findevogels fundstücke

Findevogel pass auf!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 25 Jun, 2008 @ 20:18

 

wenn flügel schleifen
brechen - heißt es, achtsam sein
der fuchs ist listig

bleib versteckt im gebüsch
und tarne deine spuren

 


findevogel wundert sich 2

Findevogel, Zwischen Jahreszeiten ein belebter Moment — geschrieben von findevogel am 7 Nov, 2007 @ 00:04
findevogel saß auf der harten bank - rot - der örtlichen s-bahn, die von süd nach nord die große stadt durchquerte. die bahn war brechend voll und findevogel zum umfallen erschöpft. er konnte kaum die schwarzen plinkaugen aufhalten. sein kopf nickte nach vorn. rechts von ihm saßen vier kichernde mädchen, türkischer herkunft - zwischen zwölf und vierzehn - findevogel staunte über die vielen unangenehmen gerüche die an ihm vorbei wehten, und die vernebelten muffigen stimmen, die aus allen richtungen sein ohr streiften.heute sahen die menschen so krank und erschöpft aus.
unter den gleichmäßigen fahrgeräuschen nickte er ein.

plötzlich streifte etwas seine federn. ein geruch von tierischer ausdünstung streifte die sensible nase und weckte ihn aus dem dämmerschlaf. er öffnete die augen und sah sie - die stadtreicherin mit den zwei schwarzen hunden. ein kleiner mit zöpfchen und pullover, der andere groß, glatt, und müde.
erstaunt stellte er fest, dass die frau sprechen konnte.

oft hatte er sie heimlich beobachtet in den vergangenen jahren, wenn sie sich zufällig in der immer gleichen bahn begegneten und ein stück strecke zusammen fuhren. er war sich sicher, dass sie ihn noch nie bemerkt hatte. immer saß sie auf der querbank, ihm gegenüber - hielt ein zerfleddertes buch in den händen, und die hunde lagen treu und brav zu ihren füßen. ein rucksack stand neben ihr auf dem sitz. ruhe und verschlossenheit ging von ihr aus. auch wenn sie angesprochen wurde, nickte sie nur freundlich und blieb stumm.

heute saß sie nicht, denn es war ja voll in der bahn - schulschluss an einem novembertag - ihr gesicht unter einer kaputze sah aufgedunsen aus. in der linken hand hielt sie eine bierflasche. ihre stimme klang heiser wie ein reibeisen, so wie es klingt, wenn man zuviel raucht und trinkt und sich bei jeder witterung im freien aufhält. die haare fielen ihr strähnig ins gesicht. alles mädchenhafte war daraus verschwunden und die zierliche gestalt von einst war rund. und fleischig. findevogel erinnerte sich, dass er sie vor jahren schon mal bei den pennern an der severinsstrasse gesehen hatte. damals dachte er, einer täuschung erlegen zu sein, denn bei den stadtstreichern wirkt sie gar nicht zart und mädchenhaft, sondern ordinär und ausholend. wenn die zwei hunde nicht gewesen wären, hätte er die Frau dort für eine zwillingsschwester der andern, der mit dem buch, gehalten.

die türkischen mädchen nebenan hatten angst vor den hunden. die stadtstreicherin konnte nicht ausweichen. da wo sie stand - zwischen findevogel und den mädchen - steckte sie fest. sie fragte eins der mädchen:

"hast du angst vor den hunden?"
es schaute sie aus ängstlichen augen an und nickte.
"du auch?"
fragte die frau die nächste, die ebenfalls nickte.
"vor diesen hunden müsst ihr keine angst haben. die tun niemand etwas und werden sehr gern gestreichelt. schau!" und sie strich der hündin zärtlich über den rücken, " die große ist schon vierzehn jahre alt."
sagte sie mit angetrunkener schleppender stimme.
"ich steige eh gleich aus. Und du, du hast aber keine angst?"
"nö."
entgegenete das dritte mädchen.
"vielleicht vor sittichen, die habe ich nämlich auch zu hause. oder vor einer vogelspinne?"
sie schaute die viererbande, die nicht recht wusste, wohin sie sich verdrücken konnte, herausfordernd an. offensichtlich war die ganze situation für die mädchen unangenehm, und diese frau für sie nicht einzuschätzen.
sie spürten wohl, dass die frau anders war, als die meisten menschen, mit denen sie umgang hatten.
"meine vogelspinne ist ganz lieb. man kann sie auf dem rücken streicheln. ganz pelzig ist sie. das nächste mal bringe ich sie mit, dann könnt ihr es versuchen." dabei bewegte sie die finger der rechten hand, wie eine spinne auf die mädchen zu.
das entsetzen über diese vorstellung stand den mädchen im gesicht geschrieben. sie rückten ganz dicht zusammen und schufen so abstand zu den krabbelnden händen.

die bahn hielt und entließ einen teil ihrer gäste, auch die frau mit den zwei hunden, die sich kurz von den mädchen verabschiedete und beim hinausgehen noch winkte.

findevogel schüttelte sein gefieder.
alles anders heute: die frau, die bahn, die station, an der sie ausgestiegen war und er selbst? er war nun wieder wach.



