findevogels fundstücke

Herbstbunt

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 21 Sep, 2009 @ 13:09
 
 
 
 

in den blättern
entzündet sich feuer
mitten im grün
sagt der sommer ade
im nebel am morgen
kündigt der herbst sich an
altweiberfäden glitzern silbern
zwischen tau und tag


lichtgrün

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 28 Mär, 2009 @ 07:06


ich sehe die weiden am see erwachen. zarte durchsichtige schleier kleiden sie frühlingsgrün. im wind gleichen sie den bräuten, die morgen in gläsernen schuhen auf der eigenen hochzeit tanzen werden. unbeholfen und ungeschickt neigen sie - backfischen gleich - ihr haupt vor dem, was sie nur ahnen, was aber längst in ihnen fest geschrieben ist.
nichts vermögen sie zu verbergen vor neugierigen blicken. unter dem grünen flaum lassen sich die strukturen der zweige nicht verbergen. die zeit steht still für eine weile voll unschuldiger grazie, bevor das leben sie raubt und vollendet. dieses zögern noch an der schwelle, ein übergang.


jenseits der hecken

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 27 Mär, 2009 @ 17:58
jenseits der hecken erstreckt sich das feld. über nacht haben die braunen furchen pastellfarben bekommen. der frühling schaute von oben zwischen den wolken hervor - aus einem jener winzigblauen fenster. er sah, dass es zeit ist. zaghaft noch streute er grün, und in die hecke eine handvoll rose, zwei hände weiß und viel sonnenblumengelb. selbst die tristen langweiligen genossenschaftssiedlungen am rande der stadt, wo über dem unrat zwischen den häusern die ratten spazieren gehen, sehen verzaubert aus, heute. der frühling malte ihnen hoffnungsschimmer. für einen augenblick lächeln die grauen bewohner, wenn sie hinter der gardine am fenster stehen und hinaus schauen. auf die kurzgeschorene wiese, haben sich kleine narzissen verlaufen und klingeln gelb mit ihren glocken.
ein bettler geht durch die reihen der bahn und bittet - ziemlich zitterig - um eine kleine spende. er trägt eine fahne von ungelüfteter gleichgültigkeit hinter sich her. seine augen haben längst der sternenblick verloren. die jacke, die lose um seine schultern liegt und sich aufzulösen beginnt, stammt aus achtlos beiseite geworfenen säcken zwischen den altbaukasernen. fasst vermeint mein auge winzige tierchen darin zu sichten, die emsig und geschickt die fäden auseinander drehen und so dazu beitragen den verrottungsprozess zu beschleunigen. für einen augenblick frage ich mich erschauernd, ob die jacke wohl aus lebenden tierchen besteht.
ein alter herr mit hut - sehr gepflegt - grüßt eine dame im nerz, die weiße stiefel trägt und einen gefochtenen grauen zopf, und auf der anderen straßenseite geht. sie sind am friedhofstor verabredet, das ein machtvoller engel bewacht und werden - nachdem die gräber besucht und mit frühlingsblumen geschmückt sind, im helga´s bistro auf der ecke bei kaffee und kuchen über gott und die welt reden, auch darüber, dass die enkel sich nicht mehr anstrengen mögen.
jugendliche hier und da mit stöpseln in den ohren. es ist noch früh am vormittag. ob sie schon schulfrei haben.
über allem zwitschert eine amsel, und die katze nebenan steht vor der tür und maunzt. sie will rein, denn ihr ist kalt. nur ab und zu blinzelt die sonne


Morgen-Impression am 19. März

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 19 Mär, 2009 @ 18:02

 

 

groß wie ein Riese
noch kahl
legt sich der Baum als Schatten
ins frühlingsgrüne Gras
Erste Gänseblümchen
schmücken die verzweigten Arme
und eine Amsel hüpft
ein Grashälmchen im Schnabel
wie auf einem Steg
über den Stamm
hast du das Licht gesehen
Gertrude
zwischen den langen Schatten?
Und den kleinen Hund, so wuselig
der sein Beinchen hebt
am Bordsteinrand?


Es wird Zeit....

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 8 Mär, 2009 @ 15:50

 

und Regen fällt in Silberfäden
aus graubewölkten Schleierhimmeln
nichts lässt heut Blau durch Ritzen blitzen

 ***

es hoben Schleier sich vom Wolkengrau
und legten frei das Himmelsblau
wie Seide leuchtet nun der lichte Tag

 ***

ein kurzer Blick ins Frühlingsblau
gewährte mir der Himmel heute
jetzt schließen sich die Schleier wieder
 
foto: Gänseblümchen; sueschi ( www.pixelio.de)

 


Der Frühling kommt

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 27 Feb, 2009 @ 14:50

Rainer Maria Rilke: Das Rot der Rosen
an Nanny Wunderlay-Volkart, 24. Februar 1920

 

"Dieses Hereinwirken der Jahreszeit

Fliegen sieht man eigentlich nichts, aber es piept und stimmt an und übt, der Sonntag war von der strahlendsten Wärme, meine Fenstertür stand offen bis in den Abend hinein und zum ersten Mal empfand man dieses Hereinwirken der Jahreszeit ins merkwürdig erweiterte Zimmer, das Raum von draußen her -
einnahm, statt sich, wie bisher, um die Ofenecke zusammenzuziehen.Da war schon eine von den dunkleren Vogelstimmen dabei, eine reifere, schon innerlich gesungene, die zu den anderen sich verhielt wie ein Gedicht zu ein paar Vokabeln-, wie glänzte sie zu Gott, schon, schon, wie gläubig war sie, wie von sich selber voll, eine Liedknospe noch in den Deckblättchen ihres Klanges, aber schon bewußt ihrer unaufhaltsamen Fülle, vor-seelig und vor-bang. Oder eigentlich, die Bangheit war schon völlig in ihr, der gemeinsame Schmerz der Kreatur, der sich nicht theilen läßt und der genau so ein-fältig ist, wie drüben, jenseits aller Überwindungen, die Seligkeit."

