Was würde
ich dir erzählen auf dem roten Diwan, der zum Fabulieren einläd, wenn
sich meine Befangenheit gelöst hätte und die Zunge frei wäre, zu reden
und auch jene Dinge zu berühren, die schmerzliche Erinnerungen hervor
rufen.
Ob es etwas wäre, was du erwartest oder ganz anderes, völlig unerwartet?
Es spielt für mich keine Rolle mehr, denn ich bin längst über das "wenn und aber" hinaus.
Vielleicht würdest du eine weiße Schlange sehen, die sich durch eine
Landschaft schlängelt und windet wie die chinesische Mauer. Ich bin
sicher, du würdest die Schatten zu deuten wissen, die durch die
Bewegung meiner Hände an die gegenüberliegende Wand geworfen werden.
Denn es ist Abend und das Licht gedämpft und warm. Nichts soll die
Augen schmerzen, wenn die Lippen preisgeben, was unter der Zunge brennt.
"Mein Herr," würde ich schließlich sagen, "was erzählen die Schatten ihnen von den Tuschzeichnungen meiner Seele?"
Und du, du würdest mich auf die dir eigene intensive Art anschauen, ein Stück abrücken und schweigen.
Das Schweigen aber wäre nicht lastend.
Wenn man erst einmal erfahren hat, dass Wahrheit sich oft hinter der Sprache
versteckt, sind Worte nur noch Tor und Tür zur wesentlichen Seite einer
Seele.
Der Tag hat am Morgen Regen gebracht. Über den Gärten am
Meer liegen Dunstschleier, die hier und da zwischen den Bohnenstangen
hängenbleiben, zerreißen und den Blick frei geben auf kleine Fetzen eines
porzellanblauen Himmels. Intensiv sind alle Gerüche nach dem Regen, wenn es
Frühsommer ist. Die grünen Düfte mischen sich mit Holunder, Rosen, kleinen
Walderdbeeren und Lindenblüten zu einer zärtlichen Komposition. Aus dem Dunst
erschafft sich die Welt neu. Stello Negro, das Amselmännchen, balanciert auf
dem dicken Ast des Apfelbaums. Die kleinen Äpfel haben schon deutlich an
Volumen gewonnen. Die Wildkirschen in der Hecke röten sich. Unter dem
Heckengebüsch haben sich die Worte versammelt, um ganz ungestört von äußeren
Einflüssen über eine neue Sprache zu diskutieren. Eine Sprache, die klar und
deutlich zu vernehmen ist, und deren Klang sich nicht nur in den Kopf, sondern
auch in Herz und Seele einnistet, um dort neue Melodien zu erschaffen, die in
die Welt zurück getragen pfingstliche Botschaften verbreiten und heilen.
Genau so, wie sich unter den Dunstschleiern des Morgens die
Welt neu gestaltet, möchte die Sprache sich aus dem eigenen Reichtum neu
erschaffen.
ich möchte nicht irgendwo ankommen
sondern über viele wege gehen
dürfen
durch bunte türen schreiten
über grüne schwellen treten
mitten ins herz der dinge gelangen
um in ihre tiefe zu klettern
die
wurzeln zu ergründen
und verborgenen räume auszuloten
um dem
reisen worte zu verleihen und ausdruck.
Und er war stumm. Aber die Bilder lebten intensiv, waren von emotionaler Tiefe und Dichte. Kann ein Traum Antworten geben?
Ich setzte mich neben dich. Es war wie selbstverständlich. Unsere
Blicke sprachen und lächelten miteinander - es war freundschaftliche
Nähe und respektvolle Distanz da: wohlwollend, wohlmeinend, zugetan.
Und doch, auch Wehmut und ein paar Tränen!
Braucht es die Worte, wenn man ohne Worte kommunizieren kann?
Ich lehne mich an meinen Freund, den Baum - er ist so sicher, stark und
fassbar und die Rinde seines Stammes prägt ein Muster in meine Haut -
und schließe meine Augen, lasse mich von der Frühlingssonne bescheinen,
spüre, wie die Haut nach dieser Wärme lechzt. Der Winter war lang und
kalt gewesen. Die Lungen füllen sich mit frühlingsgrünen Düften. Ich
atme tief in den Bauch hinein, streife alles ab, verwachse mit dem
Baum: fühle mich gelöst - erlöst!
Wind weht von den Feldern, und das Glöckchen an der Bahnschranke
bimmelt. Gleich wird ein Zug vorbei rauschen. Für einen Moment
verstummen die Vögel in ihrem Schöpfungsgesang. Noch einmal lasse ich
den Traum an mir vorbei gleiten, spüre das sanfte Glücksgefühl und den
Wermutstropfen Wehmut, wische die Tränen weg. Es verändert sich nichts,
ist stimmig und viel differenzierter, als jedes versuchte Wort einer
möglichen Beschreibung.
In der Nacht wuchsen meinem Körper Flügel. Es tat weh, und wo die
Flügel aus dem Körper wie Blüten hervorbrachen, bildete das rote Nass
einen funkelnden Ring. Noch bevor ich das Wunder ahnte - dass ich
fliegen kann - öffnete ich unter Schmerzen die Schwingen und bügelte
sie mit meinen Gedanken glatt, bis ihre Pracht mir Wind zu fächelte und
mich den Schmerz vergessen ließ.
Welche Freude und welches Glück, mit dem Wind zu gleiten - frei - zu fliegen, wohin immer man will.
es waren immer die
gleichen gestalten, die in ihren träumen auf und abmarschierten,
auftrumpften und keimendes gras zertraten mit ihren schwarzen stiefeln.
das schlimmste waren die stimmen, die laut und bedrohlich wirkten. ihre
worte konnte sie nicht verstehen, waren in einer sprache geschriehen,
die sie nicht enträtseln konnte, aber sie verstand die botschaft, die
aus ihnen sprach.
eine botschaft, die sie klein machen wollte, ihr drohte, sie zu
zertrampeln wie das keimende gras. immer an diesem punkt des traums,
war plötzlich etwas lichtes hinter ihr. in sich spürte sie nun
widerstand und rebellion. sie schaute den schwarzen gestalten fest in
die dunklen gesichter - trotzte der angst.
"dann zertretet mich doch. auch wenn ihr die macht habt, mich zu töten
und alles zu zerstören, werde ich nicht weichen. ich bin da und bleibe."
das herz schlug laut, aber im rücken spürte sie wärme. sie ging beherzt
einen winzigen schritt auf die schwarzen gestalten zu und staunte.
die schemen wiechen zurück, wurden kleiner, weniger bedrohlich. sie
ging langsam und konzentriert weiter, ohne den blick auf die dunklen
schatten abzuwenden. unter ihren nackten füßen richtete sich das gras
wieder auf. kleiner wurden die gestalten und sie selbst - größer jetzt
- wurde von wachsendem selbstbewusstsein voran getrieben, immer weiter,
bis die bedrohung, nun klein wie eine ameise, über den rand ihrer
traumwelt kippte. in diesem augenblick des errungenen sieges sangen die
lerchen in ihr und stiegen hoch zum himmel auf.
der morgen legte
sanft einen lichten mantel um meine schultern. noch war zwielicht. die
nächtlichen träume wanderten wie deutlich konturierte schattenrisse in
den inneren welten. sie waren leise geworden, doch der nachhall ihrer
auftriumphierenden marschschritte, das echo hingeschmissener sätze und
der raubtiergeruch von sieg und niederlage viebrierten noch im grund.
das licht wärmte den körper, löste die nächtlich verspannten muskeln und schenkte geborgenheit.
die welt wurde hell und fassbar, als ich meine augen öffnete und tief durchatmete.
jetzt verschwanden sie, die deutlich konturierten schattenrisse, lösten
sich einfach auf. ein leichtes frösteln nur blieb am rande des
bewusstseins zurück.
