findevogels fundstücke

In Bewegung.....

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 3 Jun, 2009 @ 09:09
Lief ich vor mir selbst davon? Oder lief ich etwas Vagem entgegen? Die Sonne konnte sich heute nicht entscheiden, mehr als ein paar kleine Lichtsignale zu versenden, nein, eher war es wohl so, dass die Wolken nicht weichen wollten. Auf der Weide beäugten mich neugierige Kälber, und die braunschwarzen Pferde auf der Koppel gegenüber schüttelten ihre Mähnen und kosten einander, wie Pferde es tun. Am Anfang des Dorfes, das längst über seine Grenzen hinaus gewachsen war, zeigten sich immer noch ländlich-idyllische Bruchstücke und Flecken.
Wie das große alte Haus mit dem wilden Vorgarten hinter der Backsteinmauer, an dessen Mauertürchen ich immer stehen bleiben musste, um hindurchzuschauen zu staunen und mich zurückzuversetzen in meine Kindheitsvergangenheit, aber gleichzeitig auch - wie eine Vision - einen Blick in die Zukunft zu tun.
Ich kann es nicht erklären, aber manche Gebäude ziehen mich magisch an. Sie geben mir neue Gedanken ein und Geschichten.
Und dann an der nächsten Kreuzung beim Walnussbaum plötzlich soviel Licht - die Wolken gaben nach und ließen die Sonne hindurch. Sie hüllte mich ein in einen lichten, sanften Mantel, in den ich mich wohlig hinein streckte und ausdehnte, um nur ja keinen einzigen Lichtfunken zu verpassen.

Ein perfekter Augenblick: Stille, die klingt und harmonisch stimmt.

Dankbar setzte ich nach einer Weile den abgesteckten Weg fort.


von oben geschaut

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 5 Mär, 2009 @ 22:42
dem dom liegen die gärten zu füßen
jenseits vom grauen asphalt
und den blicklosen fenstern der hohen häuser
ungefügt und grau, aufgebrochen die erde
bereit zur saat
die unter den kühlen winden noch warten muss
hier und da eine verwinkelte laube
abgeblätterte farbe, schmucklos
leblose pflanzen zwischen abgehacktem holz
und erfrorenen blüten
silberfäden regnet der himmel
und segnet die wartenden beete
auf dass es wieder grünt und blüht
unter den zwillingstürmen


Am Veilchendienstag zu Köllen

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 24 Feb, 2009 @ 11:52

 

 

Mit ernsten weißen Gesichtern
am S-Bahngleis eingeflogen
weht Silberhaar  über den lichten Augen
die sauberen Taschen noch nicht gefüllt
flattern wie die weißen Flügel leise im Wind
Wo reisen sie hin auf Erdenwegen?
Zum närrischen Zoch no Ehrefeld oder Deutz!
Vielleicht gar nach Essen zum Hbf.
Denn dort funkt es schon SOS
nach dem himmlischen Paar.

 


Nahverkehr!

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 12 Jan, 2009 @ 12:58
Es war schon spät. Ob sie es wohl noch schaffen würde, die S-Bahn zu erreichen? Sie kroch in den warmen Wintermantel, schlang den langen grauen Schal mit den feinen Lochmustern um den Hals und tastete nach den Handschuhen in der anderen Jacke, hängte sich schnell den Rucksack um und verstaute ihr Handy in die rechte Manteltasche- vorsichtshalber. Gern steckte sie es nicht dorthin, denn es könnte unterwegs verloren gehen, aber gleich würde sie es brauchen - griffbereit!
Es wäre lästig - gerade jetzt mit den dicken Winterklamotten - erst den Rucksack von den Schultern zu nehmen, um das Handy in einer der Innentaschen zu suchen.
In die Schuhe geschlüpft, Haustürschlüssel geschnappt und los. Sie würde rennen müssen.
Eigentlich hasste sie diese Hetze, aber wieder einmal hatte das Telefon zum unrechten Zeitpunkt geklingelt und sie aufgehalten. Sie brachte es einfach nicht fertig, es klingeln zu lassen.
Atemlos erreichte sie die S-Bahnstation. Der Zug ließ noch auf sich warten. Auf der Treppe hinunter lag verharrschtes Eis, also vorsichtig und nichts übereilen.
Einmal vor ein paar Monaten beobachtete sie, wie ein Frau im mittleren Alter die Treppe hinunter gerannt kam, um die bereits eingefahrene S-Bahn noch zu erreichen. Die korpulente Frau fiel auf den letzten Stufen böse . Der Begleiter versorgte sie, und die S-Bahn fuhr ohne die eilige Frau weiter.
Ein anderer Fahrgast fiel ihr ein: der war hochalkoholisiert die Treppe zum Gleiskörper hinunter gefallen und hatte sich dabei zu Tode gestürzt. Die Kinder hatten davon erzählt, von der Absperrung und dem Polizeiaufgebot.