So wie die Hecken!

Findevogel, Heckengeschichten — geschrieben von findevogel am 18 Nov, 2006 @ 22:15



wer von klein auf Hecken gewohnt ist, bleibt ein Heckengänger!
Ausgeheckt und zwischen den Zweigen im Nest ausgebrütet, verbergen sich kleine Wunderdinge - selbst Findevogel kehrt immer wieder zurück ins Heckennest. Was hat er mir heute erzählt?

"Na klar verstehe ich Dornröschen hinter den sieben Hecken! Ich traf sie hinter den blauen Bergen, und wir erzählten einen Tag und eine Nacht lang miteinander. Jetzt kenne ich ihr Geheimnis: Wie sie sich gefühlt hat, als der Prinz - ein Mann, der die Dornen durchbrach - sie mit einem Kuss erlöste, ihr das intensiv pulsierende Leben zu Füßen legte, und sie sich Hals über Kopf in ihn verliebte. Überall hin wäre sie damals mit ihm gegangen. Es ist ja nicht so, dass Dornröschen vor ihrem tiefen Schlaf einfältig, dumm und faul gewesen wäre. Nein! Einst machte sie sich auf, um alles zu erkunden. Sie spürte, dass es ein Geheimnis in ihrer Familie gab, dass unausgesprochen blieb. Instinktiv wusste sie, dass nur die Enthüllung des Geheimnisses, sie und ihre Familie erlösen würde. Diese Leerstelle musste sie erkunden.

Wahrheiten sind oft schmerzhaft, so wie die Spindel, die sie stach, und Wahrheiten können für lange Zeit lähmen. Wie gut, dass die Zeit meist Heilung bringt. Erst dann kann das Leben mit seiner Leuchtkraft neu beginnen. Nicht wenige Frauen lieben den, der sie rettet, bei Dornröschen war es anders: Sie verliebte sich in das Leben selbst, und beschloss, es aktiv zu gestalten und mit allen Gefühlen, die dazu gehören, in vollen Zügen zu genießen.“


Findevoegel

Findevogel — geschrieben von findevogel am 23 Mär, 2006 @ 13:13
Findevoegel


Findevogel-Akrostichon

Findevogel — geschrieben von findevogel am 6 Mär, 2006 @ 09:56

Findevogel-Akrostichon

Freue dich

Innig geliebter Federfreund

Neues bringt der Tag

Draußen wartet das Igelchen

Erzähl ihm vom Winter

Vielleicht sucht es dich schon

Oberhalb der Hecke

Grüße es von mir

Erzähl ihm von Regenwürmern und Asseln

Lieblingsspeisen braucht es jetzt.

© FV


Traumfänger!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 28 Dez, 2005 @ 22:54

Behende kletterte ich in meine Kastanie - hoch hinauf, immer höher bis zu der Stelle im alten Baum, die mit den verzweigten Ästen einen natürlichen Hochsitz geschaffen hat.
Die kahlen Äste sind wie Leitern in den Himmel. Nun sitze ich oben mit geschlossenen Augen und versuche, dem Himmel seine Träume zu entlocken - oder gebäre ich sie selbst?

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Neues vom Findevogel

Findevogel — geschrieben von findevogel am 23 Dez, 2005 @ 14:49

So ganz kann ichs doch nicht sein lassen. Komisch, kaum beschließe ich, meinen Blog ein paar Tage liegen zu lassen, sprießen plötzlich von allen Seiten wieder Gedanken, Ideen und Assoziationen, als sei plötzlich eine Blockade abgebaut. Also die Heckenschere herausgeholt und freischneiden. Sonst gehe ich noch verloren, werde unsichtbar im immer wilder wachsenden Zeilendschungel - smile - !

Nun, das Schreiben ist mir zur zweiten Haut geworden. Anscheinend brauche ich es fast so, wie die Luft zum atmen.

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Findevogel - gemalt von Tina Krauß

Findevogel — geschrieben von findevogel am 21 Sep, 2005 @ 11:49

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Wie der Findevogel zu seinem Namen kam!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 20 Sep, 2005 @ 11:55

Das Märchen vom Fundevogel "Gebrüder Grimm" inspirierte den Namen Findevogel.

Der FV selbst entwickelte eine ganz andere Gestalt, die sich im Laufe der Zeit mit speziellen Eigenarten füllte, und zur Persönlichkeit mauserte.

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Findevogel gefunden!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 18 Sep, 2005 @ 11:03
Ich bin total begeistert!

