Die Vorstellung, einen Seelenbruder zu haben, mit dem man die
Rückseite des Mondes entdecken kann, und sei es auch nur in Gedanken
und Vorstellungen, ist schön. Oder die Paradiese - Eden - die nur in den Nischen
und Winkeln der Seelen ihren versteckten Platz besitzen. Und den muss
man ja erst einmal finden. Gut, wenn einer dir den Ariadnefaden in die
Hand legt, den du verloren hast - den roten - und der dir Mut
zuspricht, dass du finden wirst.
In ungemütlichen Zeiten ist es gut innere Oasen zu besitzen mit Quellen, die heilen und dort nicht ganz allein zu sein.
Jenseits des Weihers, versteckte sich
hinter den Bäumen ein weißes Schloss. Ich näherte mich auf Zehenspitzen - das
angrenzende Gebüsch mit seinem üppigen Grün hatte mir frischen Atem geschenkt
und mich beruhigt. Die Zugbrücke über dem Schlossgraben war geschlossen. Auch
ohne eine Dornenhecke wirkte das Gebäude mit den Türmchen an den Ecken
verwunschen. Im Schlossgraben wuchsen Seerosen. Im Licht des Morgens wirkten
sie wie ein Gemälde von Monet. Kugelige Buchsbaumstämmchen spiegelten sich im Wasser.
Welche Geschichten hier wohl leben oben im Turm und unten auf dem Grund des
blaugrün schimmernden Wassers. und welche Geschichten schlafen in den Menschen,
wenn sie traurig sind oder am Rande stehen. Welche Geschehnisse zwischen Menschen
spiegeln alte unselige Geschichten und legen diese Molltöne in den makellosen
Tag. Was aber wäre eine Geschichte ohne die Mollklänge?
An der üppig gedeckten Tafel mit frischem Kaffee in der Hand fand ich die Sprache
wieder und das Gespräch über das Leben und die Kunst zog mich in seinen Bann.
Hier zwischen den Menschen an meinem Tisch war das JETZT melancholisch, aber
auch heiter. Ein Geheimnis umschloss sie, wie eine lichte Hecke, die sie
schützte vor ungebetenen Blicken und bettelnden Hunden.
ich glaube, jede begegnung, die mich in tieferen schichten
berührt, wandelt mich, nicht in dem sinne, dass sie mich neu macht, eher
spricht sie seiten in mir an, die bisher ausgeblendet und somit als gelebtes
potenzial noch nicht zur verfügung standen.
wird durch begegnung eine seite in
mir belebt, erlebe ich mich selbst, erleben mich andere gewandelt. darin liegt
für mich zauber und versprechen: der weg hin zur inneren fülle - oft
dornig und steinig - ist ein beleuchtender, ein guter weg.
In den Träumen ihrer Nächte hissen sie die vergessenen Segel,
blähen sie auf, kappen die Ankerkette und ziehen majestätisch und stolz
wie große Seeschwalben über die Meere davon. Sie schauen sich nicht um:
vor ihnen - noch in weiter Ferne - liegt das Ziel ihrer Wünsche.
Wenn sie nach entbehrungsreichen Tagen auf See, immer mit dieser in
Zaum gehaltenen Todesangst in den finsteren Drachenkerkern tief innen,
Land sichten, erwacht in ihnen das Kind. Es will spielen, möchte
entdecken und Land gewinnen. Sein Lohn ist jedes beliebige Objekt, dass
man sich zu eigen machen kann und das greifbar ist. Etwas zu besitzen -
wie den heiligen Gral - es zu zähmen, wie ein Ungeheuer und sich
untertan und gefügig zu machen, leitete die Helden vergangener Zeiten.
Es galt der Stärkere zu sein und es war Selbstschutz, den Dingen in die
Augen zu schauen, sie nicht zu unterschätzen und dienbar zu machen. Was
Mann im Auge behält, weil es aus dem Dunklen ins Licht gezerrt wurde,
hat er im Griff.
Du kannst sagen Prinzessin, das sei Schnee von gestern, doch glaube mir, Männer tragen die alten Helden in sich vergraben.
Es würde ihnen gut bekommen, sich ihrer zu erinnern.