"Lieber eine Bahn fahren lassen", dachte sie bei sich, "als sich selbst auf diese Weise gefährden."
"Schließlich besaß sie ein Handy, war unabhängig und ihre Kunden in der Regel verständnisvoll."
Sie selbst war nicht motorisiert und aus diesem Grunde auf den öffentlichen Nahverkehr angewisen und hatte es sich zur Regel gemacht, bei Kontaktaufnahme mit angehenden Kunden freundlich darauf hin zu weisen, dass sie nie im voraus sagen könne, ob sie exakt und Punktum zum Termin erscheinen könne. Der Nahverkehr sei nicht immer pünktlich. In jedem Fall aber würde sie den Kunden telefonisch benachrichtigen, wenn der Termin sich mehr als 15 Minuten verzögern würde.
Sie hasste es, unpünktlich zu sein und schimpfte nicht selten auf die Bahn AG, die es offensichtlich seit Monaten nicht schaffte, regelmäßig den Fahrplan einzuhalten.

"Achtung! An die Fahrgäste der S-Bahn-Linie 11, Richtung Bergisch-Gladbach: die Bahn, fahrplanmäßige Abfahrt 9.25 Uhr, hat voraussichtlich 15 Minuten Verspätung."


Sie stöhnte und griff synchron mit anderen wartenden Fahrgästen zum Handy.


Vorweihnachtstrubel 1

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 4 Dez, 2008 @ 23:29

 

Gestern stand ich an der unterirdischen S-Bahnstation und wartete auf die Bahn, die sich natürlich verspätete. Viele Menschen waren mit Tüten und Paketen unterwegs, kamen wohl aus dem oberirdischen Einkaufszentrum.
Es war sehr aufgeregt und trubelig.
Plötzlich beginnt eine mollige Frau auf der anderen Seite des Gleises ein Lied zu singen "Guter Mond, du gehst so stille." Sie sang es, als sei sie eine Operndiva. Einige Kinder und Jugendliche äfften sie nach; Erwachsene lenkten ihren Blick auf die Frau, als sei diese das siebte Weltwunder. Einige wirkten irritiert, andere belustigt.
Die Sängerin mit den roten langen Haaren, die ihr auf die Schultern fielen - in Jeans und knappe Felljacke gekleidet - sang richtig gut und ließ sich nicht beirren. Um sich herum schaffte sie ihre eigene kleine Bühne, die sie mit Bravour und einer guten Portion Charme ausfüllte. Ich hätte ihr gern weiter zugehört, aber leider nahm die einfahrende Bahn sie in die Gegenrichtung mit.


Gestern Abend!

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 3 Sep, 2008 @ 09:49

Die Fahrt am Abend ist gruselig - warten im Regen - die Regenrinne malt blecherne Laute in die Nacht. Tropfentrommel-Rock! Der Bus ist noch nicht da. Drüben blinkt ständig ein Auto auf, ein zweites setzt sich genau davor.
Endlich der rotweiße Bus, vier Minuten zu spät, hoffentlich schaffe ich die S-Bahn noch, es ist 23.15 Uhr. Was tu ich bloß, wenn ich sie verpasse? Mit dem Bus zur Endstation fahren und den Busfahrer bitten, mir ein Taxi zu bestellen!
Der Fahrer fährt um die Kurven, als habe er den Führerschein bei Aldi erworben. Mein Regenschirm tropft.
Aufatmen, der Bus holt auf, entlässt mich pünktlich am S-Bahnhof - menschenleer - der Regen tropft umsonst, besprüht nur meinen Schirm. Ich bin gut behütet. Mir passiert nichts. Wo bleibt die S-Bahn nur. Ein Mann gesellt sich in meine Nähe, raucht Zigarette. Ich werde unruhig. Was, wenn...ich denke nicht weiter - mir geschieht nichts, eigne mich nicht zum Opfer! Fünf Minuten können lang werden, also rufe ich Zuhause an. Jedenfalls weiß jetzt jemand, wo ich bin. "Ganz ruhig Angie, du warst eben so entspannt. Nichts wird dir geschehen, du hast den unsichtbaren Schutzmantel umgelegt." sagt die innere Stimme. Ich schnuppere und versuche die gegenwärtige Atmosphäre zu orten. Tatsächlich spüre ich nichts Gefährliches. Auch Spannung liegt nicht in der regenweichen Luft. Ein bisschen Spannung ist nur in mir - da, wo die Ängste verborgen liegen. Das wäre ja noch schöner, wenn diese aufkeimende Angst mich daran hindern würde, mobil zu sein. Aus dem Alter bin ich raus.