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Dem Findevogel geht´s besser

Findevogel — geschrieben von findevogel am 30 Aug, 2005 @ 13:44

Am frühen Morgen erwachte Findevogel , weil ein warmer Sonnenstrahl sich frech durch Hecke und Nest gestohlen hatte und ihn nun an der Stirn kitzelte.

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Für den Findevogel!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 28 Aug, 2005 @ 11:26
Komm Zaubervogel!

Lass deinen Kopf nicht hängen
Mach dich nicht klein
Dich so zu sehen - das tut ja weh
Putz dein Gefieder bis es glänzt
Und flieg mit mir durch die Nacht


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Seelenkummer!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 25 Aug, 2005 @ 16:17

Hat jemand von euch schon einmal SEELENKUMMER gehabt?

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Findevogel zieht sich zurück!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 17 Aug, 2005 @ 17:31

Findevogel hat sich in sein Nest zurück gezogen. Er sucht die Stille und das Wispern des Windes in der dichten Hecke.

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Dem Süden entgegen!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 26 Jul, 2005 @ 16:27

Findevogel war den menschlichen Zugvögeln in den Süden gefolgt. Eigentlich war der Sommer ja nicht so sein Ding, aber in diesem Jahr sehnte er sich nach Sonne und Licht. Der Winter war lang und karg gewesen. Auch der Frühling, den er in jedem Winter sehnsüchtig erwartete, hatte sich verspätet.

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Gewitterwetter

Findevogel — geschrieben von findevogel am 29 Jun, 2005 @ 15:38

Findevogel flog in den gewittrigen Sommerabend. Langsam wurde es dunkel. Die Schwüle nahm ihm fast den Atem. Am Nachthimmel formierten sich die bleigrauen Wolken zu Unwetterfronten. Er flog an der Gartenstadt vorbei. In den vielen bunten Gärten der kleinen Reihenhäuser waren nur noch wenige Menschen zu sehen. Sein Ziel war die alte Kastanie auf dem Platz mitten im Ort. Um diesen Platz drängelten sich schiefe Häuschen dicht aneinander. Bald erreichte er sie und ließ sich in ihren Ästen nieder. Immer waren es die Kastanien, in denen er sich besonders wohlfühlte. Darunter stand eine Bank. Eine Frau saß dort und murmelte vor sich hin. Sie bemerkte den seltsamen Vogel sofort und schaute ihn aus klaren Augen an, rief ihn. Findevogel gesellte sich zu ihr, konnte ihre Gedanken lesen.
„Wer bist du?“ fragte er, „ich bin ein Findevogel.“

„Dann haben wir etwas Gemeinsames,“ entgegnete die Frau, deren Alter er in der Dunkelheit nicht richtig einschätzen konnte. Aber jung war sie nicht mehr, und sie sprach mit einer dunklen, rauen Stimme. „Ich heiße Eva und bin ein menschlicher Findevogel.“

Der Vogel war erstaunt, doch bevor er noch eine Frage stellen konnte, sprach Eva weiter:
„Ja, ich bin ein Findevogel und zur Zeit suche ich mich selbst, bin mir in der letzten Zeit verloren gegangen.

Vor einer Weile lag ich schon wie alle vernünftigen Menschen im Bett, aber ich fand keinen Schlaf. Meine Gedanken irrten ruhelos im Kopf, nicht einmal festhalten konnte ich sie. Ich versuchte es mit Atmen, tief einatmen und dem Atem lauschen, aber das Blut rauschte mir in den Ohren wie ein Wasserfall und verhinderte jede Konzentration. Eine Zahnwurzel machte sich schmerzhaft bemerkbar und auch mein rechtes Knie tat weh. Ich versuchte den Schmerz einzugrenzen, dachte an das, was ich vor wenigen Minuten gelesen hatte, von der Wurzellosigkeit der Menschen in der modernen Gesellschaft. Wo waren eigentlich meine eigenen Wurzeln, fragte ich mich. Ich spürte sie nicht. Das war schon anders gewesen. Das einzig Fassbare war der Schmerz in meinem Körper. Das Knie hatte sich acht Jahre lang nicht bemerkbar gemacht. Was war damals gewesen? Ich erinnerte mich an die Überforderung damals, das Gefühl des Gefangenseins in einer Sackgasse. Wie war ich wieder hinaus gekommen? Mühsam, aber als ich den Ausweg gefunden hatte, verflog auch der Schmerz. Sandte der Körper mir ein Signal? Auf was wollte er mich aufmerksam machen, denn im Allgemeinen bin ich eine gesunde Frau.

