findevogels fundstücke

Was wohl wäre, wenn?

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 25 Sep, 2009 @ 15:08

 

Was würde ich dir erzählen auf dem roten Diwan, der zum Fabulieren einläd, wenn sich meine Befangenheit gelöst hätte und die Zunge frei wäre, zu reden und auch jene Dinge zu berühren, die schmerzliche Erinnerungen hervor rufen.
Ob es etwas wäre, was du erwartest oder ganz anderes, völlig unerwartet?
Es spielt für mich keine Rolle mehr, denn ich bin längst über das "wenn und aber" hinaus.

Vielleicht würdest du eine weiße Schlange sehen, die sich durch eine Landschaft schlängelt und windet wie die chinesische Mauer. Ich bin sicher, du würdest die Schatten zu deuten wissen, die durch die Bewegung meiner Hände an die gegenüberliegende Wand geworfen werden. Denn es ist Abend und das Licht gedämpft und warm. Nichts soll die Augen schmerzen, wenn die Lippen preisgeben, was unter der Zunge brennt.
"Mein Herr," würde ich schließlich sagen, "was erzählen die Schatten ihnen von den Tuschzeichnungen meiner Seele?"

Und du, du würdest mich auf die dir eigene intensive Art anschauen, ein Stück abrücken und schweigen.
Das Schweigen aber wäre nicht lastend.
Wenn man erst einmal erfahren hat, dass Wahrheit sich oft hinter der Sprache versteckt, sind Worte nur noch Tor und Tür zur wesentlichen Seite einer Seele.


Abseits, in den Gärten hinter dem Meer

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 31 Mai, 2009 @ 12:31

Der Tag hat am Morgen Regen gebracht. Über den Gärten am Meer liegen Dunstschleier, die hier und da zwischen den Bohnenstangen hängenbleiben, zerreißen und den Blick frei geben auf kleine Fetzen eines porzellanblauen Himmels. Intensiv sind alle Gerüche nach dem Regen, wenn es Frühsommer ist. Die grünen Düfte mischen sich mit Holunder, Rosen, kleinen Walderdbeeren und Lindenblüten zu einer zärtlichen Komposition. Aus dem Dunst erschafft sich die Welt neu. Stello Negro, das Amselmännchen, balanciert auf dem dicken Ast des Apfelbaums. Die kleinen Äpfel haben schon deutlich an Volumen gewonnen. Die Wildkirschen in der Hecke röten sich. Unter dem Heckengebüsch haben sich die Worte versammelt, um ganz ungestört von äußeren Einflüssen über eine neue Sprache zu diskutieren. Eine Sprache, die klar und deutlich zu vernehmen ist, und deren Klang sich nicht nur in den Kopf, sondern auch in Herz und Seele einnistet, um dort neue Melodien zu erschaffen, die in die Welt zurück getragen pfingstliche Botschaften verbreiten und heilen.

 

Genau so, wie sich unter den Dunstschleiern des Morgens die Welt neu gestaltet, möchte die Sprache sich aus dem eigenen Reichtum neu erschaffen.


gehen und ankommen

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 18 Mär, 2009 @ 23:03

 

ich möchte nicht irgendwo ankommen
sondern über viele wege gehen dürfen
durch bunte türen schreiten
über grüne schwellen treten
mitten ins herz der dinge gelangen
um in ihre tiefe zu klettern
die wurzeln zu ergründen
und verborgenen räume auszuloten
um dem reisen worte zu verleihen und ausdruck.


Gerade wiedergefunden

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 26 Feb, 2009 @ 18:20
Manchmal geben Träume unerwartet Antworten!
 
Und er war stumm. Aber die Bilder lebten intensiv, waren von emotionaler Tiefe und Dichte. Kann ein Traum Antworten geben?
Ich setzte mich neben dich. Es war wie selbstverständlich. Unsere Blicke sprachen und lächelten miteinander - es war freundschaftliche Nähe und respektvolle Distanz da: wohlwollend, wohlmeinend, zugetan. Und doch, auch Wehmut und ein paar Tränen!

Braucht es die Worte, wenn man ohne Worte kommunizieren kann?
Ich lehne mich an meinen Freund, den Baum - er ist so sicher, stark und fassbar und die Rinde seines Stammes prägt ein Muster in meine Haut - und schließe meine Augen, lasse mich von der Frühlingssonne bescheinen, spüre, wie die Haut nach dieser Wärme lechzt. Der Winter war lang und kalt gewesen. Die Lungen füllen sich mit frühlingsgrünen Düften. Ich atme tief in den Bauch hinein, streife alles ab, verwachse mit dem Baum: fühle mich gelöst - erlöst!
Wind weht von den Feldern, und das Glöckchen an der Bahnschranke bimmelt. Gleich wird ein Zug vorbei rauschen. Für einen Moment verstummen die Vögel in ihrem Schöpfungsgesang. Noch einmal lasse ich den Traum an mir vorbei gleiten, spüre das sanfte Glücksgefühl und den Wermutstropfen Wehmut, wische die Tränen weg. Es verändert sich nichts, ist stimmig und viel differenzierter, als jedes versuchte Wort einer möglichen Beschreibung.


Und in der Nacht

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 22 Feb, 2009 @ 10:28

 

In der Nacht wuchsen meinem Körper Flügel. Es tat weh, und wo die Flügel aus dem Körper wie Blüten hervorbrachen, bildete das rote Nass einen funkelnden Ring. Noch bevor ich das Wunder ahnte - dass ich fliegen kann - öffnete ich unter Schmerzen die Schwingen und bügelte sie mit meinen Gedanken glatt, bis ihre Pracht mir Wind zu fächelte und mich den Schmerz vergessen ließ.
Welche Freude und welches Glück, mit dem Wind zu gleiten - frei - zu fliegen, wohin immer man will.


und in der nacht

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 5 Feb, 2009 @ 08:38

 

es waren immer die gleichen gestalten, die in ihren träumen auf und abmarschierten, auftrumpften und keimendes gras zertraten mit ihren schwarzen stiefeln.
das schlimmste waren die stimmen, die laut und bedrohlich wirkten. ihre worte konnte sie nicht verstehen, waren in einer sprache geschriehen, die sie nicht enträtseln konnte, aber sie verstand die botschaft, die aus ihnen sprach.
eine botschaft, die sie klein machen wollte, ihr drohte, sie zu zertrampeln wie das keimende gras. immer an diesem punkt des traums, war plötzlich etwas lichtes hinter ihr. in sich spürte sie nun widerstand und rebellion. sie schaute den schwarzen gestalten fest in die dunklen gesichter - trotzte der angst.

"dann zertretet mich doch. auch wenn ihr die macht habt, mich zu töten und alles zu zerstören, werde ich nicht weichen. ich bin da und bleibe."

das herz schlug laut, aber im rücken spürte sie wärme. sie ging beherzt einen winzigen schritt auf die schwarzen gestalten zu und staunte.
die schemen wiechen zurück, wurden kleiner, weniger bedrohlich. sie ging langsam und konzentriert weiter, ohne den blick auf die dunklen schatten abzuwenden. unter ihren nackten füßen richtete sich das gras wieder auf. kleiner wurden die gestalten und sie selbst - größer jetzt - wurde von wachsendem selbstbewusstsein voran getrieben, immer weiter, bis die bedrohung, nun klein wie eine ameise, über den rand ihrer traumwelt kippte. in diesem augenblick des errungenen sieges sangen die lerchen in ihr und stiegen hoch zum himmel auf.


am morgen

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 4 Feb, 2009 @ 08:15

 

der morgen legte sanft einen lichten mantel um meine schultern. noch war zwielicht. die nächtlichen träume wanderten wie deutlich konturierte schattenrisse in den inneren welten. sie waren leise geworden, doch der nachhall ihrer auftriumphierenden marschschritte, das echo hingeschmissener sätze und der raubtiergeruch von sieg und niederlage viebrierten noch im grund.
das licht wärmte den körper, löste die nächtlich verspannten muskeln und schenkte geborgenheit.
die welt wurde hell und fassbar, als ich meine augen öffnete und tief durchatmete.
jetzt verschwanden sie, die deutlich konturierten schattenrisse, lösten sich einfach auf. ein leichtes frösteln nur blieb am rande des bewusstseins zurück.