Und wenn ich nun im Morgenlicht am Strand stehe oder von weitem hoch
oben vom Turm Ausschau halte, und mir die Augen aus weine, weil mein
Liebster auf See ist, und ich nicht weiß, ob er je zurück zu mir kommt,
so will ich ihn doch in Freiheit und Ferne ziehen lassen, um zu tun,
was ein Mann tut, damit Frau tun kann, was Frau tun muss, um ihr Leben
zu füllen.
Denn wenn er zurückkommt von seinen Abenteuern, die Haare von der Sonne
gebleicht und braun gebrannt, wird er mich reich beschenken.
Seine Geschichten werden meine Tage bunt machen und mir den Alltag versüßen.
Er muss mich nicht besitzen, denn er besitzt die Fülle.
Dieser Text wurde angestoßen durch die Nachtigall. Ihr Text findet sich hier!
Nikola saß am Frühstückstisch. Der Kaffee war ausgetrunken,
im Brotkorb wartete ein letztes Sesambrötchen umsonst darauf, gegessen zu
werden, jedenfalls nicht jetzt in seiner aufgebackenen Frische, die sich in
appetitlich -blasser Bräune dem Auge vermittelte.
Der Regen prasselte dicke Tropfen ans Fenster. Alles das lief an Nikola vorbei,
wie ein Film, der in einem anderen Kino läuft.
Die Frau war in Gedanken versunken und grübelte schon eine ganze Weile, denn
die Kinder hatten bereits vor zwei Stunden das Haus verlassen, um zur Schule zu
gehen.
Sie merkte auch nicht, dass es aufhörte zu regnen. Erst als ein winziger
Sonnenstrahl durch die Glasscheibe fiel und sie an der Nase kitzelte, blickte
sie auf.
Sie erhob sich, um den Tisch ab zu decken, die Kaffeemaschine auszustellen und
die Spülmaschine zu bedienen.
Beim Griff zum Besen, mit dem sie die Frühstückskrümel zusammen fegen wollte,
stellte sie fest, dass sie im Tag angekommen ist, und dieser Tag dazu da war in
Angriff genommen zu werden.
Es war ihr klar, dass sie das Grübeln nicht weiter gebracht hatte. So beschloss
sie, ihre Sorgen erst einmal in der schweren Schublade des alten Eichenschranks
einzuschließen, das Haus zu verlassen, um frische Luft zu schnappen.
Vorsichtshalber schnappte sie sich den roten Regenschirm mit den weißen Punkten
und zog los.
"Wissen
Sie, man muss die Kinder ein Stück weit nehmen, wie sie sind."
Frau Natal ist nachdenklich, aber ihr Blick schaut unbeeindruckt in das Gesicht
des Sozialarbeiters auf der anderen Seite des Tisches.
Der runzelt die Stirn und schaut sie scheinbar zweifelnd an.
Sie hört ihn denken:
"Das sagen sie, eine Pädagogin, die für uns arbeitet?"
und antworten:
"Das kann man aber so nicht stehen lassen."
"Nein, natürlich nicht grundsätzlich! Aber" ,
und sie spürt, dass diese Antwort tief aus ihrem Unterbewusstsein auftaucht,
"es gibt Dinge, die man nicht ändern kann oder darf."
"Aber ohne pädagogischen Maßnahmen, sind erwünschte Veränderungen nicht
erreichbar."
"Zuerst muss aber geklärt werden, was verändert werden kann und was
unveränderbar zu einem Menschen und seiner Persönlichkeit dazu gehört."
Sie denkt an ihre Tochter und daran, welchen Namen sie den Erziehungsmaßnahmen
zu geben pflegt:
"pädagogisch begründete Erpressungsversuche."
Sie schmunzelt in sich hinein und denkt:
"So ganz unrecht hat das Kind ja nicht, aber natürlich können wir die
Erziehung nicht völlig abschaffen. Man kann aber Menschen auch nicht abrichten
und konditionieren, wie ein Tier, dessen Triebe man überlisten will."
"Wissen sie Herr Neander, einen Obstbaum muss man im Winter beschneiden,
denn dann fließt der Saft langsamer. Und wie viel man abschneidet, kappt und
beschneidet, wer sagt, wo da die Norm liegt?"
"Nun die Gesellschaft verlangt mit Recht soziale Anpassung."