Plötzlich kam mir eine Idee. statt im Bett liegen zu bleiben und keinen Schlaf zu finden, wollte ich meine Runenkarten suchen. In schwierigen Situationen gaben sie mir immer hilfreiche Hinweise. Ich stand auf und fand die Karten schnell. Wann hatte ich sie eigentlich das letzte Mal in der Hand gehalten? Es war schon eine Weile her. Während ich die Karten mischte, wurde ich ruhig. Ich ließ mir Zeit. Die gleichförmige Bewegung des Mischens ließen den Schmerz in Zahn und Knie verebben. Ich fächerte die Karten auf. Seltsam, einige waren kalt, andere warm und eine fühlte sich heiß an. Die zog ich.

7: Nauthiz (Hindernisse)

Ich schlug im Handbuch nach, denn diese Karte zog ich noch nie.

„Der Pfad endete an einem Abgrund. Ich stolperte, manchmal falle ich. Begrenzungen geben uns Form, Prüfungen stärken uns. Erkenne den großen Lehrmeister hinter jeder Verkleidung.“

stand da. Ich war überrascht, als ich die Erklärungen las. Die Karte fordert mich auf, mich mit den augenblicklichen Hindernissen in mir selbst und außen auseinander zusetzen, mich auf die Schatten zu konzentrieren, die meine Schwächen repräsentieren. Es ist das Nichtentfaltete und Unterdrückte, das was bisher nicht leben durfte und das wir so leicht auf andere projizieren. Die Karte macht mir Mut, nach innen zu schauen, innezuhalten und jene Aspekte wahrzunehmen, die Unglück und Härten anziehen.

Siedendheiß wird mir in diesem Moment bewusst, dass es da einiges zu klären gibt. Jetzt ist nicht die Zeit, hinaus aufs Meer zu fahren, um Fische zu fangen. Netze müssen geflickt werden, Gleichgewicht schaffen, heißt es, wenn es zur Harmonie nicht reicht.
Meine Schmerzen wundern mich nun nicht mehr: da war etwas nicht im Fluss, Hindernisse müssen beseitigt werden, um wieder zu den Wurzeln zu finden.
Ich will mich wiederfinden. Morgen mache ich mich auf den Weg. Jeden Tag ein kleines Stück – langsam und ohne Eile.
In der Ferne grollt es, ein Gewitter zieht auf. Es bringt Erfrischung und Regen. Ich beschließe nach draußen zu gehen und das Gewitter abzuwarten. Und da traf ich dich. Jetzt gehe ich schlafen. Vielleicht besuchst du mich mal wieder, dann erzähle ich dir, wie es soweit kommen konnte. Gute Nacht Findevogel!“

Der Vogel sammelte diese neue Geschichte ein, spreizte die Flügel und flog in sein Nest.


Es flirrt vor Hitze!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 24 Jun, 2005 @ 22:38

Findevogel hatte sich an diesem heißen Tag unter einer alten Eiche niedergelassen. Nach kurzer Zeit gesellte sich eine Frau zu ihm. Sie war gesprächig und erinnerte sich an einen Urlaub in Südfrankreich. Findevogel war ein guter Zuhörer:

„Es war unser letzter Urlaub mit den Ältesten außerhalb der Schulferien. Einige Jahre hintereinander verbrachten wir unseren Urlaub in der Provence, genauer gesagt, in der Nähe von Avignon.

Die Provence, meine Seelenlandschaft, ich weiß noch, dass ich aus diesem letzten Urlaub dort nicht mehr nach Hause fahren wollte, so gar ein Haus auf einem höher gelegenen Gebirgsplateau hatte ich mir ausgeguckt - Träume - es hatte einen Garten mit alten Obstbäumen, lag in einem kleinem Dorf, dass sich gerade wieder besiedelte.
Unter provencealisch blauem Himmel verbreitete sich ein betörendes Duftgemisch, und dazu dieses besondere, dieses magische Licht.

Alte Olivenhaine, Rebfelder, Mohnfelder, wilde Wiesen mit Kräuterduft, Lavendel, alte Ruinen, kleine verschlafene Orte mit bunten Märkten, im Wechsel - Flachland mit kultivierten Anbauflächen, Hügel, Gebirge, karge Berghänge, gefährliche Kletterwege, Schluchten, wilde Ziegen, rote Erde, kleine ungebändigte Flüsse, magische Plätze und in der Ferne das Meer

Ich kramte neulich in alten Fotos: meine Älteste, damals 6 Jahre alt mit Strohhut und buntgeblümten Trägerkleid zwischen den überwucherten Überresten einer ausgestorbenen Siedlung am Mont Ventoux. Es war ein Sonntag. Er begann strahlend und endete in einem Unwetter. Es gewitterte schon eine Weile, bevor sich die Himmelsschleusen öffneten und ihre Wassermassen, wie aus Kübeln, über uns ergossen. Flucht ins Auto - kein Picknick zwischen den Ruinen - das gab es im Auto.