Es gräbt sich in die Gedanken und
flutet den Geist, reißt mit, hinterlässt bei Ebbe Überreste und Wurzeln
im leergefegten Seelenstrand. Nichts bleibt was es war. Alles verändert
sich, noch bevor du es richtig erfassen kannst. Es bleiben Rückstände,
abgerissen Fäden, Seegras, Fragmente aus Ton, Klang und Wort. Immer
sammle ich, was ich finde, reime mir die Geschichte zusammen, die ohne
Ende ist - ein ewiger Prozess von Werden und Vergehen.
Und doch setze ich meinen Gedanken, wie Geisterbooten, die Segel auf
und schicke sie mit dem Wind über das weite Meer, immer hoffend, dass
sie dort ankommen, wo sie einen Knoten schlingen, das Herz berühren und
ankern können.
Nah und fern bin ich mir selbst - wie Ebbe und Flut - in den
Lebensgezeiten. Bei Ebbe gemalte Zeichen schlingt die Flut in ihr
Raubtiermaul.
Während riesige
Wolkenmänner mit Wichtelmützen und üppige Nebelfrauen gemächlich über
den Himmel huschten, es schon fast dunkel war und eine Wolke wie
riesige Zuckerwatte aussah, schaute hier und da ein Stern durch die
sich ständig verändernden Wolkenfenster hindurch.
Sie zwinkerten sich wohl zu und flüsterten mit den Sterngeschwistern,
so als machten sie sich gegenseitig auf ein besonderes Detail im
himmlischen Schauspiel aufmerksam.
Ich lauschte konzentriert nach oben, während ich in mich hinein lachte,
denn es sah zu komisch aus, wie die Sterne durch die Wolkengalerie
streiften und die weißen Gebilde anschauten, als seien sie Gemälde und
Skulpturen.
Ich musste an das Opernhaus denken, in dem kurz vor der Aufführung die
Spannung steigt und festlich gekleidete Damen mit sternglitzernden
Geschmeide behängt ein wenig steif mit ihren Seidenunterröcken
raschelten, das Glöckchen klingelte und der rote Samtvorhang sich im
Schneckentempo zu öffnen begann.
Im Sand einer grasbewachsenen Düne hinter den sieben Meeren fand ich einen Stern.
Ich runzelte die Stirn und fragte mich für einen Moment enttäuscht,
ob ich wohl nur so weit gewandert war, um diesen Stern zu finden.
Doch dann spürte ich Mitleid mit diesem offensichtlich vom Himmel gefallenem Stern.
"Wie bist du her gekommen?"
fragte ich ihn leise. Sein Glanz war matt und sein Körper von Schmutz bedeckt.
Ich glaube, er hörte mich nicht. So nahm ich ihn in die Hand.
Er war leicht wie eine Feder.
Mit meinem Taschentuch wischte ich ihn blank bis er glänzte.
"Ich nehme dich mit zu mir und hänge dich zwischen das Messinglaub des Apfelbaums. "
Ich stieg in mein Boot und segelte zurück.
Lange sprach der Stern nicht zu mir,
aber - besonders wenn es Nacht war - erfreute ich mich an seinem verhaltenem Licht.
Irgendwann, ich war schon fast wieder im Hafen meiner Heimatstadt angekommen,
da begann er zu singen.
Angst und Schmerz flossen in Tönen aus ihm heraus,
machten gewaltigem Zorn Platz,
spuckten Wut, bis die alten Töne heraus gespült waren
und zaghaft aus seiner Mitte ein neues Lied entsprang
und der Stern von innen zu leuchten begann.
Im Fluss der Zeit geh ich auf Tauchstation, heute.
Zwischen den Wurzeln uralter Geschichten findet sich manche Perle.
Ich hebe sie auf, stecke sie in meine Tasche und nehme sie mit zurück - ins Jetzt.
Wenn es Abend wird, die Kerzen brennen und auf dem großen Tisch Platz ist für die Betrachtung der Perle,
versinke ich erneut,
diesmal im ebenmäßigen Permutt ihrer glatten Rundung.
Und wenn der zauberhafte Glanz meine Augen erreicht hat,
dann packe ich sie vorsichtig in weichen Stoff ein
und lege sie zu den anderen
die ich schon fand.
...immer wenn ich dein bild sehe, denke ich an raureif.
abgewetzten glanz trägt die haut
wie altes leder zu ihrer zeit
und blasse lippen lassen wintertage ahnen.
noch erinnert augenblau an himmel
im pastell verschneiter tage liegt eigener zauber
fern vom sommer malt frost klare konturen
meine herbstseele sehnt sich den blauen stunden entgegen
Unendlich weit erscheint mir das Meer in diesem Oktober. Wie eine
Fatamorgana zeigt es sich in der Ferne als Silberstreif am Horizont.
Ich möchte der Fatamorgana folgen, auch wenn sie mich auf Wüstenwegen
dorthin zu führen beliebt.
Was mich dorthin zieht, woher ich nicht komme in diesem Leben, es ist
tiefer als jeder Ozean, und wenn die Sehnsuchtswellen am Seelenstrand
verebben, dann muss ich aufpassen, dass ich im Sand nicht ertrinke.
Der Wind flüstert zärtliche Worte in Engelsprache und singt mit den
Elfen ein fröhliches Lied, bevor er aufflaut, laut und donnernd wird,
in den Wipfeln der Bäume hinter den Dünen sein Teufelswerk beginnt und
am Strand die Wellen gegen die Felsen klatschen lässt.
Ich stehe im Wind, der zum Orkan geworden ist, und meine Kleider flattern um den Leib.
Will ich standhalten oder flüchten?
Einer lebendigen Fahne gleich drehe ich mich im Kreis, suche einen Punkt, an dem ich mich festhalten kann im Derwischtanz.
Leicht verliert man Orientierung, wenn Meer, Himmel und Wellen eins
werden und sich Grau in Grau vermischen. Jenseits droht eine steile
Küste.
So schließe ich die Augen. Für eine Weile atme ich gegen die Angst, bis
der Sturm zahmer wird und vor dem inneren Auge Konturen, Landschaften
und Pfade auftauchen.
Zurück geht es leichtfüßig über die Dünen bis zu dem blauen Haus, das
meine Worte zu bergen weiß. Jenes, mit dem Fenster zum Meer.
Ich sammle Bruchstücke
und füge sie zusammen
sichtend, ordnend
was entsteht - Mosaik
immer fehlt ein Stück
wie im Leben auch
der letzte Zipfel
den ich mir denke
wenn ich ihn nicht finde
und wenn es so bleibt
mit allen Leerstellen
den weißen Flecken?