"Aber der Baum, Herr Neander hat seine eigene Wuchsrichtung und verzweigt
sich, wo er mag. Gekappt werden muss doch nur, was sich selbst und die Nachbarn
empfindlich stört."
"Es geht dabei auch um soziale Ästhetik."
"Und wo bitte, Herr Neander sollen sich dann die rebellischen Geister
entwickeln, die genug Widerstandskraft und Rückrat aufbringen, um Gesellschaft
positiv zu verändern?"
Herr Neander schweigt.
"Auch pädagogische Maßnahmen müssen angemessen und mit Fingerspitzengespür
durch geführt werden."
beendet sie das Gespräch mit dem Gefühl, ihn zum Nachdenken gebracht zu haben.
Kennst du das?
Du erlebst etwas, dass deine Gefühle durch einander wirbelt
vielleicht ist dir ein besonderer Mensch begegnet
oder eine Fremde hat dich auf rätselhafte Weise angelächelt
du hast dich mit deinem besten Freund/Freundin nach einem langen Streit wieder
vertrage
mit einer Mail schickt dir jemand unerwartet aufmunternde Worte
plötzlich fällt ein Satz
oder du liest ihn in den Versen eines Unbekannten
es fällt ganz tief in dein Herz
oder
der Abendhimmel hat sich besonders schön gefärbt
plötzlich trägt der Hibiskus, der im Winter gekränkelt hat, drei prächtige
Blüten auf einmal
oder ein neues Kind wird am selben Tag geboren, an dem ein alter Mensch, der
dir vertraut ist stirbt
was tust du mit diesen Gefühlen?
Gerade auch mit den schmerzhaften
wenn dich jemand enttäuscht hat
wenn einer dein Vertrauen missbraucht hat oder dich belügt
wenn etwas stirbt, von dem du dir viel versprochen hast
oder du Abschied nehmen musst von einem geliebten Menschen
Der
Wecker schrillt und wirft Josefine aus den nächtlichen Träumen, die doch gerade
so spannend gewesen waren. Der Platz neben ihr ist leer. Der Mann ist schon
seit zwei Stunden unterwegs.
Sie springt aus den Bett, denn sie muss sich sputen und ärgert sich im gleichen
Augenblick, dass der Sprung aus den Federn die Erinnerung an die Trauminhalte
löscht. Genauso, als würde der Schieber über die Zaubertafel gleiten und
blitzschnell alle dort vorhandenen Spuren auslöschen. Sie ärgert sich über sich
selbst und hetzt ins Bad. Warum hat sie am Abend vorher nicht den Wecker auf
eine frühere Zeit eingestellt?
Wie sie es doch hasst, sich so zu hetzen.
"Warum nur bin ich nicht ein bisschen disziplinierter?" fragt sie
sich
Überhaupt, was macht sie im Bad, sie sollte doch zuerst hinunter laufen und den
Kaffee aufsetzen, nein - quatsch - zuerst nach oben, um das Kind zu wecken.
Unten verlässt jemand das Haus. Es wird die große Tochter sein.
Josefine steht für einen Augenblick wie erstarrt im Badezimmer vor dem Spiegel
und weiß nicht, was sie zuerst tun soll. Der Tag beginnt verquer.
"Hätte Monika nicht einmal schon den Kaffee aufsetzen können, bevor sie
geht?"
fragt sie sich und ist zerrissen in ihrer Wut, die sie eigentlich nicht will
und die so unsinnig ist. Am liebsten würde sie jetzt ein bisschen weinen oder
schmollen. Wie schön es doch wäre, wenn jemand sie jetzt in den Arm nehmen und
ihr sagen würde:
"Ach komm, es ist alles nicht so schlimm, du bist einfach mit dem
verkehrten Fuß aus dem Bett aufgestanden. Leg dich noch ein bisschen hin, ich
kümmere mich um alles. Brauchst dir keine Sorgen machen."
"Ich muss versuchen meine Gedanken zu ordnen." und sie beschließt,
erst einmal den Kaffee aufzusetzen und dann, während die Kaffeemaschine schon
faucht und ein belebendes Aroma verströmt, die zwei Treppen hinauf zu eilen, um
das Kind zu wecken.