Wie jung ich damals noch war, ein Foto fällt mir in die Hand - es gelingt mir nicht, die Lücke zwischen damals und heute zu schließen. Etwas ist verloren gegangen in den Jahren dazwischen. Aber vielleicht ist das so, wenn man endlich erwachsen werden muss.
15 Jahre meines Lebens, eine lange Zeit, viel geschah in dieser Zeit, in der jeder Tag randvoll war und kaum Zeit zum Atemholen ließ.

Wie mir damals doch die kleinen Dinge ins Auge fielen: der grüne Sonnenkäfer auf der weißen Blüte, die weiße Katze vor dem abgeblätterten Brettertor, eine ausladende Linde, deren Laubdach sich wie ein Schirm ausbreitete und denen Zuflucht bot, die sich von der südlichen Hitze erholen wollten.
In meiner Fantasie nahmen die alten Olivenbäume und Rebstöcke Gestalten an, mit einer eigenen Geschichte, Originale, Unikate, Männer und Frauen, Kinder. Sie erzählten Geschichten.
Und die bezaubernden Mohnblüten, in deren transparenten Blütenblättern Licht und Schatten ein besonderes Schauspiel boten.

Seelenruhe und Nerven habe ich in den Jahren dazwischen ein gutes Stück verloren.
Aber ich hole sie mir zurück - bin schon längst dabei, jetzt, wo die Zeiten wieder ruhiger werden.“


„Nun, immerhin erinnern Sie sich an all diese kleinen Dinge, an die Gerüche, die Farben,“ antwortete Findevogel, „Sie wissen noch, wie es war, die Seele baumeln zu lassen, das Leben zu genießen. Sie besitzen einen Erinnerungsschatz.“

©findevogel


Findevogel wundert sich!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 21 Jun, 2005 @ 14:08

Wie jeden Dienstag war Findevogel auch heute unterwegs. Sein Ziel, der Rand der großen Stadt. Dort wollte er sich unter die Menschen mischen, ein wenig S-Bahn fahren und dem Kommen und Gehen der Leute zuschauen. Er hockt auf der Bank einer entlegenen Bahnstation. Über der Stadt lag eine schwüle Dunstglocke.Ob es ein Gewitter geben würde? Die Menschen wirken antriebslos, ist bei vielen wohl spät geworden gestern . Nach einem überhitzten Tag brachte der Abend mit seinem Vollmondschein, die ersehnte Abkühlung. Wohl dem, der einen Freiplatz draußen besaß, um den Sommertag auf angenehme Weise ausklingen zu lassen. Wer mag schon schlafen, wenn ein frischer Wind das überhitzte Gemüt beschwichtigt?

In der Zeitung hatte Findevogel morgens gelesen, dass die Polizei in Vollmondnächten häufig Seelenbalsam an einsame und verlassene Menschen verteilen muss. Die Anzahl der nächtlichen Anrufer stieg in diesen Zeiten. Findevogel, der gern allein war, konnte das Ansinnen der Menschen nicht recht verstehen und wunderte sich einmal mehr über diese so sonderbaren Lebewesen. Allein schienen sie nicht gut zurecht zu kommen.

Während Findevogel sich noch wunderte, betrat eine junge Frau den Bahnsteig. Immer traf er sie dienstags mit ihren zwei schwarzen Hunden, die ihr auf Schritt und Tritt folgten. In der Hand hielt sie ein dickes zerfleddertes Buch. Wie alt mochte sie sein? Anfang dreißig, vielleicht ein wenig älter. Es war schwer einzuschätzen. Ihre abgewetzten dunklen Jeans und das schwarze ärmellose T-Shirt machten sich gut auf der braunen Haut. Das schulterlange aschblonde Haar schien lange keinen Frisör gesehen zu haben. Trotz dieser Kleidung, wirkte die Frau frisch, sauber und natürlich. Ihre Bewegungen waren knapp und fließend.

Eine ruhige Abgeschlossenheit strahlte von ihr aus. Hatte er sie nicht letztens biertrinkend im intensiven Gespräch mit den alkoholisierten Pennern in der Innenstadt gesehen? Flinke Bewegungen untermalten dabei eine lebhafte Gestik. Was verband die Frau mit den Obdachlosen, oder besaß sie eine Zwillingsschwester? Er konnte sich keinen Reim darauf machen, zwei unterschiedliche Gesichter, die nicht zusammenzupassen schienen.

Die Bahn fuhr ein, Türen öffneten sich und entließen eine Traube von Menschen. Findevogel stieg ein, die Frau auch. Er wusste, dass sie genau vier Stationen gemeinsam reisen würden, kannte auch den Lieblingsplatz der Frau – hinten im Zug, auf den Querbänken, genau gegenüber von ihm selbst. Dort hatte man einen guten Überblick.