Mit allen Unvollständigkeiten
wird daraus dennoch ein Bild
voller Runzeln und Narben
eine Landschaft von besonderer Dichte
die viel zu erzählen weiß
wie im Leben auch
Du suchst die Zeichen zwischen den Zeiten:
in den kleinen Ritzen und Spalten
die sich zwischen den Sekunden kaum merklich öffnen
unter den aufgeworfenen Hügeln
der ineinandergeschobenen Stunden
In der Tiefe
wo die Erde durchlässig
und sich die Zeichen leicht verlieren
da tauchst du hinab
versuchst ihre Zipfel zu erwischen
sie festzuhalten
Je weiter du gehst auf deinem Weg
um so intensiver wird dein Bemühen
diese Zeichen zu entdecken
ihre Sprache zu verstehen
alles zu deuten
noch die letzten Rätsel zu lösen
wie ein Sternkundiger aus dem Morgenland
Am Ende
wenn der Wahnsinn sich dem Ende neigt
geht es nicht mehr ums Finden
nur noch darum, dass du Recht hast
darum, dass dein Kartenhaus zusammenhält.
Längst schon hast du den Boden unter den Füßen verloren
bist zwischen den Zeiten hängen geblieben
da ist Nichts, nur Leere
manchmal sind die worte eingefroren, als sei winter in
die seele eingezogen. der schnee schließt dir mund und lippen, während
die augen durch die wolken zum blau des himmels blicken und den fernen
vögeln nachschauen. der körper friert nicht mehr. er hat sich in ein
inneres gefäß zurückgezogen.
alles ist verlangsamt. selbst der atem
wirkt kühl und spärlich. zeit um still zu sein, geduld zu haben und
abzuwarten, bis im mund sich der geschmack von wilden erdbeeren
ausbreitet und über die lippen wie eine quelle die neuen worte sprudeln.
Ich spüre!
Wenn ich liebevolle Gedanken in die Welt entlasse
wenn ich Licht zu Menschen schicke
wenn ich die Wolken grüße, die mir den Tag verdunkeln
wenn das Licht schräg im Apfelbaum flirrt
wenn ich einem Menschen positiv und ohne Vorurteile in die Augen schaue
wenn ich Wunschzettel für mich oder andere schreibe
wenn ich einen Engel rufe
dann fühle ich, dass sich Türen und Fenster öffnen in mir
und positive Energie in meinem Körper zirkuliert.
Einst vor langer Zeit legte eine Frau einen Steinkreis aus Strandfindlingen. In ihm trafen sich bei Vollmond die Elemente:
die Schwester Luft schickte den Wind;
Großmutter Erde den Schöpfungsatem;
Schwester Feuer sandte lichte Funken
und
der Bruder Wasser schickte einen Regenbogen,
um Ton, Klang und Worte miteinander zu verbinden und gemeinsam darüber
zu beratschlagen,
wie man die Welt ausgestalten könne, damit die
Menschen daran erinnert werden,
dass sie ihre Träume nicht vergessen
sollen.
Die Elemente wussten, dass im Traum die zukünftige Welt entsteht und
geboren wird,
um Gestalt an zu nehmen, und dass es ohne Träume keine Zukunft geben kann.
Es ist eine
einfache Tür mit einem rostigen Griff.
Die Farbe - ein irisierendes Türkis - gibt ihr Magie und Zauber.
Ich stehe selbst vor dieser Türe
- eigentlich, ich bin sicher, schon eine Weile -
während mein Zwilling auf der anderen Seite darauf wartet
dass ich vermag, die Klinke herunter zu drücken.
Vielleicht ist Jenseits von... ein Raum in mir selbst
den zu betreten, ich mich noch nicht traue
und der bewohnt ist von einem geistigen Führer
Dinge brauchen Zeit, um zur Reife zu gelangen.
Eines Tages, du wirst sehen, öffne ich die Tür.
Manchmal ist ein Wissen in uns
wie ein Felsen im Meer
von den zukünftigen Dingen.
Ich fürchte mich nicht und schließe die Augen, fühle mich in diesen
warmen Druck hinein, spüre Hände, die mich sanft und ohne Zwang halten
- ich kann gehen, wenn ich will - stattdessen krieche ich in diese
unsichtbaren Hände hinein, als seien sie ein Haus und ich der Bewohner
und vergesse die Zeit - bin ich immer noch da? Nein, ich bin Teil von
etwas Großem. Fast würde ich sagen, ein Schatten kleidet mich in helles
Licht. Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen ist, als ich zurück kehre
zum stillen Haus, wo die Musik verstummt ist, und registriere, dass
Regentropfen mein Gesicht streifen.
Seltsamerweise ist es still in den Nächten der Winde. Die luftigen
Gesellen haben sich in den dichtbelaubten Bäumen zusammengerollt wie
müde Schlangen. Ab und zu fällt eine Sternschnuppe. Und in diesem
ultrakurzem Lichtblick siehst du ihre stummen Münder. Schnell sprichst
du den geheimen Wunsch, der eine Beschwörungsformel ist. Ihre Magie
erfüllt die Nacht mit der vibrierenden Energie von vierzig Trommeln,
aber kein einziger Schlag ist zu hören.
Es ist die Zeit, wenn
Schemen durch die Welt geistern und am Tor zu deinen Träumen Schlange
stehen. Sie klopfen nicht. Still und leise schleichen sie hinein, in
die wunderlichen Räume und bevölkern sie. Nicht alle werden sichtbar
für dich, aber du weißt, sie sind da, vielleicht spricht einer mit Hut
zu dir oder die Frau - dein Spiegelbild - nimmt deine Hand und
begleitet dich in fremde Gestade, die dir dennoch hier und da vertraut
erscheinen. Der Mann mit Hut wacht über dich, und die Spiegelfrau lässt
dich geheime Dinge tun. An einem spiegelglatten See schöpfst du Wasser
auf ihr Geheiß und gießt die Flüssigkeit in einen Kelch, den sie dir
reicht. Sie trinkt und du schöpfst und gießt nach, während dein Kopf
eine Acht in den Himmel malt und die Hüften sich um den immergrünen
Stab winden, der plötzlich Blüten trägt.
Noch im Erwachen begleitet dich der exotische Duft und ein bleibendes Gefühl von Kraft.
Manche
Augenblicke scheinen lang wie ein ganzes Leben. Sie wollen nicht vorübergehen.
Und so oft du auch auf die Uhr schaust, es will dir scheinen, als bewegten die
Zeiger sich nicht. Worauf wartest du?
Die Zeit ist weder reif noch die Gedanken zu Ende gedacht. Draußen nimmt ein
Sommertag seinen Lauf:
Wolken ziehen auf; es regnet; die Sonne lockt; der Tag wandelt sich zum Abend,
wird zur Nacht.
Du wartest auf eine Sternschnuppe, denn dann hast du einen Wunsch frei.
Du hast dich eine
Weile mit alltäglichen Dingen beschäftigt:
Deine Küche ist geputzt, der Kuchen gebacken, die Wäsche gefaltet - du hast
Brombeergelee gekocht und in Gläser gefüllt und die heruntergefallenen Äpfel
aufgehoben.
Nun kehrst du zurück in deine Gedanken, die du am Morgen unterbrochen hast. Den
ganzen Tag über hielten sie sich am Rande des Bewusstseins sprungbereit, um
dich gefangen zu nehmen, sobald du dich nur einen winzigen Augenblick lang von deinem Tun ablenken lässt.
Es ist dir gelungen, sie dort zu lassen, bis jetzt. Deine innere Ruhe ist zurück gekehrt.
Du gehst nun einen kleinen Schritt durch den dunklen Gedankengang und biegst um eine
Ecke. Eine blaue Tür wartet auf dich. Du bist sicher, wenn du sie öffnest,
wirst du den Raum dahinter betreten - nicht dass du wüsstest, was dich dort
erwartet - aber du wirst die Türe schließen, den Schlüssel umdrehen und nie wieder zurück
gehen.
Du weißt es, und deshalb zögerst du.