Für die Tagesmitte am Morgen erdacht

 

Ich kann es mir bildlich vorstellen, wie sich der Frühling im zarten Nebelgewand lautlos aufs Sims schwingt und leichtfüßig zum offenen Fenster hinein klettert, um in den verwinterten Raum zu springen. Sein luftiges Esprit breitet sich im Raum aus und macht ihn weit, wie auch mein Herz, dass sich ihm entgegen wiegt.
Es wird hell und licht, während plötzlich der Geruch von Holz und Grün aus dem Baum vor meinem Haus zu mir hinein getragen wird. Zweige des Apfelbaums scheinen die Mauern zu durchbrechen und mich wie ein frisches grünes Dach zu behüten. Vögel zwitschern darin um die Wette. Auch Stello Negro, mein steter Gast, der Amselmann, blinzelt mir zu mit den schwarzen Knopfaugen, die einen gelben Rand tragen. Er weiß auch ohne Gedanken, von was er singt, und wie er aus der Fülle seiner musikalischen Kehle für mich schöpfen und mein Herz berühren kann. Fern von hier antwortet das Weibchen oder vielleicht der Konkurrent im Kampf um die schönste Amselfrau.


Ende Januar!

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 31 Jan, 2009 @ 20:23

noch klingt und klirrt eis
im winterlichen geäst
doch bald schon fließt es

 

foto: hhsow( www.pixelio.de)


Der Stern rückt näher

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 14 Dez, 2008 @ 11:00
 
 
 
schon ahnen wir seine magische Macht
in den Herzen sind wir Kinder, die Licht suchen
den Engeln ähnlich, wachsen uns Flügel
 
 
Foto: www.pixelio.de (albi84)
 


Vom Fluss verschleppt!

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 14 Nov, 2008 @ 16:13

 

Der Fluss hat mich heute Nacht in eine sandige Bucht geschwemmt. Zwischen den Wurzeln einer ausladenden Weide hänge ich fest.
Ziel erreicht, vorläufig!
Langsam aber sicher wurde mir dieses "Mitgerissenwerden" zu viel.
Kein Halt in Sicht und Schwindel im Kopf.
Wie soll man da noch nachdenken können?
Und gesehen habe ich nichts, denn alles ist viel zu schnell gegangen.
Da war nur tosendes wirbelndes Wasser. Der Wind schrillte mir in die Ohren.
Jetzt darf ich ausruhen und den Platz betrachten, an dem ich nun stehe.
Gerade besuchte mich eine Möwe. Sie erzählt vom fernen Meer und einer Insel mit roten Felsen und von der Sehnsucht nach neuen Reisen.

Und ich bin glücklich, dass ich bleiben darf an diesem Platz zwischen den Wurzeln der Weide, die mich festhalten.
Wenn der Frühling naht und die Schneeschmelze das Wasser hochsteigen lässt, dann gehe ich gern wieder auf Reisen, wohin auch immer der Fluss mich trägt.

 

 


Wie es tropft und rinnt an einem Septembertag

Fundstücke, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 15 Sep, 2008 @ 10:58
 

 

Ich steh am Fenster und schau hinaus. Das Wetter kündigt den Herbst an. Noch nehme ich es gelassen, werde ruhig, mit jedem Tropfen mehr. Es trommelt auf mein Dach, und der Rhythmus des prasselnden Regens hypnotisiert mich fast. Eine heitere Gelassenheit zieht in meine Seele ein, das Herz, im Schlag verlangsamt, findet Ruhe. Über graue gleichförmige Wege nach innen öffnen sich bunte Räume. Heute muss ich nichts tun. Ich darf zu Hause bleiben und dem Regen lauschen.

foto: oldbasti (www.pixelio.de)

 


Zusammen geflickt und elastisch verbunden

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 5 Sep, 2008 @ 21:25


Ich kann die ländliche Prägung in mir nicht verstecken. Ich liebe sanfthügelige Landschaften, in denen sich Felder, Wiesen und Gärten wie Patchwork aneinanderreihen. Dazwischen etwas Nadel-und Laubwald und Hecken.
Wenn ich alte Gartenzäune, aufgestellte Korngarben und ordentlich geschichtete Holzstapel sehe, dann bin ich so gerührt, dass es kaum zu fassen ist.
Und meine besondere Liebe gilt den echten Vogelscheuchen - nicht den Deko-Figuren, die im Herbst plötzlich unpassenderweise überall aus der Erde schießen - nein die, die nur noch selten zu finden sind. Ach ja, und das ganze ländliche Vieh - vom Schwein, über das Schaf bis hin zum Federvieh.
Wenn Erntezeit ist, will ich Marmelade kochen, Mixed Pickles einlegen und Vorratshaltung halten, wie zu alten Zeiten, als es noch keine TK-Kost gab - ganz zu schweigen von Fast-Food - und sich stattdessen in der Speisekammer die Regale bunt füllten.

In alten Obstgärten fühle ich mich wie im heiligen Hain. Und auf den Heuschobern erst, da verliere ich mich im Duft vom trockenen Heu, nur der Staub ist etwas unangenehm. Immerhin habe ich das bei unseren Kaninchen im Kleinformat.
Ich bin verrückt, wo ich doch schon fast mein ganzes Leben in der Stadt lebe, noch immer diese aufkeimende Sehnsucht nach dem bäuerlichen Leben auf dem Lande, so als weigere sich in mir etwas ganz entschieden dagegen in der Stadt und in diesem Jahrzehnt anzukommen.
Bestehe eben selbst aus dreidimensionalem Patchwork und Flickwerk.



foto: knik
www.pixelio.de


Auf solchen alten Strommasten saßen früher, als ich ein kleines Mädchen war und mit vielen Menschen in einem Bauernhof auf dem Lande lebte, um diese Zeit die Schwalben. Sie sammelten sich für die große Reise. Die Ernte war eingefahren. Es wurde stiller und morgens erzählten die ersten Nebel vom Herbst

 


