Ich gehe quer, verkreuzt im Rückwärtsgang
und bringe Bilder aus dem fernen Land, das Zukunft heißt.
Der Bote sitzt auf einem Thron
und trägt aus wilden Früchten einen Kranz im langen Haar.
Die Augen sind geschlossen und aus den Händen rinnt ein Fluss.
Er weitet sich zum Meer, indem ich schwimme
als blauer Fisch, der morgen sich zum Vogel wandelt.
Ich seh´ den Bruder - der versunken zwischen Trödel - sich über alte Bücher
neigt
und mittendrin im Trubel eine Ruheinsel um sich schafft.
So klar sein Geist und Amseln zwitschern im verfilzten Haar.
Mein Herz schwingt ein in diese Stille und stolpert fast
weil soviel Nähe plötzlich ist
und alle Grenzen fallen ohne Widerstand.
Mein Meer,
es schmiegt sich um die Insel und hält sie fest umschlossen
den Perlenstrand im Muschelhafen.
Und jenes Haus, in dem ein golden Kind erwacht
es nennt sich Schloss der tausend Träume.
etwas war mir im traum wiederfahren. eine warnung vielleicht, dass ich schon einmal an einem ähnlichen punkt im leben stand. während ich
im erwachen darüber nachsinne, warum sich manche dinge wiederholen,
erkenne ich die potenziale, denn auch damals fanden sich gute wege. so
war der traum wohl eher erinnerung als mahnung.
der tag hing mit dem kopf noch in den wolken und das zwielicht legte
sich wie graues feenhaar um seinen kopf. über den wolken war der himmel
leergefegt. die sterne löschten gerade ihr licht. da kam der morgenwind
und pustete den tag aus seinen träumen heraus.
kleine lichte wölkchen schweben über den himmel
der nicht grau sondern
blaugrau erscheint
winzige blaue fenster hier und da
ein versprechen?
im traum wuchsen der hecke schon rosenblüten
ein spatz tschilpte
fröhlich im gras
im liebeslied der amsel sang auch klagen
wenn in die träume sehnsucht wuchert
nach den sommerlichen gestaden gleitet ein schatten über die erde und hinterlässt eine grüne
spur
wenn er über den horizont springt.
die kleinen wellen, die mit dem schilf spielen, tragen weiße kronen. es
ist zum sterben kalt. sturm tanzt in den wipfeln der weiden. leiser
singt der see sein lied.
ich folge dem kleinen boot, das mich zu den grünen wiesen trägt und den heckenumsäumten königreichen.
sag, freund, wenn wir uns auf dem schachbrett des lebens begegnen - wie nah dürfen meine zweige die deinen berühren?
ich wachse dir entgegen. es liegt nicht in meiner macht, es zu verhindern.
dinge geschehen ohne mein tun.
eine dame behauptet ihren platz und der könig, ein einsamer regent,
zählt worte, die wie blätter in den zweigen grünen. blüten wird der
rosenstock tragen, wenn im mai die nachtigallen singen und am see
wieder kleine boote mit aufgeblähten segeln die botschaften überbringen.
der traum war seltsam abstrakt. er bestand aus farben, die auf weißes
papier tropften. jeder farbtropfen war mit einem eigenen klang
verbunden. das blatt füllte sich mit bizarren blüten, die ineinander
verliefen, stengel und blätter verflochten und mit einander
verschmolzen, während sie gleichzeitg eine dem ohr vernehmbare melodie
in den wind schrieben. ich schaute von oben auf das geschehen und ließ
mich von der melodie einwickeln, wie in einen kokon aus seide, dem zum schluss, bevor ich ganz eingesponnen war, die gesamte palette
frühlingshafter düfte entströmte.
wenn die nächtlichen träume auffahren und wie silberne boote ihre
weißen segel aufrichten, um über nächtliche ozeane zu düsen, dann
möchte ich im schiff auf den planken unter dem himmelszelt liegen und
die sterne begrüßen. ich möchte zu einer insel reisen, jenseits von
raum und zeit und eine hängematte zwischen die bäume der wahrheit
hängen. und wenn alles still ist in mir, will ich loslassen und leben.
nach
einer zerträumten nacht ohne klare bilder finde ich mich im morgen
wieder. ein morgen, der eisige bilder raureifverzierter schönheit auf
eine riesige leinwand gemalt hat. ein frösteln berührt die haut und die
träume - nicht entschlüsselt - werden zu sternen, die immer da, aber
nicht begreifbar sind. wirklich ist dieser moment, in dem ich mich
spüre und die kälte, die meine haut berührt, sie prickeln lässt, mich
die körperliche einfassung deutlich spüren lässt - das bin ich und
alles was da drinnen ist, auch - die füße, die sich in den stiefeln
bewegen, weil sich die zehen gegenseitig wärmen müssen. hände, die sich
tief in die manteltaschen verkriechen und meine augen, die trunken sind
von der blendenden schönheit um mich herum.
augenblicke, die zeit anhalten.
der wind kreiselt und wirbelt um
mich herum, zerzaust mein haar, nestelt an der luftigen kleidung. die
haut ist sonnentrunken. ich sitze im schatten und höre dem wispern der
blätter zu. es ist ruhe und gelassenheit in mir an diesem sommertag, an
dem die zeit stehen bleibt und mir bunte tagträume schenkt. ein buch
entgleitet meinen händen. ich trinke etwas kühles wasser und schließe
die augen. in meinem kopf wachsen silben, blühen worte, reifen sätze,
die sommerklang tragen und große schatten werfen. essenz vieler sommer
verdichtet und verwoben mit blumenduft. dazwischen funken lichtreflexe
unter den lidern - sonnenpunkte. ein lächeln wandert durch die welt -
vielleicht gar von mir zu dir. ich horche in mich hinein - es fließt
zwischen fingerspitzen und zehenkuppen - alles im fluss - auch im
rechten ellenbogengelenk, wo es noch schmerzt.
Immer
schon wollte ich mal einen Text schreiben, der von den Chagall-Bildern,
die ich sehr liebe, und die mich immer wieder auf ganz besondere Weise
berühren, inspiriert ist.
Heute nun fand ich Zeit und Muße, das Vorhaben umzusetzen.
Die Nächte
verlassener Seelen und wahrhaft Liebender sind blau. Von jenem Blau, das man
von der Stunde zwischen Tag und Nacht kennt, die man ab und zu bei bestimmten
Wetter- und Lichtbedingungen genießen darf, dieses Blau, das sich so oft in den
Bildern von Marc Chagall findet.
Es ist das Blau von Sehnsucht und Erfüllung.
Wie eine geschlossene Kugel trägt es in sich einen unendlichen Raum ohne Zeit.