Im Spiegel erscheint ihr Gesicht ganz rot. Die Augen tun sich schwer mit dem
Licht und wollen sich wieder schließen.
"Jetzt aber!" sagt die Frau und geht nach unten, auf der letzten
Stufe stolpert sie über das nicht eingerollte Staubsaugerkabel und flucht.
"Verdammte Sch.....immer diese Unordnung. Ist es denn wirklich zuviel
verlangt, den Augenblick auszuhalten, den es dauert, bis das Kabel sich
eingezogen hat?" Und schon
ist der Zorn wieder da, der doch gerade eben noch begonnen hatte, sich zu
besänftigen.
Josefine reibt sich den Knöchel. Es tut ein bisschen weh, aber sie kann noch
gehen.Sie überquert den Flur, als
wäre er eine endlose Wüste und landet in ihrer Küche, die ihr erscheint, als
sei sie ein nach langer Reise erreichter Hafen, eilt zur
Kaffeemaschine, öffnet den Oberschrank und nimmt eine Filtertüte heraus, stellt
ihn in den Filter; greift nach der schwarzen Kaffeedose mit den chinesischen
Motiven . Der Deckel ist widerspenstig. Vielleicht hat sie ihn gestern schief
aufgedreht. Aber sie weiß sich zu behelfen: mit einem Löffelstiel hebt sie den
Deckel an, und nun lässt er sich problemlos herunter schrauben. Sie mag die
Kaffeedose. Seit mindestens 35 Jahren ist sie in ihrem Besitz. Sie erinnert
sich noch genau an den Tag, an dem sie mit ihrem Mann vor dem Kramladen in der
Mainzer Strasse stand, um einige fehlende Haushaltsgegenstände zu kaufen, denn
sie hatten gerade die erste gemeinsame Wohnung bezogen und ihre Liebe war noch
frühlingsjung.
Es waren wilde Zeiten mit wenig Geld. Die Sorgen hielten sich in Grenzen. Jeder
Tag war ein Geschenk.
"Ob es diesen Laden wohl noch gibt?" fragt sich Josefine und gibt das
Kaffeepulver in die Filtertüte, holt Wasser und schüttet es in den dafür
vorgesehenen Behälter. Jetzt nur noch den Schalter bedienen.
Über das alltägliche Tun mit den abgezirkelten und immer gleichen
Handbewegungen, die ohne zu denken funktionieren, haben sich Wut und Zorn
verflüchtigt. Ein Blick auf die Uhr sagt der Frau, dass noch genug Zeit bleibt.
Das schwarze Nass läuft und verbreitet seinen belebenden Duft.
Jetzt endlich ist Josefine wach und bei sich angekommen.
da war dieser moment
des zögerns
ich hielt den atem an
erinnerst du dich?
damals!
als diese tür sich öffnete
zwischen uns
ein lächeln dein gesicht weich zeichnete
und sich alles veränderte
dadada daa-dadada daa.....
das schicksal
war wie ein wiedergefundener Schlüssel
in einem uralten schloss
Im Grunde denken wir uns die
Welt, und während wir versuchen sie tastend zu erfassen und den Gedanken,
Gefühlen und Wahrnehmungen Worte zu verleihen, verdichtet und verwebt sich
alles, und die Welt, wie wir sie auf diese Weise erfassen, wird existent.
So hat jede Art von gedanklicher Spielerei ihre Berechtigung und ihren Sinn;
ihr Licht und auch den Schatten. Wer vermag da zu urteilen, was richtig und was
falsch ist. Beispiel: Wenn ich innerlich davon überzeugt bin, dass ich es nicht wert
bin oder nicht verdient habe, gemocht zu werden, dann mache ich es den Menschen
unbewusst schwer, mich gern zu haben. Einerseits bin ich enttäuscht, weil sich
immer wider das gleiche Spiel abspult auf der anderen Seite befriedigt, denn es
bestätigt sich ja, was ich denke.
Man könnte auch sagen: die Fähigkeit zu vertrauen ist das Resultat einer
gelungenen Kindheit. Wer als Kind ein ausreichendes Maß an Beständigkeit, Zuwendung und Liebe erleben durfte und gesund ist, kann
sich leichter zu einem klarsichtigen Menschen entwickeln, der sich vertrauensvoll öffnet
und lieben kann. Eine Kindheit ganz ohne Mängel gibt es nicht, deshalb bleiben wir der Heilung Bedürftige - Suchende.