Gezeiten

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 1 Feb, 2009 @ 18:43

 

Immer liegt in den Gezeiten ein ewiges Grollen.

Es gräbt sich in die Gedanken und flutet den Geist, reißt mit, hinterlässt bei Ebbe Überreste und Wurzeln im leergefegten Seelenstrand. Nichts bleibt was es war. Alles verändert sich, noch bevor du es richtig erfassen kannst. Es bleiben Rückstände, abgerissen Fäden, Seegras, Fragmente aus Ton, Klang und Wort. Immer sammle ich, was ich finde, reime mir die Geschichte zusammen, die ohne Ende ist - ein ewiger Prozess von Werden und Vergehen.
Und doch setze ich meinen Gedanken, wie Geisterbooten, die Segel auf und schicke sie mit dem Wind über das weite Meer, immer hoffend, dass sie dort ankommen, wo sie einen Knoten schlingen, das Herz berühren und ankern können.
Nah und fern bin ich mir selbst - wie Ebbe und Flut - in den Lebensgezeiten. Bei Ebbe gemalte Zeichen schlingt die Flut in ihr Raubtiermaul.

Immer liegt in den Gezeiten ein ewiges Grollen.


Wolkengalerie am Sternenhimmel

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 9 Dez, 2008 @ 16:54
Während riesige Wolkenmänner mit Wichtelmützen und üppige Nebelfrauen gemächlich über den Himmel huschten, es schon fast dunkel war und eine Wolke wie riesige Zuckerwatte aussah, schaute hier und da ein Stern durch die sich ständig verändernden Wolkenfenster hindurch.
Sie zwinkerten sich wohl zu und flüsterten mit den Sterngeschwistern, so als machten sie sich gegenseitig auf ein besonderes Detail im himmlischen Schauspiel aufmerksam.
Ich lauschte konzentriert nach oben, während ich in mich hinein lachte, denn es sah zu komisch aus, wie die Sterne durch die Wolkengalerie streiften und die weißen Gebilde anschauten, als seien sie Gemälde und Skulpturen.

Ich musste an das Opernhaus denken, in dem kurz vor der Aufführung die Spannung steigt und festlich gekleidete Damen mit sternglitzernden Geschmeide behängt ein wenig steif mit ihren Seidenunterröcken raschelten, das Glöckchen klingelte und der rote Samtvorhang sich im Schneckentempo zu öffnen begann.


Sterngedanken 1

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 30 Nov, 2008 @ 23:29

Vom gefallenem Stern

 

Im Sand einer grasbewachsenen Düne hinter den sieben Meeren fand ich einen Stern.
Ich runzelte die Stirn und fragte mich für einen Moment enttäuscht,
ob ich wohl nur so weit gewandert war, um diesen Stern zu finden.
Doch dann spürte ich Mitleid mit diesem offensichtlich vom Himmel gefallenem Stern.
"Wie bist du her gekommen?"
fragte ich ihn leise. Sein Glanz war matt und sein Körper von Schmutz bedeckt.
Ich glaube, er hörte mich nicht. So nahm ich ihn in die Hand.
Er war leicht wie eine Feder.
Mit meinem Taschentuch wischte ich ihn blank bis er glänzte.
"Ich nehme dich mit zu mir und hänge dich zwischen das Messinglaub des Apfelbaums. "

Ich stieg in mein Boot und segelte zurück.
Lange sprach der Stern nicht zu mir,

aber - besonders wenn es Nacht war - erfreute ich mich an seinem verhaltenem Licht.

Irgendwann, ich war schon fast wieder im Hafen meiner Heimatstadt angekommen,
da begann er zu singen.
Angst und Schmerz flossen in Tönen aus ihm heraus,
machten gewaltigem Zorn Platz,
spuckten Wut, bis die alten Töne heraus gespült waren
und zaghaft aus seiner Mitte ein neues Lied entsprang
und der Stern von innen zu leuchten begann.


Tauchstation!

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 16 Nov, 2008 @ 23:46

 

Im Fluss der Zeit geh ich auf Tauchstation, heute.
Zwischen den Wurzeln uralter Geschichten findet sich manche Perle.
Ich hebe sie auf, stecke sie in meine Tasche und nehme sie mit zurück - ins Jetzt.
Wenn es Abend wird, die Kerzen brennen und auf dem großen Tisch Platz ist für die Betrachtung der Perle,
versinke ich erneut,
diesmal im ebenmäßigen Permutt ihrer glatten Rundung.
Und wenn der zauberhafte Glanz meine Augen erreicht hat,
dann packe ich sie vorsichtig in weichen Stoff ein
und lege sie zu den anderen
die ich schon fand.


Herbst-Fragment 1

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 29 Okt, 2008 @ 20:58

 

...immer wenn ich dein bild sehe, denke ich an raureif.
abgewetzten glanz trägt die haut
wie altes leder zu ihrer zeit
und blasse lippen lassen wintertage ahnen.

noch erinnert augenblau an himmel
im pastell verschneiter tage liegt eigener zauber
fern vom sommer malt frost klare konturen
meine herbstseele sehnt sich den blauen stunden entgegen


Vom Meer, einmal mehr....

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 19 Okt, 2008 @ 12:46

 

Unendlich weit erscheint mir das Meer in diesem Oktober. Wie eine Fatamorgana zeigt es sich in der Ferne als Silberstreif am Horizont. Ich möchte der Fatamorgana folgen, auch wenn sie mich auf Wüstenwegen dorthin zu führen beliebt.
Was mich dorthin zieht, woher ich nicht komme in diesem Leben, es ist tiefer als jeder Ozean, und wenn die Sehnsuchtswellen am Seelenstrand verebben, dann muss ich aufpassen, dass ich im Sand nicht ertrinke.

Der Wind flüstert zärtliche Worte in Engelsprache und singt mit den Elfen ein fröhliches Lied, bevor er aufflaut, laut und donnernd wird, in den Wipfeln der Bäume hinter den Dünen sein Teufelswerk beginnt und am Strand die Wellen gegen die Felsen klatschen lässt.

Ich stehe im Wind, der zum Orkan geworden ist, und meine Kleider flattern um den Leib.
Will ich standhalten oder flüchten?
Einer lebendigen Fahne gleich drehe ich mich im Kreis, suche einen Punkt, an dem ich mich festhalten kann im Derwischtanz.
Leicht verliert man Orientierung, wenn Meer, Himmel und Wellen eins werden und sich Grau in Grau vermischen. Jenseits droht eine steile Küste.

So schließe ich die Augen. Für eine Weile atme ich gegen die Angst, bis der Sturm zahmer wird und vor dem inneren Auge Konturen, Landschaften und Pfade auftauchen.
Zurück geht es leichtfüßig über die Dünen bis zu dem blauen Haus, das meine Worte zu bergen weiß. Jenes, mit dem Fenster zum Meer.

 

 

foto: garl (www.pixelio.de)


bruchstückhaft

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 17 Okt, 2008 @ 11:23

 

Ich sammle Bruchstücke
und füge sie zusammen
sichtend, ordnend
was entsteht - Mosaik
immer fehlt ein Stück
wie im Leben auch
der letzte Zipfel
den ich mir denke

wenn ich ihn nicht finde
und wenn es so bleibt
mit allen Leerstellen
den weißen Flecken?
Mit allen Unvollständigkeiten
wird daraus dennoch ein Bild
voller Runzeln und Narben
eine Landschaft von besonderer Dichte
die viel zu erzählen weiß
wie im Leben auch


Zwischensumme!

