findevogels fundstücke

Vom Meer noch mehr...

Vom grünen König und seinem Reich — geschrieben von findevogel am 21 Okt, 2008 @ 22:21

In meinem blauen Haus hinter den Dünen lebt ein lichter Geist. Er gurgelt Töne, pfeift mit dem Wind und singt die Gegenstimme, wenn meine Lippen Lieder wieder entdecken. Im Duett findet sich nicht nur Harmonie. Die schrillen und dumpfen Töne, sie gehören dazu. Wenn es mir zu bunt wird, dann öffne ich das Fenster zum Meer und lausche eine Weile Wellen, Wind und Möwen.
Derweil tobt sich der lichte Geist im Schornstein aus. Und ich schließe das Fenster, setze mich an den Küchentisch. Zeilen schreiben sich wie von selbst.
Und dann setzt er sich neben mich und ist zahm und still wie eine Schmusekatze, die in der Sonne döst.

 

***

 

Was aber wird der Fürst des Meeres zu den neuen Liedern sagen, die der Wind in die Korallenwälder weht; zu den machvollen Gesänge, die mit dem Schaum der Wellen in alle Welt ausströmen; was zu den girrenden Zischellauten die Huckepack auf den Algen reiten?
Und was - sag mir - zu den verstümmelten Silben, die klagend aus gebrochenen Herzen rieseln und die sich in den Sand der Strände mischen? Das gemalte Herz im Sand hat die Flut gestohlen. Wo trägt sie es hin?
Wird der Fürst hören, was die Erde ihm zu erzählen weiß mit Engelszungen?
Was ist fähig, sein Eremitenherz zu erweichen, ihn sanft zu stimmen und ein Feuer in seiner Brust zu entzünden?

Ich traf den grünen Delphin Smaragd, meinen Freund aus einer anderen Zeit. Er flüsterte mir von den heilenden Gärten unter dem Meer und jenseits der Worte, dort wo die Stille zu Hause ist.


Vom grünen König

Vom grünen König und seinem Reich — geschrieben von findevogel am 23 Aug, 2008 @ 19:48

Die vergessenen Worte versteckten sich bei den Sternen . In der Nacht ließen sie sich vom Himmel fallen und sanken auf den Grund des rubinroten Meeres. Der grüne König erwachte von einem Klirren. Er staunte über das farbige Licht in seinem Reich, das nicht von den mondmatten Perlen und Muscheln her rührte. Er war allein. Weder seine vielgestaltige Geliebte, noch die kleinen Fische, die ihn sonst stets umschwärmten, waren zu erblicken. Wo waren seine acht Töchter. Es war still. Kein silberhelles Kichern war vom Schloss her zu hören. Vielleicht hatte das neue Licht ihnen Angst eingeflößt und sie vertrieben. Er raufte sich die Haare und versuchte zu verstehen, setzte sich auf, nahm seinen Dreispitz und versuchte das Licht zu fangen, doch es entzog sich. Schließlich ruderte er mit seiner starken Rückenflosse eine große Runde um sein Reich. Überall dieses Licht.
Er stand vor einem Rätsel. Was war geschehen. Etwas wie Angst runzelte ihm die Stirn.

 

Noch nie in seinem langen Leben hatte der grüne König sich mit Angst geplagt. Jetzt runzelte er traurig die Stirn und fragte sich,
ob es wohl das Älterwerden sei, das ihm nicht nur seine Vitalität raubte, sondern auch die optimistische Grundhaltung, die ihm bisher zeitlebens eigen war.
Natürlich spürte er schon eine Weile, dass die Kräfte langsam nachließen und er viel lieber zu Hause auf dem grünen Algensofa saß, als zu den Grenzen seines Landes zu schwimmen, um sein Gebiet zu schützen. Dazu hatte er ja auch eine gut ausgebildete Armee aus Spähern, Kundschaftern und Diplomaten. Und die Weisen seines Ozeans verwandelten sich regelmäßig in Meeresschaum und gelangten so, wohin auch immer sie wollten.