Unter dem Sternendach

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 31 Aug, 2008 @ 11:46

In der Nacht waren die Sterne so nah. Fast konnte man der Versuchung erliegen, nach ihnen zu greifen, als seien sie kostbare Geschmeide, die den Abschied vom Sommer verschönern wollen. Einzelne Sternbilder ließen sich selbst am städtischen Himmel gut erkennen. Bis in die Nacht hinein saß ich ins Gespräch versunken auf meiner kleinen südlichen Terrasse unter dem Blätterdach von Haselnuss, Holzapfel und Holunder bei Rotwein, Brot und Oliven.
In den letzten Wochen bin ich reich beschenkt worden. Neue Erfahrungen, die ich machen durfte, haben mir dabei geholfen, viel Ruhe in mir wieder zu finden.
Es gelingt wieder, ruhig zu bleiben und die Dinge geschehen zu lassen. Da ist eine tiefe vertrauensvolle Sicherheit, dass ich in guten Händen bin und mir selbst mein bester Lehrmeister bin. In den inneren Räumen ist alles was ich brauche, um ohne Angst und Eile abzuwarten, was noch kommen wird. Türen öffnen sich und die Sterne, auch wenn sie nicht zu fassen sind, verlöschen nicht.


Der dumme August

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 28 Aug, 2008 @ 22:47

Herr August ist noch nicht gegangen. Aber man sieht ihm die Müdigkeit an. In den letzten Tagen ist er arg gealtert. Viel verloren hat er hier nicht. Er hat es sich ziemlich einfach gemacht - ein Luftikus, dem es gleichgültig ist, was der Sommer von ihm erwartet.
Er steht nun an der blauen Tür und lauert. Aber auf was? Seinen dicken Bauch hat er in einen weißen Anzug mit großen Taschen gezwängt.
Es könnte ja sein, dass Madam September - mit ihrem Schleier aus silbernen Altweiberfäden - es eilig hat und für einen winzigen Augenblick neugierig die Türe öffnet - nur einen Spalt.
Bestimmt lauert der dumme August auf eine Chance, sich dünne zu machen. Das würde haargenau zu ihm passen. Ich glaube aber, dass er das nicht schafft - wollen wir wetten?

denn er hat seine Fülle vergessen und ahnt nichts vom spitzfindigen Elan alter Weiber.


Sommerzeiten 7

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 10 Aug, 2008 @ 23:31

In den Träumen sommerlicher Nächte ist es schwül. Zwischen den Lenden klebt der Schweiß und im Nabel sammelt sich Feuchte, gleich einem Minisee, der über die Ufer tritt. Rinnsale fließen unter den blassen Brüsten und zwischen die Zehen hat sich ein Kribbeln verzogen. In verschwitzten Laken fangen sich Träume so schwer, nur diese Lust bleibt, das Leben zu vertilgen mit Haut und Haaren ohne je satt zu werden.
Schemen geistern durch die Nächte und ihre Gesichter tragen verwischte Züge. Wer bist du, frage ich dich? Doch schon bist du entwischt zu all den anderen Gestalten hinter der Bühne. Ich fühle mich geprellt, denn das Bühnenstück wurde mir vorenthalten.
Was seit ihr nur für miese Spieler? Mehr Sein als Schein.
Tröstend und besänftigend streichelt der Wind meine erhitzte Haut.


sommeroasen 1

Jahreszeitliches, Lyrische Gedanken und goldene Äpfel — geschrieben von findevogel am 15 Jul, 2008 @ 17:47

der wind kreiselt und wirbelt um mich herum, zerzaust mein haar, nestelt an der luftigen kleidung. die haut ist sonnentrunken. ich sitze im schatten und höre dem wispern der blätter zu. es ist ruhe und gelassenheit in mir an diesem sommertag, an dem die zeit stehen bleibt und mir bunte tagträume schenkt. ein buch entgleitet meinen händen. ich trinke etwas kühles wasser und schließe die augen. in meinem kopf wachsen silben, blühen worte, reifen sätze, die sommerklang tragen und große schatten werfen. essenz vieler sommer verdichtet und verwoben mit blumenduft. dazwischen funken lichtreflexe unter den lidern - sonnenpunkte. ein lächeln wandert durch die welt - vielleicht gar von mir zu dir. ich horche in mich hinein - es fließt zwischen fingerspitzen und zehenkuppen - alles im fluss - auch im rechten ellenbogengelenk, wo es noch schmerzt.


sommerzeiten 6

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 13 Jul, 2008 @ 02:22

der regen schmückte das gras
mit lichten diamanten
und die luft
ganz weich gespült
berührt zärtlich kühle haut
die erde atmet dunst
aus und ein

ich geh dir entgegen - langsam
das lächeln wird größer, groß, strahlend
koste den augenblick - auge in auge
unter bebenden lippen
bis arme mich umfangen
im veilchenblau


Fragmente 1

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 14 Mär, 2008 @ 23:13
Es geht dir nicht gut. Auf deinem inneren Acker sind die Furchen aufgebrochen. Du spürst die Jahreszeiten im Blut - wieder ein neues Beginnen - zwischen den braunen Schollen sammeln sich Krähen. Worauf warten sie?
Fern vom Fluss nähern sich Möwen, denn es wird schon gesät.
Du bist lustlos, hast schon so viele Jahre hinter dich gebracht, bist jedem Frühling mit offenen Armen entgegen gelaufen.
Vor deinem inneren Augen gräbt sich eine Grube in den Acker. Was wird sterben, fragst du dich, und was wird neu geboren?


Der letzte Februartag

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 29 Feb, 2008 @ 21:23

Du, weißt du was ich heute sah, als ich wieder einmal mit der S-Bahn von Nord nach Süd fuhr?
Unter einem bleifarbigen Himmel, auf dem vereinzelt rosige Flicken saßen, trugen die Bäume Schleier. Besonders die biegsamen Birken sahen aus wie junge Bräute, die beginnen, sich für den Liebsten zu schmücken und dabei das Tanzbein schwingen. Und zwischen den alten verrotteten Gleisen ein einzelner Stamm mit zarten weißen Blüten im Geäst, wie eine Wolke aus Schnee.