Ihr verschlossenes verhärmtes Gesicht machte eine Kontaktaufnahme unmöglich. War sie arbeitslos, verfügte über unbegrenzte Zeit und ein knappes finanzielles Budget? Die Hunde waren brav, hörten aufs Wort und ließen sich zu ihren Füßen nieder. Aus traurigen Hundeaugen schauten sie in die Welt. Hatte die Frau sich von der Welt abgewandt und in einem kargen Leben mit ihren Hunden eingerichtet? Bekannte Gesichter begrüßte sie freundlich und distanziert, verweigerte ein Gespräch, aber Kinder durften ihre Hunde streicheln. War diese Frau eine Stadtstreunerin, einsam und einzelgängerisch, wie ein Wolf? Welche Geschichte würde sie wohl erzählen, wenn ein Gespräch möglich wäre?

Vier Stationen waren schnell abgefahren. Die Frau stieg aus, aber Findervogel wusste, er würde sie immer wieder treffen, in der Bahn, im Zentrum, an Orten, wo die Einsamen und Verlassenen lebten. Ob sie ihn registrierte und sich fragte, was ein so seltsamer Vogel in der S-Bahn zu suchen hatte.

In ihrem Gesicht konnte er nicht lesen.

©findevogel


Spätsommerflug, Teil 2

Findevogel — geschrieben von findevogel am 16 Jun, 2005 @ 17:08

Ganz in der Nähe stand ein alter Kastanienbaum. Unter seinem weitausladenden Blätterdach mitten im Moos und zwischen den heruntergefallenen Kastanienfrüchten lag ein junges Mädchen und weinte bitterlich. Vorsichtig, ohne zu lärmen, landete Findevogel in dem alten Baum.

Was sollte er tun, er wollte das Mädchen ja nicht auch noch erschrecken.
Nachdem er eine Weile ruhig im Baum gesessen hatte, begann er, zunächst kaum hörbar, sein Findevogellied zu singen. Allmählich wurde seine Stimme lauter. Da hatte das Mädchen schon aufgehört zu weinen. Es schien der wunderbaren Stimme des Vogels zu lauschen, setzte sich plötzlich auf, und schaute in die Zweige, sah aber nicht gleich, woher der liebliche Gesang nun kam.

„Hier bin ich!“ flötete der Vogel, „siehst du mich nicht?“
Die rotverweinten Augen des Mädchens wurden groß. Woher kam nur diese Stimme? Sie konnte Findevogel nicht entdecken, denn der hatte die Farben des Kastanienbaumes angenommen.
Findevogel hüpfte vom Baum und ließ sich in der Nähe des Mädchens nieder.
„Wie heißt du, und warum weintest du so?“ fragte er.
„Ich heiße Mira.“ Antwortete die Kleine ohne große Angst. Zwar war sie kurz zusammengezuckt, als der Vogel neben ihr landete, aber das gab sich sofort wieder.
„Du bist ein Findevogel, stimmt´s?“

Der Vogel fühlte sich geschmeichelt, denn nicht viele Menschen wussten, was ein Findevogel ist.
„Ja stimmt,“ lispelte er, „und ich habe dich gefunden! Was ist los mit dir?
„Ich bin von zu Hause weggelaufen, weil ich etwas wiederfinden muss, aber ich habe meinen Weg verloren. Vielleicht wäre ich doch besser zu Hause geblieben und hätte auf meine Mutter gehört.“
Papperlapapp,“ lamentierte nun der Vogel,“ wenn es Zeit ist, eine Reise zu machen, muss man seinem Herzen folgen. Wo wolltest du denn hin?“
„Hast du schon einmal vom dem Wald aus wilden Rosen gehört?“
„Aber ja, ich war selbst schon dort. Zunächst muss man den Eingang in der Hecke finden.
Aber Mira, es ist gefährlich. Nur die Mutigsten kommen heil wieder hinaus.“
„Ich weiß,“ sprach das Mädchen, aber man sagt auch, wer es schafft, den Wald zu durchwandern, wird hellsichtig und kann Dinge wiederfinden, die er schon verloren glaubte. Ich habe etwas sehr Wertvolles verloren, etwas, was mir anvertraut wurde. Es gehört nicht einmal mir.“

„Hm, Mira, das hört sich gewichtig an. Möchtest du, dass ich dir etwas von diesem Wald erzähle?
Dann kannst du immer noch entscheiden, ob du es wirklich wagen willst.
„Lieber Findevogel, erzähle!“ bettelte Mira.