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 15 Okt, 2008 @ 23:00
Du suchst die Zeichen zwischen den Zeiten:
in den kleinen Ritzen und Spalten
die sich zwischen den Sekunden kaum merklich öffnen
unter den aufgeworfenen Hügeln
der ineinandergeschobenen Stunden
In der Tiefe
wo die Erde durchlässig
und sich die Zeichen leicht verlieren
da tauchst du hinab
versuchst ihre Zipfel zu erwischen
sie festzuhalten
Je weiter du gehst auf deinem Weg
um so intensiver wird dein Bemühen
diese Zeichen zu entdecken
ihre Sprache zu verstehen
alles zu deuten
noch die letzten Rätsel zu lösen
wie ein Sternkundiger aus dem Morgenland

Am Ende
wenn der Wahnsinn sich dem Ende neigt
geht es nicht mehr ums Finden
nur noch darum, dass du Recht hast
darum, dass dein Kartenhaus zusammenhält.

Längst schon hast du den Boden unter den Füßen verloren
bist zwischen den Zeiten hängen geblieben
da ist Nichts, nur Leere


es weht ein kühler wind

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 5 Okt, 2008 @ 13:14

 

manchmal sind die worte eingefroren, als sei winter in die seele eingezogen. der schnee schließt dir mund und lippen, während die augen durch die wolken zum blau des himmels blicken und den fernen vögeln nachschauen. der körper friert nicht mehr. er hat sich in ein inneres gefäß zurückgezogen.
alles ist verlangsamt. selbst der atem wirkt kühl und spärlich. zeit um still zu sein, geduld zu haben und abzuwarten, bis im mund sich der geschmack von wilden erdbeeren ausbreitet und über die lippen wie eine quelle die neuen worte sprudeln.


Liebe!

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 28 Sep, 2008 @ 13:43

Ich spüre!
Wenn ich liebevolle Gedanken in die Welt entlasse
wenn ich Licht zu Menschen schicke
wenn ich die Wolken grüße, die mir den Tag verdunkeln
wenn das Licht schräg im Apfelbaum flirrt
wenn ich einem Menschen positiv und ohne Vorurteile in die Augen schaue
wenn ich Wunschzettel für mich oder andere schreibe
wenn ich einen Engel rufe
dann fühle ich, dass sich Türen und Fenster öffnen in mir
und positive Energie in meinem Körper zirkuliert.

 

foto: geralt (www.pixelio.de)


Träume - Fragment

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 31 Aug, 2008 @ 23:07
Einst vor langer Zeit legte eine Frau einen Steinkreis aus Strandfindlingen. In ihm trafen sich bei Vollmond die Elemente:
die Schwester Luft schickte den Wind;
Großmutter Erde den Schöpfungsatem;
Schwester Feuer sandte lichte Funken
und
der Bruder Wasser schickte einen Regenbogen,

um Ton, Klang und Worte miteinander zu verbinden und gemeinsam darüber zu beratschlagen,
wie man die Welt ausgestalten könne, damit die Menschen daran erinnert werden,
dass sie ihre Träume nicht vergessen sollen.

Die Elemente wussten, dass im Traum die zukünftige Welt entsteht und geboren wird,
um Gestalt an zu nehmen, und dass es ohne Träume keine Zukunft geben kann.


Nochmal "Türkis"

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 14 Aug, 2008 @ 23:03


Stell dir vor:


Es ist eine einfache Tür mit einem rostigen Griff.
Die Farbe - ein irisierendes Türkis - gibt ihr Magie und Zauber.
Ich stehe selbst vor dieser Türe
- eigentlich, ich bin sicher, schon eine Weile -
während mein Zwilling auf der anderen Seite darauf wartet
dass ich vermag, die Klinke herunter zu drücken.
Vielleicht ist Jenseits von... ein Raum in mir selbst
den zu betreten, ich mich noch nicht traue
und der bewohnt ist von einem geistigen Führer
Dinge brauchen Zeit, um zur Reife zu gelangen.
Eines Tages, du wirst sehen, öffne ich die Tür.
Manchmal ist ein Wissen in uns

wie ein Felsen im Meer
von den zukünftigen Dingen.


was ich weiß und doch nicht weiß 4

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 13 Aug, 2008 @ 17:50

Ich fürchte mich nicht und schließe die Augen, fühle mich in diesen warmen Druck hinein, spüre Hände, die mich sanft und ohne Zwang halten - ich kann gehen, wenn ich will - stattdessen krieche ich in diese unsichtbaren Hände hinein, als seien sie ein Haus und ich der Bewohner und vergesse die Zeit - bin ich immer noch da? Nein, ich bin Teil von etwas Großem. Fast würde ich sagen, ein Schatten kleidet mich in helles Licht. Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen ist, als ich zurück kehre zum stillen Haus, wo die Musik verstummt ist, und registriere, dass Regentropfen mein Gesicht streifen.


Schemenhaft

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 12 Aug, 2008 @ 16:16

Seltsamerweise ist es still in den Nächten der Winde. Die luftigen Gesellen haben sich in den dichtbelaubten Bäumen zusammengerollt wie müde Schlangen. Ab und zu fällt eine Sternschnuppe. Und in diesem ultrakurzem Lichtblick siehst du ihre stummen Münder. Schnell sprichst du den geheimen Wunsch, der eine Beschwörungsformel ist. Ihre Magie erfüllt die Nacht mit der vibrierenden Energie von vierzig Trommeln, aber kein einziger Schlag ist zu hören.
Es ist die Zeit, wenn Schemen durch die Welt geistern und am Tor zu deinen Träumen Schlange stehen. Sie klopfen nicht. Still und leise schleichen sie hinein, in die wunderlichen Räume und bevölkern sie. Nicht alle werden sichtbar für dich, aber du weißt, sie sind da, vielleicht spricht einer mit Hut zu dir oder die Frau - dein Spiegelbild - nimmt deine Hand und begleitet dich in fremde Gestade, die dir dennoch hier und da vertraut erscheinen. Der Mann mit Hut wacht über dich, und die Spiegelfrau lässt dich geheime Dinge tun. An einem spiegelglatten See schöpfst du Wasser auf ihr Geheiß und gießt die Flüssigkeit in einen Kelch, den sie dir reicht. Sie trinkt und du schöpfst und gießt nach, während dein Kopf eine Acht in den Himmel malt und die Hüften sich um den immergrünen Stab winden, der plötzlich Blüten trägt.
Noch im Erwachen begleitet dich der exotische Duft und ein bleibendes Gefühl von Kraft.


Von der Zeit

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 3 Aug, 2008 @ 22:44

Manche Augenblicke scheinen lang wie ein ganzes Leben. Sie wollen nicht vorübergehen. Und so oft du auch auf die Uhr schaust, es will dir scheinen, als bewegten die Zeiger sich nicht. Worauf wartest du?
Die Zeit ist weder reif noch die Gedanken zu Ende gedacht. Draußen nimmt ein Sommertag seinen Lauf:
Wolken ziehen auf; es regnet; die Sonne lockt; der Tag wandelt sich zum Abend, wird zur Nacht.
Du wartest auf eine Sternschnuppe, denn dann hast du einen Wunsch frei.


Die blaue Tür

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 3 Aug, 2008 @ 13:22

Du hast dich eine Weile mit alltäglichen Dingen beschäftigt:
Deine Küche ist geputzt, der Kuchen gebacken, die Wäsche gefaltet - du hast Brombeergelee gekocht und in Gläser gefüllt und die heruntergefallenen Äpfel aufgehoben.
Nun kehrst du zurück in deine Gedanken, die du am Morgen unterbrochen hast. Den ganzen Tag über hielten sie sich am Rande des Bewusstseins sprungbereit, um dich gefangen zu nehmen, sobald du dich nur einen winzigen Augenblick lang von deinem Tun ablenken lässt.
Es ist dir gelungen, sie dort zu lassen, bis jetzt. Deine innere Ruhe ist zurück gekehrt.
Du gehst nun einen kleinen Schritt durch den dunklen Gedankengang und biegst um eine Ecke. Eine blaue Tür wartet auf dich. Du bist sicher, wenn du sie öffnest, wirst du den Raum dahinter betreten - nicht dass du wüsstest, was dich dort erwartet - aber du wirst die Türe schließen, den Schlüssel umdrehen und nie wieder zurück gehen.
Du weißt es, und deshalb zögerst du.