 (weiter)

In diesen Nächten

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 28 Feb, 2008 @ 23:58
Nachtmahr


In der Nacht
schleicht sich Frösteln
über schlafwarme Haut
und Tränen

Geschöpft aus unterirdischen Brunnen
und tausendundeinem Traum
gefrieren zu kleinen Perlen aus Eis

Feingeschliffene Diamanten
die im Morgenlicht funkeln
und zu zittern beginnen
wenn die Amsel ihr Hochzeitslied singt

Hörst du den Nachtvogel, Liebster?
Es ist Zeit!
Der Winter will nicht weichen von mir.
Ich erfriere in seinem Arm
und das Frühlingsfieber deines Blutes
wärmt mich nicht mehr.


Zeit für Frühlingszeilen

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 24 Feb, 2008 @ 22:50

früh in diesem jahr

tauwetter und glitschige wege
auf denen man ausgleiten kann
wenn duftveilchen
viel zu früh schon erblühen
und der krokus fast wieder schläft
im februar
wo
sind schneeglöckchen und märzbecher geblieben?
keine zeit
denn schon grünt die hecke
und heute sah ich kraniche
auf dem weg in den norden
einmal mehr spüre ich zeitbrüche
und stunden, die marathon laufen
ich komm nicht mit
und hinke einstweilen
der zeit hinter her


Jahreszeiten

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 9 Feb, 2008 @ 16:59

In diesen tagen 4

wie kleine sonnen
blinzeln blütenköpfe gelb
aus wintermüdem gras
in den hecken wispert es wieder:
ein neuer ton zum alten lied
der zwischen zweigen
wie ein vogel zwitschert
und leise knackt
dort im gebüsch


Gestern!

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 15 Jan, 2008 @ 09:55

War es gestern zwischen den Stunden, in denen der Himmel unerwartet aufriss? Ein Aufatmen ging durch die Welt, schwer erst und tief, immer leichter werdend, bis der Bach mir sein silberhelles Murmeln schenkte und das verbliebene Rostlaub messingfarben aufleuchtete. Im glitschigen Laub der Wege hier und da - kantig und spitz - silbergrauer Schiefer.
Plötzlich war es Frühling mitten im Winter, und ich atmete durch - befreit - als berge sich in den dunklen Nachrichten eine lichte Botschaft, die von Wende sprach, von Ausbruch. Und ich umarmte den Himmel, spiegelte mich im Bach, tanzte mit dem Wind.
Das Aufleuchten in meinen Augen hätte dir verraten müssen, dass ich niemals aufgebe. Und später in der hohen Kathedrale mit den vollkommenen Glasfenstern fand ich Ruhe und eine winzige Nische, um bei mir zu Hause zu sein.


Winterwege 1

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 15 Jan, 2008 @ 09:52

Wind bläst
durch unsichtbare Ritzen
kühl
im Aufflauen ein Hauch Rosa am Himmel
es atmen Baumriesen
zum silberhellen Singen im Ohr


Zeitreisen 2

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 10 Jan, 2008 @ 22:41
Der Wind hatte den Föhn gebracht. Mitten im Winter berührte ein südlicher Atem meine kältegewohnte Haut mit einem zärtlichen Schauer. Die federleichte Berührung weckte etwas. Etwas schon vergessen Geglaubtes. Ein Lächeln, von einem Menschen, der einmal kurz den Weg gestreift hatte, und der meinen Namen auf so besondere Weise ausgesprochen hatte. Für einen Moment begegneten sich die Blicke zweier Augenpaare - kleine schreckhafte Tiere, fluchtbereit, aber in ihnen die Tiefe des ganzen Universums.
Kann man für immer lieben, in einem kurzen Augenblick?
Es muss Frühling gewesen sein, denn gerade öffneten sich im Garten hinter der Hecke die Apfelbaumblüten, das Gras war so grün, und das Blut in den Adern floss leicht wie ein murmelnder Bach im Gebirge.

Was fehlte in jenem Moment für ein längeres Begegnen? Ein Schlüsselwort zu inneren Räumen, der Mut oder war es die Angst vor so unbegreiflichen Nähe, die es verhinderte?


Zeitreisen 1

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 9 Jan, 2008 @ 11:53

Das neue Jahr ist noch jung. Gemessenen Schrittes geht es voran - langsam, achtsam, vorsichtig - mit diesem Blick nach vorn aus einem Kopf, der undeutlich noch - einen Heiligenschein trägt.
Zwischen die Sekunden der graublauen Tage hat etwas Sternenstaub gestreut, oder ist er aus den Zweigen des grünen Baumes gefallen, der seiner Kugeln und Kerzen beraubt nun die Nadeln verliert?
Meiner steht noch.
Ich gebe ihm eine Gnadenfrist. Und wenn ich ihn am Abend entzünde, ist es mir, als könne ich die Zeit anhalten, um in den Gedanken nach zu holen, was in der Hektik der diesjährigen Adventszeit stecken geblieben ist.
Es ist wie ein Nachreifen, um wieder mithalten zu können mit der Zeit, die spätestens wenn die Krokusse blühen wieder beginnt zu rennen, als sei der Teufel hinter ihr her und nur mit größtmöglicher Geschwindigkeit zu verhindern, dass man etwas lebenswichtiges verpasst.

Früher, als ich ein Kindwar und es noch nicht überall Heizung gab, blieben die Christbäume bis Lichtmess stehen.


dem winter erzählt

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 8 Jan, 2008 @ 23:43

sie tragen licht in den spitzen
der schleiernden zweige
die weiden
und erzählen vergoldet vom frühling
schau, wie sie bedächtig die köpfe wiegen
als lauschten sie dem inneren treiben

 (weiter)

Dreikönigstag

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 6 Jan, 2008 @ 13:03


Es war der neue Tag, der die Zeit wieder ins Lot brachte.
Wie ein Versprechen vom Licht erschien schon am Morgen die winterliche Sonne am Januarhimmel und schickte mit dem Wind eine Ahnung vom Frühling. Der Himmel trug Seidenblau. Das Jahr hatte seine ersten Schritte getan und dabei den restlichen Ballast vom alten abgeschüttelt.
Und da ist der Stern, den die Sternsinger in der Stadt von Tür zu Tür tragen.
Sie zeichnen die Türen und segnen das Haus, und ihr Spruch wirkt wie ein Mantra.
Noch lange sehe ich ihnen hinterher. Der Stern der Sterne, wie nah ist er mir noch?’
Seine lichtbringende Symbolik wirkt in mir nach.
Jedes Jahr wiederholt sich die Magie:
die Feste überstanden, etwas Glanz zwischen verdorrten Tannennadeln, ein Geschenkpapierfetzen und Gebäckdosen, die sich allmählich leeren, sprechen von der hohen Zeit.