Durch lichtsuchende Menschen wird die positive Kraft der Schöpfung weitergegeben.(weiter)
"Ich", sagte sie
leise, "habe die Absicht, mein Leben neu zu gestalten."
Sie stand am offenem Fenster und rauchte gelassen - tiefe genießerische Züge.
Er stand hinter ihr, und so sah sie nicht, dass er zusammen zuckte.
Achtung!
Jetzt unbedingt behutsam sein.
Keine übereilten Aktionen – Minischritte
wenn auch der Geduldsfaden fast reißt.
Langsam................. viel langsamer werden.
Es ist nicht die Zeit, etwas zu überstürzen.
Pass auf! Bald,
ganz bald bist du am Ziel. Es
hat lange gedauert - hast viel investiert. Gefährde
nichts mit Eile und Hast.
Sich
einemMenschen zu nähern, erfordert
manchmal die
Disziplin eines Raubtierdompteurs: bleib
auf Abstand, schau fest in die Augen, und weiche nicht!
Keiner muss
Dinge direkt benennen. Dem geübten und ausdauernden Beobachter entgehen
die Spuren und Zeichen dennoch nicht, die zwischen den Sätzen, in der
Stimme, der Gestik oder Mimik und dem sich verändernden Sprechtakt
sichtbar werden. Auch das plötzliche Wechseln eines Themas oder die
Verfärbung der Haut, das unmerkliche Zittern der Hände sind
interessante Hinweise auf ein inneres Erleben, was vom Gegenüber selbst
noch nicht in Worte gefasst werden kann oder darf; was er selbst nicht
im Blick hat oder dem er ausweichen möchte. Es sind die Brüche im Fluss
des Seins, die Hindernisse und Fallgruben auf dem Weg zu sich selbst.
Man stelle sich einen Bach vor, dessen Lauf - von einem gestürzten Baum
- behindert wird. Was tut der Bach nicht alles, um dennoch
weiterzufließen?
Diese Dinge vorsichtig anzusprechen, sie in Worte zu kleiden gleicht
dem Erforschen unterirdischer Quellen und oft tritt Erstaunliches zu
Tage. Der Mensch mir gegenüber bekommt Tiefe - innere Strukturen und
Schichten werden plastisch.
Ein Tag zwischen Winter und Frühling, kurz vor Vollmond!
Ich bin gerade richtig schusselig,
vergesslich und unkonzentriert. Der Jahreszeiten Wechsel macht mir mit
jedem Jahr mehr Beschwerden. Die derzeitige Mondphase scheint den Rest
zu geben - kann schon wieder nur schlecht schlafen.
Geht es jemandem ähnlich? Ich könnte mich selbst auf den Mond schießen.Wohin bloß mit der fast unerträglichen Unruhe?Heute Mittag stand ich zwischen zwei Terminen im Einkauscenter und hatte das Gefühl, gleich zusammenzuklappen.
Die Augen wollten gar nicht auf bleiben. Ich dachte nur - wie überstehe
ich das nächste Gespräch. Naja, irgendwie geht s dann immer. Den Rest
hat mir das "Danach" gegeben" - noch schnell eingekauft, zur S-Bahn
gehetzt, gerade noch geschafft, da kommt die Durchsage - die S-Bahn
Richtung D. hat zwanzig Minuten Verspätung. Klar, dass der Bus
zu mir nach Hause gerade weg war und der nächste erst in dreißig
Minuten fährt. Normalerweise stecke ich diese Art von Angelegenheiten
ziemlich gelassen weg, aber heute? Ich fragte mich - was mach ich denn
jetzt - im zugigen U-Bahnschacht warten - mir war eh schon kalt - oder
in das überheizte und hektische Einkaufszentrum zurück? Ich wurde
innerlich knatschig wie ein übermüdetes Kind. Ich wählte die Wärme,
setzte mich mitten im Trubel auf eine Bank, schaute dem freundlichen
Obstverkäufer an der Ecke zu und versuchte zu entspannen. Ein bisschen
gelang es mir. Natürlich hatte die S-Bahn dann immer noch 5 Minuten
Verspätung.