Das magische Strahlen scheint geradezu geschaffen, um für die einen Balsam in
einsamen Stunden zu sein, für die anderen
Paradies, eine Nische, in der auch das Unmögliche möglich erscheint.
Aus der Feder betörter Dichter schnörkeln sich Buchstaben zu Texten von bizarrer Schönheit auf weißes Papier.
Maler halten inne und den Pinsel hoch - verlieren sich für einen Moment in den eigenen
Farben, die fremdartig leuchten.
Der Cellist horcht in den Klang seines Instrumentes hinein. Es klingt neu und erscheint
wie die Eingebung aus einer anderen Welt.
Liebende flüstern Koseworte und schwören sich unter Küssen Ewigkeit.
Die verlassenen Seelen gleiten sanft in einen erholsamen Schlaf und ihre Träume
gleichen der besonderen Dichte einer lauen Sommernacht, in der unzählige Blumen
ihren Duft verschwenderisch verschenken und die Nachtigall ihr Lied singt.
Kleine Engel purzeln aus verblauten Wolken.
Während der Ritt auf dem gelben Pegasus sie über die roten Dächer einer kleinen
verschlafenen Stadt trägt, wartet ein Einhorn hinter dem einzelnen Baum am
Rande der Nacht. Und der Mond spielt auf der Geige eine Melodie, die zu Herzen
geht und sich wohltuend in die Seele eingräbt.
Unten auf dem Platz vor den Häusern haben sich Menschen versammelt, um mit
angehaltenem Atem den weißen Fisch anzustarren, der unter einem Dach aus bunten
Lampignons auf einem unsichtbaren Seil tanzt.
Und beinahe verschwimmt eine Akrobatin, die völlig entspannt und verträumt
erscheint und kopfunter an einem schwingendem Trapez hängt, mit den aufziehenden Wolken.
In dem enganliegenden Rosenkostüm scheint sie den Märchen aus tausendundeiner
Nacht entsprungen.
Über allem haben sich Anima und Animus endlich gefunden. Sie verschmelzen und entschwinden in der
blauen Kugel, die sie wie ein Raumschiff in eine andere Welt entführt.
Dieser
Tag hat ein Besonderes: vom Schnee, der am frühen Morgen gefallen ist
blieb in den Vororten der großen Stadt keine Spur. Um zehn Uhr morgens
tragen nicht einmal mehr die Dächer der Reihenhäuser, die dicht
zusammen gekuschelt der Kälte zu trotzen scheinen, einen pulvrigen Rest
vom Weiß. Die Nacht hatte den Morgen wie eine weiße Wolke in den Tag
entlassen. Der Duft von Schnee bleibt haften und wirkt unbewusst
besänftigend.
Ein Tag, um bei sich zu sein, leise, fast zärtlich vergehen die
Stunden: keine Hetze, kein Stress und diese Fröhlichkeit, die still ist
und sich dem genauen Beobachter nur in den winzigen Veränderungen um
den Mund herum und in den Augen verrät. Es sind nicht die
theatralischen Gesten und Auftritte, einer großen Bühne angemessen, die
diesen Tag umkränzen, es sind die knappen und abgezirkelten Bewegungen
und Abläufe, die kein Publikum brauchen, die dem Tag Struktur geben.
Eben diese kleinen unscheinbaren Dinge: der Zauber erster
Schneeglöckchen in ihrem unschuldigen Weiß , fröhliche Stimmen am
Telefon, ein besonderer Brief und der Duft einer nährenden Suppe auf
dem Herd in der samstäglich geordneten Küche mit den frisch geputzten
Fliesen, die schon den Sonntag würdigt, der etwas zu versprechen
scheint. Vom Karnevalstrubel verschont, dringt kein Lärm in die
Stadtrandoasen, die manchmal kleinkariert und bieder vorgeben, das
Größte zu sein und mich fast zur Verzweiflung treiben.
Aber da ist - nur ein paar Schritte entfernt - noch Feld und Weite, ein
kleiner Wald, und in der Nähe ein See. Bald werden die Lerchen wieder
fliegen. Die Amsel sang gestern ein betörendes Lied.
Das alte Jahr tat sich schwer, denn etwas hielt es in den
verborgenen Zwischenräumen fest, als warte es darauf, dass noch etwas
Wesentliches in den eingefrorenen Momenten voll erstarrter Lichter am Himmel
erscheinen würde. Es wollte nicht wahrhaben, dass es Zeit war zu gehen. Im
silbergrauen Bart verfingen sich lange Eiszapfen. Die ablaufenden Stunden
begannen sein Blut zu gefrieren, aber wie ein störrisch gewordener alter Mann
beharrte es auf dem Bleiben.
Was hielt das überreife Jahr in den Abgründen seiner abgelaufenen Zeit fest? Es
war starr und schwer geworden - beladen, wie ein Holzweib im Winterwald
vergangener Zeiten. Die Menschenfrau zwischen den Jahren wünschte sich nichts
sehnlicher, als dass es von selbst vom Stängel brechen würde, wie eine exotische
Frucht - und sie nichts weiter tun müsse, als die Hände auszustrecken, um es
sanft aufzufangen.
Die Zeit stand still und die Luft zum Atmen wurde dünn - nichts ging weiter. So
pflückte die Frau schließlich das Jahr , schlug es vorsichtig in Seidenpapier
ein, gab ihm einen Namen und seiner Hülle die Gestirne - Sonne, Mond und Sterne
- und legte es zu den anderen Jahren ins Speicherregal unter dem Dach neben die
letzten Äpfel und Honigkuchen. Leichtfüßig und wie ein neugeborenes Kind lief
sie die Treppe hinunter und hinaus in den Garten zu den übrig gebliebenen
Hagebutten.
Sie umarmte den ersten Tag des neuen Jahres und malte mit Wunderkerzen
Glückssymbole in die Nacht.
Einmal noch blickte sie sich um, sah das Licht unter dem Giebel im
Speicherzimmer und bedankte sich mit einem Lächeln.
Dieser Prozess, dessen Ritual jedes Jahr gleich war - immer dieses Zaudern am
Ende und das Nichtloslassenwollen - fand ein freundliches Ende, denn nur wenn
etwas abgeschlossen ist, öffnen sich die neuen Dinge und beginnen ihre ersten
Schritte mit der Leichtigkeit verspielter Kinder.
ich nehme die Kladde
die graue, die ein Jahr einfing
öffne euch Blatt um Blatt die vergangenen Tage
im Schnee und Eis des Dezembers erstarrt
jeder Augenblick ein Tautropfen
im funkelnden Sonnenlicht
Dornrosenlicht aus den Hecken
eine kleine Spinne die eifrig Netze spinnt
tragbar
verfing sich eine Schneeflocke in deinem Haar
in jenem Frühling, der noch den Winter barg?