Genug der Feste, wird es nun Zeit, sich wieder dem Alltag zu widmen. Der Stern der Sterne leuchtet wohl in uns allen. Es liegt an uns, ob wir sein Licht hinaus tragen in die Welt


Morgen schon

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 5 Jan, 2008 @ 19:40
Etwas Glimmer zwischen den Stunden
und verdorrte Nadeln unter dem Baum
mit den glitzernden Vögeln und Sonnenkugeln
Hinter den Sekunden
zartgesponnenes Engelshaar
und Atempause den Uhren
die langsam gehen
bis sie eilen mit ihren Gaben
aus goldenen Worten und exotischen Versen
die Weisen aus dem Morgenland
um es zu segnen
das neue Jahr
mit Weihrauch und Myrrhe

und Zeit sich häutet wie eine Zwiebel



kurze lyrik im januar

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 4 Jan, 2008 @ 22:31
schau auf dem Zweig dort
hockt sie, die schwarze Amsel
aufgeplustert, es friert schon


der Himmel dunkelt
es schweigen Sterne von fern
und am Fenster nah


es legte die nacht
ein tiefblaues samtkleid an
und schmückt es silbern


nie singt die amsel
im winter frühlingslieder
es ist noch nicht Zeit

 (weiter)

Raureif

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 3 Jan, 2008 @ 18:22


am abend wehte ein kalter wind. jenseits der bäume, wo der weg sich hinauf auf einen kleinen hügel schlängelt, weht es eisig. unter dem gebüsch hat sich der raureif gehalten. ein komisches gefühl durch das gefrorene gras zu stapfen: es knirscht und fühlt sich beim auftreten unangenehm dumpf an. der fuß verliert leicht den halt. der weg führt mich zum see, über den das abendrot seine feuerfarben malt. es ist hier windstill. ich suche mir einen platz im schutz von drei weiden, die am ufer schon lange ihren platz behaupten und krieche unter ihre hängenden zweige, die wie ein dach sind ohne schindeln. ich warte auf den moment, in dem sich der himmel entschließt, mir die blaue stunde zu schenken kurz nachdem das licht hinter dem horizont verschwindet. ich halte den atem an - der bis gerade kleine rauchwölkchen zwischen die äste blies, berauscht von der schönheit dieses magischen moments.
schnell wird es dunkel. zum glück liegt in meiner manteltasche eine taschenlampe. es ist für eine weile unheimlich.
plötzlich ein geräusch, ein knistern im übrig gebliebenen trockenen laub - flügelflattern und das schilpen eines aufgeschreckten vogels, den ich im zwielicht nicht erkennen kann. etwas streift meine rechte hand: weich, Fell, sehnig; eine schwarze katze blickt mich mit neon-augen an. ich lache und entspanne. in der zwischenzeit sind die sterne erwacht. ich stehe auf, gehe zum saum des wassers, staune, wie die sterne sich spiegeln heute und denke, was wäre wenn die sterne, meine geschwister, nun einfach vom himmel gefallen wären, um mir vom grund des sees ihr leuchten zu schicken?
sie wären so nah, dass man sie aus der tiefe pflücken und heraufholen könnte. auch frage ich mich, wie ein solcher stern sich wohl anfühlen würde?
"unverbesserlich," schimpfe ich mich lachend aus,"immer diese verdammt spinnerten ideen.
nun, wer eine spindel benutzen kann, der spinnt halt gerne.

opa rolf - www.pixelio.de


Für Marianne, die Nachtigall

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 2 Jan, 2008 @ 20:12

verquer
führte der weg durch den winterlichen garten
etwas raureif hatte sich in der nacht
auf die verdorrten gräser und halme gelegt
letzte hagebutten leuchteten im graubraun der kahlen hecke
amseln stritten sich um das verblieben futter

der garten schlief
und bereitete sich auf den frühling vor
er dachte nicht an das meer
das in der ferne mit seinen immer wieder kehrenden gezeiten
den strand umspülte
auch nicht an die buten fischerbote
die im südlichen wind
auf den wellen tanzten
und nicht an die Rosen
die ihren süßen duft verbreiteten
verschrumpelte äpfel lagen am fuß eines baumes
der garten kannte nur die wärme des tages
und das veränderliche licht der jahreszeiten

der garten atmete ein und aus
kannte keine gedanken
um den sinn der in den dingen ruhte
seine stärke lag in der gelassenheit
den wechselnden geschicken gegenüber
beete waren noch erkennbar
und von langsam wachsenden buchsbaum eingegrenzt
vom weiten sah alles wie ein wunderliches muster aus
von riesenhand geschaffen
ein muster
dass sich aus dem chaotischen verpflechtungen
von gestrüpp und pflanzenresten
erst im nachhinein vermittelte

und am zaun winkte eine vogelscheuche
in ihrem bunten lumpenkleid
spatzen ließen sich auf den ausgestreckten armen nieder
und den strohhut hatte der Novembersturm davon getragen
ich schenkte dem garten ein nachsichtiges lächeln
und wünschte ihn einen heilenden dornröschenschlaf



Vom alten Jahr, das nicht gehen wollte

Jahreszeitliches, Lyrische Gedanken und goldene Äpfel — geschrieben von findevogel am 1 Jan, 2008 @ 13:39