Zu Hause angekommen, warteten meine Kinder und das augenblickliche
Pflegekind auf mich - Kaninchen füttern, Küche aufräumen, ein bisschen
erzählen, Tee kochen, Wäsche aufhängen. Immer noch kein Ende: an den
Computer, weil die monatlichen Stundenabrechnungen sind fällig - eine
Beschwerde meiner Chefin liegt im Emailfach - zwischendurch zwei
Telefonate mit Kollegen und Halbstarke an der Tür, die nach dem
"Pflegekind" verlangen - sie ist 14 und diese Woche bei uns, weil ihre
Mutter plötzlich ins Krankenhaus musste und sie die beste Freundin
meiner Jüngsten ist. Mein Jüngster kommt verspätet nach Hause - zwei
S-Bahnen sind ausgefallen - er hat ein großes Redebessdürfniss, weil er
in der Bahn Stress mit einem anderen Kind hatte. Ich kann fast nichts
mehr aufnehmen, möchte mir nur noch die Ohren zu halten. Kind
vertröstet, ihm aufgetragen, das ganze Erlebnis aufzuschreiben. Regeln
in Ruhe geklärt! Der Vater meiner Kinder hat Spätschicht und kommt erst
um 22.30 Uhr nach Hause.
Verdammt, das war ein voller Tag.
Zum Glück hat mein Ältester gekocht, und die beiden Mädels hatten
anschließend Küchendienst, und jetzt bin ich einerseits müde,
andererseits aufgedreht.
Ich lass mir nichts
erzählen, auch nicht von dir. Alles nur scheinbar und nicht beabsichtigt?
Zufällig stand ich am Weg, als du auf mich drauf getreten bist. Übersehen? Bin
ich so klein, so unscheinbar? Mit was habe ich diese Ignoranz verdient? Welches
Spiel auch immer du treibst, ich blicke hindurch, und was ich sehe gefällt mir
nicht. Es ist feige und deiner nicht wert! Ablenkungsmanöver, nur um der
Wahrheit nicht ins Gesicht zu schauen? Ich bin klarsichtig, wie du
weißt, und ich schaue hinter die Dinge. Sicher ist, dass ich einem wie dir
bisher niemals begegnet bin. Du scheinst aus anderem Stoff gewirkt, ein fester
Stoff - wie Stein. Man kann sich daran reiben, aber auch blaue Flecken
davontragen. Ja, auch ich bin anders, und genau deshalb bin ich noch hier.
Selbst wenn du mich untertauchst, ich komme wieder hoch - wie ein Korken - und
schwimme mich frei. Die Narben nehme ich in Kauf.
Und einfangen, betäuben und in einen Kokon verspinnen, lass ich mich schon gar
nicht.
Ich
stelle mir die Psyche oft wie einen großen parkähnlichen Garten vor,
den eine Hecke umschließt - benutze ja gerne Bilder und Metaphern -
neben gepflegten Beeten, gibt es freie Flächen, Obstwiesen,
Rosenlauben, und die Kompostecke und den Mistkübel, vielleicht sogar
ein Fass mit stinkender Brennnesselbrühe. Es gibt in der Mitte einen
Teich und sumpfig-morastiges Gelände. Abgeerntete oder geplünderte
Flächen liegen neben üppig umwucherten Bohnenstangen. Es gibt
Schädlinge und Nützlinge, Unkraut und Zierpflanzen. Immer ist alles in
Bewegung, keiner kann vorhersagen, wann die nächste Schneckenplage
droht, oder wann die Nachbarkatze das Amselnest plündert. Der innere
Gärtner bemüht sich sehr, er pflegt und hegt, aber nicht alles lässt
sich kontrollieren. Da sind erkennbare Muster, es gibt Jahreszeiten und
Wachstumsphasen. Es ist gut, wenn der Gärtner all das weiß und
berücksichtigt und sowohl die Heckenschere, als auch die chemische Keule nur mit Weitsicht benutzt.
