden
als schwarzes gerippe steh ich am see und frier
so nackt und ausgeliefert
liest ein jeder, was ich bin, in narben und runzeln
und ich warte auf den winter
und den weißen schnee, der glieder bedeckt
und die unschuld zurück gibt
der mich versteckt vor diesen gierigen augen
damit ich heile und gesunde
bis es frühling wird
und blatt und blüte treiben

 

 


Sommersüße Essenz

Poesie — geschrieben von findevogel am 6 Okt, 2008 @ 22:28

 

Gesammelte Federn

 

Lass deine Worte auffliegen
wie hurtige Vögel
die zwitschernd und schilpend
den Schlehenbusch belagern
weil die Früchte reif und süß sind


Ich fange sie auf
wie daunenleichte Federn
sammle sie ein
und winde mit meinen sie
zum archaischen Federschmuck
der zum Gedicht verdichtet

unsere Worte verknüpft

 

 


es weht ein kühler wind

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 5 Okt, 2008 @ 13:14

 

manchmal sind die worte eingefroren, als sei winter in die seele eingezogen. der schnee schließt dir mund und lippen, während die augen durch die wolken zum blau des himmels blicken und den fernen vögeln nachschauen. der körper friert nicht mehr. er hat sich in ein inneres gefäß zurückgezogen.
alles ist verlangsamt. selbst der atem wirkt kühl und spärlich. zeit um still zu sein, geduld zu haben und abzuwarten, bis im mund sich der geschmack von wilden erdbeeren ausbreitet und über die lippen wie eine quelle die neuen worte sprudeln.


virtuelle Bücher

kurz notiert! — geschrieben von findevogel am 2 Okt, 2008 @ 01:08

Baumgesicht

mein Erstes bei Bookrix enthält Kurzlyriktexte von 2006


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