Und plötzlich löst sich ein Stein. Du bist um ihn herum
geschlichen, hast ihn genau in Augenschein genommen, seine äußere Form
abgetastet - scharfe Kanten auf der einen Seite und weiche Abbruchstellen auf
der anderen Seite, eine rundliche Kuppe - er muss ein Teil von etwas Größeren
gewesen sein vor Urzeiten. Seine Farben erinnern dich an Kohle, Eisen und Lehm. Nicht glatt - grobkörnig und rau streckt er sich deinen Fingern entgegen. Die Zeit, der Wind und das Wetter haben ihn geformt.
Nun löst er sich und fällt den steilen Abhang hinab. Da wo er steckte ist nun
eine deutliche Vertiefung. Du näherst dich, schaust hinein, da sind andere
Steine. Noch fehlt ein Durchblick.
Die Melodie nimmt mich mit auf ihre Reise. Ich
werde selbst zur Melodie und und in mir schwingen die Töne, finden Hall und Echo.
Selbstvergessen - wie Kinder es manchmal sind im Spiel - bin ich nur Ohr, Haut
und Fühlen - Bewegung. Die Gedanken sind still. Als weiße Federwölkchen ziehen
sie über den blauen Himmel und lösen sich auf, wie ich auch, zerfließend.
Plötzlich ein warmer Druck auf den Schultern. Ich zucke zusammen und wirbele um
mich herum. Da ist nichts. Nur Wind wie Flügelschlag und Energie, die mich
stärkt.
Noch haben die Gewitter sich weder ausgedonnert noch verblitzt.
Arglistig verstecken sie sich hinter den zusammengeballten Wolken,
schicken schwüle Boten über das Land. Im Zeitraffer wendet sich das
Jahr.
Ihre Spannung fließt wie Strom durch mich, durch dich, durch uns
hindurch, läd auf, lässt in den Worten die Funken stieben. Nehmt das
Stroh weg, es könnte Feuer fangen. Wenn es erst brennt, dann bleibt uns
nur Asche.
Aus der Asche neugeboren steigt Phönix zum Licht.
Die Johannisfeuer sind abgebrannt und die Päärchen bestellen das Aufgebot.
Noch fühlt sich Rumpelstilzchen sicher in den goldenen
Ährenfeldern. Es reibt sich die Hände und lodert im Tanz unter lautem
Gelächter. Noch ahnt es nicht, was sein Schicksal sein wird, und dass
es selbst sich in Stücke zerreißt.
Niemand sollte je die Handwerkstöchter unterschätzen.
Ach wären sie doch schon abgeregnet und ausgetobt, die scheinheiligen
Gewitter und die Luft lau und sauber zurückgelassen - geklärt - wir
würden wieder die Köpfe zusammenstecken, freundliche Worte teilen und
Wein und Brot genießen.
In manchen Menschen toben die Unwetter sich aus, als seien sie Kathalysator und Verbindungskanal.
Ich
liebe es, wenn du - ein Papiertiger, der
schon mal gerne auf weißen Blättern die Schreibkrallen ausfährt, Bissspuren
darauf hinterlässt oder einen wortgewaltigen Donnerbrüll loslässt – wenn du
sanft und leise wie ein Salonlöwe über die weichen Teppiche meiner inneren
Räume tapst und ein paar wildwuchernde Zauberzeilen fallen lässt, bevor du
wieder in den magischen Wäldern verschwindest und dich im Nebel auflöst.
Sie wachsen bei mir, denn ich sammle sie auf und pflanze sie in die inneren
Gärten. Auf diese Weise ist dort schon ein ganzer Wald gewachsen.
Der Wind hat etwas nach
gelassen und die Wellen aufgepeitscht zurück gelassen. Mit brachialischer
Gewalt schleudern sie ihre schaumbekränzten Wassermassen ins Geröll. Die Gischt
sieht aus wie fester Zuckerguss. Es singt zwischen den bunten Steinen ein klirrendes,
knisterndes Lied mit Tönen, wie aus Glas, die davon rollen und ihr Echo hinter
sich herschleppen, wenn bereits die nächste Welle die Steine gegeneinander
wirbelt. An den sandigen Stellen des Strandes schlagen sich Wellen wie zarte
Stoffe übereinander, und die Steine strahlen wie Diamanten. Muschelgespinste
finden sich am Rande des Gerölls.
Möwen im Sturzflug nutzen die Gunst der Stunde, die ihnen reiche Beute
beschert. Das Meer ist heute ein großzügiger Gastgeber. Die Schreie der Vögel
mischen sich mit dem Lied der Steine und dem Wind, der über die Klippen fegt
und die Baumzweige in Schwingung versetzt.
Welche Kraft Wasser und Wind besitzen, wenn sie stürmisch gesonnen sind, zeigt
sich an den riesigen umgekippten Baumstämmen, die mit ihren Wurzeln in den
Himmel ragen und sich im Strand abstützen, als wollten sie die Klippen halten.
Ich komme mir klein vor neben diesen mächtigen Kalkfelsen mit ihren Rissen, den
Ausbuchtungen und den steinzeitlichen Farbsegmenten, die rostrot und lehmgelb
horizontale Streifen im Kalk hinterließen - ich denke an die Steinzeithöhlen
mit ihren wunderbaren Malereien und ihre Farben aus Eisen, Lehm und Kohle -
auch ein wenig ängstlich: was wenn die Kreide ins Rutschen gerät gerade in
diesem Moment?
Mein Blick fällt auf einen halb abgestürzten Garten: Um die Wurzeln der
Pflanzen schlingen sich Algen und inmitten des Gewirrs hängen kleinere und
größere Steine, wie die Hühnergötter, die manche Inselbewohner an langen Fäden
wie einen Vorhang vor ihre Häuser hängen- auch Blüten, die den Sturz überlebten
und unverdrossen weiter wachsen.
Ich wende meine Schritte und eile dem bunten Treiben im Hafen entgegen.
Mutter: "Hey Süße, du musst nicht immer mit verbalen Giftpfeilen auf deinen
kleinen Bruder schießen.
Es könnte sein, dass um die Ecke jemand mit einem Tomahawk steht, der stärker
ist als du, und nur auf dich gewartet hat."
Tochter 1: "Aber ich bin doch ein Skorpion."
Tochter 2: "Aber weißt du, Skorpione gehören nicht zu den schnellsten Lebewesen.
Sie sind eher langsam." Mutter: "Du weißt doch Süße, schnell bewegst du dich nicht gern. Du lässt dich
nicht hetzen und regelst lieber alles in Ruhe.
Passt doch."
Tochter 1 lacht und stimmt zu: "Aber ich schieße nur mit Giftpfeilen, wenn es angemessen ist." Mutter:
"Na ja, aber manchmal schießt du übers Ziel hinaus."
Mutter und Töchter lachen.
Tochter 1: "Was ist ein Tomahawk?"
Tochter 2: "Das ist so eine Art Steinaxt der Indianer."
Tochter 1: "Ach so."
Tochter 2 "Eine Freundin erzählte mir neulich folgende Geschichte:
In Amerika versicherte ein Mann eine Schachtel Zigaretten gegen Brandstiftung.
Anschließend rauchte er die Zigaretten und forderte bei der Versicherung die
Versicherungssumme ein. Er gewann den Prozess.
Die Versicherung verklagte daraufhin den Mann auf Brandstiftung in 24 Fällen
und gewann den Prozess.
Der Brandstifter verbrachte fünf Jahre im Gefängnis."