Die S-Bahn kommt! Endlich! Ich steige ein, gehe nach vorn - alles menschenleer. Die Bahn braust durch den Tunnel - ungewohnte Fahrtwindgeräusche - ganz neue Klangwelten öffnen sich. Kurz bedaure ich, dass ich kein Aufnahmegerät dabei habe. Schon bin ich zu Hause. Eine Station fahren ist eben kurz. Am Bahnsteig stehen noch Menschen. Es regnet nicht mehr, nur die Bäume tropfen. Es ist 23.30 Uhr. Längst hat die Nacht ihre Tore geöffnet und alles verschluckt, besonders hier am Rande der Stadt. Ich glaube, beim nächsten mal fahre ich anders herum und bestelle ein Taxi.


Bonn - Rheinaue

Poesie, Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 14 Jul, 2008 @ 09:03

Das Wasser flirrt
mischt sich grün in grün
zur Symphonie
dazwischen blaue Fetzen
Himmel, den die Wolken freigeben
Graugänse formieren sich
zwischen den Booten
Lichtreflexe hangeln hoch
in die Spitze des Baums
wie die Wellen, flink

angelehnt an den Baum
lässt sich Sommer genießen
eine Rabenkrähe hüpft über die Wiese
ihre Geschwister spazieren stolz
Fuß vor Fuß
im schwarzen Frack
mein Kind, still wie ich, bei mir
wie versunken zwischen Teichrosen
geschenkte Zeit - eine leise Freude
und Leuchten im roten Haar


Wochenmarkt

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 10 Jul, 2008 @ 19:20

Es ist Donnerstag und nach dem Arztermin am Morgen bleibt noch Zeit, den Wochenmarkt zu besuchen. Das Ziel ist schon anvisiert, ein einheimischer Stand in der Mitte. Die Produkte kommen überwiegend aus der Nähe, ein Familienbetrieb mit eigenem Obst-und Gemüseanbau. Dort gibt es Saisonales. Gemüse und Obst. Die Menschen drängeln sich. Das multisprachliche Stimmengewirr wird überboten vom türkischen Marktstandbesitzer am Rande. Er hat die roten Paprika schon in großen Mengen abgepackt - mehr als genug für eine südländische Großfamilie - und verkauft sie zum Ramschpreis - wo die Schoten wohl herkommen, und was verdienen die Bauern noch daran? Von was existieren sie, um uns diesen Überfluss zu bieten? Pestizide?
Ich gehe so zügig wie möglich weiter - die Stände sind bunt und fließen über vor Waren, ein rotes Sommerkleid für fünf Euro, für den Fall, dass es noch mal Sommer wird, wie der Verkäufer zweifelnd meint. Ich muss meine Gedanken zusammenhalten, und auch mich selbst. Warum drängeln die Leutchen von allen Seiten, als gebe es etwas zu verpassen. Von recht schiebt sich ein Kinderwagen mit Zwillingen an mir vorbei. Von links versucht eine ältere Dame mit ihrem Gehwagen elegant an mir vorbei zu streifen.
Oh, stelle ich fest, der Käsestand ist wieder da, da könnte ich doch...nein, ich will ja die nächste S-Bahn nicht verpassen.
Und außerdem, reiß dich zusammen Frau, lass dich nicht hinreißen, du hast weder Einkaufswagen noch geräumigen Rucksack dabei.
Mit links kann ich zwar ein paar nicht zu schwere Tüten tragen, aber mit rechts, das macht der Arm nicht mit. Der trägt höchsten einen Salatkopf. Endlich stehe ich in der Schlange vor meinen Lieblingsstand. Dort wird wild gestikuliert und zwischdurch ein bisschen Tratsch ausgetauscht. Kleine Erdbeeren, hatte ich letzte Woche schon, duften mir entgegen und rote Johannisbeeren in rauen Mengen.
Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, denn ich habe fast noch nichts gegessen an diesem Tag.
Also: "Ich hätte gern zwei Schalen Erdbeeren, sechs Schalen Johannisbeeren" sonst lohnt sich das Marmeladekochen nicht, denke ich bei mir "und bitte geben sie mir ein Kilogramm süße Kirschen."
ich könnte auch Sauerkirschen kaufen, kommt mir in den Sinn?
Die junge Verkäuferin, die mich bedient bleibt erstaunlich ruhig, gelassen und aufmerksam. Obwohl Kunden sie mit Fragen nach Preisen bombadieren, bleibt sie höflich: "Darf es sonst noch etwas sein?"
"Was kostet der Romasalat?" frage ich
"Zwei Stück einsfünfzig"
" Ok, den hätte ich gern auch noch."
Sie packt alles in einzelne Tüten und ich bezahle. Nun zurück zur S-Bahn. Auf dem Weg dorthin überlege ich, obwohl die uralte Frau, vielleicht Oma oder Uroma der jungen Verkäuferin, noch lebt. Noch vor ein/ zwei Jahren war sie immer mit auf dem Markt. Ihr bäuerliches Gesicht, wettergegerbt und von Runzeln gezeichnet, war immer ausgesprochen freundlich, und für die Kinder, die im Kinderwagen saßen oder an der Hand von Müttern blieben, gab es Möhren und Äpfel umsonst. Den Müttern gab sie Tips, was man beispielsweise mit den Pastinaken oder mit dem Kürbis alles anfangen kann. Sie wirkte wie die Seele ihrer Familie, und hatte alles im Griff. Ob sie noch lebt?