Ich puste ihn weg mit den südlichen Winden
und schenke euch
Herzkirschen, die süßen aus Großmutters Garten
in einer Schale aus Glas
mein Blick fällt auf den Schmerz
zwischen den Zeilen verborgen
die Angst, die Blicke trübt
und manchmal ein Hindernis ist
auf den Wegen zu den Quellen
die nie versiegen
ein Bett im Moos mit der Decke aus Laub
und daneben die Herbstzeilosen
die das Jahr ausläuten
Es finden sich Lachen und Weinen in den vergilbten Blättern
der Kladde
die graue, die ein Jahr einfing
Manchmal fallen Momente
zwischen die Zeiten und jede Pore scheint Auge, Ohr und Nase zu sein - weit und
geöffnet - aufnehmend.
Keine Spuren zeichnet das diffuse Licht. Es ist still, denn die Klänge haben
aufgehört zu klingen, und die prachtvollen Farben lassen das Herz überfließen.
Diese Schönheit, geschenkt für kurze Zeit, ist wie ein Ruf der Ewigkeit, der
keine Worte braucht und ahnen lässt, wie weit die blaue Seele fliegt im stillen
Raum der Gefühle, Ahnungen und Erinnerungen.
Nie bist du den Sternen näher, die wie Geschwister sind und einst ihr Lied in
deine Seele gravierten, lange vor der Zeit, damit du es findest in dunklen
Stunden, wenn alle Worte schweigen.
Da wo die Stille sich zwischen den Zeiten verbirgt, beginnt das Abenteuer.
Weißt du es war noch Nacht - jene besondere Nacht mit ihrem Hauch von
Ewigkeit - als der Tag sein lichtes Haupt über den Horizont schob, wie
eine Riesin mit wallendem Silberhaar und dem Vollmond auf dem Scheitel
- ein paar Wolken zogen südwärts und brachten vom Norden her Frost. Der
Himmel färbte sich rosenrot und ich dachte noch: was wird er bringen?
Verderben und Tod oder die Hoffnung auf Frühling und Neubeginn.
Da kam der Wind und flüsterte in den Zweigen, und die Amsel suchte nach
Futter unter dem Apfelbaum. Das hatte ein heranwachsender Schlingel den
Vögeln gestern als Weihnachtsgabe ausgestreut.
Ein paar Spatzen waren frech, sie zankten den großen Vogel, versuchten
ihn zu verscheuchen. Sie, die kleinen Spatzen in Scharen mit einem
einzigen Ziel - Futterplatz - schafften es immer wieder, sich einzelne
Körner zu stibitzen. Während die einen die Amsel provozierten, fraßen
die anderen. So bekamen alle, was sie brauchten - die Kleinen und die
Großen.
Ich schaute vom Fenster her zu - hörte, was der Wind den Zweigen
erzählte - die große Geschichte von Wotan und seinem Gefolge, die in
den rauen Nächten zwischen Heilig Abend und Dreikönigstag ihr Unwesen
treiben - sah den Vögeln beim quirligen Treiben zu und schenkte der
Riesin am Horizont in ihrem Rosengarten mein allerschönstes Lächeln.
Ja, ich kniepte ihr zu, während von der Küche her Kaffeeduft herrüber
strömte. Ich wollte die Zeit anhalten, diesen Augenblick in die Länge
ziehen und seine Essenz wie das Mark von Hagebutten bewahren.
Erstaunt stelle ich fest: es geht! Im Gehäuse meiner Gedanken, dass wie
ein Haus mit vielen Räumen ist, öffne ich die Tür zum kleinsten Raum
ganz oben, und da leg ich ihn ins Regal zwischen Stollen und
Honigkuchen, und für die Weihnachtsmaus lasse ich ein Stück Käse da.
Wann immer ich will, wenn ich es brauche, nehme ich den kleinen
Silberschlüssel vom Schlüsselbund, gehe die steilen Treppen hinauf bis
unter den Giebel und öffne die Tür: da finde ich ihn wieder, den
Augenblick.
Zwischen Tag und Nacht haben sich die Gedanken verirrt.
Ihr Klang hatte sich schon gestern in den lauten Geräuschen der Stadt
verloren. Und die Worte, die aus ihnen geboren waren, hat der Wind
verweht.
Der Gedanke los gelöst von den Wortkindern und dem Klang, steckte fest.
Es war dunkel, nass und kalt und so blieb ihnen nichts anderes übrig,
als sich in die Hagebuttenhecke neben meinem Haus zu flüchten und die
Nacht ab zu warten. Ich habe sie gesehen! Zusammen gerollt, wie ein
Knäuel brauner Wolle, verschränkten sie sich in einander und trösteten
sich gegenseitig.
"Unsere Kinder sind schlau, sie werden zuerst den Klang finden und dann
uns." warf einer von ihnen in die Runde, und ein anderer gab zu
Bedenken:
"Ihr wisst doch, die Worte finden uns immer wieder."
und ein dritter meinte.
"Und wenn sie uns nicht finden, dann erfinden wir bessere und ausdrucksstärkere Worte mit einem ganz neuen Klang."
Verhakt an den Dornen der Hecke, konnten sie sich selbst nicht verloren gehen.
"Wie praktisch das ist." staunten sie gemeinsam
Und schon nach kurzer Zeit waren die Gedanken zur Ruhe gekommen und hatten sich in ihre Träume geflüchtet.
In der Zwischenzeit wehte der Wind die Wörter in den höchsten Baum der
Stadt : der Weihnachtsbaum aus dem Norden, der mitten auf dem
weihnachtlich geschmückten Platz vor der alten Kathedrale stand.
Wie Lametta und bunte Sterne schmücken sie die dunkelgrünen Nadeln,
immer bereit beim nächsten vertrauten Klang herab zu regnen. Ihre
Aussicht ist gut:
die Menschen eilen hektisch durch die engen Gassen zwischen den
Bretterbuden. Ganze Gruppen mit roten Weihnachtsmannmützen auf dem Kopf
und dem Glühweinglas in der Hand schlendern vergnügt an den Auslagen
vorbei. Auf der Bühne mittendrin singt ein jugendlicher Gospelchor
"oh freedom.." und "we shall overcome". Das klingt nicht schlecht, aber
der verlorene Klang ist es nicht, denken sich die Worte und schauen
weiter dem fröhlichen Treiben zu.
"Sicher werden wir unseren Klang erkennen, wenn die Bretterbuden
schließen und die Menschen nach Hause gehen." flüsterte ein Wort seinen
Geschwistern zu.