Steinschlag!

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 2 Aug, 2008 @ 22:22

Und plötzlich löst sich ein Stein. Du bist um ihn herum geschlichen, hast ihn genau in Augenschein genommen, seine äußere Form abgetastet - scharfe Kanten auf der einen Seite und weiche Abbruchstellen auf der anderen Seite, eine rundliche Kuppe - er muss ein Teil von etwas Größeren gewesen sein vor Urzeiten. Seine Farben erinnern dich an Kohle, Eisen und Lehm. Nicht glatt - grobkörnig und rau streckt er sich deinen Fingern entgegen. Die Zeit, der Wind und das Wetter haben ihn geformt. Nun löst er sich und fällt den steilen Abhang hinab. Da wo er steckte ist nun eine deutliche Vertiefung. Du näherst dich, schaust hinein, da sind andere Steine. Noch fehlt ein Durchblick.


was ich weiß und doch nicht weiß 3

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 29 Jul, 2008 @ 22:47

Die Melodie nimmt mich mit auf ihre Reise. Ich werde selbst  zur Melodie und und in mir schwingen die Töne, finden Hall und Echo. Selbstvergessen - wie Kinder es manchmal sind im Spiel - bin ich nur Ohr, Haut und Fühlen - Bewegung. Die Gedanken sind still. Als weiße Federwölkchen ziehen sie über den blauen Himmel und lösen sich auf, wie ich auch, zerfließend.
Plötzlich ein warmer Druck auf den Schultern. Ich zucke zusammen und wirbele um mich herum. Da ist nichts. Nur Wind wie Flügelschlag und Energie, die mich stärkt.

Vom Haus her ist das Klavier verstummt


Unter Glas

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 4 Jul, 2008 @ 19:06

Noch haben die Gewitter sich weder ausgedonnert noch verblitzt. Arglistig verstecken sie sich hinter den zusammengeballten Wolken, schicken schwüle Boten über das Land. Im Zeitraffer wendet sich das Jahr.

Ihre Spannung fließt wie Strom durch mich, durch dich, durch uns hindurch, läd auf, lässt in den Worten die Funken stieben. Nehmt das Stroh weg, es könnte Feuer fangen. Wenn es erst brennt, dann bleibt uns nur Asche.
Aus der Asche neugeboren steigt Phönix zum Licht.
Die Johannisfeuer sind abgebrannt und die Päärchen bestellen das Aufgebot.

Noch fühlt sich Rumpelstilzchen sicher in den goldenen Ährenfeldern. Es reibt sich die Hände und lodert im Tanz unter lautem Gelächter. Noch ahnt es nicht, was sein Schicksal sein wird, und dass es selbst sich in Stücke zerreißt.
Niemand sollte je die Handwerkstöchter unterschätzen.

Ach wären sie doch schon abgeregnet und ausgetobt, die scheinheiligen Gewitter und die Luft lau und sauber zurückgelassen - geklärt - wir würden wieder die Köpfe zusammenstecken, freundliche Worte teilen und Wein und Brot genießen.

In manchen Menschen toben die Unwetter sich aus, als seien sie Kathalysator und Verbindungskanal.


Was ich dir immer schon einmal sagen wollte 1

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 1 Mai, 2008 @ 23:14

Ich liebe es, wenn du -  ein Papiertiger, der schon mal gerne auf weißen Blättern die Schreibkrallen ausfährt, Bissspuren darauf hinterlässt oder einen wortgewaltigen Donnerbrüll loslässt – wenn du sanft und leise wie ein Salonlöwe über die weichen Teppiche meiner inneren Räume tapst und ein paar wildwuchernde Zauberzeilen fallen lässt, bevor du wieder in den magischen Wäldern verschwindest und dich im Nebel auflöst.
Sie wachsen bei mir, denn ich sammle sie auf und pflanze sie in die inneren Gärten. Auf diese Weise ist dort schon ein ganzer Wald gewachsen.


Unter den Kreidefelsen

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 30 Mär, 2008 @ 23:24

Der Wind hat etwas nach gelassen und die Wellen aufgepeitscht zurück gelassen. Mit brachialischer Gewalt schleudern sie ihre schaumbekränzten Wassermassen ins Geröll. Die Gischt sieht aus wie fester Zuckerguss. Es singt zwischen den bunten Steinen ein klirrendes, knisterndes Lied mit Tönen, wie aus Glas, die davon rollen und ihr Echo hinter sich herschleppen, wenn bereits die nächste Welle die Steine gegeneinander wirbelt. An den sandigen Stellen des Strandes schlagen sich Wellen wie zarte Stoffe übereinander, und die Steine strahlen wie Diamanten. Muschelgespinste finden sich am Rande des Gerölls.
Möwen im Sturzflug nutzen die Gunst der Stunde, die ihnen reiche Beute beschert. Das Meer ist heute ein großzügiger Gastgeber. Die Schreie der Vögel mischen sich mit dem Lied der Steine und dem Wind, der über die Klippen fegt und die Baumzweige in Schwingung versetzt.
Welche Kraft Wasser und Wind besitzen, wenn sie stürmisch gesonnen sind, zeigt sich an den riesigen umgekippten Baumstämmen, die mit ihren Wurzeln in den Himmel ragen und sich im Strand abstützen, als wollten sie die Klippen halten.
Ich komme mir klein vor neben diesen mächtigen Kalkfelsen mit ihren Rissen, den Ausbuchtungen und den steinzeitlichen Farbsegmenten, die rostrot und lehmgelb horizontale Streifen im Kalk hinterließen - ich denke an die Steinzeithöhlen mit ihren wunderbaren Malereien und ihre Farben aus Eisen, Lehm und Kohle - auch ein wenig ängstlich: was wenn die Kreide ins Rutschen gerät gerade in diesem Moment?
Mein Blick fällt auf einen halb abgestürzten Garten: Um die Wurzeln der Pflanzen schlingen sich Algen und inmitten des Gewirrs hängen kleinere und größere Steine, wie die Hühnergötter, die manche Inselbewohner an langen Fäden wie einen Vorhang vor ihre Häuser hängen- auch Blüten, die den Sturz überlebten und unverdrossen weiter wachsen.

Ich wende meine Schritte und eile dem bunten Treiben im Hafen entgegen.


Dialoge 6

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 30 Mär, 2008 @ 13:23

Mit Schrotflinten schießt man nicht auf Spatzen!

Mutter:
"Hey Süße, du musst nicht immer mit verbalen Giftpfeilen auf deinen kleinen Bruder schießen.
Es könnte sein, dass um die Ecke jemand mit einem Tomahawk steht, der stärker ist als du, und nur auf dich gewartet hat."

Tochter 1:
"Aber ich bin doch ein Skorpion."
Tochter 2:
"Aber weißt du, Skorpione gehören nicht zu den schnellsten Lebewesen. Sie sind eher langsam."
Mutter:
"Du weißt doch Süße, schnell bewegst du dich nicht gern. Du lässt dich nicht hetzen und regelst lieber alles in Ruhe.
Passt doch."

Tochter 1 lacht und stimmt zu:
"Aber ich schieße nur mit Giftpfeilen, wenn es angemessen ist."
Mutter:
"Na ja, aber manchmal schießt du übers Ziel hinaus."
Mutter und Töchter lachen.
Tochter 1:
"Was ist ein Tomahawk?"
Tochter 2:
"Das ist so eine Art Steinaxt der Indianer."
Tochter 1:
"Ach so."
Tochter 2
"Eine Freundin erzählte mir neulich folgende Geschichte:

In Amerika versicherte ein Mann eine Schachtel Zigaretten gegen Brandstiftung. Anschließend rauchte er die Zigaretten und forderte bei der Versicherung die Versicherungssumme ein. Er gewann den Prozess.
Die Versicherung verklagte daraufhin den Mann auf Brandstiftung in 24 Fällen und gewann den Prozess.
Der Brandstifter verbrachte fünf Jahre im Gefängnis."