Ich bekomme die Bahn noch, weil sie Verspätung hat und bin stolz auf mich, gerade mal knappe fünfzehn Minuten hat mich der Markt an Zeit gekostet, und ich habe nur eingekauft, was ich so gerade tragen kann.
Schade nur, dass es noch keine Stangenbohnen gibt. Mich gelüstet nach Rindfleischeintopf mit grünen Bohnen und Kartoffeln.


Ein schöner Sonntag!

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 2 Sep, 2007 @ 22:46
Mein Sonntag war wunderbar entspannt.Ich nahm mir ein paar Stunden Familienurlaub und verbrachte ihn mit einer Freundin in Köln. Beim Frühstück in der Innenstadt - interessiert beobachteten wir die vorüberstreifenden Passanten, ein buntes Völkchen altersgemischt - eine ganze Truppe junger Männer im Bärbelchenkostüm lief im Eilschritt an uns vorbei - gingen uns die Gesprächsthemen nicht aus. Wir genossen das Glockenspiel vom Rathausturm.

BÄRBELCHEN ist eine stadtbekannte Persönlichkeit: Stockpuppe und eine der Hauptfiguren im Hänneschen-Theater. Vor ein paar Jahren betreute ich eine Klientin, deren Vater vor vielen Jahrzehnten noch mit dem Hänneschen-Theater übers Land gerollt war und später in Köln einen Antiquitätenladen führte, in dem sich die Stadt-Prominenz traf.
Sie erzählte spannende Geschichten aus Köln: Interna, von denen die Immis ansonsten wenig erfahren.
Weiter ging es zum Antiquitätenmarkt auf dem Neumarkt - sehr belebt, mit ausschweifender Gastronomie und einem Klavierspieler, dessen sanfte Töne man auch hörbar auf CD hätte kaufen konnte. Ich nahm vieles in die Hand: schöngeschliffene Gläser, Irdenes, Leinernes mit Spitze, Kunstdrucke, kaufte aber nur ein guterhaltenes Märchenbuch mit ansprechenden Illustrationen. Das ältere Bücher-Paar am Stand war ausgesprochen sympathisch. Das Veedelsfest in der Pfeilstrasse - zu dem wir gehen wollten - hatte wohl an einem anderen Tag ohne uns statt gefunden.
Wir beschlossen noch einen Kaffee auf dem Rudolfplatz zu trinken und dann auf die Rheinpromenade zu gehen. Wir kamen am Hänneschen-Theater vorbei und - die Bärbelchengruppe vom Vormittag hatte mich daran erinnert, dass ich noch nie eine Abendveranstaltung für Erwachsene besucht hatte - ich kaufte Abendkarten für die Vorstellung an meinen Geburtstag. Endlich am Rhein schauten wir eine Weile ins Wasser und lauschten zum Abschluss auf einem Mäuerchen im Rheingarten sitzend - einer wirklich guten Samba-Gruppe. Die spielten echt gut . Der Leiter wirkte bühnenerfahren und kannte sein Charme-Potenzial. Wie wenige andere Zuschauer konnte auch ich nicht stillsitzen, weil der Rhythmus mir einfach ins Blut und in die tanzlustigen Beine schwappte. Lustig: der Stadtstreicher mit hochgestapelten Rückengepäck - Isomatte, Schlafsack, Rucksack - der eine lebensgroße Babypuppe - rosagekleidet - mit sich führte, das Puppenkind zum Rhythmus tanzen ließ und mit ihm umging, als sei es ein lebendiges Kind von knapp einem Jahr, während er selbst sich ebenfalls sehr geschickt im Takt der Musik bewegte und zwischendurch an der Bierflasche nuckelte.