Es
ist kurz nach Mitternacht. Die Zeit hat ihre Seite gewechselt. Zwischen den
Wolken zeigt sich nur ab und zu der Mond. Unter dem Baum im Moos haben sich die
gefallenen Blätter zusammen gekuschelt. Die Nacht ist still, als warte alles
auf ein besonderes Ereignis. Es liegt schon in der Luft, hat sich von der
anderen Seite der Nacht herüber geschmuggelt. Es ist kalt. Mit den Wurzeln
tastet der Baum sich tief in die Erde hinein. Dort ist es warm. Er leitet die
Wärme hoch in die Spitzen der Zweige, in denen es schon zu frieren beginnt. Der
Baum weiß, was er zu tun hat. Sein braunes Haupt denkt nicht. Er lebt unter dem
wechselnden Mond und lässt die Jahreszeiten gelassen an sich vorbei ziehen.
Inzwischen fast kahl finden sich nur vereinzelt noch Blätter im Geäst. Die
Vögel sind längst in den Süden gezogen. Kohlmeisen, Amseln, Rotkehlchen,
Spatzen und Elstern haben vor Stunden schon an geschützten Plätzen den Kopf
unter das Gefieder gesteckt. Im Laubhaufen raschelt und schmatzt ein Igel.
Plötzlich setzt sich von oben etwas in Bewegung! Kleine weiße Schneeflocken -
spärlich noch - lassen sich zwischen die Verzweigungen fallen, segeln sanft ins
gelbe Gras.
Hinter den Hecken ist die kleine Ana erwacht. Etwas ist anders, denkt sie,
huscht aus dem Bett und rennt auf nackten Füßen zum Fenster. Es schneit!
Wenn ich Baum bin im Winterwald, spüre ich mit Wuzeln die Worte unter der Erde: die vergraben sind, vergessen, gemieden.
Sie sind nicht still und kitzeln meine wachsenden Enden. Morsezeichen
tackern sie in mein Holz. Bis ich verstehe, ihre Zeichen aufnehme, sie
trinke. Langsam fließen sie durch den Stamm in die Zweige.
Und da kommst du, Liebste, lehnst dich an meinen Stamm.
Mit den Fingerkuppen zeichnest du Borke nach.
Du staunst, denn sie ist warm mitten im Frost. Während du verharrst und
die Hände mich ermessen, spürst du das Pochen der Worte unter der
Rinde. Was erzählen die Fingerkuppen? Welche Bilder und Gesänge
schicken meine biegsamen Zweige? Das Harz an den Händen duftet stark
und gut. Es klebt.
Du bist still und ruhig.
Die Zeit hat dir Schweigen geboten. Ein verirrter Sonnenstrahl
vergoldet die letzten Blätter und streichelt dein rehbraunes Haar.
Ich, dein Baum, du liebst mich, ich fühle.
Nicht mit Worten spreche ich zu dir.
In der Nacht hat der Spalt
sich über den Worten geschlossen, sie unter frisch aufgeworfener Erde begraben.
Wer sein Ohr der Erde nähert hört sie wispern. Die Wolken lösen sich auf und
verregnen den neuen Tag. Im Regen verschwimmen die Worte, die neu geboren nach
außen schlüpfen. Kleine Rinnsale und Kanäle schlängeln sich durch die braunen
Feldern, Gedanken tauchen auf und ab. Wie gut die Erde riecht.
Lass es schweigen, gebietet die innere Stimme. Diese Zeit lebt ohne Worte und
lässt der Sprache Zeit. Sei still und spüre den Dingen auf den Grund, fühle ihr
Sein.
Bis der Regen zu Schnee wird, lass uns die Worte meiden, Liebste. Manchmal
führen sie nur weg von uns selbst.
Im Ein-und Ausatmen der Welt liegt schweigsame Größe - nicht zu erfassen - und
du bist Teil von ihr.
Nicht
die Nacht hatte dem Tag meine Worte gestohlen. Kein Wind entführte die Lieder
in ein anderes Land.
In der blauen Stunde zwischen Tag und Nacht öffnete sich ein Spalt, wie ein
Trichter. Sie schlitterten hinein, die Töne und Klänge, als sei eine
Rutschpartie angesagt.
Es ging schnell. Kaum schmeckte ich den Beerengeschmack der Worte im Mund,
schon sprudelten sie perlend über die Lippen in den dunklen Trichter hinein.
Lautlosigkeit und das Verstummen der Zeit ließen mich erstarren.
In dieser Bewegungslosigkeit war mir, als sei ich ein Baum im Winterwald. Der
Gedanke daran, wo die Sprache geblieben war, verflüchtigte sich über Wurzeln
und Zweige und mischte sich mit dem Atem der Zeit.
Da blieb fühlen nur und Spüren - einzig.
„Wir halten das Herz in den
sinkenden Tag
Wie reich sind wir, wie beschenkt“ Funkenflug
Aufwärts geht es
Schweigen schmilzt mit dem letzten Schnee
wo schon die Lerche in blassblaue Himmel steigt
und erstes Grün die braune Erde ziert
zart noch, wie ein Versprechen klingen verstreute Worte
lichtwärts fliegt es
auf sanften Schwingen gleitet ein Engel durch verwunschene Träume
und zeichnet helle Lochmuster in die Nacht
himmelwärts
suchen vorsichtige Blicke die vergessene Leiter im Herz finden sich Treppenstufen zum Glücklichsein
Die Nacht hat sich hinter die
Bergen verzogen. Vom Meer her nähert sich die Flut. Im Hafen gesellen sich
Fischerboote zu dem einzelnen Boot im Bild. Der städtische Moloch erwacht aus
der miefigen Ungelüftetheit leichtlebiger Tavernenspiele. Letzte Abenteurer der
Dunkelheit wanken in ihre brettervernagelten Unterschlüpfe, während brave
Bürger sich sputen.
Die giftigen Ausdünstungen gelber Schwefelwolken legen sich über die Stadt wie
eine Glocke aus Glas. Im Treibhausklima gedeihen Nachtschattengewächse und
menschliche Exzesse. Am Fenster steht Olga. Sie zieht sich eine Haube über die
Lockenwickler und steckt Ohropax in die Ohren. Schichtwechsel, denn die Nacht
war lang. Hinter der Theke gab es Krawall. Die Polizei war da und schloss den
Laden . Man munkelt von Mafia und Drogengeschäften. In der Nähe stirbt ein
junger Mann in seinem Unterschlupf. Der goldene Schuss triff ihn vorbereitet.
Sein Dealer besorgte den richtigen Stoff.
Nachbars Katze miaut, verlangt nach einem Schälchen Milch. In den Gassen hört
man die ersten Stimmen der Händler. Die kleine Lisa erwacht und nuckelt am
Daumen bis ihr langweilig wird und sie nach der Brust verlangt. Das
Babygeschrei weckt die ganze Straße und stoppt erst, als die Mutter herbei eilt
und das Kind in die Arme nimmt.
