Was wohl wäre, wenn?
Was würde
ich dir erzählen auf dem roten Diwan, der zum Fabulieren einläd, wenn
sich meine Befangenheit gelöst hätte und die Zunge frei wäre, zu reden
und auch jene Dinge zu berühren, die schmerzliche Erinnerungen hervor
rufen.
Ob es etwas wäre, was du erwartest oder ganz anderes, völlig unerwartet?
Es spielt für mich keine Rolle mehr, denn ich bin längst über das "wenn und aber" hinaus.
Vielleicht würdest du eine weiße Schlange sehen, die sich durch eine
Landschaft schlängelt und windet wie die chinesische Mauer. Ich bin
sicher, du würdest die Schatten zu deuten wissen, die durch die
Bewegung meiner Hände an die gegenüberliegende Wand geworfen werden.
Denn es ist Abend und das Licht gedämpft und warm. Nichts soll die
Augen schmerzen, wenn die Lippen preisgeben, was unter der Zunge brennt.
"Mein Herr," würde ich schließlich sagen, "was erzählen die Schatten ihnen von den Tuschzeichnungen meiner Seele?"
Und du, du würdest mich auf die dir eigene intensive Art anschauen, ein Stück abrücken und schweigen.
Das Schweigen aber wäre nicht lastend.
Wenn man erst einmal erfahren hat, dass Wahrheit sich oft hinter der Sprache
versteckt, sind Worte nur noch Tor und Tür zur wesentlichen Seite einer
Seele.