Der Mann schien gut drauf zu sein. Er wirkte nicht so heruntergekommen und abgerissen, wie viele andere alkoholisierte Stadtstreicher in den Großstädten. Insgeheim fragte ich mich aber doch nachdenklich, was einen älteren Mann bewegt, der offensichtlich auf Fußwanderung ist und eine Puppe mit sich führt, als sei sie sein Enkelkind?
Leider musste ich dann aufbrechen: durch den Rheingarten, hinauf zur Philharmonie, vorbei am Museum Ludwig und über Gleis 1 in den HBf, wo ich nicht lange auf meine S-Bahn warten musste.
Das Wetter hat gehalten und ich habe einige wunderbare Blicke aufgefangen. Auch ich war gut drauf, und etwas davon schwappte herüber zu den Menschen, die aufmerksam sind.


Unterwegs heute...

Poesie, Jahreszeitliches, Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 13 Jul, 2007 @ 19:53
Lieben Sie Regen?

Der Sommer kann sich nicht entscheiden
wäre wohl lieber ein Winter geworden:

Vor dem Haus in dem Vorort hinter den S-Bahngleisen
ist der Kirschbaum längst abgeerntet
Unter einer Plastikhülle versteckt sich der Sonnenschirm.
Der alte Mann mit dem langen weißen Haar
sitzt heute nicht mit seiner Zeitung vor der Tür
und schon vermisse ich ihn
auf meinen sich wiederholenden Wegen
Und frage mich....


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aufgefallen 2

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 10 Jun, 2007 @ 00:06


mister nikolaus 2007

sein anzug hat sieben taschen
jede vollgepackt mit kleinen bunter päckchen
flach - nicht auftragend
darin der kick, das manna, bunte träume schenkend und manische energie
vergeßdochpillen und ... er sieht gut aus
mit feingeschnittenem gesicht
und himmlisch - diese so ungemein schmeichelnde stimme

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aufgefallen 1

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 8 Jun, 2007 @ 22:46
Aldi - Chorweiler: die zunehmend verwahrloster werdende Enklave im Kölner Norden vor den Toren des Einkaufszentrums - drinnen alles sauber, immer in Bewegung, kein Laden hält sich lange, Gastronomie auf kleine Geldbeutel eingestellt, Billigläden, der 1-Euromarkt wechselt regelmäßig seinen Standort und auf den WC´s findet man schwarze, junge Frauen mit drallen Körpern und in viele Zöpfe geflochtene Haare, eine sang die ganze Zeit Gospels und Spirituals, besaß eine freundliche und ungemein warmherzige Ausstrahlung. Ich hätte sie gerne kennengelernt.
Rund ums Center - draußen - treffen sie sich, die Penner, Alkoholiker und Ausgegrenzten. Es sind immer die gleichen Gesichter, sie belegen jede Grünfläche, jede Bank. Ihre Flaschen haben sie dabei. Schon vormittags bei trockenem Wetter sieht man sie. Haben die kein Zuhause? Die Kneipe ist kurzerhand und geldbörsenschonend nach draußen verlegt. Im Winter ersetzt die U-Bahn-Haltestelle den Tresen. In den Ecken des angrenzenden Busbahnhofs stinkt es nach Urin und vor dem Abgang zur Untergrundbahn nach altem Qualm und ungewaschenen verschwitzten Körpern. Steigt man herab, steht man zwischen den Überresten der Wohlstandsgesellschaft. Wohlstandsgesellschaft? Hier sicher nicht, denn die Armut ist mit allen Sinnen zu erfassen, nicht nur die materielle. Ein Überfluss an Müll ist liegengeblieben. Dazwischen gehen die unzähligen Tauben spazieren.