Die Frühstücksrunde löste sich heiter auf.


Himmelblau und golddurchwirkt

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 28 Mär, 2008 @ 00:00

Wen sahest du hinter den Wolken, während die Bäume dir ein Lied sangen?

Es war der Wind. Er trug die Form eines pausbäckigen Engels, der auf der Stirn die tiefen Furchen der unablässig Denkenden trug. Du spürtest nur seinen unendlich sanften Flügelschlag, als warte er ab. Nichts brauste, denn der Tag war himmelblau und golddurchwirkt, und im Wasser spielten die Möwen. Die Wellen mit ihren Meerschaumspitzen wogten neugierig in den Sand.
Fast konnte man meinen, dass sie sich im Takt mit dem Lied der Bäume bewegten - wie die weißen Wolken, die dem Horizont zu strebten, sich zu Rauch verflüchtigten und in den Himmeln verloren.


Farbwechsel

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 25 Mär, 2008 @ 23:31

 

Es waren viele Stufen - breit, verziert, flach - gewendelt hinauf in den Turm, ein Schneckenhausturm, von unten hinauf geschaut, eine Spirale ins Unendliche. Zwischendurch Flure mit runden Nischen an den Ecken. Es war zauberhaft, denn hinter den hohen Fenstern wirbelten Schneeflocken. Wo ich stand, fühlte ich mich fern von allem und erhaben über alltägliches Gedankengut.
Auch ein wenig einsam, nicht jetzt im Augenblick, den ich nicht teilen wollte, sondern in der Vorstellung, wie es sei, hier zu leben.
Eben noch war der Himmel blau gewesen und eine kühle Sonne warf ihr Licht auf das rosa Schloss mit den vier Ecktürmen - ließ es erstrahlen.
Jenseits des Platzes wurde der Wald weiß wie die Buschwindröschen, die sich heute hier und da aus der Erde heraus getraut hatten. Hohe Baumstämme verschwammen im Nebel, wirkten wie schmale tragende Säulen des Himmels, denn die Zweige sah man nicht. Unterwegs im Schloss fand ich Bilder von Künstlern der Romantik, las Texte und Biographisches.
Auf dem Heimweg wieder aufklarender Himmel in blauer Streifenpracht mit weißen Wolkenschiffen, die dem Horizont entgegen strebten und sich während ihrer Reise auflösten, dazu das Gold der sinkenden Sonne, die sich in den trockenen Gräsern fing und im Wasser spiegelte. Alleenbäume schnitten Gesichter, schienen miteinander zu sprechen, sich im Tanz zu berühren, sich mit unzähligen filigranen Ausstülpungen ineinander zu verflechten.
Ich wünsche mir einen Aquarellkasten herbei, der all diese Blaus; die Jade-und Grautöne; das Silber und dieses besonders matte warme Gold enthält. Ich will eine geometrische Landschaft aus Blau und Grün malen, in die tropfenförmige Goldpunkte fallen. Den Rand will ich mit Winterbaumspitze einfassen.
Eine ganze Symphonie aus Klängen steckt in dieser Farbkomposition.

Und dann - viel viel später - werde ich den Bäumen die Worte entlocken. Noch säuselt es nur, aber ich werde meine Ohren spitzen.


Wie Zuckerwerk!

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 23 Mär, 2008 @ 23:23

Was tut ein weißes Reh in einem braunen Rudel, mitten im Schnee in dem Schlosspark einer weißen Stadt, deren Schloss nicht mehr steht, die leer wirkt und unbewohnt? Wie ein Museum, dass man betreten kann und dessen Schönheit einem fast den Atem verschlägt? Diese Harmonie der Architektur - fast - ein Hauch zu schön! Selbst die riesige astronomische Uhr im Garten des Uhrenmuseums steht still. Ihre Figuren mit den Engelflügeln hinter gläsernen Wänden erstarrten in der Bewegung. Nur die alten Bäume in ihrer Vielfalt scheinen ungebrochen zu leben.

Was tut eine Nebelkrähe zwischen den Möwen an einem Sandstrand, an dem bilderbuchblaue Wellen mit lichtweißen Schaumkronen den Sand überspülen und abgerissene Muschelstränge - ein Meer aus perlweiß - zurück lassen, während am babyblauen Himmel weiße Schäfchenwolken ihre Segel blähen und an der Strandpromenade weiße Häuser mit hölzernem Zuckerwerk an Balkonen, Fenstern und Giebeln von oben zuschauen, als sei das Meer der Lieblingsspielplatz, auf dem sich das Leben im Kleinen lebt, und scheinbar heiter darüber wachen, dass der Kreislauf von Leben und Vergehen nicht unterbrochen wird.

Zwillinge in bunten Plastiklatzhosen und gelben Gummistiefeln, die gerade eine Sandburg gebaut und mit Vater Kanäle angelegt haben, wehren sich mit Händen und Füßen, weil es nach Hause geht, während ein fröhlicher Wolfspitz mit intelligenten Augen - am liebsten hätte ich ihn geklaut - aufgeweckt zum Frauchen rennt, und sich anleinen lässt.
Ein Junge bekommt nasse Füße, doch er merkt es nicht.

Fast wäre am Abend die Sonne als roter Ball im Meer versunken, aber ein paar Wolken verzerrten die perfekte Sicht.
Und die Nebelkrähe verriet sich nur durch ihr KrahKrah. Die Möwen allerdings ignorieren sie. Sie suchen weiter nach bewohnten Muscheln und der Rabenvogel kopierte ihr Verhalten exakt.


Ein schöner Faltenwurf

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 21 Mär, 2008 @ 18:59

Vor mir auf der Verkaufstheke liegen Stoffbahnen. Sie changieren in allen Farben des Meeres und schimmern wie chinesische Seide. Ich möchte das Tuch mit meinen Händen berühren und mein Gesicht darin verbergen, seine Glätte auf meiner Haut spüren. Ein Duft hängt darin, der mich an wohltuende Pflanzen erinnert, die bizarr im Wind schaukeln. Ich schließe die Augen und drapiere das Tuch in Gedanken um eine weibliche Figur. Wie der Stoff fällt und sein Faltenwurf sich bauscht, sehe mich schließlich selbst in diesem Gewand um mich herum drehen. Wie ein Karussell schwingt das ungemein leichte Gebilde, gibt jeder Bewegung einen zusätzlichen Kick. Ein Kleid zum Verlieben, gemacht für warme Sommernächte unter südlichen Himmeln. Ich werde Silber und Perlmutt dazu kombinieren und die langen dunklen Haare offen und ungebändigt tragen.
Ich höre Musik, die zum Tanzen einlädt und sehe kleine bunte Lichter unter dem Abendhimmel in den Bäumen leuchten.


Fragment 3

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 21 Mär, 2008 @ 11:07

Wie außen, so innen!

Immer, nicht nur in diesen Tagen, trage ich meine persönliche Karwoche mit mir herum. Innere Gräber sind zu betrauern, bevor sich unter neuen Erdschichten neues Leben regen kann und sich mit Ostern das Versprechen von Wachstum durch zunehmende Wärme und Licht erfüllt.
Doch bevor etwas wächst braucht es Tränen oder Regen, damit die Verhärtungen aufweichen können.
Ich schaue zum Fenster hinaus. Allmählich legt sich der Regen und es wird heller.