Wen
sahest du hinter den Wolken, während die Bäume dir ein Lied sangen?
Es war der Wind. Er trug die Form eines pausbäckigen Engels, der auf der Stirn
die tiefen Furchen der unablässig Denkenden trug. Du spürtest nur seinen
unendlich sanften Flügelschlag, als warte er ab. Nichts brauste, denn der Tag
war himmelblau und golddurchwirkt, und im Wasser spielten die Möwen. Die Wellen
mit ihren Meerschaumspitzen wogten neugierig in den Sand.
Fast konnte man meinen, dass sie sich im Takt mit dem Lied der Bäume bewegten -
wie die weißen Wolken, die dem Horizont zu strebten, sich zu Rauch
verflüchtigten und in den Himmeln verloren.
Es
waren viele Stufen - breit, verziert, flach - gewendelt hinauf in den Turm, ein
Schneckenhausturm, von unten hinauf geschaut, eine Spirale ins Unendliche.
Zwischendurch Flure mit runden Nischen an den Ecken. Es war zauberhaft, denn
hinter den hohen Fenstern wirbelten Schneeflocken. Wo ich stand, fühlte ich
mich fern von allem und erhaben über alltägliches Gedankengut.
Auch ein wenig einsam, nicht jetzt im Augenblick, den ich nicht teilen wollte,
sondern in der Vorstellung, wie es sei, hier zu leben.
Eben noch war der Himmel blau gewesen und eine kühle Sonne warf ihr Licht auf
das rosa Schloss mit den vier Ecktürmen - ließ es erstrahlen.
Jenseits des Platzes wurde der Wald weiß wie die Buschwindröschen, die sich
heute hier und da aus der Erde heraus getraut hatten. Hohe Baumstämme
verschwammen im Nebel, wirkten wie schmale tragende Säulen des Himmels, denn
die Zweige sah man nicht. Unterwegs im Schloss fand ich Bilder von Künstlern
der Romantik, las Texte und Biographisches.
Auf dem Heimweg wieder aufklarender Himmel in blauer Streifenpracht mit weißen
Wolkenschiffen, die dem Horizont entgegen strebten und sich während ihrer Reise
auflösten, dazu das Gold der sinkenden Sonne, die sich in den trockenen Gräsern
fing und im Wasser spiegelte. Alleenbäume schnitten Gesichter, schienen
miteinander zu sprechen, sich im Tanz zu berühren, sich mit unzähligen
filigranen Ausstülpungen ineinander zu verflechten.
Ich wünsche mir einen Aquarellkasten herbei, der all diese Blaus; die Jade-und
Grautöne; das Silber und dieses besonders matte warme Gold enthält. Ich will
eine geometrische Landschaft aus Blau und Grün malen, in die tropfenförmige
Goldpunkte fallen. Den Rand will ich mit Winterbaumspitze einfassen.
Eine ganze Symphonie aus Klängen steckt in dieser Farbkomposition.
Und dann - viel viel später - werde ich den Bäumen die Worte entlocken. Noch
säuselt es nur, aber ich werde meine Ohren spitzen.
Was
tut ein weißes Reh in einem braunen Rudel, mitten im Schnee in dem Schlosspark
einer weißen Stadt, deren Schloss nicht mehr steht, die leer wirkt und
unbewohnt? Wie ein Museum, dass man betreten kann und dessen Schönheit einem
fast den Atem verschlägt? Diese Harmonie der Architektur - fast - ein Hauch zu
schön! Selbst die riesige astronomische Uhr im Garten des Uhrenmuseums steht
still. Ihre Figuren mit den Engelflügeln hinter gläsernen Wänden erstarrten in
der Bewegung. Nur die alten Bäume in ihrer Vielfalt scheinen ungebrochen zu
leben.
Was tut eine Nebelkrähe zwischen den Möwen an einem Sandstrand, an dem
bilderbuchblaue Wellen mit lichtweißen Schaumkronen den Sand überspülen und
abgerissene Muschelstränge - ein Meer aus perlweiß - zurück lassen, während am
babyblauen Himmel weiße Schäfchenwolken ihre Segel blähen und an der
Strandpromenade weiße Häuser mit hölzernem Zuckerwerk an Balkonen, Fenstern und
Giebeln von oben zuschauen, als sei das Meer der Lieblingsspielplatz, auf dem
sich das Leben im Kleinen lebt, und scheinbar heiter darüber wachen, dass der
Kreislauf von Leben und Vergehen nicht unterbrochen wird.
Zwillinge in bunten Plastiklatzhosen und gelben Gummistiefeln, die gerade eine
Sandburg gebaut und mit Vater Kanäle angelegt haben, wehren sich mit Händen und
Füßen, weil es nach Hause geht, während ein fröhlicher Wolfspitz mit
intelligenten Augen - am liebsten hätte ich ihn geklaut - aufgeweckt zum
Frauchen rennt, und sich anleinen lässt.
Ein Junge bekommt nasse Füße, doch er merkt es nicht.
Fast wäre am Abend die Sonne als roter Ball im Meer versunken, aber ein paar
Wolken verzerrten die perfekte Sicht.
Und die Nebelkrähe verriet sich nur durch ihr KrahKrah. Die Möwen allerdings
ignorieren sie. Sie suchen weiter nach bewohnten Muscheln und der Rabenvogel
kopierte ihr Verhalten exakt.
Vor mir auf der Verkaufstheke liegen Stoffbahnen. Sie
changieren in allen Farben des Meeres und schimmern wie chinesische Seide. Ich
möchte das Tuch mit meinen Händen berühren und mein Gesicht darin verbergen,
seine Glätte auf meiner Haut spüren. Ein Duft hängt darin, der mich an
wohltuende Pflanzen erinnert, die bizarr im Wind schaukeln. Ich schließe die
Augen und drapiere das Tuch in Gedanken um eine weibliche Figur. Wie der Stoff
fällt und sein Faltenwurf sich bauscht, sehe mich schließlich selbst in diesem
Gewand um mich herum drehen. Wie ein Karussell schwingt das ungemein leichte
Gebilde, gibt jeder Bewegung einen zusätzlichen Kick. Ein Kleid zum Verlieben,
gemacht für warme Sommernächte unter südlichen Himmeln. Ich werde Silber und
Perlmutt dazu kombinieren und die langen dunklen Haare offen und ungebändigt
tragen.
Ich höre Musik, die zum Tanzen einlädt und sehe kleine bunte Lichter unter dem
Abendhimmel in den Bäumen leuchten.
Immer, nicht nur in diesen Tagen, trage ich meine persönliche Karwoche mit mir
herum. Innere Gräber sind zu betrauern, bevor sich unter neuen Erdschichten
neues Leben regen kann und sich mit Ostern das Versprechen von Wachstum durch
zunehmende Wärme und Licht erfüllt.
Doch bevor etwas wächst braucht es Tränen oder Regen, damit die Verhärtungen
aufweichen können.
Ich schaue zum Fenster hinaus. Allmählich legt sich der Regen und es wird
heller.
Der Tod trat mir entgegen. Auf dem braunen Acker des jungen
Frühlings vernahm ich sein knöchernes Scheppern, hörte das Hohnlachen. Ich
hätte ihn gerne aufgehalten, doch er schritt einfach durch mich hindurch, ohne
eine Spur zu hinterlassen. Ich war nicht gemeint. Auf den inneren Bühnen
gestalten sich dramatische Szenarien, und makabre Tänze poltern übers Holz. In
meinem Rücken, hinter der Bühne mit den geschlossenen Vorhängen schläg er
eiskalt zu.