Was tut die junge Frau mit den schwarz gefärbten Haaren bei den Alkis? Sie sieht gut aus, trägt gepflegte schwarze Kleidung und keinerlei Ausgrenzungsmale. Sie ist beschwingt, ihre Stimme hell und laut. Nah bei ihr ein Mann mit schütteren langen Haaren im Unterhemd - dünn, wie ein Skelett. Es muss ein Drogenabhängiger sein. Überhaupt scheinen die hier eine Allianz miteinander eingegangen zu sein und sich prächtig zu verstehen.
Die Szenen sind mir vertraut, denn ich komme fast jeden Tag hier vorbei, nur das junge Mädchen sah ich nie. Wie kommt sie hierher; was sucht sie, welche Geschichte verbirgt sie?

Und überhaupt, wo haben sie alle heute ihre Hunde gelassen?


wasserlandschaften

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 22 Apr, 2007 @ 22:19
Worringer Bruch

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mal wieder im Zoo!

Fundstücke, Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 18 Mär, 2007 @ 19:12

Flamingos im Kölner Zoo


eine ungewöhnliche begegnung

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 15 Jan, 2007 @ 22:41
ich wartete auf die bahn - und mir war in meinem schwarzen wintermantel viel zu warm, denn es war frühling mitten im januar. etwas krächzte unaufhörlich und unmelodisch. es dauerte eine weile, bis ich sie entdeckte: eine saatkrähe mitten in köln. in ihrem schwarzglänzendem federkleid stolzierte sie selbstbewusst über das bahngleis - immer weiter über den silbernen schienenstrang. sie war ganz schön laut. plötzlich flog sie hoch und setzte sich auf das geländer zwischen straße und bahnsteig.

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ein hauch nur

Poesie, Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 28 Dez, 2006 @ 14:01


lautlos gleitet

im schatten der nacht
wem der wind flügel schenkt
verschluckte tage
in die ein KAUM stille haucht
unfassbar
bevor der morgen
dem grau der stadt rouge auflegt
und in der blauen stunde
die letzten bordsteinschwalben
in ihre traurigen betten steigen
und ein vergessenes mädchen
zwischen rinnsteinen
nach verlorenen worten sucht

siehst du sie?
sie trägt das herz im gesicht
geöffnet wie ein seltenes buch
und in ihrer unschuld
gleicht sie dem ersten schnee


Magisches Blau 23

Magisches Blau, Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 16 Nov, 2006 @ 21:38

pinguin

ein munterer Geselle im Kölner Zoo. Dort sind wir inzwischen, dank Jahreskarte, Stammgäste, manchmal auch nur, um einen kurzen Spaziergang zu machen, die Elefanten zu besuchen und im Zoo - Ambiente einen Kaffee zu trinken. Im Stadtteil Riehl, wo der Zoo liegt, würden wir gerne wohnen.


fast eine perfekte scheibe

Poesie, Jahreszeitliches, Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 5 Nov, 2006 @ 21:14
es lockt der mond mich
heut

in die gesichter von menschen
die bunt und aufgeregt ihr blass
in den himmel schieben
schon hebt sich über novembergrau
zum abend hin
eine vollreife orange
fast
etwas fehlt noch am rund
wir schauen uns an, schütteln den kopf,
staunen nur, und ich reich dir die hände
wir schließen unseren inneren kreis
überall farbe und spannung
im sonntagsflau