Fragment 2

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 18 Mär, 2008 @ 22:34


Der Tod trat mir entgegen. Auf dem braunen Acker des jungen Frühlings vernahm ich sein knöchernes Scheppern, hörte das Hohnlachen. Ich hätte ihn gerne aufgehalten, doch er schritt einfach durch mich hindurch, ohne eine Spur zu hinterlassen. Ich war nicht gemeint. Auf den inneren Bühnen gestalten sich dramatische Szenarien, und makabre Tänze poltern übers Holz. In meinem Rücken, hinter der Bühne mit den geschlossenen Vorhängen schläg er eiskalt zu.
Auf verschlungenen Wegen traf ich eine Mutter, die um ihr Kind nicht mehr weinte,
alle Tränen waren vergossen. Eine zierliche Frau vom Alter mir nah, wie eine Schwester - sie, mir noch unbekannt, suchte sich festzuhalten an meinen Armen - ganz vorsichtig und sensibel, als sei ich aus zerbrechlichem Porzellan. Dabei war es sie, die gläsern ihre Trauer trug unter der dünnen Haut.
Vielleicht, um über das Berühren zu verstehen, was noch unfassbar ist. Vielleicht um sich selbst in mir zu halten. Dieser Zustand, wenn man keine Tränen mehr hat und doch noch längst nicht begreift, muss wie das Fegefeuer sein, ein Hängen zwischen Himmel und Hölle.

Trockene Schluchzer erinnere ich aus traurigen Träumen und den Schmerz, den sie körperlich verursachen, weil ein Gleitmittel fehlt und sich alles reibt.
Wie schmerzhaft es war, damals, als ich dich aufgeben musste, und alle Tränen längst vergossen waren, und ich immer noch liebte und nicht wusste, wohin mit dieser Liebe und der Sehnsucht nach Nähe, Umarmung und Kuss.
Noch frage ich mich, wie kann ich Schmerz und Trauer beschreiben mit Worten, die verstehen kann, wer spürt und fühlt. Meist sind es Gesten, die den Abgrund zwischen Himmel und Hölle überbrücken.


Fragmente 1

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 14 Mär, 2008 @ 23:13
Es geht dir nicht gut. Auf deinem inneren Acker sind die Furchen aufgebrochen. Du spürst die Jahreszeiten im Blut - wieder ein neues Beginnen - zwischen den braunen Schollen sammeln sich Krähen. Worauf warten sie?
Fern vom Fluss nähern sich Möwen, denn es wird schon gesät.
Du bist lustlos, hast schon so viele Jahre hinter dich gebracht, bist jedem Frühling mit offenen Armen entgegen gelaufen.
Vor deinem inneren Augen gräbt sich eine Grube in den Acker. Was wird sterben, fragst du dich, und was wird neu geboren?


Zwischen Tag und Nacht 12 - Fragment 2

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 16 Feb, 2008 @ 20:44

Es ist sehr still!
Draußen ist die Sonne zwischen den kahlen Zweigen des Apfelbaums hängen geblieben. Ich bin wieder zwischen den zeiten. Wäre es nicht so hell, ich würde mich in eine andere Welt versetzt fühlen: Mein Fenster wäre kein Küchenfenster, es wäre die Glasfront meines Luft-Mobiles, gummientengelb, geformt wie ein Apfel, der reif ist und gepflückt werden möchte, aber nicht von dir, denn mit seinen besonderen Kräften ist es in der Lage, jeden abzustoßen, der es wagen sollte, seinen Lack zu berühren - der Platz innen ist eng, aber mein flugbereiter Untersatz gehorcht auf kleinste Gedankenimpulse, es kostet Konzentration und Gedankenkontrolle, aber die roten Polsterbezüge innen sind weich und behaglich. Wenn ich will, massiert der Sitz meinen heute ziemlich verspannten Rücken fast ebenso gut, wie es kräftige menschliche Hände können.
Heute reise ich ins Traumland.
Ich folge den Spuren des Mannes, der immer mal wieder durch meine nächtlichen Träume geistert. Wo kommt er her? Was will er mir sagen? Ist er ein Teil von mir, längst integriert?
Neulich sah er mitgenommen und ein bisschen verwahrlost aus, so als habe er auch schon mal bessere Zeiten gesehen. Zeiten, in denen seine Haut glatt und jung war und die schmalen gepflegten Hände - relativ klein - mit den im Verhältnis zum Handteller recht langen biegsamen Fingern frisch manikürt waren, aber er riecht noch genauso gut wie damals, als habe er grade ein Bad genommen mit Zeder, Lemongras und Zitrone, gekrönt mit einem Hauch von Leder.
Damals lag er unter einer weißen Bettdecke und erklärte mir, dass er ein Heiler sei, den ich aber gar nicht brauche, weil ich meinen eigenen hätte. Er sei nur dazu da, mich daran zu erinnern: Mann und Frau zugleich, mal Schlangenbeschwörer oder Lotosgöttin, mal bewegliche, aalglatte Schlange - gezeichnet mit einer kleinen blauen Spirale über der Nasenwurzel.
Überrascht hat mich seine Größe als ich ihn neulich so plötzlich wieder begegnete - und die Figur: kaum größer als ich und gedrungener, als die Hände auf der Bettdecke damals vermuten ließen.
Sogar etwas Bauch hob sich unter dem T-Shirt ab - nicht, dass mich das stören würde, ich finde es nett.
Es gibt dem Bauchträger etwas Weiches und Zugewandtes, eine weibliche Note, die sowohl Schutzbereitschaft wie auch Schutzbedürfnis offenbart.
Und die Augen - bernsteinbraun und groß sind mir mehr als einen Blick wert.

Ist er nun ein Teil von mir, das männliche Prinzip, mein Animus.

Nur warum löst er sich in Luft auf, wenn ich ihn brauche und lässt mich mit leeren Armen zurück?

Bei dem Gedanken werde ich traurig.

Und gleich darauf fliege ich los mit meinem Mobiles: es wird seinen Grund haben, warum er sich in Luft auflöste.

Ganz schwach erinnere ich mich daran, dass er mich schon mal vor vielen Jahren mit einem Freund besucht hat – das genaue Gegenteil von ihm. Zusammen spazierten wir durch die Stadt – ich barfuss - der eine rechts eingehakt, der andere links und wir sangen „singing in the rain“ weil es regnete und wir keinen Schirm dabei hatten, und es war nicht schlimm, denn der Regen war warm mitten im August.

Vielleicht ist er in diese Stadt geflüchtet, um seinen Freund zu holen, damit wir wieder sorglos durch den Regen tanze können, so leicht, ganz ohne Gepäck mit der puren Lust am Leben ausgerüstet und Musik im Herzen, der Kehle und auf den Lippen.


Zwischen Tag und Nacht 12 - Fragment

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 15 Feb, 2008 @ 10:21

Im Traum hatte sich etwas aus dem Nebel heraus geschält und eine konkrete Form angenommen. Wie ein Gefäß aus Plastik, dessen Inhalt sich gleich über mich ergießen würde, schwebte es in giftig-grüner Farbe auf mich zu. Ich spürte, dass ich diesmal die Angst vor diesem Unvorhergesehenen und Unberechenbaren abstreifen konnte wie einen alten ausgefransten Mantel, der längst in Müllcontainern hätte entsorgt sein sollen und doch immer wie eine zweite Haut für mich gewesen war, die wärmte, schützte und mich versteckte und nun wohl seine Aufgabe erfüllt hatte.
Ich brauchte ihn nicht mehr, und in meiner rundlichen Nacktheit, die blass und matt in die Nacht hinein leuchtete, mischte sich ein unbeschreibliches Gefühl zwischen Frösteln und Erhitzsein, und gleich öffnete ich ein Fenster und badete im Mondlicht. Es war ein Fließen in mir, das sich einschwingen wollte in die Natur dieses Vorfrühlings, in dem die Bäume und Sträucher erwachten wie aus einem hundertjährigen Schlaf, und alles war wie neu.
Darüber vergaß ich, was über mir schwebte, und der offensichtliche Mangel an Beachtung meinerseits führte dazu, dass sich das Gefäß, ohne seinen Inhalt über mich verschüttet zu haben, in Luft auflöste und nur etwas phosphoreszierendes Licht blieb, dass sich in meinen Augen spiegelte, die ich im Fensterglas sah und die wirkten, als seien sie im intensiven Dialog mit Mond und Sternen.