Wenn sie ihn liebt, hört sie ihm zu und lauscht der
Melodie seiner Stimme, auch wenn sie nicht gleich versteht, was er ihr
erklären möchte. Und sie hakt ein, wo sie einen losen Faden erwischt,
der sie beide zurück in Visionen, Träume oder den Alltag holt. Und
wenn er sich zu sehr verliert in den Worten, nimmt sie seine Hände in
die ihren, schaut ihm in die Augen und zeigt ihm auf sanfte Weise und
ganz ohne Worte, wie wirklich und fassbar sie Frau ist mitten in der Leere.
Und wenn er sie liebt, lauscht er ihrer Stimme, erfreut sich am Klang
und nimmt ernst, was sie ihm über die letzten Wahrheiten zu erklären
versucht.
er trug die gestalt eines grünen engels
krokus und winterling
schmückten das lange haar
sein gewand war aus schnee
etwas eis wirbelte in seinen flügeln
doch sein kuss war lebenswarm
und unter durchsichtigen füßen
erwachte die erde
er nahm mich mit
und ich sah die hecke erblühen
und versteckt darin
hinter den dornen
ein nest
Ich finde menschliche Stimmen faszinierend -
Wahnsinn, was sie an Emotionalität vermitteln können. Lautstärke an
sich stört mich weniger, eher wenn Stimmen einen schrillen oder
aggressiven Ton annehmen. Ich wohnte in Köln mal in der nördlichen
Altstadt, nahe beim Dom: in der Nähe war die Musikhochschule, jede
Menge übende Musikstudenten wohnten in der Nachbarschaft, aber auch
italienische Familen, deren Mamas von oben lautstark nach ihren Kids
riefen und die Türken mit ihrer orientalischen Musik. Zwischendrin
Kölsche Töne. Ein paar Schritte entfernt in der Weidengasse ist die
ganze Strasse in türkischer Hand: Restaurants, türkische Alträucher,
Kurmelsläden mit einem bunten Sammelsorium an Waren und über allem der
Duft von frischem Fladenbrot. Wenn ich durch diese Gasse ging, schaute
ich mich vorsichtig um - da lag auch etwas Unheimliches in der Luft und
hinter den geschlossenen Türen und Fenstern. Pänz - multikulti - gabs
überall, auch streunende Katzen die nachts im Liebesrausch maunzten und
wie im Süden Vögel, die im Sommer auf dem Balkon zum Innenhof
zwitscherten. Unsere Wohnung war eine Hinterhofwohnung. Vor der
Haustüre schlenderten abends die schon etwas abgetakelten
Prostituierten und warteten auf Freier. Veedelkneipen gabs auch in der
Straße. Es war eine sehr anregende lebendige Klanglandschaft, die uns
um die Ohren brauste. Die Wohnung war etwas zu dunkel, deshalb zogen
wir nach ein paar Jahren um, ich wäre gern dort wohnen geblieben. Die
Mauern waren dick, schluckten die Geräusche und hielten im Sommer die
Hitze draussen. Wir heizten mit Kohle. Das Stimmengewirr vermittelte
sich über die zum Innenhof geöffneten Fenster. Das Veedel, etwas
herunter gekommen, inzwischen teilweise restauriert hat etwas:
Lebendigkeit und Vielfalt und die ganze innerstädtische
Kulturlandschaft lag zu unseren Füßen, nur wenige Schritte entfernt.
Ich glaube, wenn meine Kinder aus dem Haus sind, ziehe ich wieder in die Altstadt.
was ist mit dem, der im schatten geht? im schatten von einem, der weiß, dass jemand da ist, mitgeht - auf abstand, weil etwas zieht und noch antworten fehlen. woher will einer wissen, was jemand tut? ob er waffen trägt oder die hände leer und ausgestreckt sind, einer sieht es nicht. jemand
steckt im toten winkel. zu reden wäre gut - ohne wort kein frieden,
nicht mal ein solider waffenstillstand - so wie in jedem anfang zauber
steckt, muss zauber gelöst werden am ende.
du - einer - fürchtest du nicht, dass in deinem schatten
unheil droht? nein, du verspürst keine angst, nur die spitzen nadeln
deiner eigenen bohrenden fragen - du bist sicher , dass der in deinem schatten kein feind sein kann.