„Hinter dem Regenbogengebirge gibt es einen Wald aus wilden Rosen. Neben unzähligen Blüten treibt er üppige Dornen. Immergrün spotten die Blätter den Jahreszeiten.
Um ihn zu betreten brauchst du Mut und ein unbefangen wildes Herz.
Zunächst nimm dir Zeit, es braucht Geduld und ein scharfes Auge, um den versteckten Eingang zu finden. Versuch erst gar nicht, auf andere Weise einzudringen, denn selbst die Klinge des schärfsten Messers wird sich verbiegen, und das Gift der Dornen, die ihre Widerhaken in deine Haut ritzen, wird dich lähmen.
Als ich dort war, habe ich viele junge Menschen gesehen, die wie tot in den Dornen hingen.
Wenn du noch nicht genau weißt, was du dort suchst, und vor allem sein Geheimnis dich lockt, um so besser, denn eins verrate ich dir: Du wirst nicht finden, was du suchst.
Dort jedenfalls nicht.
Willst du das Abenteuer dennoch wagen, dann lass alle Gedanken mit den weißen Wolken am Himmel davon fliegen. Vertrau deiner Intuition, sie allein wird dir den Weg schon weisen.
Wenn du den Eingang gefunden hast, geh barfuss in den Wald, und lass alles Gepäck vor dem Tor. Du wirst den Wind in den Zweigen spüren und die Erde unter deinen Füßen ertasten. Der Duft der Blüten wird dich in einen Rosenmantel hüllen, und du wirst dich frei fühlen, wie nie zuvor.
Ein unsichtbarer Begleiter geht in deinem Schatten. Du fühlst, dass er da ist, wenn du nach innen lauschst, denn seine Stimme flüstert mit dem Wind. Die leichte Bewegung seiner Hände spürst du als pulsierende Energie, die über deine Schultern in den Körper fließt. Wie ein Engel wird er dich leiten!
Aber Vorsicht!
Dreh dich niemals um! Du darfst ihn niemals sehen, sonst verlierst du seinen Schutz!
Nur mit Vertrauen wirst du den Weg finden. Wenn dein Herz verzagt und ängstlich schlägt, weil du vieles, auch schweres, sehen wirst, wird er dich an deine Intuition erinnern und lehren, die Gedanken los zu lassen.
Ein rabenschwarzer Vogel fliegt in diesem Wald. Er ist gefährlich, denn er ruft und lockt. Seine Stimme ist ein Verführer. Glaube mir, ich war dort, er kennt die empfindlichsten Stellen in deinem Herz.
Wenn du diesem Ruf folgst, verlierst du den Schutz und verfängst dich im Gestrüpp von Leidenschaften und im morastigen Sumpf deiner Angst.
Wenn die Versuchung dich streift, diesem Verführer zu folgen, konzentriere dich auf die wärmende Energie, die über deine Schultern in den Körper fließt und dein Herz beruhigt.
Streife achtsam durch den Wald. Öffne und benutze alle deine Sinne. Du wirst erstaunt sein, wie scharf sie sind und was alles sie dich lehren.
Du willst wissen, was dich erwartet? Ich weiß es nicht, denn jeder findet anderes in diesem sonderbaren Wald, der wie deine Seele ist. Nur du allein schaust in sie hinein.“

©findevogel


Spätsommerflug Teil 1

Findevogel — geschrieben von findevogel am 9 Jun, 2005 @ 10:09

Findevogel entstieg gut ausgeruht seinem Nest und startete zum Ausflug. Es war ein sonderbarer Tag, Nebel umhüllte das Dornengebüsch, die Sicht war begrenzt. Noch hatte sich dieser Spätsommertag nicht entschieden, was er werden wollte: sommerlich warm oder herbstlich stürmisch. Findevogel mochte den Nebel. Hinter seinen Schleiern warteten Überraschungen. Nie konnte man im Voraus sagen, was geschehen würde. Seine Seele lächelte und das Herz tanzte in seiner Brust. Was würde er heute finden?

Er drehte eine weite Runde über die vertraute Heimstatt, um sich dann hoch in die Lüfte zu schrauben und neue Wege zu erkunden. Hoch oben war der Himmel blau. Unter ihm lichteten sich die Nebel und gaben den Blick frei auf eine Patchworklandschaft: mit Hecken abgeteilte Wiesenflächen grenzten an gelbe Stoppelfelder und an kleine Gemüsegärten, die zu den vereinzelt in der Landschaft verstreuten Häusern gehörten. In Obstgärten lockten Apfelbäume mit ihrer reifen Fracht. Es war noch sehr früh am Tag und das Leben da unten begann sich gerade erst zu regen.

Zeit eine Pause zu machen. Findevogel landete sanft in einem Apfelbaum. Aus der Ferne erreichte seine Nase der Geruch von frisch gebackenem Brot. Genüsslich sättigte er sich mit den ersten reifen Äpfeln. Die Luft war klar und die Landschaft, wie von der Hand eines Malers gemalt, in frischen Farben aus dem Nebel erstanden.

So musste es wohl gewesen sein, an jenem Tag im Paradies, als Eva der Versuchung erlag und mit Adam den verbotenen Apfel teilte.