Auf verschlungenen Wegen traf ich eine Mutter, die um ihr Kind nicht mehr
weinte,
alle Tränen waren vergossen. Eine zierliche Frau vom Alter mir nah, wie eine
Schwester - sie, mir noch unbekannt, suchte sich festzuhalten an meinen Armen -
ganz vorsichtig und sensibel, als sei ich aus zerbrechlichem Porzellan. Dabei
war es sie, die gläsern ihre Trauer trug unter der dünnen Haut.
Vielleicht, um über das Berühren zu verstehen, was noch unfassbar ist. Vielleicht
um sich selbst in mir zu halten. Dieser Zustand, wenn man keine Tränen mehr hat
und doch noch längst nicht begreift, muss wie das Fegefeuer sein, ein Hängen
zwischen Himmel und Hölle.
Trockene Schluchzer erinnere ich aus traurigen Träumen und den Schmerz, den sie
körperlich verursachen, weil ein Gleitmittel fehlt und sich alles reibt.
Wie schmerzhaft es war, damals, als ich dich aufgeben musste, und alle Tränen
längst vergossen waren, und ich immer noch liebte und nicht wusste, wohin mit
dieser Liebe und der Sehnsucht nach Nähe, Umarmung und Kuss.
Noch frage ich mich, wie kann ich Schmerz und Trauer beschreiben mit Worten,
die verstehen kann, wer spürt und fühlt. Meist sind es Gesten, die den Abgrund
zwischen Himmel und Hölle überbrücken.
Es geht dir nicht gut. Auf deinem inneren Acker sind die Furchen
aufgebrochen. Du spürst die Jahreszeiten im Blut - wieder ein neues
Beginnen - zwischen den braunen Schollen sammeln sich Krähen. Worauf
warten sie?
Fern vom Fluss nähern sich Möwen, denn es wird schon gesät.
Du bist lustlos, hast schon so viele Jahre hinter dich gebracht, bist jedem Frühling mit offenen Armen entgegen gelaufen.
Vor deinem inneren Augen gräbt sich eine Grube in den Acker. Was wird sterben, fragst du dich, und was wird neu geboren?
Es
ist sehr still!
Draußen ist die Sonne zwischen den kahlen Zweigen des Apfelbaums hängen
geblieben. Ich bin wieder zwischen den zeiten. Wäre es nicht so hell, ich würde
mich in eine andere Welt versetzt fühlen: Mein Fenster wäre kein Küchenfenster,
es wäre die Glasfront meines Luft-Mobiles, gummientengelb, geformt wie ein
Apfel, der reif ist und gepflückt werden möchte, aber nicht von dir, denn mit
seinen besonderen Kräften ist es in der Lage, jeden abzustoßen, der es wagen
sollte, seinen Lack zu berühren - der Platz innen ist eng, aber mein
flugbereiter Untersatz gehorcht auf kleinste Gedankenimpulse, es kostet
Konzentration und Gedankenkontrolle, aber die roten Polsterbezüge innen sind
weich und behaglich. Wenn ich will, massiert der Sitz meinen heute ziemlich
verspannten Rücken fast ebenso gut, wie es kräftige menschliche Hände können.
Heute reise ich ins Traumland.
Ich folge den Spuren des Mannes, der immer mal wieder durch meine nächtlichen
Träume geistert. Wo kommt er her? Was will er mir sagen? Ist er ein Teil von
mir, längst integriert?
Neulich sah er mitgenommen und ein bisschen verwahrlost aus, so als habe er
auch schon mal bessere Zeiten gesehen. Zeiten, in denen seine Haut glatt und
jung war und die schmalen gepflegten Hände - relativ klein - mit den im
Verhältnis zum Handteller recht langen biegsamen Fingern frisch manikürt waren,
aber er riecht noch genauso gut wie
damals, als habe er grade ein Bad genommen mit Zeder, Lemongras und Zitrone, gekrönt mit
einem Hauch von Leder.
Damals lag er unter einer weißen Bettdecke und erklärte mir, dass er ein Heiler
sei, den ich aber gar nicht brauche, weil ich meinen eigenen hätte. Er sei nur
dazu da, mich daran zu erinnern: Mann und Frau zugleich, mal
Schlangenbeschwörer oder Lotosgöttin, mal bewegliche, aalglatte Schlange -
gezeichnet mit einer kleinen blauen Spirale über der Nasenwurzel.
Überrascht hat mich seine Größe als ich ihn neulich so plötzlich wieder
begegnete - und die Figur: kaum größer als ich und gedrungener, als die Hände
auf der Bettdecke damals vermuten ließen.
Sogar etwas Bauch hob sich unter dem T-Shirt ab - nicht, dass mich das stören
würde, ich finde es nett.
Es gibt dem Bauchträger etwas Weiches und Zugewandtes, eine weibliche Note, die
sowohl Schutzbereitschaft wie auch Schutzbedürfnis offenbart.
Und die Augen - bernsteinbraun und groß sind mir mehr als einen Blick wert.
Ist
er nun ein Teil von mir, das männliche Prinzip, mein Animus.
Nur
warum löst er sich in Luft auf, wenn ich ihn brauche und lässt mich mit leeren
Armen zurück?
Bei
dem Gedanken werde ich traurig.
Und
gleich darauf fliege ich los mit meinem Mobiles: es wird seinen Grund haben,
warum er sich in Luft auflöste.
Ganz
schwach erinnere ich mich daran, dass er mich schon mal vor vielen Jahren mit einem
Freund besucht hat – das genaue Gegenteil von ihm. Zusammen spazierten wir
durch die Stadt – ich barfuss - der eine rechts eingehakt, der andere links und
wir sangen „singing in the rain“ weil es regnete und wir keinen Schirm dabei
hatten, und es war nicht schlimm, denn der Regen war warm mitten im August.
Vielleicht
ist er in diese Stadt geflüchtet, um seinen Freund zu holen, damit wir wieder
sorglos durch den Regen tanze können, so leicht, ganz ohne Gepäck mit der puren
Lust am Leben ausgerüstet und Musik im Herzen, der Kehle und auf den Lippen.
Im
Traum hatte sich etwas aus dem Nebel heraus geschält und eine konkrete Form
angenommen. Wie ein Gefäß aus Plastik, dessen Inhalt sich gleich über mich
ergießen würde, schwebte es in giftig-grüner Farbe auf mich zu. Ich spürte,
dass ich diesmal die Angst vor diesem Unvorhergesehenen und Unberechenbaren
abstreifen konnte wie einen alten ausgefransten Mantel, der längst in
Müllcontainern hätte entsorgt sein sollen und doch immer wie eine zweite Haut
für mich gewesen war, die wärmte, schützte und mich versteckte und nun wohl seine
Aufgabe erfüllt hatte.
Ich brauchte ihn nicht mehr, und in meiner rundlichen Nacktheit, die blass und
matt in die Nacht hinein leuchtete, mischte sich ein unbeschreibliches Gefühl
zwischen Frösteln und Erhitzsein, und gleich öffnete ich ein Fenster und badete
im Mondlicht. Es war ein Fließen in mir, das sich einschwingen wollte in die
Natur dieses Vorfrühlings, in dem die Bäume und Sträucher erwachten wie aus
einem hundertjährigen Schlaf, und alles war wie neu.