Olga schließt die Fensterläden und sperrt den beginnenden Tag aus. Zum
Zähneputzen reicht ihre Kraft nicht mehr. (weiter)
Elf Monate sind vergangen. Wie
sich alles wiederholt. Das gleiche Zimmer, wieder das Bett in der Mitte.
Gegenüber an der weißen Wand das Bild von der bunten Stadt am Meer. Eng
kuscheln sich die hohen Häuser an ein smaragdfarbenes Meer. Nur ein kleines, einsames
Boot ankert in der Bucht.
Heute wirkt das Beruhigungsmittel nicht. Ich bin unruhig und vertiefe mich
erneut in das schon vertraute Bild:
Sehe dunkle Fensterluken, Türen und Schemen zwischen den Häusern. Schwere
Wolken ragen über der Stadt, die so still ist, hinter der schon ein Sturm in
den Bäumen tobt.
Die Menschen haben sich verkrochen. Selbst die bellenden Hunde hört man nicht ,
und keine Katze schleicht um den Häuserblock.
Es könnte Genua sein, Marianne! Am Rande auf einer ziegelroten Strasse drohen
Schatten. Sie nehmen dem Bild von seiner Harmonie - lassen gefährliche Schatten
wachsen. Wer es wohl gemalt hat zu welcher Zeit und warum? Was verbindet den
Maler mit dieser Stadt. Ist sie wirklich oder imaginär? (weiter)
Es
singt ein Lied in meinem Ohr. Wo kommt es her? Hatt der Wind einen Klang vom
Meer zu mir her getragen? Etwas vom Brausen der Gezeiten liegt darin. Aber noch
mehr:
ein Stimme mischt sich hinein - vertraut und doch fern. Sie kommt wohl aus
alten Zeiten, mit einem Hauch von Märchen und Träumen darin.
Die Stimme, das Meer; mit den Wolken gesegelt mein gesprochenes Wort, das ein
Lied daraus wirkt.
Und du singst die zweite Stimme dazu:
sie trägt das Wispern der Bäume und Mädchenlachen; den Schmerz und die Angst,
die in tiefen Gräbern wohnt.
Der
Mond hat mich nicht angesehen in der letzten Nacht, ist einfach an mir vorbei
gewandert, über die Hecke gesprungen und versenkte sich dort in den blauen See.
Sein verschwommenes Gesicht flüsterte mit den Wellen und küsste die kalten
Fische. Ich hörte es lange wispern. Ein kühler Wind säuselte Schaumkronen auf
das Wasser. Sie glichen blassen Segelboten, die ein geheimer Ruf in die Ferne
zieht.
Ich bin immer gern an den See gegangen, wenn es Nacht wurde - kenne sein
veränderliches Antlitz und das Versprechen, mit dem er die Seejungfrauen lockt
- aber gestern hielt mich etwas zurück, eine geheime Angst, der Sog von etwas
Modrigem. Ich dachte an alte Gräber, die unter Gras verborgen oder vom Schnee
bedeckt sind .
Wenn ich sie nicht sehe, so wie ich gestern den Mond nicht sah, sind sie da, so
wie der Mond da ist, ohne dass ich ihn sehe.
Ich ahne ihre Größe, die Tiefe und den scharfen Umriss. Es sind dunkle Gruben,
die niemand besucht; Gräber, deren Leichen längst vergessen wurden.
Ich stehe am Fenster und schaue hinaus. Wolken verbergen das nächtliche Licht.
Für einen kurzen Augenblick spüre ich das Grab, wie eine geöffnete Luke in mir
selbst, zugedeckt von Blättern, Astwerk und Erde passt es sich exakt ein in die
umliegende Landschaft.
Wer nicht weiß, was da klafft, kann es nicht begreifen.
Welche Worte soll ich benutzen, um zu erklären was ich spüre?
Dieses moderige Loch verlangt wie ein Vampir nach Lebensenergie. Nimmersatt
tentakelt es mit unzähligen durchsichtigen Armen. Ich winde mich hinaus, greife
nach den roten Kerzen und entzünde sie mit dem bereitliegenden Streichholz.
Licht spiegelt sich im Glas und im Spiegel. Ich wende mich ab, lass mich nieder
auf dem roten Diwan und bin in diesem Moment glücklich, dass es euch, das Licht
und die Wärme gibt, und ich noch immer zu den Lebenden gehöre.
Ich erwache mitten in der
Nacht von der Stille, die plötzlich da ist. Im Aufwachen vernehme ich diesen
besondern Geruch, der von frisch gefallenen Schnee ausströmt. Noch bevor ich
zum Fenster hinaus schaue, weiß ich: "Es hat geschneit." Eine
kindliche Freude regte sich in mir und doch fragte ich mich: Ob die Spuren im
Schnee sich im Gestern verliefen, oder der Schnee von gestern im Matsch der vergangenen
Tage alle Worte und Lieder verschluckte. Wo waren alle Töne und Klänge jetzt in
dieser watteweichen Verpackung, die auch alle Farben verschluckt?
In die Wolken zeichnen Vögel ihre Spuren, und im Schatten ihrer daunenleichten
Federn fängt sich Wärme. Aufwind für Ziele fernab.
So trete ich vom Fenster zurück, verkrieche mich in meinem warmen Bett und
ziehe das Bettlaken bis zum Kinn. Ich fühle mich geborgen wie eine
Narzissenzwiebel, die genug Zeit hat um unter der Erde ihr verlangsamtes
Wachstum zu verträumen.
Bis du mich weckst mit dem Morgencafe - Schichtwechsel!
Etwas klirrte - zersplitterndes Glas, während ich am Fenster stand und
in die Dunkelheit blickte. Gerade eben waren im alten Viertel die
Lichter erloschen. Vor Auschwitz und Birkenau lebten hier die Juden der
Stadt. Manchmal noch höre ich den Nachhall eines Stöhnen und das Echo
ihrer Musik. Ich erinnere den muffigen Geruch feuchter Räume, in denen
viele Menschen leben. Im Bodenbelag der alten Straßen erinnern
Stolpersteine an die, die man vergas(te).
Eine liebestrunkene Katze fiel mit herzerweichendem Klagen in das
Klirren ein, fern von hier bebte der Transfair. Das Blut rauschte mir
in den Ohren, als sei ich auf einer fernen Insel mitten im Meer. War
nicht jeder eine Insel im großen Ozean? Mit eigenen Worten, über die
eine innere Königin das Zepter schwingt? Wortreiche Gestade, aus denen
die Zeilen mit den Wellen versendet werden, um sich zu treffen in
Neptuns Reich. Wie sie sich fruchtbar mischen mit Algen und Muscheln am
Meeresgrund. Lauscht der poetischen Brandung - dem Auf und Ab von Ebbe
un Flut - meine wortgewandten Schwestern. Und wenn es Nacht wird über
unseren Reichen, lasst unsere Worte wie ein Feuerwerk sprühen und Licht
sein für jene, die strandeten am Ende der Welt. Vergesst auch die
nicht, die für ihre Sprache geopfert wurden.