Manchmal macht es Sinn, das Feld zu räumen
- nicht jeden Kampf kann man gewinnen -
manchmal muss man sich zurückziehen, Wunden pflegen und wieder Kraft gewinnen
Manchmal kann man sich anstrengen wie man will
gegen die Übermacht tollwütiger Hunde hat man keine Chance
zu gehen, ist dann richtig, es wäre fahrlässig, sich etwas auszusetzen was der Seele schadet
M
anchmal muss man den Platz räumen, weil die anderen einfach stärker sind
mit seinen Kräften muss man haushalten
es bringt nichts, auf verlorenem Posten stehenzubleiben
und immer wieder den Niederlagen ins Gesicht zu schauen
dann doch lieber verschwinden
- unsichtbar werden - sich neue Räume suchen
an denen man geschätzt ist, wertgeschätzt wird
dort, wo man wachsen kann, ohne unentwegt beschnitten zu werden
Warum - sag mir - kannst du nicht einfach "Entschuldigung" sagen? Nicht nach großen Worten und langen Sätzen verlangt mich. Einfach: "Es tut mir leid! Verzeih!" Was ist so schwer an diesen Worten. Wie leichte Wellen rollen sie über die Lippen - unverschachtelt und ehrlich - wenn die Zunge es will. Monologe - mein Lieber - brauche ich nicht und auch keine Rechtfertigungs-und Erklärungsversuche.
Das führt zu nichts. Nur die Gedanken verhaken sich wie Winden, und ihre Kletten haften gut. Viel zu gut! Du fängst dich selbst darin ein.
Sag doch einfach: "Bleib!"
Was vergibst du dir damit? Eine Hand, die sich reicht, die schlage ich nicht aus. Mein Lächeln erhältst du dazu!
Und hinterher - glaube mir - kannst du auch wieder in den Spiegel schauen.
Nein, auch die Wahrheit hat ihren Charme, wie die entblätterten
Bäume im Winter und das entfleischte Skelett eines Menschen. Schau dir
ein Blatt genau an: du siehst Verästelungen, Verzweigungen, Strukturen
– ästhethisch fein und farblich nuonciert.
Das Blatt hat keine Verkleidung nötig – es muss sich nicht verstecken. Müssen Menschen sich verstecken?(weiter)
Wie
fang ich nur an mit meinem Thema, also ich finde ja, dass Frauen genial
sind, jedenfalls die, die es schaffen, Familie und Beruf unter einen
Hut zu bringen, die Partnerbeziehung zu pflegen und es dennoch
schaffen, einen kleinen Bereich ganz für sich allein zu erhalten.
Interessante Frauen, vielseitige Frauen, Frauen, die sich gut abgrenzen
können, sich im Strudel des Alltags nicht verloren gehen.
Sie bleiben nicht in ihren Mädchenjahren hängen, haben ein Stück
eigenes Leben ganz für sich allein. Welche genialen Kräfte sich in
diesen, durch das Leben gereiften Frauen jenseits der 50 entwickeln,
hat manchmal explosive Energie.
Sie strahlen Weiblichkeit aus, ohne auf Kleinmädchenattitüden
zurück greifen zu müssen, Manchmal tragen sie Haare auf den Zähnen .
Sie schern sich nicht um graue Haare und ein paar Pfunde mehr auf der
Waage,darüber lachen sie nur, und sie lassen sich selten täuschen,
haben einen Laserblick entwickelt. Sie strahlen, werden gesehen, sind
schon längst kein Mauerblümchen mehr und verschaffen sich Respekt. Das
Herz tragen sie trotzdem auf dem rechten Platz. Erst jetzt entwickeln
sie ihre volle Kraft.
Sie haben etwas zu sagen, lassen sich aber nicht mehr alles sagen.
Sie sprühen vor Energie und Lebenslust, tanzen manchmal sogar auf dem
Tisch und nutzen diese Lebensphase vor dem Altwerden intensiv. Da sieht
mancher Mann, der sich für genial hält, grau gegen aus. Schau dich nur
auf der Straße um, viele - scheintod - fertig und parat für die letzte
Grube. Diese genialen Frauen fangen erst da richtig an, wo viele Männer
im gleichen Alter schon abnicken.
Diese Frauen sind mein großes Vorbild, es gibt sie, leider bin ich selbst noch längst nicht so genial. Ich übe noch!