Darüber vergaß ich, was über mir schwebte, und der offensichtliche Mangel an
Beachtung meinerseits führte dazu, dass sich das Gefäß, ohne seinen Inhalt über
mich verschüttet zu haben, in Luft auflöste und nur etwas phosphoreszierendes
Licht blieb, dass sich in meinen Augen spiegelte, die ich im Fensterglas sah
und die wirkten, als seien sie im intensiven Dialog mit Mond und Sternen.
Und wieder erwacht ein neuer
Morgen. Die Nacht löschte die Spuren, die von gestern übrig geblieben waren.
Stunden, unschuldig und weiß wie ein leeres Blatt Papier breiteten sich vor mir
aus. Das Morgenrot in seiner Pracht verschluckt die Frage nach dem was wahr ist
oder Lüge, auch die Schatten, die manche Ereignisse zu hinterlassen belieben.
Dieser Moment, wenn am Horizont der erste Schein des Morgens erblüht, wer nur
denkt in diesem Augenblick erhabener Schönheit noch an die Nacht? Ich nicht!
Ich lebe diesen Augenblick, erfreue mich an der Stille, die nur vom Gezwitscher
der ersten Vögel unterbrochen wird, während aus meinem Backofen der Duft nach
frisch gebackenem Brot zu mir herüber weht und die Kaffeemaschine drachengleich
faucht.
Meine Lieben sind heute Langschläfer, und ich dankbar für diese Stunde für
mich, bevor der Tag mit seinen Ereignissen meine Ruhe wieder durch einander
wirbelt.
In
die Seele haben sich Sterne geschlungen während der Mond hinter den Wolken
verschwand. Ich halte die Worte in der Hand, die sich gebärden wie kleine
Kinder, die noch die Wahrheit sprechen.
Sie entschlüpften mir und gaben den Sternen ihre Sprache zurück. In ihrer
Wortmelodie liegt etwas unverfälscht Klares und die bittersüße Sehnsucht nach
dem Leben selbst. Es kommt zurück aus den Zeiten vor der Zeit, und es liegt in
ihr der erste Funke eines Feuers; das kühle Fächeln des Windes; das Rot
unverbrannter Erde und das Wispern und Raunen einer Quelle tief unter dem
Gletscher.
Was fange ich an mit diesem Lied, dass mich zu den Wurzeln zurück kehren lässt?
Ich folge den Tönen bis auf den Grund des Meeres, wo in Neptuns Reich kleine
Fische im Korallenriff spielen und der Wassermann auf seine vielgestaltige
Geliebte wartet.
Heute nehme ich das Schweigen
an die Hand und gehe hinaus unter den nächtlichen Himmel. Die Sterne, meine
Geschwister haben mich gerufen. In der Stille hat sich ihr Klang verirrt. Durch
die Zweige irrend, sucht er ein Gehäuse, um groß zu werden und voll, wie der
Mond vor ein paar Tagen, damit sich erfüllt, was jenseits der Zeit versprochen
war.
Ich öffne mein Herz, das sich dreht und weitet wie ein spiraliges Schneckenhaus
aus schimmernden Perlmutt und lasse die Töne hinein, damit wahr wird, was sein
soll und Erfüllung sich im stummen Lächeln besiegelt.
die nacht ist weise.
sie lehrt, die schatten nicht zu fürchten
ihnen ins gesicht zu schauen.
angst kann man benutzen wie ein schwert
wenn du dich traust zu sehen.
im rücken ist sie ein unbarmherziger verfolger
wird riesig groß.
ihr raubtiermaul geifert nach dir.
unstillbar, die gier
ein schlund zur hölle öffnet sich
droht, dich zu verschlingen.
wenn du deinen sinnen traust
wird sie klein
schrumpft
bis du den umriss siehst und weißt
wie das messer zu führen ist.
ich weiß um diesen augenblick
in dem die wogen über dir zusammen schlagen
und panik dich nach unten zieht.
wehre dich nicht
die wellen tragen dich nach oben
Vielleicht war ich in einem anderen Leben Gewürzhändlerin.
Manchmal sehe ich Bildfetzen vor meinem inneren Auge - eine südliche
Stadt, der Hafen, Fischerboote und eine junge Frau im langen Kleid mit
schmaler Taille. Der Ausschnitt ist züchtig. Dennoch ahnt man, wenn sie
sich bückt, ihre alabasterfarbenen Brüste, die glatt und rund
herausschauen und nach echter Vanille duften.
Das Kleid ist blau und betont die birnenförmigen Hüften. Überhaupt die
Frau, nennen wir sie mal Marie Therese, sieht sehr patent und lebensnah
aus. Die Haare trägt sie unter einer Haube. Im herzförmigen Gesicht
sind die Lippen voll und die Nase, etwas lang, streckt sich keck in den
blauen Himmel hinein. Dunkle Augen - intelligent - schauen ernst, aber
sie weichen dem Blick nicht aus. Die Frau hat Präsenz, stellt etwas
dar. Die Bewegungen sind fest, knapp und gezielt. Beim Gehen wiegt sie
sich in den Hüften, wie eine biegsame Birke. Zwei kleine Mädchen, etwas
vier oder fünf - mit dunklen Zöpfen und Mandelaugen folgen ihr auf
Schritt und Tritt.
Es wird nicht deutlich, wohin sie geht oder woher sie kommt, und auch ihre Stimme bleibt stumm.
Sie trägt einen Weidenkorb, gefüllt mit Kräutern, Gewürzen und Spezereien.
Bei mir geht heute gar nichts - kann keinen einzigen Gedanken festhalten.
Ich denke an Teppiche und die Verknüpfungen; an Netze und Fische,
die durch die Maschen des Netzes fallen - vielleicht ein Loch?
Durch dieses Loch sind gerade meine Gedanken gepurzelt, und nun segeln
sie zum Grund des stillen Sees. Vom Himmel fallen vereinzelt Flocken
und streifen spitz meine Nase. Ich lasse etwas Zucker in den Tee
rieseln und rühre - es knirscht - und ich stelle mir vor, wie es wäre,
wenn ich einen Riesen-Teelöffel hätte und den Grund des Sees damit auf
wirbeln könnte, so lange, bis meine Gedanken wieder nach oben steigen
würden - so lange bis der Sturm im Wasserglas meine ganze Konzentration
schlucken würde.
Eine Frage wäre nur: was alles würde mit aufgewirbelt?
ich sah in den spiegel, erkannte schnee in den augen
der schnee eines blütenjahres, dass ohne reife blieb.
konnte es sein, dass die kirschen mir ihre süße verweigerten
nach der ich gurrte, wie eine verliebte taube?
weil in alten büchern geschrieben stand
dass einmal der sommer geopfert werde
um den herbst aus deinem kastanienbraunen haar zu rauben
und mit ihm alle farben und das licht für eine lange weile.
auf das die zeit aus dem NICHTS heraus alles neu gestalte
und im kreativen prozess sich zukunft traut
es ist schnee von gestern
der schmilzt und über die wangen fließt
und rastlos seinen weg findet
in eine neue zeit jenseits aller begrenzungen.
weißt du, es klingt alles nach Abschied und Beenden - nicht mehr Sommer und noch nicht Winter - etwas im Niemandsland.
Ich habe das Buch "Alice im Wunderland" nie gelesen, kenne etwas davon
nur aus zweiter Hand, aber sie, Alice, muss im zeitlosen Niemandsland
gewesen sein.
"Was ist Zeit," fragt Marie und lässt sich in die zeitlichen Zwischenräume fallen.
"Was ist Zeit?" fragt Lea, und träumt sich zurück an jenen warmen Nachmittag an der Autobahn.
