DU und ICH
was du mit den Wurzeln aus der Erde holst
die Kost
- im Stamm betreiben wir Assimilation -
verströme ich transzendierend über die Zweige
hinaus in den Äther
das System funktioniert
wir sind ein wirksames Paar
es
war eine Möwe am Strand
die mich lehrte
was es heißt, sich los zu lassen
im Spiel mit den Wellen
ließ sie sich treiben
ohne aus dem Takt zu geraten
und auch der Junge
zwischen Kind und Mann
kämpfte gegen die Brecher am Badestrand
selten zuvor sah ich sein Gesicht
so gelassen und entspannt
für diesen Augenblick
fand sich ein geeigneter Gegner
ich streiche die Falten aus der Stirn
öffne die Arme weit
dreh mich einmal um die Achse
soll der Wind kommen
von vorne - von hinten - von seitwärts
ich stelle mich hinein
sage der Sonne "Sei gegrüßt"
und stehe fest
die Füße im Sand verkeilt
und der Mund
der eben noch ein Schmollmund war
entspannt sich zum Lächeln
frisch und klar die nacht
ein flüstern in den blättern
erzählt vom sommer
fern die sterne schauen zu
bis der himmel sich rötet
wenn kurze nächte lange tage grüßen
dann schreitet sommer durch das land
und hängt ein licht in jedes blatt
auf flüssen schwebt verlockend funkeln
und grüßt von fern die vagabunden
die fernwehkrank ihr bündel packten
und reiselustig durch die Lande ziehen
das sprache nicht beschreiben kann
flügellahm, denkst du
und schimpfst mit mir
aber marie meint
ich sei so ruhig geworden
seltsam ruhig
dabei halte ich nur an
um nicht mitzudrehen
und im wirbel der zeit
mich nicht zu verlieren
den vulkan, der unterirdisch glüht
kann man nicht löschen
er wird spucken, wenn die zeit reif ist
verwurzelt
fliegen
angst orten - den schmerz aushalten
trauer
zulassen
und abschied nehmen
etwas sterben sehen
sich leer weinen
spüren
die füße ankern im boden
verwurzelt finden sie quellen
dort - wo die erde schläft
und pulsierend leben schenkt
mit dem
trommelschlag der zeit
schwingst du im gleichklang
fühlen
der
geist erdet im universum
gehalten - geführt
dort - wo der himmel sich
wölbt - wirkt
deine gedanken und träume beschützt
und dir nischen
gewährt
im grenzenlosen raum
atme sie ein - diese kraft - tief
dann lass los
die trauer, den schmerz und die angst
und lehr dein
herz fliegen
angie 2005
die traurigkeit
die sich zwischen uns breit macht
will ich nicht leugnen
doch ich möchte ihr nicht begegnen
jeden tag
von angesicht zu angesicht
deshalb wickle ich sie in buntes glanzpapier
und lege sie ganz oben ins regal
zwischen verdorrte äpfel und rosenblüten
vom letzten jahr
ein rest vom duft ist noch da
ich werde mich umdrehen
dich anschauen
und dir ein lächeln schenken
als ich einst träumte
in einer anderen nacht
erzähltest du von den farben
die in alten gärten zu blumen werden
eine bunte offenbarung hinter maigrünen hecken
und ich frage mich, was ich dir antworten soll
in dein unschuldiges herz
das schmerz und trauer kaum kennt
sieh, diesen knorrigen baum
eine alte olive - allein und übrig geblieben
aus visionen vom heiligen hain wuchs sie empor
sie webt die schatten in dein licht
und doch
sein laub flirrt in tausend facetten
der mann
der wie ein buddah sitzt
und dem ein fluss aus seinen händen sprudelt
sein kranz aus früchten lebt
verwächst mit haar und bart
er flüstert mit dem wind ein lied
die töne perlen mit dem strom
der sich zum meer hin schlängelt
dort, wo ein blauer fisch mäandert
der töne atmet durch die kiemen
er trägt sie fort zum fernen horizont
wo er sich aus dem wasser hebt
und als vogel durch die lüfte segelt
er trägt das lied zur insel
und legt es in die dünen
bis alles singt im großen chor
im kranz, der lebt
und auf des mannes kopf sich windet
und wo bleiben wir
mit den übervollen händen
aus denen die worte schäumen
die sich in träume zu schlängeln wünschen
nichts außer worte halten die hände
ein füllhorn voller poesie
doch zum zupacken
taugen die finger nicht
der schmerz staut sich am rand der nacht
und in die träume stielt sich bittersüß
ein hauch von überreifen früchten
wo doch der sommer fern sein spiel
mit blüten in den heckennischen treibt
und grüner klee nur kleinen wesen schatten gibt
ein wolkenengel trägt mich fort
in apfelblütenschäume
fern vom meer die amsel klagt
die nacht vergeht im morgenglühen
in meine händen bettet sich der traum
der raum öffnete sich vor meinen augen
aus den wänden wächst mir ein wald
heckenrosen ranken durch fenster und türen
stämme wie säulen, winterkarg
hin zum frühling färben sich zweige maigrün
blätter streichelt der wind
weiße blüten von schlehen rieseln
kränzen ebenholzfarbenes haar
lippenrot so stumm, wangen so blass
in weiße schleier gekleidet
trug man die braut zu grabe
als die sommerkirschen lockten
wenn seelen sich
treffen
zwischen zeit und raum
und traumverwehten spuren folgen
immer wieder die frage
wer hat die zeichen gemalt
die nicht wort sind
sondern ton und klang
der ohne ende
über horizonte klingt?