Das alte Jahr tat sich schwer, denn etwas hielt es in den verborgenen Zwischenräumen fest, als warte es darauf, dass noch etwas Wesentliches in den eingefrorenen Momenten voll erstarrter Lichter am Himmel erscheinen würde. Es wollte nicht wahrhaben, dass es Zeit war zu gehen. Im silbergrauen Bart verfingen sich lange Eiszapfen. Die ablaufenden Stunden begannen sein Blut zu gefrieren, aber wie ein störrisch gewordener alter Mann beharrte es auf dem Bleiben.
Was hielt das überreife Jahr in den Abgründen seiner abgelaufenen Zeit fest? Es war starr und schwer geworden - beladen, wie ein Holzweib im Winterwald vergangener Zeiten. Die Menschenfrau zwischen den Jahren wünschte sich nichts sehnlicher, als dass es von selbst vom Stängel brechen würde, wie eine exotische Frucht - und sie nichts weiter tun müsse, als die Hände auszustrecken, um es sanft aufzufangen.
Die Zeit stand still und die Luft zum Atmen wurde dünn - nichts ging weiter. So pflückte die Frau schließlich das Jahr , schlug es vorsichtig in Seidenpapier ein, gab ihm einen Namen und seiner Hülle die Gestirne - Sonne, Mond und Sterne - und legte es zu den anderen Jahren ins Speicherregal unter dem Dach neben die letzten Äpfel und Honigkuchen. Leichtfüßig und wie ein neugeborenes Kind lief sie die Treppe hinunter und hinaus in den Garten zu den übrig gebliebenen Hagebutten.
Sie umarmte den ersten Tag des neuen Jahres und malte mit Wunderkerzen Glückssymbole in die Nacht.
Einmal noch blickte sie sich um, sah das Licht unter dem Giebel im Speicherzimmer und bedankte sich mit einem Lächeln.
Dieser Prozess, dessen Ritual jedes Jahr gleich war - immer dieses Zaudern am Ende und das Nichtloslassenwollen - fand ein freundliches Ende, denn nur wenn etwas abgeschlossen ist, öffnen sich die neuen Dinge und beginnen ihre ersten Schritte mit der Leichtigkeit verspielter Kinder.


Blumenfeuerwerk

 (weiter)

Im roten Salon

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 12 Dez, 2007 @ 23:13
Heute will ich den roten Salon weihnachtlich schmücken. grüne Tannenzweige, rote Kerzen, vergoldete Zapfen, Sterne aus Goldpapier - alles dezent.
Die Fenster sind geputzt. Wenn ich hinaus schaue, ist alles kahl und klar, nur Spatzen, Meisen und Amseln geben keine Ruh. Das hauseigene Rotkehlchen versucht zum wiederholten Male durch die geöffnete Terassentür hinein zu fliegen - seltsam!
Unter dem dichtverschleierten Himmelsgrau hat der Garten seine Dreidimensionalität verloren. Büsche und Bäume wirken wie gemalte Schatten - feinkonturiert - hier und da am Grünbraun noch ein Bronzeschleier.
Gerade fällt mir ein, ist Ana immer noch im Uhrenkasten? Was hat sie dort erlebt, wer ist ihr begegnet. Ich muss doch mal nachschauen, was das Kind gerade macht.
Es ist wieder Zeit für eine Märchenstunde bei Kerzenschein. Auch die ganz alten Lieder haben ihren Reiz noch nicht verloren und das Klavier ist gestimmt.


für igelchen und nachtigall

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 4 Nov, 2007 @ 18:50

der tag ist wie ein aqarell gehaucht
- ich will hinaus und darin fischen -
sanftes flosseln durch feuchtes gelicht
und herzbunte blattfischlein
die neckisch im novemberwind fliegen
als seien sie vögel
die in den gerupften und halbnackten zweigen
des apfelbaums käfer jagen
aufgeplustert und riesengroß
auf wegen wie silberne flüsse
wellen, die sich kräuseln
und nachlaufen spielen
ich schwebe in luftigen gasen
und fliege auf verlaufenden farben
mit dem flügelnden novembertagen


Was für ein Tag

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 21 Okt, 2007 @ 20:28
Ich zieh heut rote Kleider an
und Stiefelchen mit Fell bestückt
auf meinem Kopf der Hut
trägt eine rote Feder
fesch wippt sie mit
bei jedem Schritt
und grüßt den Fuchs
der sich im Stoppelfeld versteckt

Der Sturm hat mir ein Lied gesungen
und draußen zwischen rotem Laub
verliert der Ahorn sein Gewand
Ich tanz mit dir
und mit dem Wind
der meine langen Haare zaust
durch Nebel hin zum Sonnenlicht

Der Tag wird uns zum Fest
wenn zwischen Tee und Kandis
Kerzen brennen bunt
und letzte Rosen duften
der Herbst lässt Zeit zum Atemholen
und für die Liebe Raum
und Zeit

 (weiter)

Du sprichst von der Zeit

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 21 Okt, 2007 @ 00:23
Liebe Nachtigall;

weißt du, es klingt alles nach Abschied und Beenden - nicht mehr Sommer und noch nicht Winter - etwas im Niemandsland.
Ich habe das Buch "Alice im Wunderland" nie gelesen, kenne etwas davon nur aus zweiter Hand, aber sie, Alice, muss im zeitlosen Niemandsland gewesen sein.
"Was ist Zeit," fragt Marie und lässt sich in die zeitlichen Zwischenräume fallen.
"Was ist Zeit?" fragt Lea, und träumt sich zurück an jenen warmen Nachmittag an der Autobahn.
"Was ist Zeit?"
schreit Leander gegen den Wind und stürmt den Wellen entgegen, um die Zeit einzufangen.
"Was ist Zeit?"
fragt Knut sich schon lange nicht mehr. Er verliert sie einfach in den italienischen Nächten.
"Was ist Zeit?" fragt sich auch Olga, und zählt an den Fingern ab, wie viele Jahre es nun sind, die sie fern ihrer Heimat lebt ,und sie träumt von frostklaren Tagen und Schneeverwehungen.
„Was ist schon Zeit,“ fragt Flores seine Freundin Bela von Rosenhaag,
„Zeit hat keine Bedeutung hinter den Worten.“
Und Jule, die sich immer noch nach Konrad sehnt, ihr wird die Zeit lang.