Findevogel empfand in diesem Augenblick ein tiefes Verständnis für Eva, die sich an einem solchen Tag von der weisen Schlange verführen ließ, ihrer eigenen Eingebung folgte und den göttlichen Verboten trotzte. Solche Tage waren wohl eine Sünde wert. Aber was war schon eine Sünde?

Plötzlich vernahm er ein Geräusch er lauschte und war sich bald ganz sicher: in der Nähe weinte ein Menschenkind, es schluchzte ganz bitterlich. Findevogel hatte ein mitfühlendes Herz, und er fragte sich, was geschehen war, dass ein Menschenkind an diesem schönen Tag so traurig war. Also breitete er die Flügel aus, suchte und fand.

Fortsetzung folgt in Kürze!


Wenn ein Findevogel traurig ist!

Findevogel — geschrieben von findevogel am 8 Jun, 2005 @ 13:09

Was tut ein Findevogel, wenn er traurig ist?

Erst einmal muss man sagen, dass Findevogel alle Gefühle sehr intensiv erlebt. Er spürt alles mit dem ganzen Körper bis in die kleinste Federspitze hinein. Jeder, der ihm begegnet, kann es sehen, denn verstellen kann er sich nicht.

Findevogel will aber nicht, dass jemand sieht, wenn er traurig ist, deshalb zieht er sich erst einmal ganz tief in sein Nest zurück, stopft sich Moos in die Ohren und deckt sich mit einer Lage aus frischem Gras zu.

Von niemand möchte er gestört werden.
Er mag es überhaupt nicht, wenn er bemittleidet wird, und seine größte Angst ist, sich ausgeliefert zu fühlen, abhängig und manipulierbar zu sein.

Deshalb macht er seinen Kummer lieber mit sich selbst aus. Nun spürt er ganz in sich hinein, horcht auf das, was die inneren Stimmen ihm sagen wollen. Manchmal herrscht da ein ganz schönes Chaos und Durcheinander, und es dauert eine Weile, bis Gedanken wieder in geordneten Bahnenfließen und die Gefühle auseinander zu halten sind.

Und natürlich schmerzt es. Es tut höllisch weh! Aber Findevogel weiß, dass es Sinn macht, sich diesen Schmerz anzuschauen, ihn auszuhalten. Immer zeigt sich, dass der Schmerz ein Signal ist, das ihm etwas erzählen, auf etwas Wichtiges aufmerksam machen möchte.


Wenn Findevogel so weit gekommen ist, läßt die Traurigkeit nach, er schiebt ein bisschen Gras zur Seite, blinzelt in den hellen Tag und riecht den Duft der Heckenrosen. Nun richtet er sich auf, spitzt eine Feder und beginnt zu schreiben.


Bleibt noch zu sagen, dass Findevogel eine tiefe Sehnsucht nährt, getröstet, beschützt und umsorgt zu werden; zugeben würde er das allerdings nie.


Was ist ein Findevogel?

Findevogel — geschrieben von findevogel am 2 Jun, 2005 @ 13:39

Weiß du eigentlich, was ein Findevogel ist?

Ein Findevogel findet immer etwas, ohne bewußt danach zu suchen. Im Allgemeinen ist er ein Einzelgänger, der versteckt im dornigen Gebüsch sein Nest gebaut hat. Er ist gern allein und weiß sich gut zu beschäftigen. Gelegentlich fliegt er aus, um seine Artgenossen zu treffen. Bei diesen Streifzügen findet er: Gedanken, Ideen, lyrische Zeilen, Assoziationen und so manches Fundstück, das zunächst unscheinbar, sich in der Folge aber als Schatz entpuppt. Er hat einen Blick dafür, das muss man ihm lassen. Seine Antennen sind weit ausgefahren.

Nicht, dass ihr jetzt meint, dass Findevogel das gelassen hinnimmt. Nein, er gerät aus dem Häuschen, steigert sich in einen Begeisterungstaumel und ist hin und weg.

Was macht der Findevogel nun mit all diesen Fundstücken? Zunächst hortet er sie in seinem Nest. Dann verwebt er alles zu einem kreativen Neuding. Wenn es fertig ist, will er es an den Mann/die Frau bringen. Er will Resonanz und Austausch. Er will andere begeistern und mit ihnen teilen. Hat er das endlich mit mehr oder weniger Mühe geschafft, zieht er sich für eine Weile in sein Nest zurück, nimmt Auszeit und träumt sich in den Tag hinein.

Er wird übrigens gerne ab und zu gefunden. Wenn also so ein findiger Gast sein Nest in den Dornen sichtet und sogar anklopft, kann er sicher sein, dass er eine besondere Gastfreundschaft genießen darf.

Jetzt frage ich mich doch gerade, ob es wohl in dieser Gemeinschaft Artgenossen gibt, die eingeladen sind, einfach mal vorbei zu schauen?


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