Wenn die Nacht weicht

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 20 Jan, 2008 @ 13:00

Und wieder erwacht ein neuer Morgen. Die Nacht löschte die Spuren, die von gestern übrig geblieben waren. Stunden, unschuldig und weiß wie ein leeres Blatt Papier breiteten sich vor mir aus. Das Morgenrot in seiner Pracht verschluckt die Frage nach dem was wahr ist oder Lüge, auch die Schatten, die manche Ereignisse zu hinterlassen belieben. Dieser Moment, wenn am Horizont der erste Schein des Morgens erblüht, wer nur denkt in diesem Augenblick erhabener Schönheit noch an die Nacht? Ich nicht! Ich lebe diesen Augenblick, erfreue mich an der Stille, die nur vom Gezwitscher der ersten Vögel unterbrochen wird, während aus meinem Backofen der Duft nach frisch gebackenem Brot zu mir herüber weht und die Kaffeemaschine drachengleich faucht.
Meine Lieben sind heute Langschläfer, und ich dankbar für diese Stunde für mich, bevor der Tag mit seinen Ereignissen meine Ruhe wieder durch einander wirbelt.


Von den Sternen 2

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 29 Dez, 2007 @ 14:20
In die Seele haben sich Sterne geschlungen während der Mond hinter den Wolken verschwand. Ich halte die Worte in der Hand, die sich gebärden wie kleine Kinder, die noch die Wahrheit sprechen.
Sie entschlüpften mir und gaben den Sternen ihre Sprache zurück. In ihrer Wortmelodie liegt etwas unverfälscht Klares und die bittersüße Sehnsucht nach dem Leben selbst. Es kommt zurück aus den Zeiten vor der Zeit, und es liegt in ihr der erste Funke eines Feuers; das kühle Fächeln des Windes; das Rot unverbrannter Erde und das Wispern und Raunen einer Quelle tief unter dem Gletscher.
Was fange ich an mit diesem Lied, dass mich zu den Wurzeln zurück kehren lässt? Ich folge den Tönen bis auf den Grund des Meeres, wo in Neptuns Reich kleine Fische im Korallenriff spielen und der Wassermann auf seine vielgestaltige Geliebte wartet.


Von den Sternen

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 29 Dez, 2007 @ 00:27

Heute nehme ich das Schweigen an die Hand und gehe hinaus unter den nächtlichen Himmel. Die Sterne, meine Geschwister haben mich gerufen. In der Stille hat sich ihr Klang verirrt. Durch die Zweige irrend, sucht er ein Gehäuse, um groß zu werden und voll, wie der Mond vor ein paar Tagen, damit sich erfüllt, was jenseits der Zeit versprochen war.
Ich öffne mein Herz, das sich dreht und weitet wie ein spiraliges Schneckenhaus aus schimmernden Perlmutt und lasse die Töne hinein, damit wahr wird, was sein soll und Erfüllung sich im stummen Lächeln besiegelt.



zwischen tag und nacht 7

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 18 Dez, 2007 @ 23:15


die nacht ist weise.
sie lehrt, die schatten nicht zu fürchten
ihnen ins gesicht zu schauen.
angst kann man benutzen wie ein schwert
wenn du dich traust zu sehen.
im rücken ist sie ein unbarmherziger verfolger
wird riesig groß.
ihr raubtiermaul geifert nach dir.
unstillbar, die gier
ein schlund zur hölle öffnet sich
droht, dich zu verschlingen.
wenn du deinen sinnen traust
wird sie klein
schrumpft
bis du den umriss siehst und weißt
wie das messer zu führen ist.

ich weiß um diesen augenblick
in dem die wogen über dir zusammen schlagen
und panik dich nach unten zieht.
wehre dich nicht
die wellen tragen dich nach oben


Bilder!

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 14 Dez, 2007 @ 20:27
Ich liebe Gewürze.

Vielleicht war ich in einem anderen Leben Gewürzhändlerin. Manchmal sehe ich Bildfetzen vor meinem inneren Auge - eine südliche Stadt, der Hafen, Fischerboote und eine junge Frau im langen Kleid mit schmaler Taille. Der Ausschnitt ist züchtig. Dennoch ahnt man, wenn sie sich bückt, ihre alabasterfarbenen Brüste, die glatt und rund herausschauen und nach echter Vanille duften.
Das Kleid ist blau und betont die birnenförmigen Hüften. Überhaupt die Frau, nennen wir sie mal Marie Therese, sieht sehr patent und lebensnah aus. Die Haare trägt sie unter einer Haube. Im herzförmigen Gesicht sind die Lippen voll und die Nase, etwas lang, streckt sich keck in den blauen Himmel hinein. Dunkle Augen - intelligent - schauen ernst, aber sie weichen dem Blick nicht aus. Die Frau hat Präsenz, stellt etwas dar. Die Bewegungen sind fest, knapp und gezielt. Beim Gehen wiegt sie sich in den Hüften, wie eine biegsame Birke. Zwei kleine Mädchen, etwas vier oder fünf - mit dunklen Zöpfen und Mandelaugen folgen ihr auf Schritt und Tritt.
Es wird nicht deutlich, wohin sie geht oder woher sie kommt, und auch ihre Stimme bleibt stumm.
Sie trägt einen Weidenkorb, gefüllt mit Kräutern, Gewürzen und Spezereien.


Leer - Tage

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 17 Nov, 2007 @ 19:30
Bei mir geht heute gar nichts - kann keinen einzigen Gedanken festhalten.

Ich denke an Teppiche und die Verknüpfungen; an Netze und Fische, die durch die Maschen des Netzes fallen - vielleicht ein Loch?
Durch dieses Loch sind gerade meine Gedanken gepurzelt, und nun segeln sie zum Grund des stillen Sees. Vom Himmel fallen vereinzelt Flocken und streifen spitz meine Nase. Ich lasse etwas Zucker in den Tee rieseln und rühre - es knirscht - und ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn ich einen Riesen-Teelöffel hätte und den Grund des Sees damit auf wirbeln könnte, so lange, bis meine Gedanken wieder nach oben steigen würden - so lange bis der Sturm im Wasserglas meine ganze Konzentration schlucken würde.

Eine Frage wäre nur: was alles würde mit aufgewirbelt?


verwunschene jahre

Gedankenstückwerk, Lyrische Gedanken und goldene Äpfel — geschrieben von findevogel am 7 Nov, 2007 @ 19:14
ich sah in den spiegel, erkannte schnee in den augen
der schnee eines blütenjahres, dass ohne reife blieb.
konnte es sein, dass die kirschen mir ihre süße verweigerten
nach der ich gurrte, wie eine verliebte taube?
weil in alten büchern geschrieben stand
dass einmal der sommer geopfert werde
um den herbst aus deinem kastanienbraunen haar zu rauben
und mit ihm alle farben und das licht für eine lange weile.
auf das die zeit aus dem NICHTS heraus alles neu gestalte
und im kreativen prozess sich zukunft traut
es ist schnee von gestern
der schmilzt und über die wangen fließt
und rastlos seinen weg findet
in eine neue zeit jenseits aller begrenzungen.