Ich habe gestern - in Gedanken - in deinem Cafe mit Blick auf das Meer gesessen, an dem kleinen runden Tisch, von dem du erst heute erzählt hast. In Gedanken bestellte ich Caffe` und Brioche - und fragte mich, was wohl Genueser auf ihrem Brioche essen - genauer gesagt, es mir vorgestellt - und an dich gedacht, während ich Olga erdachte und darüber nach sann, wer sie ist, und was die Zeit aus ihr gemacht hat. Verrückt!
Wo bin ich in dieser Zeit gewesen? Und du? Diese Zeit, die Gedanken verbindet ,ist nicht zu messen.
War es die Zeitlosigkeit von Seelen, die sich schon seit Ewigkeiten kennen?



herbstfragment

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 15 Okt, 2007 @ 22:48

meine worte sind wie bunte blätter
die der Herbstwind dir zu weht

deine augen glänzen
im letzten sonnenlicht
dass mich aufleuchten lässt
unter deinen füssen knistert das laub
seine spannungsreiche melodie

nun stehe ich da ohne schutz
hab meine worte verloren
in alle richtungen verstreut
bin nackt und kahl
und frage mich
ob du mir wärmende worte schenkst
wenn der winter raureif malt


Einfach sein!

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 11 Okt, 2007 @ 22:03
Die Küche ist ihr liebster Ort. Oft in ihren Mussestunden sitzt sie allein am großen Holztisch, das Schreibzeug vor sich, und hört Radio. Gerade spricht eine Frauenstimme des lokalen Senders über die Zunahme von Gewalt an den städtischen Schulen. Vor dem Fenster wächst ein Apfelbaum. Damals, als das Haus gerade gebaut war und zum ersten Mal Frühling wurde, hatten sie ihn gepflanzt. Das ist nun schon eine Weile her. Jetzt ist Herbst. Die letzten Früchte sind geerntet. Sie schaut gerne in das lichten Laub, sieht in diesem Augenblick gerade noch aus dem Augenwinkel heraus, dass milkyway in den Baum geklettert ist. Ein paar Kohlmeisen fliegen hoch. Es knackt in den Zweigen, und plötzlich - sie muss lauthals lachen - purzelt ihr alternder Liebling vom Baum. Noch im Fallen - ein Bruchteil von Sekunden - dreht er sich so, dass er unbeschadet auf seinen Pfoten landet.
Sie geht zur Haustür, entriegelt und betritt den Vorgarten, der im Mittagslicht flirrt. Wie das Laub unter ihren Füßen raschelt. Und dieser herbe Geruch, der sie melancholisch stimmt und an die Vergänglichkeit aller Dinge erinnert. Sie bückt sich, um die Katze zu streicheln. Aber milkyway rennt an ihr vorbei und flüchtet ins Haus.
Ein paar Minuten später sitzt sie mit einer Tasse Kaffee am Küchentisch und genießt die Stille der Mittagsstunde. Wie einfach das Leben doch sein kann, denkt sie.


Traum und Wirklichkeit

Gedankenstückwerk, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 10 Okt, 2007 @ 21:54
Nichts ist so, wie sie es sich erträumt hat, und doch ist es mehr, als sie erwartet hatte. Sie kennt den Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit.

"Weißt du," sagt sie zu milkyway, der grauen Tigerkatze,
"dazwischen ist mehr als viel - alles!" und sie lächelt und strahlt.

Sie streichelt die Katze und sät ein Samenkorn in den roten Blumentopf. Während sie aus dem Fenster schaut, schwebt ein gelbes Blatt vom Apfelbaum.
"Dazwischen ist alles - die Fülle. Traum und Wirklichkeit," das ahnt sie schon lange," gehören zusammen, wie Tag und Nacht."
Die Katze schnurrt laut und streicht um ihre Beine. Ihr ist warm ums Herz, und sie freut sich über den Augenblick.


pappel-blatt

Fundstücke, Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 10 Okt, 2007 @ 15:50


wie gelb dein blatt mir lacht
im fahlen grün des späten tages
du leuchtest herbst ins nebelgrau
dein herber duft
mischt sich mit hagebuttensüß
in meinem kopf
zu herbstbeseelten mußestunden
Pappel-Blatt

 (weiter)

herbstrausch

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 4 Okt, 2007 @ 00:17


sammeln und sichten
im windverwehten farbrausch
das letzte bunt horten
für graue nebeltagen

verschwenderisch geschenkte
sternsekunden
die in nächten strahlen
die lang sind und kalt

 (weiter)

Spätsommermorgen

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 23 Sep, 2007 @ 18:44

Spätsommermorgen

streichelzart
schmiegt sich der Morgen
in den frühen Tag
durch dichtes Laub fällt schräges Licht
zwischen den Zweigen

fangen sich Nebelfetzen
langsam sinkend
den Himmel freigebend
blau

diese Stimme in mir
die das Leben begrüßt
sie ist da
unüberhörbar, laut
als sei sie neugeboren

staunend betrachte ich
die Fülle des ausklingenden Sommers
die mit stummer Leidenschaft sich aufbäumt
und mit konzentrierter Kraft
und prallen Farben
zur Reife bringt
was nach Vollendung sich sehnt

um dann loszulassen:

Apfel für Apfel
Blatt für Blatt
bis der Winter alles kahl legt
unter seinem Schweigen begräbt

bis Tage wieder länger werden

 (weiter)

manchmal!

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 23 Sep, 2007 @ 00:08

manchmal sind kleine ewigkeiten
zwischen den sekunden
sie klingen
senden schallwellen
mitten ins grau der tage
sie fassen fuss – verwurzeln - tragen
foto: pixelio.de
Apfelbäume im Nebel - Pixelio.de


in der kürze liegt die würze - herbst - haiku 3

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 8 Sep, 2007 @ 00:23

am himmel schwebt es
ein herz, prall mit luft gefüllt
rot tupft es das grau



in der kürze liegt die würze - herbst - haiku 2

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 7 Sep, 2007 @ 09:12



es raschelt im laub
unter dem baum ein igel
ich hör ihn schmatzen


in der kürze liegt die würze - herbst-haiku 1

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 6 Sep, 2007 @ 22:36


in den baumgipfeln

raschelt getrocknetes laub
kühl weht schon der wind


Ein Hauch Moll im Dur - wenn der Sommer geht!