Der Dreispitz hatte schon lange verrostet am Haken gehangen und taugt nur noch zum Einfangen verlorener Worte. Zum Glück waren die Zeiten friedlich und die Nachbarländer mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Sieben der acht Töchter des grünen Königs waren längst erwachsen und mit der eigenen Brut beschäftigt. Die vielen kleinen Nixen, Seejungfern und Wassermänner hielten sie in Trapp. Diese Kinder waren recht anstrengend und sehr anspruchsvoll. Nun kleine Prinzen und Prinzessinnen müssen eine Menge lernen, schließlich hängt von ihnen ab, ob es den Bewohnern Ozeaniens einmal gut gehen wird. Da sind viele Dinge zu bedenken und man braucht einen gut trainierten Körper, eine klaren Kopf und einen gelassenen Geist.
All das wusste der grüne König, denn sein Geist war klar wie das Wasser aus der verborgenen Quelle unter dem gläsernen Thron seines Spiegelschlosses. Von seinem grünen Sofa aus schaute er in seine Welt hinein, und er sah seine Enkelkinder wachsen und mit den Seepferdchen spielen.
Manchmal leistete ihm seine vielgestaltige Geliebte, die zauberhafte Hexe Immergrün, Gesellschaft. Wie keine andere seiner Frauen verstand sie es, ihn mit ihren immer neuen Geschichten aus seiner Versunkenheit und den Grübeleien über das Alter heraus zu holen, während die kleine Marielena, ihre gemeinsame Tochter, als jüngstes Kind das Recht hatte, der Seeharfe sphärische Klänge zu entlocken.

Vielleicht, dachte der alte König, sollte er abdanken und einen neuen König bestimmen.
Die modernen Zeiten waren schwer zu verstehen. Er würde sich mit der Hexe Immergrün beraten und nun versuchen zu schlafen. Der Morgen war noch weit, und wer weiß, vielleicht löste ein Traum das Rätsel um die seltsame Atmosphäre, die ihn heute so erschreckt hatte.


Es lockt Türkis

Vom grünen König und seinem Reich — geschrieben von findevogel am 14 Jun, 2008 @ 15:27

www.pixelio.de - @suzi

unruhig dieses türkis
spannung teilt sich mit
als sei eine geigenseite
gestrichen vom magischen bogen
der ton schwillt an

schwingt – weckt auf
zersplittert


im nachhall lang
verlangt einen neuen bogenstrich
sehnsucht nach verlängerung
endlos wie das meer
im kreislauf von wellen und wind
melusine im schlangenleib lockt
mit sirenengesang
bis ein boot zerschellt
am klippenrand

und der  wind streicht über das wasser, gibt den wellen seinen atem
türkisblaue kraft türmt sich hoch, setzt schaumkronen auf
donnert  mit paukenschlag an den langmütigen  strand


Ich eile ohne Weile

Vom grünen König und seinem Reich — geschrieben von findevogel am 1 Feb, 2008 @ 13:36

wir rennen hinaus
und springen durch Pfützen
wir fragen den Wind
ob er uns verweht
oder vielleicht
versteckt hinter den Hecken
Siebenmeilenstiefel
zwei Paar
wir werden ihn fangen
mit Netzen umschlingen
der windigen König
wird zappeln gleich einem Fisch
und nicht entwischen

oh, mir verschlägt es die Sprache
ich bin perplex
es ist der Grüne König ohne Land
der am Grund kein Gold sucht
sondern die Worte


Medusa erzählt

Vom grünen König und seinem Reich — geschrieben von findevogel am 7 Jan, 2008 @ 22:08

Einst traf ich Katharina. Sie war traurig. Ich tröstete sie und kämmte ihr kastanienbraunes Haar mit einem goldenen Kamm. So kam es, dass sie mir eine Geschichte erzählte:

"Der grüne König war manchmal ein Fisch im rubinroten Meer. Ab und zu wurde es ihm langweilig in seinem Reich am Grund des Ozeans. Er sprang hoch über den Wellen, wie ein Delphin. So sah ich ihn an jenem Tag, als ich mich entschlossen hatte, einem Ruf zu folgen, den ich in meinem Inneren gehört hatte. Ich lieh mir von den Fischern im Hafen ein blaues Boot, und segelte hinaus zu der kleinen Insel hinter dem Horizont.
Wenn ich gewusst hätte, was mit mir geschehen wird, ich weiß nicht, ob ich den Mut aufgebracht hätte, mich diesem Abenteuer zu unterwerfen.
Der Fisch und ich - unsere Blicke trafen sich und etwas schwirrte plötzlich durch die Luft: regenbogenfarbige Liebesäpfel. Da war etwas, das hatte ich noch nie erlebt. Kennst du das Gefühl, endlich nach langer Reise angekommen zu sein, und durch und durch zu begreifen und zu verstehen, was es heißt, zu Hause zu sein?
Für einen Menschen, der vor langer Zeit sein Zuhause verloren hat, etwas wie ein Wunder.
Der Fisch war riesengroß und verschlang mich mit einem Biss. Nichts hatte ich ihm entgegen zu setzen, denn die Liebe, die mich ihm verband machte mich wehrlos. Eine Liebe, die anders ist, als die zwischen Mann und Frau. Der Biss tat nicht weh. Eine spiralförmige Rutschbahn wie aus rosaroten Perlmutt führte mich in den inneren Garten des Fisches. Dort lebte ich eine Weile. Es ging mir gut, denn der Fisch verstand mich, wie kein anderer und nährte mich mit allen seinen gesammelten Worten. Ohne es zu wissen, hat ich schon immer darauf gewartet. Begierig labte ich mich an ihnen, konnte nicht satt werden. Ich wuchs, und es wurde enger um mich herum. Schon bald füllte ich den gesamten Garten aus. Ein wenig später konnte ich kaum noch meine Glieder bewegen. Der Fisch verlor seine Worte. Ich lag ihm schwer im Magen, und eines Tages spie er mich aus. Ich flog durch die Luft zurück in den Hafen, wo mich keiner vermisst hatte. Ich war ganz allein, fühlte mich verloren und konnte vor Kummer kaum atmen. So setzte ich mich in den sommerwarmen Sand, bis eine Möwe sich neben mir nieder ließ, mich tröstete. Der Schmerz brandete in mir wie Ebbe und Flut. Es wurde Nacht und wieder Tag. Als sich die Nacht zum dritten mal über mich senkte, hatte ich keine Tränen mehr. Zum Glück wurden die Gezeiten des Schmerzes um den Verlust flacher. Wäre die Möwe nicht bei mir geblieben, mir wäre das Herz gebrochen.
Das ist nun schon sieben Jahre her - eine lange Zeit - aber die Sehnsucht ist geblieben. Ab und zu gehe ich zum Strand und schaue hinaus auf die Wellen: und manchmal für einen kleinen Moment sehe ich ihn, und er sieht mich - und die Liebesäpfel fliegen - tragen trotz der Ferne eine beglückende Botschaft. "


Vom grünen König

Märchenhaftes, Vom grünen König und seinem Reich — geschrieben von findevogel am 6 Jan, 2008 @ 22:22


Die vergessenen Worte versteckten sich bei den Sternen . In der Nacht ließen sie sich vom Himmel fallen und sanken auf den Grund des rubinroten Meeres. Der grüne König erwachte von einem Klirren. Er staunte über das farbige Licht in seinem Reich, das nicht von den mondmatten Perlen und Muscheln her rührte. Er war allein. Weder seine vielgestaltige Geliebte, noch die kleinen Fische, die ihn sonst stets umschwärmten, waren zuerblicken. Wo waren seine acht Töchter. Es war still. Kein silberhelles Kichern war vom Schloss her zu hören. Vielleicht hatte das neue Licht ihnen Angst eingeflößt und sie vertrieben. Er raufte sich die Haare und versuchte zu verstehen, setzte sich auf, nahm seinen Dreispitz und versuchte das Licht zu fangen, doch es entzog sich. Schließlich ruderte er mit seiner starken Rückenflosse eine große Runde um sein Reich. Überall dieses Licht.
Er stand vor einem Rätsel. Was war geschehen. Etwas wie Angst runzelte ihm die Stirn.


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