"Was ist Zeit?"
schreit Leander gegen den Wind und stürmt den Wellen entgegen, um die Zeit einzufangen.
"Was ist Zeit?"
fragt Knut sich schon lange nicht mehr. Er verliert sie einfach in den italienischen Nächten.
"Was ist Zeit?" fragt sich auch Olga, und zählt an den Fingern ab,
wie viele Jahre es nun sind, die sie fern ihrer Heimat lebt ,und sie
träumt von frostklaren Tagen und Schneeverwehungen.
„Was ist schon Zeit,“ fragt Flores seine Freundin Bela von Rosenhaag,
„Zeit hat keine Bedeutung hinter den Worten.“
Und Jule, die sich immer noch nach Konrad sehnt, ihr wird die Zeit lang.
Ich habe gestern - in Gedanken - in deinem Cafe mit Blick auf das
Meer gesessen, an dem kleinen runden Tisch, von dem du erst heute
erzählt hast. In Gedanken bestellte ich Caffe` und Brioche - und fragte
mich, was wohl Genueser auf ihrem Brioche essen - genauer gesagt, es
mir vorgestellt - und an dich gedacht, während ich Olga erdachte und
darüber nach sann, wer sie ist, und was die Zeit aus ihr gemacht hat.
Verrückt!
Wo bin ich in dieser Zeit gewesen? Und du? Diese Zeit, die Gedanken verbindet ,ist nicht zu messen.
War es die Zeitlosigkeit von Seelen, die sich schon seit Ewigkeiten kennen?
Die
Küche ist ihr liebster Ort. Oft in ihren Mussestunden sitzt sie allein
am großen Holztisch, das Schreibzeug vor sich, und hört Radio. Gerade
spricht eine Frauenstimme des lokalen Senders über die Zunahme von
Gewalt an den städtischen Schulen. Vor dem Fenster wächst ein
Apfelbaum. Damals, als das Haus gerade gebaut war und zum ersten Mal
Frühling wurde, hatten sie ihn gepflanzt. Das ist nun schon eine Weile
her. Jetzt ist Herbst. Die letzten Früchte sind geerntet. Sie schaut
gerne in das lichten Laub, sieht in diesem Augenblick gerade noch aus
dem Augenwinkel heraus, dass milkyway in den Baum geklettert ist. Ein
paar Kohlmeisen fliegen hoch. Es knackt in den Zweigen, und plötzlich -
sie muss lauthals lachen - purzelt ihr alternder Liebling vom Baum.
Noch im Fallen - ein Bruchteil von Sekunden - dreht er sich so, dass er
unbeschadet auf seinen Pfoten landet.
Sie geht zur Haustür, entriegelt und betritt den Vorgarten, der im
Mittagslicht flirrt. Wie das Laub unter ihren Füßen raschelt. Und
dieser herbe Geruch, der sie melancholisch stimmt und an die
Vergänglichkeit aller Dinge erinnert. Sie bückt sich, um die Katze zu
streicheln. Aber milkyway rennt an ihr vorbei und flüchtet ins Haus.
Ein paar Minuten später sitzt sie mit einer Tasse Kaffee am Küchentisch
und genießt die Stille der Mittagsstunde. Wie einfach das Leben doch
sein kann, denkt sie.
Nichts
ist so, wie sie es sich erträumt hat, und doch ist es mehr, als sie
erwartet hatte. Sie kennt den Unterschied zwischen Traum und
Wirklichkeit.
"Weißt du," sagt sie zu milkyway, der grauen Tigerkatze,
"dazwischen ist mehr als viel - alles!" und sie lächelt und strahlt.
Sie streichelt die Katze und sät ein Samenkorn in den roten Blumentopf.
Während sie aus dem Fenster schaut, schwebt ein gelbes Blatt vom
Apfelbaum.
"Dazwischen ist alles - die Fülle. Traum und Wirklichkeit," das ahnt sie schon lange," gehören zusammen, wie Tag und Nacht."
Die Katze schnurrt laut und streicht um ihre Beine. Ihr ist warm ums Herz, und sie freut sich über den Augenblick.
Vielleicht - liebe Blogger und Bloggerinnen - haben wir nun das Ende des
Tunnels ja bald erreicht - und die Sonne gießt wieder - gefiltert durchs
Blätterdach unseres imaginären Zauberwaldes - ihr Licht gleichmäßig über uns
aus. Schön, wenn für eine Weile alles wirkt, als sei es aus Gold. Alle
Gesichter, auch die der ewig Unzufriedenen, der Naiven und Liebenden; der
Verzweifelten, der Rebellen der Trotzkinder -sind nun weich gezeichnet, staunen
und freuen sich an dem Wunder des geschenkten Sonnentages. Ein helles Lächeln
huscht über die Gesichter in diesem Augenblick.
“Hey, ich schau dir in die Augen und lache über mich selbst.“
„ Kannst du diesem Lachen etwa widerstehen? Nein! Ich sehe das Funkeln in
deinen Augen.“
“ Komm, nun lach endlich mit. Lass es raus, wie einen Schwarm Vögel, der
plötzlich zwitschernd aus dem Gebüsch hervor bricht.“
Wenn wir lachen, lösen sich alle Spannungen, und wir öffnen uns - ganz ohne
Anstrengung - neuen Blickwinkeln und Möglichkeiten, die schon längst wie Pilze
im Schatten der Bäumen ihr Eigenleben führen und zwischen dem Moos wuchern.
es geht nur darum, sich selbst zu erlauben, lieben zu dürfen - es zuzulassen -
und darum, die Angst vor Zurückweisung nicht so groß werden zu lassen, dass sie
das Lieben verbietet.
Nicht der Angst die Zügel in die Hand zu geben, sondern den Gefühlen. Sich
einlassen auf einen Menschen, so wie er ist, das ist nicht einfach, aber wir
haben ein ganzes Leben, um zu üben.
Liebe, die nicht fürchtet zurückgewiesen zu werden, kann auch nicht verletzt
werden.
Ist die Liebe abhängig von ihrer Erwiderung? Wir wünschen uns Erwiderung. Wir
erhoffen sie. Aber schon als Kind lernten wir, dass nicht alle Wünsche sich
erfüllen.
Wird die Liebe nun wertlos, nur weil sie nicht erwidert wird, weil die Resonanz
ausbleibt, oder weniger heftig ausfällt? Es tut weh, ja, es schmerzt, aber
irgendwann erholt sich das Herz.
Nicht mehr zu lieben, wäre eine Konsequenz der Angst, die uns letztlich selbst
beschneidet und das Leben verbittert, bis wir alles Licht in uns gelöscht
haben. Vielleicht übernimmt dann der Geist das Zepter - seelenlos und ohne
Herz.
Man kann der Welt einfach liebend begegnen, das heißt, das Positive und Helle
sehen, auch da, wo Schatten sind, anstatt in jeder Suppe ein Haar zu suchen.
Es kommt auf den Blickwinkel an: ist das Glas noch halb voll, oder ist es schon
halb leer?
Jeder Tag, an dem ich geliebt habe, ist ein guter Tag.
Es fühlt sich unabhängig vom Gegenüber gut an, wenn es glücklich fließt und
strömt in den Adern.
Wenn wir zum Beispiel die Natur lieben, sie uns durch ihr Dasein glücklich
macht, inspiriert, Muse ist, wenn sie stille Momente des Einsseins
schenkt, ist es dann wichtig, ob sie uns zurück liebt?