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 31 Aug, 2007 @ 12:31
Herbstelfchen 1



haselnüsse
im gras
unter grünspitzer kappe
verbergen sie sich geschickt
herbstreif

jenseits
der schleier
zwischen den nebelfetzen
öffnet sich der himmel
blau


schau
mein freund
der sommer geht
es trüben sich tage
herbstlich

 (weiter)

Spätsommer 1

Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 27 Aug, 2007 @ 11:18
Es ist morgen geworden. Ich stehe vor den geöffneten Flügeltüren, atme tief ein. Nebelfetzen gleiten am Fenster vorbei. Der Tag verspricht gut zu werden. Glück liegt in seinem Werden: das Versprechen von Reichtum und Fülle im Morgen. Vom Gartenzaun her nicken mir die Sonnenblumen zu; Dahlien, Astern und Chrysanthemen bilden farbige Polster in Kübeln und Beeten. Neben mir steht eine Schale mit Haselnüssen, gestern gesammelt. Gleich werde ich mich mit meinem Kaffee an den Sekretär begeben - meine selbstvergessenen Musestunden - und den Brief beantworten, der mir so am Herzen liegt.
Von draußen klingen sanfte Klavierakkorde an mein Ohr.
Wie ich sie liebe, die Spätsommerstimmung: üppiges Dur mit einem Hauch von Moll.


Nordic-Walking am Sonntag

Poesie, Jahreszeitliches — geschrieben von findevogel am 19 Aug, 2007 @ 16:11

dieser Himmel so weit
wann sah ich ihn zuletzt bewusst?
ich fliege über den Asphalt finde Rhythmus
im Tock-Tock der Stöcke
Schritt um Schritt
und Atem
ich beginne zu schwitzen
Obstbäume rechts und links
Pferde, zwei Fohlen
Rinder
früher gab es hier kein Vieh
viele Menschen unterwegs
auf der gleichen Straße
heiter und sonntäglich auf dem autofreien weg
die Kirchenglocke vom Nachbarort läutet
ein Falke kreist
und in den Büschen
haben sich Distelfinken niedergelassen
es gibt Samen
am Wegrand blüht es:
Scharfgarbe, Rainfarn, Hornveilchen, wilder Fenchel
und in den Wiesen,
tänzelt ein winziger Falter
kaum daumennagelgroß
blau, als habe er frech
der Wegwarte die Farbe geklaut
heute kann ich den Sommer nicht pflücken
der zum Herbst sich schon wandelt
auffrischender Wind schiebt die Wolken zur Seite
ein altes Backsteinhaus mit wildem Garten
lässt mich Pause machen und verweilen
an diesem Ort ist nur die Zeit vorbei gelaufen
ich würde gern wissen, wer dort wohnt
und überhaupt:
Äpfel aus fremden Gärten
schmecken besonders süß

es sind die kleinen Dinge
die mich heute glücklich machen
nach einer Stunde
wieder zu Hause
bin ich angenehm erschöpft
und der Kopf ist frei



Stadtoasen

Jahreszeitliches, Zwischen Jahreszeiten ein belebter Moment — geschrieben von findevogel am 13 Aug, 2007 @ 21:47

Manchmal bleibe ich an Gedanken hängen. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch den Tag, die Woche, Monate - ein Jahr? Plötzlich vermischen sich die Lebenszeiten: Während ich den Kindern vom Fenster aus zuschaue, bin ich selbst wieder ein Mädchen von 11 Jahren und sitze mit anderen auf dem Mäuerchen vor der evangelischen Kirche.

Hier in diesem Raum hat vieles Platz, auch das lärmende Spielen von Kindern, die kichern, lachen, schimpfen und schreien. Kinder die draußen unter dem wolkenlosen Sommerhimmel Fußball spielen und in Scharen angerannt kommen, wenn der Eiswagen klingelt. Einige sitzen längst auf Mäuerchen und Trafokästen und warten auf die süße Erfrischung - klimpern mit dem Kleingeld in ihrer Hosentasche, spitzen das Mäulchen und machen große Augen, wenn Nachbars Kevin plötzlich um die Ecke gerannt kommt, das Käppi auf dem Kopf und einen frechen Spruch auf den Lippen. Mariechen hat ein Buchenblatt gepflückt und zaubert ein filigranes Muster, indem sie jede zweite Rispe mit den scharfen Fingernägeln vorsichtig entfernt. Herb und schon ein bisschen nach Herbst duften die Buchenblätter. Natalie in Leggings und kurzem Rock - bauchfrei - die blonden Haare mit den blaugrünen Strähnen wirr im verschwitzten Gesicht rennt hinter Jonas her und streckt ihm die Zunge raus. Die blauen Augen blitzen vor Übermut. Jonas errötet und weiß nicht, wohin er schauen soll. Er windet sich, kommt nicht von der Stelle.
Noch bevor ich im Apfelbaum ein eingeritztes Herz entdecke mit den Buchstaben N+J höre ich die dicken Zwillinge von gegenüber schreien: "Jonas liebt Natalie. Jonas liebt Natalie."
Jonas wird nun vollends rot und verschwindet schweigend Richtung Inliner-Bahn.
Anna hat ihr Kaninchen mitgebracht. Inga und Eva sitzen auf dem Asphalt und malen mit Straßenkreide naive Kunst vor meine Haustür. Sie schauen hoch, unterbrechen ihr kreatives Tun und lassen sich von Anna zeigen, welche neuen Kunststücke der Stallhase heute gelernt hat.
Heute, denke ich, ist ein vollkommener Sommertag und die Kinder sind ungewöhnlich friedlich.

Diese Geräusche tun mir nicht weh, wie die anderen - die mir aus den Läden belebter Innenstädte entgegenbrausen und mit dem gehetzten Singsang der Passanten und Fußgänger kollidieren, die gegen die Zeit Sturm zu laufen scheinen.
Ich gehe unter im Gewoge von Menschenmassen, verliere mich und werde unendlich müde.
Zum Glück kenne ich ein Cafe - mitten in der Stadt, an der belebtesten Einkaufsstrasse hinter einer Kirche liegend - meine Stadtoase, in der ich sofort vergesse, woher ich gerade komme.



Powered by kulando