Was war es, das zersplitterte jenseits der Zeit - zwischen Nacht
und Morgen? Der Riss zog sich von Ost nach West und kreuzte mit einem
Kondensstreifen von Nord nach Süd. Genau an diesem Kreuzpunkt kräuselte
sich das Glas zur Blüte. Ein Schlüsselloch zum Himmel. Es fröstelt mich
im plötzlichen Zug, der meinen Nacken berührt, und ich sehe die alten
Feuer lodern. Der Geruch verbrannter Haut streift meine Nase.
(weiter)
Für einen Moment öffnete der Himmel seine Schleier - ein wie von Geisterhand
entzündetes Leuchten ging durch die Welt und flammte schräg von unten Licht in
jedes Blatt der halbentkleideten Bäume. Sie gaben viel von sich preis - von
ihrer Struktur, der Architektur und den Wachstumsringen. Zart zitterten
Blattfunken im auffrischenden Wind. Manche nahm er mit und trug sie zu mir, die
am Fenster stand und die Zeit vergessen hatte. Auf der Fensterbank strahlten nun
Sterne mitten in der großen Stadt.
In diesem Moment sah ich zwischen dem zeitverschobenen Heben und Senken der
Augenlider deine Maske fallen - in der ungeschminkten Nacktheit lag die
Zerbrechlichkeit von Glas - etwas wie Erbarmen wuchs unter meiner fröstelnden
Haut. So nahm ich den Nebel aus den Wäldern und legte ihn um deine
schutzsuchenden Schultern. Dein Kinn lag auf der Brust. Da nahm ich meinen Mut
zusammen - denn du warst mir fremd - und ich hob sanft und mit der Zärtlichkeit
von Müttern dein Kinn, wollte in deine Augen schauen und das Spiegeln des
Lichtes darin entdecken. Du schautest ernst. Ich wich nicht aus. So standen wir
nah beieinander, und nach einer Ewigkeit - so kam es mir vor - lächelten meine
Lippen dir zu. Zwischen den Augenpaaren vermischten sich die Feuer. Es wurde
warm, als wir die Scheu verloren.
Früh dämmerte mir, dass der
Tag besonderes verbarg. Im Morgenrot lag ein Versprechen: Ich wusste, dass es
noch unter den Nebeln wartete. Etwas in mir witterte aufmerksam und kleine
Fischlein schwänzelten im Bauch. Da war doch was. Es duftete nach Moos und
Algen, meine Augen wollten sich noch nicht öffnen. Ich fühlte eine besondere
Feuchtigkeit unter meinen Fingerspitzen - etwas Schuppigraues, Widerspenstiges
glitt an den Händen vorbei, als sei es ein ungeduldiges Tier. Ich ließ es
geschehen ohne Angst. Der weg nach innen war leicht und die Grenzen um mich
herum fielen. Im Dämmerschlaf tauchte vor dem inneren Auge ein Schlüssel auf.
Ich entspannte und dachte, dass ich die Schatulle finden müsse und fragte mich:
"Wo bin ich?
Schlafe ich nicht gerade in einem luftgefüllten Aquarium mitten im Ozean?"
es war flores, der
mich daran erinnerte, wo die verblichenen rosengärten liegen - jenseits
des steinwalls - der zwei welten voneinander trennt, die seit urzeiten
in mir zusammen gehören. wie die chinesischen mauer zieht er sich in
unzähligen windungen durch den geist. wer die verwunschenen tore kennt
- jene besonderen bewusstseinszustände, in denen das Ich von sich
absieht - der findet duft und zauber vergangener paradiese. er findet
den schlüssel zu reichtum und fülle und
wer den schlüssel besitzt, wird heil und ganz.
ich sah in den spiegel, erkannte schnee in den augen
der schnee eines blütenjahres, dass ohne reife blieb.
konnte es sein, dass die kirschen mir ihre süße verweigerten
nach der ich gurrte, wie eine verliebte taube?
weil in alten büchern geschrieben stand
dass einmal der sommer geopfert werde
um den herbst aus deinem kastanienbraunen haar zu rauben
und mit ihm alle farben und das licht für eine lange weile.
auf das die zeit aus dem NICHTS heraus alles neu gestalte
und im kreativen prozess sich zukunft traut
es ist schnee von gestern
der schmilzt und über die wangen fließt
und rastlos seinen weg findet
in eine neue zeit jenseits aller begrenzungen.
ich säte blühendes gras in zerbröckelnde fugen /
zwischen irische steine/ auf südliche hänge/ in antike mauernischen/ doch nie
sah ich, was wuchs unter den wechselnden himmeln/ die gezeiten trugen mich
fort/ auf windbewegten flügeln immer weiter/ fern von mir und meinem tun/ sah
ich die liebe erröten/ es lag musik in ihrem wesen und verwunschener tanz/ so
fand ich das verblassende echo nur in mir selbst/ und küsste hinter der hecke
heimlich die rosen
Und die Wellen brandeten an den Strand - nah der Dünen wuchsen mir
Flossen, und ein Schuppenkleid hüllte mich ein. Das wogende Wasser nahm mich
mit. Ich wuchs, wurde riesengroß. In der neuen Welt fand ich meinen Platz, doch
ich war allein. Einen Fisch wie mich gab es noch nicht. Und ich suchte
verzweifelt zwischen Algenwäldern und Muschelbänken. Kleine blausilberne
Fischchen wirbelten wie Schleier um mich herum - Ringe über Ringe – sich
weitend. Im Bauch wuchs Raum - hungernd - einer leeren hallenden
Höhle gleich. Dann sah ich dich: wie du im Wasser gegen die Strömung getanzt
bist und mich durch Algen Feueraugen anblitzten – augenblicklich stand ich
unter Strom - Flossen wedelten wild.
Mein Maul öffnete sich vor Staunen und schwups - schwammst
du hinein, als sei nun dein Zuhause in mir - in dem leeren gierigen Raum. Nun
war ich nie mehr allein – es bewegte sich in mir, purzelte quirlig im
Bauchraum, bescherte mir fremde Gefühle – auch Schmerz – nie warst du ruhig. Du
bist weiter gewachsen. Es ging lange gut, und wir wuchsen aneinander. Während
Flossenstöße Erdbeben in meinen Eingeweiden auslösten, verlorst du die Worte
und wurdest stumm. Nur noch Reibung spürte ich.