und immer sind da diese weiten
die zu überbrücken nur ein traum vermag
wenn ich mit meinem wolkenschiff an dir vorbei ziehe
wirst du mich sehen?
wirst du meinen traum ergreifen, wie ein seil
das verbindung schafft für einen augenblick
wissend, dass nur dieser moment
einer insel gleich
im lebensozean früchte trägt
da war im traum ein ferner gott
dem ich mein herz zu füßen legte
und blut, so rot, ließ rosenblüten wachsen
im heißen sand der wüstenzone
es lief ein dornig zittern über meine haut
und winde hatten freies spiel
im atemzug der ewigkeit
als raum und zeit und klang
noch ungetrennte dinge waren
wenn tränen sich mit den wellen mischen
verflüssigt sich dann der schmerz?
zieht er mit den schaumkronen gen norden in das land der alten götter?
wenn sie auf ihren steinernen thronen regieren, schweigend
tragen sie am saum des wassers die last der welt
der blick ist leer - von wind und sand glatt geschliffen
ihr haupt schwebt in den wolken
eine möwe hockt auf den fein gemeißelten füßen
erhaben und gelassen überdauern sie die zeit
und eine nimmt ein bad, lässt sich vom wasser tragen
um neugeboren zu stranden hinter dem horizont
ich werde aufhören zu träumen, eine weile
und die sternenschuhe an den haken hängen
vielleicht irgendwann
wenn der silberschweif den himmel flügelt
werde ich sie wieder anziehen für jemand
um auf wolkenschiffen zu gleiten
über horizonte zu springen
und ihn in sektperlenden ozeanen zu umarmen
doch jetzt trägt das leben mich hart
ich werde aufhören zu träumen, eine weile
werde Leinen kappen
und den Anker lichten
auf den Wellen des Lebensmeeres
meinen Zielen entgegenrauschen
wie ein wilder Schwan
der in sich den wahren Kompass trägt
und vor dem letzten Gesang
den ganzen Horizont ausloten will
um dann, später, hinüber zu fliegen
frei und ohne Angst
wider den winden
fahre ich kreuzweise durch die nacht
den tagtraum im griff
lege ich mich quer
durchstreife die zeit auf eigene art
ich träume mich in dich hinein
so, als seiest du meine höhle
in der ich geborgen und geschützt
meinen inneren frieden finde
wo mein "ichselbstsein" dir die stille
einer weißen winternacht schenkt
und du
dich in mich hineinträumen kannst
als sei ich deine höhle
in der du geschützt und geborgen
deinen inneren frieden findest
wo dein "duselbstsein" mir die stille
einer weißen winternacht schenkt
neu im uralten
geboren aus schaum
dem feuer nah
der asche vertraut
dem klang verbunden
verweht vom wind
in worte und tanz
gesungen, ein lied
verklungen im raum
zu erde geworden
zwischen zeiten
uralt im neuen
entfernt von dir, klangwelten weit
blühen verwunschene töne in verwaisten gärten
wenn der wind in den zweigen die harfe spielt
klingt es zurück in deine versunkene welt
du lauscht hinein, verwundert
die resonanz lässt neues in dir wachsen
Rose
so wie du errötest
unter meiner Blicke Sanft
und Blüte langsam sich nun öffnet
mich mit Duft betört
so will ich zart dein Blütenblatt berühren
mit weichen Lippen kosen
foto: Maren Beßler (www.pixelio.de)
Das Eis hält die Tage im Griff
raureif und tödlich in seiner Pracht
steht die Zeit still für einen Augenblick
fragile Schönheit erstarrt zu Frostblüten
unter den Füßen knirschen Kristalle
zerbrechen und klirren wie Glas
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