geschäftig
als sei weihnachten schon morgen

und es bleibe keine zeit mehr
zum

wünschen und träumen
@ngie


momentaufnahme 2

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 27 Okt, 2006 @ 12:39
Ich steige in die S-Bahn, Bahnhof Mülheim ein. Sie wird mich in 25 Minuten in den Kölner Norden fahren, wo ich lebe, alles grün ist und relativ ruhig. Rundherum ein Durcheinander verschachtelter Häuserblocks, Armenviertel - heruntergekommen und schmutzig und dazwischen Geschäfte - es ist laut, denn die Frankfurter Strasse ist vielbefahren und führt mitten durch das Viertel. Imbissstuben multikulturell, verblichene Cafes und Stadthausfassaden aus der Gründerzeit. Frisch renoviert sprechen sie von den "besseren Leuten". Mit Mülheim verbindet mich viel, wie überhaupt mit allen eher vergammelten Stadtteilen in Köln . Meine Klienten leben meist dort. Es gibt hier noch heruntergekommene Wohnobjekte ohne Bad und Heizung. Familien mit vielen Kindern leben dort. Alkoholiker an allen Ecken, Drogentreffpunkte, Kleinkriminalität. Von irgend etwas muss Mensch ja leben. Harz IV reicht hinten und vorne nicht. Überall Ratten und soviel Schmutz. Die Menschen, die dort leben, haben keine Hoffnung mehr. Sie geben die Hoffnungslosigkeit weiter an die Kinder, die sich selbstüberlassen auf verdreckten langweiligen Spielplätzen spielen. Sie sehen verwahrlost aus. Warum sich anstrengen? Hat doch eh alles keinen Sinn. Selbst die Arztbesuche werden vermieden. Ein- bis zweimal pro Woche kommt der Lebensmittelwagen in die Siedlung und verteilt kostenlos an die Bewohner, was in den Geschäften und auf den Märkten übrig blieb, nicht mehr verkauft wurde - schließlich gibt es Verfallsdaten. Das Gedränge ist groß und es wird gerecht nach Liste verteilt.

Aber eigentlich wollte ich von dieser Frau um die Vierzig sprechen, die ich sah und beobachtete, als ich auf der Querbank im hinteren S-Bahn -Waggon Platz nahm:

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momentaufnahme 1

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 26 Okt, 2006 @ 18:17
Menschen sind verschieden!

Dieser Taxifahrer heute, 77 jahre alt und scheinbar fit wie ein Turnschuh, zumindest psychisch und geistig - erzählte gern, konnte gut reden, Oktoberwaage, seit 51 jahren fährt er durch die Weltgeschichte, erst als Fernfahrer, dann als Krankenwagenfahrer und jetzt schon lange immer noch als Taxifahrer - er kennt seine Zunft und die Tricks - 25 Prozent Geschäftrückgang in der letzten Zeit, allgemein - nun den Leuten sitzt das Geld nicht mehr so locker - wie gut, sagt er, dass er Deutscher ist:

"Sie glauben gar nicht wieviele Leute an den türkischen Wagen vorbeigehen, weil sie einen deutschen Fahrer haben wollen, kann man doch verstehen, oder?"

Fahrerinnen, nein die fahren abends fast gar nicht mehr, mussten ja unterschreiben, dass sie auf eigene Verantwortung unterwegs sind - abends - wegen der Überfälle. Er kennt sich noch aus im Gegensatz zu seinen älteren Kollegen, die Straßennamen vergessen und keine Schleichwege mehr kennen und finden und überhaupt. Er erzählt weiter, scheint dankbar zu sein fürs Publikum:

"Ich sprach gerade mit dem Fahrer dort vor der Klinik über einen ehemaligen Arbeitskollegen - 70 - jetzt hat er Alzheimer und kennt niemanden mehr - aber am schlimmsten waren immer die Fahrten zum Mildred-Scheel-Haus - Hospiz - da bleiben die Menschen nicht lange, Endstation.
Ich war noch dabei als die Frau Scheel das Hospiz einweihte. die hat ja damals nicht gewusst, dass sie mal an dieser Krankheit sterben wird. Und sauber sei es dort, unwahrscheinlich und die Schwestern so besonders nett.
Es ist 16 Uhr und er seit 5 Uhr früh in Köln unterwegs- ist seine letzte Fahrt für heute. Müde? Nee müde sei er nicht, das mache ihm alles nichts aus. Er wird ein S tück größer, als ich ihn vorsichtshalber auf siebzig schätze - seltsam, auf der Hinfahrt war der Fahrer auch schon etwas älter und hatte leichte Orientierungsschwierigkeiten.