Du sprichst von der Zeit

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 21 Okt, 2007 @ 00:23
Liebe Nachtigall;

weißt du, es klingt alles nach Abschied und Beenden - nicht mehr Sommer und noch nicht Winter - etwas im Niemandsland.
Ich habe das Buch "Alice im Wunderland" nie gelesen, kenne etwas davon nur aus zweiter Hand, aber sie, Alice, muss im zeitlosen Niemandsland gewesen sein.
"Was ist Zeit," fragt Marie und lässt sich in die zeitlichen Zwischenräume fallen.
"Was ist Zeit?" fragt Lea, und träumt sich zurück an jenen warmen Nachmittag an der Autobahn.
"Was ist Zeit?"
schreit Leander gegen den Wind und stürmt den Wellen entgegen, um die Zeit einzufangen.
"Was ist Zeit?"
fragt Knut sich schon lange nicht mehr. Er verliert sie einfach in den italienischen Nächten.
"Was ist Zeit?" fragt sich auch Olga, und zählt an den Fingern ab, wie viele Jahre es nun sind, die sie fern ihrer Heimat lebt ,und sie träumt von frostklaren Tagen und Schneeverwehungen.
„Was ist schon Zeit,“ fragt Flores seine Freundin Bela von Rosenhaag,
„Zeit hat keine Bedeutung hinter den Worten.“
Und Jule, die sich immer noch nach Konrad sehnt, ihr wird die Zeit lang.

Ich habe gestern - in Gedanken - in deinem Cafe mit Blick auf das Meer gesessen, an dem kleinen runden Tisch, von dem du erst heute erzählt hast. In Gedanken bestellte ich Caffe` und Brioche - und fragte mich, was wohl Genueser auf ihrem Brioche essen - genauer gesagt, es mir vorgestellt - und an dich gedacht, während ich Olga erdachte und darüber nach sann, wer sie ist, und was die Zeit aus ihr gemacht hat. Verrückt!
Wo bin ich in dieser Zeit gewesen? Und du? Diese Zeit, die Gedanken verbindet ,ist nicht zu messen.
War es die Zeitlosigkeit von Seelen, die sich schon seit Ewigkeiten kennen?



Einfach sein!

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 11 Okt, 2007 @ 22:03
Die Küche ist ihr liebster Ort. Oft in ihren Mussestunden sitzt sie allein am großen Holztisch, das Schreibzeug vor sich, und hört Radio. Gerade spricht eine Frauenstimme des lokalen Senders über die Zunahme von Gewalt an den städtischen Schulen. Vor dem Fenster wächst ein Apfelbaum. Damals, als das Haus gerade gebaut war und zum ersten Mal Frühling wurde, hatten sie ihn gepflanzt. Das ist nun schon eine Weile her. Jetzt ist Herbst. Die letzten Früchte sind geerntet. Sie schaut gerne in das lichten Laub, sieht in diesem Augenblick gerade noch aus dem Augenwinkel heraus, dass milkyway in den Baum geklettert ist. Ein paar Kohlmeisen fliegen hoch. Es knackt in den Zweigen, und plötzlich - sie muss lauthals lachen - purzelt ihr alternder Liebling vom Baum. Noch im Fallen - ein Bruchteil von Sekunden - dreht er sich so, dass er unbeschadet auf seinen Pfoten landet.
Sie geht zur Haustür, entriegelt und betritt den Vorgarten, der im Mittagslicht flirrt. Wie das Laub unter ihren Füßen raschelt. Und dieser herbe Geruch, der sie melancholisch stimmt und an die Vergänglichkeit aller Dinge erinnert. Sie bückt sich, um die Katze zu streicheln. Aber milkyway rennt an ihr vorbei und flüchtet ins Haus.
Ein paar Minuten später sitzt sie mit einer Tasse Kaffee am Küchentisch und genießt die Stille der Mittagsstunde. Wie einfach das Leben doch sein kann, denkt sie.


Traum und Wirklichkeit

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 10 Okt, 2007 @ 21:54
Nichts ist so, wie sie es sich erträumt hat, und doch ist es mehr, als sie erwartet hatte. Sie kennt den Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit.

"Weißt du," sagt sie zu milkyway, der grauen Tigerkatze,
"dazwischen ist mehr als viel - alles!" und sie lächelt und strahlt.

Sie streichelt die Katze und sät ein Samenkorn in den roten Blumentopf. Während sie aus dem Fenster schaut, schwebt ein gelbes Blatt vom Apfelbaum.
"Dazwischen ist alles - die Fülle. Traum und Wirklichkeit," das ahnt sie schon lange," gehören zusammen, wie Tag und Nacht."
Die Katze schnurrt laut und streicht um ihre Beine. Ihr ist warm ums Herz, und sie freut sich über den Augenblick.


Zwischendurch gedacht 30

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 10 Sep, 2007 @ 18:47


Von der heilsamen Wirkung des Lachens

Vielleicht - liebe Blogger und Bloggerinnen - haben wir nun das Ende des Tunnels ja bald erreicht - und die Sonne gießt wieder - gefiltert durchs Blätterdach unseres imaginären Zauberwaldes - ihr Licht gleichmäßig über uns aus. Schön, wenn für eine Weile alles wirkt, als sei es aus Gold. Alle Gesichter, auch die der ewig Unzufriedenen, der Naiven und Liebenden; der Verzweifelten, der Rebellen der Trotzkinder -sind nun weich gezeichnet, staunen und freuen sich an dem Wunder des geschenkten Sonnentages. Ein helles Lächeln huscht über die Gesichter in diesem Augenblick.

“Hey, ich schau dir in die Augen und lache über mich selbst.“
„ Kannst du diesem Lachen etwa widerstehen? Nein! Ich sehe das Funkeln in deinen Augen.“
“ Komm, nun lach endlich mit. Lass es raus, wie einen Schwarm Vögel, der plötzlich zwitschernd aus dem Gebüsch hervor bricht.“

Wenn wir lachen, lösen sich alle Spannungen, und wir öffnen uns - ganz ohne Anstrengung - neuen Blickwinkeln und Möglichkeiten, die schon längst wie Pilze im Schatten der Bäumen ihr Eigenleben führen und zwischen dem Moos wuchern.




 (weiter)

zwischendurch gedacht 29

Gedankenstückwerk — geschrieben von findevogel am 18 Aug, 2007 @ 22:41
Eigentlich ist Liebe ganz einfach:

es geht nur darum, sich selbst zu erlauben, lieben zu dürfen - es zuzulassen - und darum, die Angst vor Zurückweisung nicht so groß werden zu lassen, dass sie das Lieben verbietet.
Nicht der Angst die Zügel in die Hand zu geben, sondern den Gefühlen. Sich einlassen auf einen Menschen, so wie er ist, das ist nicht einfach, aber wir haben ein ganzes Leben, um zu üben.
Liebe, die nicht fürchtet zurückgewiesen zu werden, kann auch nicht verletzt werden.
Ist die Liebe abhängig von ihrer Erwiderung? Wir wünschen uns Erwiderung. Wir erhoffen sie. Aber schon als Kind lernten wir, dass nicht alle Wünsche sich erfüllen.
Wird die Liebe nun wertlos, nur weil sie nicht erwidert wird, weil die Resonanz ausbleibt, oder weniger heftig ausfällt? Es tut weh, ja, es schmerzt, aber irgendwann erholt sich das Herz.

Nicht mehr zu lieben, wäre eine Konsequenz der Angst, die uns letztlich selbst beschneidet und das Leben verbittert, bis wir alles Licht in uns gelöscht haben. Vielleicht übernimmt dann der Geist das Zepter - seelenlos und ohne Herz.

Man kann der Welt einfach liebend begegnen, das heißt, das Positive und Helle sehen, auch da, wo Schatten sind, anstatt in jeder Suppe ein Haar zu suchen.
Es kommt auf den Blickwinkel an: ist das Glas noch halb voll, oder ist es schon halb leer?
Jeder Tag, an dem ich geliebt habe, ist ein guter Tag.
Es fühlt sich unabhängig vom Gegenüber gut an, wenn es glücklich fließt und strömt in den Adern.

Wenn wir zum Beispiel die Natur lieben, sie uns durch ihr Dasein glücklich macht, inspiriert, Muse ist, wenn sie stille Momente des Einsseins schenkt, ist es dann wichtig, ob sie uns zurück liebt?


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