Wann wurde der Raum zu eng? Wuchs ich nicht schnell genug?
Ich war ja schon groß wie ein Wal. Du tobtest, deine Ausschläge schmerzten
heftig, als zwischen innen und außen kein Raum mehr war, und wir nicht mehr
unterscheiden konnten zwischen DU und ICH - fragte ich mich, verzehrtest du
mich oder verschlang ich dich?
So spuckte ich dich aus – fast wärst du in meinem Hals
steckengeblieben. Traurig, aber doch erleichtert schwamm ich zum Strand zurück,
verlor Schuppenkleid und Flossen, überquerte auf Beinen die Dünen und sah Land.
Vielleicht - irgendwann, wer weiß , werden mir Federn
wachsen und Flügel, und ich fliege hinaus ins weite Himmelsblau.
Nachsatz:
Ab und zu besucht er mich zwischen Himmel und Erde, einmal
als Fisch - dann schwimmen wir ein paar Runden miteinander - ein anderes mal
ist er Vogel - ich darf auf seinem Rücken sitzen, und er nimmt mich mit -
himmelan - manchmal lasse ich ihn hinein in mich - aber immer nur kurz - für
einen kleinen Augenblick.
da ist nichts außer der
stille, die mich umfängt - dunkel und dämonisch. wie gelähmt bleib ich stehen:
kein ton, kein klang, kein lied. zu watte verdichtet die luft, kein weiß
schenkt licht. fragen im kopf purzeln durcheinander, zerlegen sich in segmente
- die angst wird dicht und kalt.
da ist etwas - es kommt näher. ganz klein mache ich mich und stecke die hände
tief in die taschen hinein: finger finden etwas warmes rundes.
eine haselnuss
hier war ich schon mal - hatte ich damals nicht geschworen, nie mehr an diesem
ort zu stranden?
plötzlich wird mir bewusst, dass ich träume - kurz bevor das vakuum mich
erstickt - befehle ich mir aufzuwachen und stolpere mit klopfendem herzen aus
dem traum.
lange schlief ich nicht wieder ein. nur langsam beruhigte sich der puls. so
ließ ich die gedanken frei:
sie führen mich hinaus in die vollmondnacht, wandern zur kleinen terasse und
den drei hochgewachsenen wächtern, die - fast - zu einer einheit verwachsen ein
dichtes blätterdach über mich schirmen. im schatten von hollunder, haselnuss
holzapfelbaum finde ich trost.
es würde mich nicht wundern, wenn plötzlich eine kleine fee mit ihrem
zauberstab aus den stämmen springen würde, um mir einen wunsch zu erfüllen.
lächelnd schlafe ich darüber wieder ein
Wenn die Sprache das Meer ist, sind Zeilen die Wellen, Worte der Schaum
und Buchstaben Wassertropfen, die zwischen unendlichen Möglichkeiten verschwimmen
um neuer Klang zu werden und mit Wind und Möwen ein Lied zu singen, das Himmel und Erde miteinander verbindet.
Es braust und klingt wie Ebbe und Flut in den Adern.
Der Engel stand plötzlich vor
mir, reichte mir die Hand.
Wo war er so lange geblieben? Ich schaute ihn an - fragte: " Warum nur
haben mich alle guten Geister verlassen? Bin ich es nicht mal wert, von ihnen
beachtet zu werden?"
"Warum zweifelst du", sprach der Engel, " es scheint nur so. In
Wirklichkeit sind sie da - deine lichtvollen Boten - drehe dich herum: schau,
da sind ihre Spuren in deinem Schatten."
Ich drehte mich um. Mein Engel legte seine durchscheinenden Hände auf meine
Schultern. Ich spürte, wie seine Energie sich als warme fließende Kraft meinem
Körper mitteilte.
Ein Knoten löste sich- ich wurde ganz ruhig - und ich sah die geistvollen
Spuren
schon lange lag der See brach
unter dicken geriffelten Schollen aus Eis
erreichte nichts mehr den Grund
ob noch ein Fisch im Wasser lebte
oder eine einsame Wasserpflanze
ich glaube nicht
kein Vogel verlor blaue Federn im Uferkies
eine Frau fühlte sich klein
alle waren besser, fanden grandiose Worte
schafften Großes, waren interessanter
niemand hatte ihr je gesagt, wie schön ihre Stimme klang
und wie klar ihre Augen die Wolken spiegelten
kein Frosch holte eine goldene Kugel vom Grund
nur Traumtänzer versprachen ihr manchmal
die Sterne vom Himmel zu holen
kein Kirschkuss hatte bisher ihre Lippen geteilt
so verblasste sie bis sie fast durchsichtig war
ein kleiner Vogel spazierte durch den letzten Schnee
hinterließ Spuren - schwarze Zeichen im Weiß
die von ihm erzählten, wenn er längst davon geflogen war, dem Frühling entgegen
der wartete schon hinter dem Horizont mit seinem seidenen Blau
aber täglich kehrte der Vogel zurück in sein vertrautes Feld
ganz nah bei dem erfrorenen See und der verblassten Frau in der Hütte am Wald
sah er sie in ihrer gläsernen Durchsichtigkeit
vernahm er den klirrenden Frostgesang vom See
Lag nicht Trauer in allem Sein
der Vogel sang sein Lied unbekümmert
er brachte es mit
aus zukünftigen Frühlingstagen mit hohen Lerchenhimmeln
die so weit schienen und grenzenlos
und mit ihm kam ein lauer Wind und der Duft von Veilchen und Narzissen.
es war ein besonderer Tag, als die Frau ihren Kopf hob
aus ihrer Versunkenheit erwachte
den Duft erschnupperte, den Vogel sah und sein Liebeslied hörte
wie neu geboren stand sie auf und folgte den Spuren zum See
Sie nahm einen schweren Stein und schlug ein Loch ins Eis
ganz erhitzt verspürte sie das Leben in sich fließen - die Wangen färbten sich
in diesem Augenblick
als sie dem See Atem schenkte, begann sie zu singen
und weil ihre Stimme so klar war und hell, zersprang das Eis in tausend Stücke
In ihren Augen spiegelten sich die Wolken, und der kleine Vogel sah von weitem zu
In jenem Moment brach der eiserne Ring, der ihr Herz gefangen hielt, und sie begann das Leben zu lieben
...in einem anderen forum (siehe unten). zuerst berührte er mich sehr, später wurde ich wütend über ihn. Ich dachte nach, was kann das für ein mensch sein, an den der apell gerichtet ist? es müßte ein zwilling sein. folgendes gedicht entstand:
nina hing dir an den lippen
und las zwischen deinen sätzen
ihr lächeln war echt und sie hörte gut zu
zu gut für dich, klaus
ihr herz war weit
und hinter den masken
sah sie das zitternde kind
spürte die brüche
als seien es eigene
und hielt dem schmerz stand
trotz widerhaken
liebte sie dich
wie man seinen zwilling liebt aber du vertrautest und glaubtest nicht als türen sich endgültig schlossen
war der cut messerscharf
ein dolchstoss mitten ins herz seelisch fast verblutet seinen zwilling mordet man nicht
ohne sich selbst zu töten
Woher er wohl kam, dieser Ton, der etwas tat, wirkte, sich fortpflanze
und wie die Wellen im Meer am Strand verebbte - nicht ganz versandet, blieben
Spuren - Strandgut, herangeschwemmt.(weiter)
Ich folge dem Klang bis zum Grunde meiner Seele, dorthin - wo das Echo nur noch
flüstert.