stadträume 2

Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 6 Okt, 2006 @ 13:03
die stadt ist eine riesin. sie besitzt fangarme, wie ein oktopus - fängt dich ein, zieht dich in ihren bann. heute morgen wirkt sie ausgeschlafen, die runzeln im gesicht sind galattgebügelt und der regen hat ihre haare geringelt. jung und frisch hüpft sie in bunten plastikstiefeln durch die regenpfützen und pfeift ein unanständiges gassenlied. im nebel klingt alles gedämpft nur die scheppernden geräusche von metall auf asphalt klingen spitz und grell in meinen ohren. in der altstadt werden gerade die kölschfässer verladen. ein türke steht vor seinem schmalen lokal - packt aus den einkauf vom großmarkt - mindestens zehn kindskopfgroße weißkohle im netz, zähle ich und die gleiche menge gemüsezwiebeln, ein knoblauchzopf und eine ganze bütt voll möhren. sicher alles aus der ville zum großmarkt gekarrt.

im lied der riesin plätschert der rhein - eine schiffshupe und das tuckern der motoren von verladeschiffen klingt mit.
fröhliche gelassenheit strahlt die riesenkrake aus.

es ist meine stadt, und gerade erst beginne ich, ihr die geheimnisse zu entlocken. in meinen augen hat sie einen vielschichtigen reiz mit ihren alltagsspuren. ich bin begierig, all ihre räume zu entdecken.


herbst 2

Poesie, Jahreszeitliches, Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 3 Okt, 2006 @ 22:49
am aachener weiher


graue wolken fallen tief
versinken still im weiher

schwanenstart zum flug
jogger spiegeln sich rot - kurz
noch sind bäume grün

inmitten der sonntagsruhe
drängeln sich karpfen im nass

@ngie


Heute bin ich High von dieser Stadt

Poesie, Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 13 Sep, 2006 @ 00:41

Unter raschelnden Bäumen
fliege ich stöckelnd
über verschwimmenden Asphalt
auf der Hohenzollernbrücke
rattert die S-Bahn nach Neuss

während Kaiser Wilhelm, der I. stumm auf seinem Ross
schon seit ewigen Zeiten
die grüne Brückenwacht hält

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Klanglandschaften 1

Zwischenmenschliches, Stadtmosaik — geschrieben von findevogel am 25 Aug, 2006 @ 21:24
Ich finde menschliche Stimmen faszinierend - Wahnsinn, was sie an Emotionalität vermitteln können. Lautstärke an sich stört mich weniger, eher wenn Stimmen einen schrillen oder aggressiven Ton annehmen. Ich wohnte in Köln mal in der nördlichen Altstadt, nahe beim Dom: in der Nähe war die Musikhochschule, jede Menge übende Musikstudenten wohnten in der Nachbarschaft, aber auch italienische Familen, deren Mamas von oben lautstark nach ihren Kids riefen und die Türken mit ihrer orientalischen Musik. Zwischendrin Kölsche Töne. Ein paar Schritte entfernt in der Weidengasse ist die ganze Strasse in türkischer Hand: Restaurants, türkische Alträucher, Kurmelsläden mit einem bunten Sammelsorium an Waren und über allem der Duft von frischem Fladenbrot. Wenn ich durch diese Gasse ging, schaute ich mich vorsichtig um - da lag auch etwas Unheimliches in der Luft und hinter den geschlossenen Türen und Fenstern. Pänz - multikulti - gabs überall, auch streunende Katzen die nachts im Liebesrausch maunzten und wie im Süden Vögel, die im Sommer auf dem Balkon zum Innenhof zwitscherten. Unsere Wohnung war eine Hinterhofwohnung. Vor der Haustüre schlenderten abends die schon etwas abgetakelten Prostituierten und warteten auf Freier. Veedelkneipen gabs auch in der Straße. Es war eine sehr anregende lebendige Klanglandschaft, die uns um die Ohren brauste. Die Wohnung war etwas zu dunkel, deshalb zogen wir nach ein paar Jahren um, ich wäre gern dort wohnen geblieben. Die Mauern waren dick, schluckten die Geräusche und hielten im Sommer die Hitze draussen. Wir heizten mit Kohle. Das Stimmengewirr vermittelte sich über die zum Innenhof geöffneten Fenster. Das Veedel, etwas herunter gekommen, inzwischen teilweise restauriert hat etwas: Lebendigkeit und Vielfalt und die ganze innerstädtische Kulturlandschaft lag zu unseren Füßen, nur wenige Schritte entfernt.

Ich glaube, wenn meine Kinder aus dem Haus sind, ziehe ich wieder in die Altstadt.


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