In einem wilden Garten unter dem Meer wuchert es farbig. Zwischen exotische
Gewächse pflanze ich Herzsteine, gieße mit Tränen und begrabe unter dem Seegras
einen Schatz. Zwei Seepferdchen streichen wie tröstend um die Fesseln – das
wogende Meer nimmt mich mit - trägt mich.
Zwischen Ebbe und Flut wachsen mir Kiemen. Aus Beinen werden starke Flossen.
Zwischen kleinen Fischen mit staunenden Augen schwimme ich weit hinaus in die
blaue Unendlichkeit. Das langes Haar kräuselt sich zu Algen - schwebt auf dem
Wasser, wie ein goldener Schleier. Am Ende der Nacht stimmte ich ein in den
Gesang der Wale.
Und deine Stimme verstummt in den inneren Räumen. @ngie
Gute Nacht, ihr Künstler und Poeten - heute
ist mein Mond nicht blass. Wie eine reife Orange schwimmt er im Meer
aus Blau. Mit gerunzelter Stirn schaut er über die Dächer der Stadt und
schmunzelt leise in sich hinein: jahraus jahrein das selbe: im Park
hinter den Rosenbüschen küssen sich die heimlichen Paare, und schnell
nimmt er sein Licht von ihnen weg, denn Liebende, jene die sich gerade
gefunden haben, die meiden das Licht: sie sind beschäftigt mit Fühlen,
und entdeckt werden wollen sie schon gar nicht.
So winke ich dem Mond ein letztes Mal zu, steige ins Traumboot und
segle durch das Wolkenmeer hinüber zu den Sternen. Gerade sah ich den
Sandmann an mir vorbeiflitzen - Igelchen, ich hab ihm wieder etwas Sand
stiebitzt er passt nie auf. Möge die Nacht uns sanfte Träume schenken.
Ich ruhe auf dem roten Diwan
der wiedergewonnenen Stunden
die Augen geschlossen
Gedanken kommen und gehen
Räume - Raum - Räumung
versäumt, geräumt, noch nicht geträumt?
Was geschieht
wenn Gedanken Raum greifen in dir?
Erobern, verdrängen - nehmen sie etwas?
Oder verweben sich silberne Fäden
in dunklen Grund, feinzisiliert und zart?
Eine übersehene Rose findet sich in Bronze gefasst
Hinterlassen Goldfäden nicht leuchtende Spuren?
Nehme ich zuviel und gebe zuwenig
mache ich mich zu breit
auf der schmalen Lebensbank?
Meine feingewirkten Muster
weisen neue Zeichen auf
Raum wurde erobert in mir
sanft - friedlich, ganz ohne Gewalt
Noch gibt es genügend unbeschriebene Räume
in denen Feuer, Wasser, Luft und Erde heilend wirbeln
Ein Stern gleitet durchs weite All . Kühl wirkt er von fern und unnahbar. Niemand ahnt die innere Glut, die ihn vorrantreibt und nicht stillstehen läßt Wie ein Drache peitscht sein Schweif die kosmischen Himmel. Funken stieben in intergalaktische Spären. Er folgt seiner Umlaufbahn - eingespurt - energetische Kräfte halten ihn gefangen. Nichts hält ihn auf. Engel flüchten erschreckt auf entfernte Wolken
Vielleicht bin ich ja nur ein kühler ferner Stern, der gezwungen ist, einer vorbestimmten Umlaufbahn zu folgen.
Vielleicht sind wir alle Sterne, die in Ringen um einander herum kreisen, miteinander ringen und nach einem undurchsichtigen Plan miteinander verwoben wurden, ohne uns jemals wirklich berühren zu dürfen. Himmlische Platzhalter - das ist bitter - sorgen für die nötige Distanz.
Welcher unsichtbaren Anziehung folgen wir?
Was aber, wenn wir Berührung empfinden - ist es Schein oder Sein - und was, wenn wir diese Berührung erwidern wollen, und auf Abstoßung treffen?
Folgt man dieser Gedankenspur, ist es nur vernünftig, schön in seiner Umlaufbahn - fern von allem - zu bleiben, um nicht in Gefahr zu geraten, im universellen Chaos verloren zu gehen
!ch stelle mir vor, wie bunte Regentropfen vom Himmel fallen - gerade
löste sich vor meinen Augen ein Regenbogen in seine Farbpartikel auf -
und jetzt rieselt, rinnt und plitscht es - mir mitten ins Gesicht. Das
Eis um mich herum gleicht schon der Palette eines Malers. (weiter)
Wenn
das Herz gefesselt ist, du keinen Ausweg mehr siehst und das Gefühl
hast, in einer Sackgasse zu stecken, dann suche deinen Engel. Schaffe dem
Herz Luft und spreng seine Fesseln. Ja, ich weiß, es tut weh: plötzlich
Platz zu haben, kann schmerzen. Es sind Wachstumsschmerzen. Gibst du
dem Herz Flügel, dann breitet es seine weiten Schwingen aus, und erhebt sich wie
eine Lerche in den Himmel, stimmt ein in eine neue
Melodie.
Du schaust auf dich herab, siehst weit und über dich hinaus,
erkennst, dass du nur ein kleines Rädchen im großem Rad des Universums
bist, erspähst deinen Platz und siehst Türen, die du vorher nicht sehen
konntest.
Du trägst den goldenen Schlüssel in dir selbst, um alle Türen zu öffnen, die dir begegnen.
Eine Weile war dein Herz aus dem Takt, nun findet es seinen
Rhythmus, wird leicht. Alles Schwere läßt du für eine Weile hinter dir,
du tankst Licht.
Bedanke dich bei deinem Engel und freu dich ,
dass dein Blut lebendig fließt. Es ist Frühling, alles grünt, wächst
und blüht. Die Welt ist voller Schönheit und jeder Tag ein
neuer Beginn.